Der Metzger geht fremd von Thomas Raab

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Willibald-Adrian-Metzger-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2009. ISBN: 978-3-492-05308-2. 359 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2011. ISBN: 978-3-492-27184-4. 359 Seiten.

'Der Metzger geht fremd' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Durchaus mit Bewunderung für die Gründlichkeit der hiesigen Reinigungskräfte registriert Danjela Djurkovic die blitzblanken Fliesen des Kurschwimmbades. Es herrscht eine gespenstische Stille, denn außer ihr ist nur eine andere Person anwesend, die wie eine marmorne Statue am Grunde des Beckens liegt. Der Mann ist tot, daran besteht kein Zweifel. Mit seltener Gelassenheit alarmiert Danjela die Klinikleitung und schickt einen Hilferuf in Richtung ihres geliebten, eigensinnigen Willibald Adrian Metzger. Der sitzt in seiner fernen Restauratorenwerkstatt und bricht nur widerwillig in die Fremde auf.
Doch bald schon nimmt ihn das Leben auf dem Land gefangen. Denn auch dort haben die Familien ihre Leichen im Keller.

Das meint Krimi-Couch.de: »Und der der Haifisch, der hat Zähne; der Metzger hingegen eine charmante Lücke« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Willibald Adrian Metzger, Restaurator aus Profession und gelegentlicher Hobbydetektiv (wider Willen) geht fremd? Seiner Danjela, nicht nur laut Handyeintrag die »beste Frau für Willibald«?

Eigentlich ist es eher umgekehrt, wenn auch das »Prachtweib« Djurkovic eher in der Fremde weilt, als fremd geht. Verbringt sie doch einige Zeit abseits vom Metzger in einem Luxus-Kurhotel, um sich von den Kollateralschäden zu erholen, die sie Im Kampf mit wild gewordenen Hooligans im Vorgänger »Der Metzger sieht rot«, erlitt.

So  schwebt sie zwischen Physiotherapie, gutem Essen und lästerlichen Reden auf einer Wellness-Wolke, nur betrübt, dass der Metzger so fern in der Heimat weilt. Doch nicht für lange, denn wie es der boshafte Zufall so will, stolpert, bzw. schwimmt Danjela fast über eine Leiche. Grund genug, ihren Willibald zur geistigen und körperlichen Unterstützung herbei zu wünschen. Und der Metzger folgt natürlich, überaus bemüht, seine Danjela aus einem möglichen Kriminalfall heraus zu halten. Doch er sollte es eigentlich besser wissen. 

Denn die Djurkovic zeichnet sich nicht nur durch einen üppigen Körper aus, sondern auch durch Neugier, Forschergeist und Resolutheit. So finden sich bald Hinweise, dass der tote August-David-Friedmann keinem Unfall zum Opfer gefallen ist. Als der Metzger auch noch einen blutverschmierten Ring, samt anhängendem Finger findet, und der Hausmeister Ferdinand Anzböck den zwei auskunftsfreudigen und freiheitsliebenden  Schwarzspitzenriffhaien Anton und Ernst zum Opfer fällt, macht er sich immer größere Sorgen um seine Danjela. Und schliddert selbst fast unmerklich in eine düstere Familiengeschichte hinein, hinter deren patriarchalischer Fassade der Verschwiegenheit, eine Menge Lügen und Geheimnisse ruhen, die durch den Leichnam im Swimmingpool unsanft an die Oberfläche geholt werden. Das weckt auch die Neugier des Metzgers, der sich plötzlich mehr um seine eigene Sicherheit und Gesundheit Sorgen machen muss, als um das Wohlergehen der Djurkovic.

Während »Der Metzger sieht rot« mich nicht gerade überzeugte, ist Thomas Raabs erstes Buch im neuen Verlag fast rundum gelungen.
Ob es die ländlichen Handlungsorte sind, die besser zum behaglichen Metzger und seiner aufgeweckten  Muse passen, Thomas Raab seine Bonmots pointierter anbringt, oder meine Erwartungshaltung sich geändert hat und jetzt adäquat befriedigt wird, sei dahin gestellt. 

Raab nimmt sich wieder viel Zeit für die Entwicklung seiner Geschichte, stellt seine Figuren und ihre Macken, Allüren und Weisheiten in den Mittelpunkt. Nur langsam erschleicht sich das Verbrechen seinen Platz. Während »die Djurkovic« schon früh Arges ahnt, und dies als zusätzlichen Anlass nimmt, ihren Willibald Adrian zu sich beordern zu können, versucht Hotel-/ Klinikchef Professor Berthold den tödlichen Badaufenthalt seines Kurgastes zum Unfall herabzuspielen. Dass der Hausmeister Anzböck als Fischfutter endet, macht die Angelegenheit dann doch prekär.

 Aber Thomas Raab ist an polizeilicher Ermittlungsarbeit wenig interessiert. Lediglich Metzger-Intimus Kommissar Pospischill  bekommt am Ende ein paar Seiten eingeräumt. In denen es aber mehr um das gebröckelte Verhältnis der beiden Freunde geht, als um Polizeierfolge. Dabei verliert Raab sein Hauptaugenmerk nicht aus den Augen. Denn neben der zarten, mit gelegentlichen mörderischen Unebenheiten, Metzger und Djurkovic-Romanze, sind die Verstrickungen der Familie Hirzinger das Bindeglied, welches das mörderische Treiben vor allem im zweiten Teil zusammen hält. Da beschreibt Raab kritisch ein patriarchalisches Regiment, voller Doppelmoral und Bigotterie, in dem die Liebe stirbt, bzw. abgetötet wird und stattdessen ein scheinbar unentrinnbarer Kreislauf aus Macht und Ohnmacht entsteht. Und der lokale Kirchenvertreter, in Gestalt des äußerst unsympathischen Pfarrers gibt nicht nur ihren Segen, sondern tatkräftige Hilfe dazu. 
Ob am Ende göttliche Gerechtigkeit herrscht, davon wissen der Metzger, der Geist seiner Mama, Thomas Raab und natürlich Anton und Ernst zu berichten. 

Einen Nerven zerfetzenden Thriller darf man natürlich nicht erwarten. Gerade der erste Part feiert seine mit süffisanter Ironie durchsetzten Alltagsbeobachtungen geradezu. Nicht alle Gags sitzen, manchmal ist zu viel einfach zu viel, aber da Raab seine Protagonisten nicht der Lächerlichkeit preisgibt, gelingen ihm selbst gelegentliche Slapsticknummern vergnüglich. So hält sich Mitleid und Gelächter die Waage, als der Metzger schon zu Beginn, wegen seines ungeübten Umgangs mit einem Drahtesel ohne Rücktritt, einen Zahn verliert und fortan mit formidabler Lücke durch den Roman wogt.

Im zweiten Teil verdichten sich die Ereignisse, ohne sich zu überschlagen, und mit Not und Gefahr steigt auch die Spannungskurve. Leicht. Ein wenig mildert die überaus freundliche Familie Kaiser (Großvater, Vater und die kleine Franzi – der Namensgag ist natürlich sofort vor Augen) die Schärfe der düsteren, dörflichen  Desaster, ausgehend von einer Familie, die eher einem Krankheitsherd gleicht.

So ist Familie in Raabs Roman beides: Hort der Wärme und der Sicherheit und Brutstätte eines intimen Grauens, das sich auswächst, wenn niemand dagegen aufbegehrt. 
Doch dank der, trotz des frühen Unfalltodes von Franzis Mutter, überaus herzlichen Kleinfamilie Kaiser, und des Metzgers weitsichtiger Mama, siegt am Ende die Menschlichkeit.

Jochen König, November 2009

Ihre Meinung zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Bellexr zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 01.05.2010
Die Vergangenheit einer Familie kommt ans Licht

Mehr oder weniger genießt Willibald Adrian Metzger seine Strohwitwernschaft als ihn der Anruf seiner Freundin Danjela ereilt, die sich gerade von den Folgen eines Unfalls in einem idyllischen Kurhotel erholt. Denn in diesem hat sie im Wellnessbereich den toten August-David Friedmann friedlich im Schwimmbecken auf dem Boden treibend entdeckt. Die Neugier von Danjela ist geweckt und Metzger ahnt Schlimmes und so eilt er zu besagtem Kurhotel und wird kurzerhand in die Verstrickungen um den Tod des David-August Friedmann mit hineingezogen. Da geschieht ein weiterer „Unfall“ und die Neugier von Danjela und Metzger ist endgültig geweckt, was einer der Beiden in Lebensgefahr bringt.

Gemächlich, wortgewandt, witzig und stellenweise auch nachdenklich erzählt Thomas Raab seinen Krimi, der mit einem guten Schuss österreichischem Wortwitz und Dialekt gespickt ist. Dies ist zu wirklich jeder Zeit einfach nur unterhaltsam zu lesen und regt immer wieder zum Schmunzeln an.

Die Story rund um die beiden „Unfälle“, die in den Augen von Danjela und Metzger keine sein können, sind zwar immer Bestandteil der Geschichte, jedoch legt der Autor mehr Wert auf das Zwischenmenschliche und so steht dies auch durchweg im Vordergrund des Krimis.

Seine Charaktere sind einfach nur herrlich aus dem Leben gegriffen, stellenweise etwas überzogen angelegt und menscheln sehr. Die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und ihre des Öfteren verdrehten Sätze der aus Kroatien stammenden Danjela sind zu jeder Zeit spritzig, erfrischend und manchmal herrlich auf den Punkt gebracht und stören in keiner Weise das Lesevergnügen. Witzig fand ich auch, dass hier Haie zu Wort kommen und diese aus ihrer Sicht ein wenig über das Leben an sich und vor allem über das Leben der Menschen im Wellnessbereich des Kurhotels fachsimpeln.

Da das Zwischenmenschliche im Vordergrund steht, ist der Krimi jetzt nicht unbedingt als spannend zu bezeichnen. Jedoch fühlt man sich zu jeder Zeit hervorragend unterhalten und zum Schluss überrascht die Geschichte mit einer überraschenden Wendung, die zwar zu erahnen ist, aber hier nimmt dann der Krimi noch mal richtig Fahrt auf und wird wirklich spannend.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Krimi mit einem eigenwilligen, sehr sympathischen Protagonisten, der einfach nur Spaß macht zu lesen.
cabriofahrerin zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 23.11.2009
Krimi voller Esprit und Bonmots

Thomas Raab erhielt 2008 für sein erstes Buch "Der Metzger muss nachsitzen" den Glauser-Preis in der Sparte "Debüt". Außerdem wurde er für den LITERAturpreis für Belletristik (2008) nominiert.
Mit seinem dritten Buch "Der Metzger geht fremd" beweist Thomas Raab erneut sein Können.
Im landschaftlich unberührten Schwabenländle lässt es sich Danjela Djurkovic im Kurhotel Sonnenhof gut gehen. Als ihr Lebensabschnittsgefährte, der Restaurator Willibald Adrian Metzger, einen Anruf von ihr erhält, in dem sie ihm von einer nackten Leiche im Schwimmbad berichtet, macht er sich sofort auf den Weg. Da nicht im Besitz eines Führerscheins, ist er auf Busse und Bahnen angewiesen. Für die nächsten Tage wird die Pension Regina seine Unterkunft; diese liegt leider fünf Kilometer vom Kurbad entfernt. Immerhin: Um seine Geliebte Danjela zu besuchen, darf er das Fahrrad des Hausherrn benutzen. So rast Metzger alsbald unter Lebensgefahr bergab (denn es ist ein Rad mit 21 Gängen ohne Rücktrittbremse, und er selbst ist wohlbeleibt ...). Zunächst hält er sich, "den Körper in Abfahrtsposition", doch schließlich landet er "im flüchtigen Handstand" in einem Heuhaufen.
Derweil lädt Prof. Dr. Winfried Berthold alle Gäste und Angestellte des Sanatoriums in den Speisesaal. In einer nie gekannten Art weist er seine disziplinlosen Patienten zurecht: Er besteht auf Einhaltung der Hausordnung. Nur bei strikter, pünktlicher Anwendung der Therapien könnten sie gesund und erholt nach Hause kommen. Und nicht tot, wie leider Herr August David Friedmann ...
In diesem Kurbad erlebt man mehr Freud denn Leid. Hier treibt's jede mit jedem; sogar der Professor ist kein "Kostverächter", sondern ein "Lustmolch". Der Eindruck, eher in einem "Swingerclub" als in einem Kurhaus zu sein, verdichtet sich bei Adrian Metzger schnell, und deshalb würde er seine Geliebte gern mit nach Hause nehmen. Sie aber möchte lieber dreist herumschnüffeln, um Beweise für ihre Mord- und Totschlagtheorien zu finden. Nach einer abenteuerlichen Kletterpartie über die benachbarten Balkone dringt sie in das Zimmer des Toten August David Friedmann ein und findet unter dem Bett einige fragwürdige Gegenstände ...
Ein paar Leichen, abgeschnittene Finger, Eheringe, die man nicht sogleich zuordnen kann, undurchschaubare Verhältnisse in der Familie Friedmann - all dies gibt dem Roman einen kriminalistischen Touch. Zwei Nebenschauplätze, die auch optisch (drucktechnisch) abgetrennt sind, bleiben dagegen inhaltlich lange unklar. So ist dieses Buch kein spannender Krimi, der nur so voll abstruser Gewaltszenen strotzt, sondern er brilliert mit anderen Qualitäten:
Es ist das artistische Spiel des Autors, mit Worten und Sätzen zu jonglieren. Er bringt nahezu auf jeder Seite den Leser zum Lachen. Das schafft kaum ein Komödiant während seiner Abendveranstaltung. Ob es sich um die Beschreibung der Landschaft, des Frühstückbuffets, des zickigen Verhaltens der Damen handelt - nahezu alles ist ein wenig komisch beschrieben, ohne dabei lächerlich zu wirken. Verdrehte Redewendungen oder Vergleiche sind nicht zu toppen.
Diesen Roman sollte man wie ein Dessert genießen: langsam lesen und jedes Wort auf der Zunge schmelzen lassen. Viel Vergnügen!
Fabian zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 12.11.2009
Durchwegs ein erfrischender Neuzugang im oft tristen Krimi-Einheitsbrei. Macht sehr viel Spaß und man muss sich Zeit nehmen. Auf die Schnelle geht der Metzger nicht. Absoluter Höhepunkt die Dialoge der Fische und diese entsetzlich grauenhafte und hervorragende geschilderte Situation am Hirzingerhof. Das Buch hat wirklich alles: Humor, Intelligenz und Spannung. Sehr zu empfehlen.
Anika zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 03.11.2009
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, da es vom Schreibstil mal etwas anderes ist. Das holprige Deutsch von Danjela störte mich auch nicht im geringsten.

Der Metzger möchte nur seine Danjela besuchen. Jedoch passieren dann 2 Morde und Danjela kommt Geheimnissen auf die Spur und findet verschlungene Familienpfade.

Zunächst fand ich das Buch sehr spannend und konnte es nicht mehr beiseite legen. Besonders erfrischend sind auch die Dialoge der Fische.

Jedoch das letzte Viertel war dann doch recht langatmig und durchschaubar, schade. Wirklich neue Erkenntnisse kommen am Ende nicht. Deswegen gibts von mir einen Punkt Abzug.

Einen weiteren Punkt ziehe ich ab, weil ich die Sprache teilweise doch recht heftig fand. Es kamen häufig Ausdrücke darin vor, die meiner Meinung nach nichts in einem guten Buch zu suchen haben.

Trotzdem ein empfehlenswertes Buch.
Malin19 zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 21.10.2009
Willibald Adrian Metzger folgt dem Ruf seiner Danjela, die in einer Kurklinik weilt. Aber nicht aus reiner Sehnsucht lockte sie ihn, es gilt einen noch ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Am Ende findet der Metzger gar einen abgetrennten Finger mit Ring, der ihn zuerst an einen Wurm erinnert. Einige Leichen , undurchschaubare Familienverbandlungen , und eine Kurklinik die eher an einen Swingerclub erinnert , muß " der Metzger "hinter sich bringen , um den Fall mit fleissiger Hilfe seiner Liebsten zu lösen.

Ich habe die ersten beiden Bücher um " den Metzger " nicht gelesen und bin völlig unvorhereingenommen an dieses Buch gegangen.Ein wenig überrascht war ich schon ,von diesem recht beleibten , sympathischen Antihelden.Ein wenig Zeit um mich einzulesen brauchte ich , die ganze Geschichte schreitet etwas behäbig voran. Nun ja, passt somit auch bestens zur Figur des Protagonisten.Thomas Raab schafft aber noch den Spannungsbogen immer weiter ansteigen zu lassen.Kapitel ,die von einer unbekannten Person in der Ich Form erzählt werden und Unterhaltungen zweier Haifische geben dem Ganzen eine kurzweilige Unterbrechung.
Bestimmt nicht für jeden Geschmack, aber für Freunde des schrägen Krimis dafür um so mehr.Mit trockenem Humor und Augenzwickern geschrieben, Skurrillität reichlich vorhanden , viel Lokalkolorit - ein Krimi einfach mal ganz anders. Das grosse Plus liegt vor allem im Sprachwitz und bei den Beiden sehr liebenswerten Hauptpersonen . Ein wirklich lesenswerter Krimi für zwischendurch.
Marius zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 21.10.2009
In der Provinz ...

Der Metzger ist schon wieder unterwegs, diesmal nicht im Fußballstadion, sondern in der Provinz, um seiner geliebten Danjela Djurkovic beizustehen, die sich auf Kur befindet.
Und wo der Metzger weilt, da ist das Verbrechen nicht fern. Und tatsächlich kommt es schon bald in der Kuranstalt zum ersten Toten, der nicht der letzte bleiben wird. Der erste findet seinen Tod im Schwimmbecken, den nächsten verspeisen die Aquariumshaie…
Der wohlbeleibte Restaurator kommt schon bald mithilfe seiner radebrechenden kroatischen Freundin düsteren Geheimnissen auf die Spur, die hinter der friedlichen Fassade der örtlichen Dorfgemeinschaft und dem malerischen Kurhotel schlummern. Nicht nur in der Stadt hat man Leichen im Keller, auch in der Provinz lauern Verbrechen und Gaunereien hinter jedem Haushalt.
Nicht so schnoddrig und lahm wie der Brenner, sondern gebildet und kultiviert, so ist er, der Metzger mit Rufnamen Adrian. Ähnlichkeiten mit dem von Wolf Haas erfundenen österreichischen Kultermittler Simon Brenner kann man sicher nicht leugnen, dennoch ist der Held Raab ein eigenes Original, das mit seinem feinsinnigen Kunstverstand eigentlich so gar nicht in das Krimigenre passt.
Doch aus dieser Diskrepanz zwischen Krimi und vergeistigten Restaurator schafft der österreichische Autor einen originellen Roman, in dem sogar Haifische Dialoge abhalten dürfen und auch sonst einiges an Skurrilität geboten wird.
Abzug erfolgt meinerseits nur aufgrund des Plots, der mir zum Ende hin etwas zu undurchsichtig und verwirrend wird!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Karsta zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 11.10.2009
Nachdem ich Anfang des Jahres was vom „Lemming“, einem in Wien ermittelnden Ex-Polizisten, gelesen hatte, wurde mir bereits Thomas Raab mit dem „Metzger“ empfohlen. Daher war ich sehr froh, diese Leseprobe zu gewinnen und ihn endlich einmal auszuprobieren.

Der Metzger ist ein Restaurator in den besten Jahren, der seine Liebste bei ihrem Kuraufenthalt im Sonnenhof besucht. Zufällig werden während dieser Zeit 2 Leichen gefunden, plus ein abgetrennter Finger mit graviertem Goldring. Flugs machen sich sowohl der Metzger als auch seine Danjela daran, diesen Fall aufzuklären.
Da dies hier mein erster „Metzger“ ist, kenne ich die Vorgeschichte nicht. Es wird nur angedeutet, dass Fr. Danjela nicht ohne Grund auf Kur ist. Ich denke aber, man benötigt die Vorkenntnisse für dieses Buch nicht wirklich. Nur die Beschreibung/Vorstellung der beiden Hauptcharaktere kam etwas zu kurz, vielleicht weil das in den beiden vorherigen Bänden bereits abgehandelt worden ist?

Der Fall erinnert mich ziemlich stark an Geschichten ála ‚Pfarrer Braun trifft den Bullen von Tölz‘. Wahrscheinlich sieht der etwas dickliche Metzger dem Pfarrer bzw. Bullen auch etwas ähnlich. Das ländliche Milieu birgt ja, trotz seiner ‚Ruhe‘, immer wieder Überraschungen und Stoff für gute Krimis. Hier verläuft die Sache etwas zäh, besonders zum Anfang musste ich mich doch etwas anstrengen um nicht die Lust am Lesen zu verlieren.

Dazu führte aber wahrscheinlich nicht allein die Story, sondern vielmehr auch der sehr gewöhnungsbedürftige Sprachstil. Thomas Raab benutzt sehr gern komisch formulierte Sätze oder teilweise auch nur Satzfragmente, was insgesamt nicht gerade für ein flüssiges Lesen fördert.
Zudem gibt es verschiedene Erzählebenen im Buch: die normale 3.-Person Perspektive, die Dialoge zwischen Anton und Ernst, wobei man eine Weile braucht um rauszufinden wer die beiden eigentlich sind, und dann noch die wie Tagebucheinträge wirkenden Abschnitte eines 1.-Person-Erzählers. Auch hier ist es für die Hälfte des Buches nicht klar, um welche Person es sich handelt. Dadurch muss man im eingangs besonders gut aufpassen, und hat meist dennoch im zweiten Teil – wenn klar ist, um wen es geht - einige wichtige Sachen vergessen oder überlesen, da man noch nicht wusste, auf was man achten sollte. Aber man kann ja zurückblättern.
Als sich die Story um die Familie Hirzinger/Friedman in den letzten 100 Seiten dann immer mehr verdichtete, man zusammen mit dem Metzger immer mehr Einzelheiten erfuhr, macht es auch Spaß mit zu raten, wer denn nun wen und warum ermordet hat.
Das einzige, was mich abschließend gewundert hat: man hat während des Buches überhaupt nicht mitbekommen, ob auch die hiesige Polizei an dem Fall ermittelt hat. Dabei wäre das nur logisch, denn beide Todesfälle von vornherein als Unfall abzutun kann ich mir kaum vorstellen. Aber das hat Raab vollkommen ausgeblendet und man erfährt eigentlich noch nicht einmal am Rande von irgendwelchen Untersuchungen.

Raab ist ein österreichischer Autor, demnach würde ich annehmen, dass auch die Story in Österreich spielt. Direkte Hinweise darauf gibt es im Buch aber keine, Ortschaften werden nicht beim Namen genannt und auch die Sprache ist nicht ausgeprägt österreichisch. Wahrscheinlich hat der Autor im Hinblick auf die Vermarktbarkeit in anderen deutschsprachigen Ländern und Gegenden versucht, das Ganze so neutral wie möglich zu schreiben. Ist ihm gelungen. Worauf sich allerdings das "fremd gehen" im Buchtitel bezieht ist mir nicht vollständig klar geworden. Es gab einmal einen kleinen Absatz, in dem er seine Danjela nach diversen Schönheitsbehandlungen kaum erkannt hätte und sie meinte, viele Männer gehen mit der eigenen Frau fremd. Aber das wird es doch nicht gewesen sein?

Mein persönliches Fazit lautet: Ich empfehle dieses Buch jedem, der an etwas beschaulicheren und humorvollen Krimis interessiert ist (im Unterschied zu US-amerikanischen Thrillern), und gern auch seine eigenen Theorien über die möglichen Übeltäter anstellen möchte. Und die gewillt sind, sich auf den etwas anderen Schreibstil von Hr. Raab einzulassen.
steso zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 10.10.2009
Wilibald Adrian Metzger besucht seine große Liebe Danjela während eines Kuraufenthalts, nachdem sich dort ein Mord ereigntet hat. Getrieben von großer Neugierde stolpern die zwei von einer Spur zur nächsten, nähern sich so allmählich dem Mörder und kommen dabei einer komplexen Familientragödie auf die Spur.

Der Autor läßt sich mit dem Spannungsaufbau reichlich Zeit, die Handlung kommt nur sehr gemächlich in Gang, dafür fesselt die Erzählung allerdings von der ersten Seite an mit ausführlichen Beschreibungen der Protagonisten. Diese werden sehr detaillverliebt beschrieben und weisen kleine oder größere Eigenheiten auf, die dem Roman durchgängig einen ganz besonderen Charme verleihen. Der Erzählstil ist dabei nicht neutral gehalten, sondern kommentiert teilweise süffisant die Handlung und vermittelt fast philosophische Weltanschauungen. Diese werden dem Leser allerdings so komprimiert dargeboten, dass sie den Erzählfluß nicht unterbrechen, trotzdem aber nicht abgedroschen wirken. Obwohl der erste Todesfall nicht der letzte bleibt, werden die Morde selbst nur angedeutet und dienen lediglich als Mittel, um die Handlung voranzutreiben.

Der Roman zeichnet sich durch einen zunächst sehr eigentümlich erscheinenden Sprachstil aus, dabei ist auch der Gebrauch "dialektspezifischer" Wörter gewöhnungsbedürftig. Wer sich allerdings auf diesen Stil einlassen kann, der wird belohnt durch eine mitreißende und fesselnde Erzählung, die durch Wortwitz und Situationskomik reichlich Möglichkeiten zum Lachen bietet, dabei als Krimi aber auch so fesselt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Mein Fazit: Ich
schnegg72 zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 23.09.2009
Den Haien zum Fraß...
Die Danjela Djurkovic ist zur Kur und ruft - nach der Entdeckung eines toten Kurkollegen im Haifischbecken - ihren Willibald Adrian Metzger an, der natürlich sofort herbeieilt. Doch bis der dort ankommt, findet er unterwegs noch einen frauenlosen Finger mit Ring und im Hotel gibt es schon die 2. Leiche.
Mit der ihr eigenen Eigenwilligkeit geht Danjela dem Ganzen natürlich auf den Grund. Und auch der Metzger, seines Zeichens Restaurator, kann es nicht wirklich lassen.
So geraten die beiden in Irrungen und Wirrungen um einen uralten Familienzwist, der just in dieser Kuranstalt seinen Höhepunkt findet. Doch wer gehört jetzt eigentlich zu dieser Familie alles dazu? Und wer haßt jetzt wen am meisten?
Herrlich humorvoll geschrieben, aber eben etwas gewöhnungsbedürftig. Unterhaltsam ja. Aber "Kalter Süden" war eindeutig spannender.
http://buchfamily.jimdo.com
Elchi130 zu »Thomas Raab: Der Metzger geht fremd« 15.09.2009
Thomas Raab hat mit Adrian Metzger und seiner Lebensgefährtin Danjela Djurkovic zwei skurrile und liebenswerte Originale erschaffen.
Sein Schreibstil wirkt so leicht und locker, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass Bücher schreiben Arbeit ist. Der Text steckt voller Wortwitz, zum Teil köstlicher Wortspiele und manches Mal bitterbösem Humor. Der Stil wimmelt aber auch ansonsten vor guten Ideen, wie z. B. die Gespräche der beiden Haie und wie sie die Welt wahrnehmen.
Gut gefallen hat mir auch, wie Thomas Raab nach und nach die Personen miteinander verknüpft und für uns eine schlüssige Geschichte erschafft. Lediglich manchmal waren mir die Sinneseindrücke des Adrian Metzger zu viel und ich wünschte mir weniger Abschweifungen und wollte die Kriminalgeschichte weiter lesen.

Ich habe beim Lesen geschmunzelt, gelacht und mich an dem wundervollen Humor von Thomas Raab erfreut. Das Buch ist einfach ein Lesevergnügen.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 11.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Metzger geht fremd

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: