Der Knochendieb von Thomas O´Callaghan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Bone Thief, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 1 der John-Driscoll-Serie.

  • New York: Pinnacle, 2006 unter dem Titel Bone Thief. 352 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Ariane Böckler. ISBN: 978-3-442-46260-5. 352 Seiten.

'Der Knochendieb' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Lieutenant John Driscoll und Sergeant Margaret Aligante sind erfahrene Polizisten, aber so etwas haben sie noch nicht gesehen. Der Körper von Deirdre McCabe wurde komplett entbeint, nur eine schlaffe Hülle hat der Mörder zurückgelassen. Als die ebenfalls knochenlosen Leichen von Monique Beauford und Amelia Stockard gefunden werden, ist klar, dass Driscoll und Margaret es mit einem perversen Serienmörder zu tun haben. Mit einem Killer, der mit kühler Präzision vorgeht und nicht nur über chirurgische Fähigkeiten, sondern eine messerscharfe Intelligenz verfügt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein knapp akzeptabler ´No-Brainer´« 40°

Krimi-Rezension von Jochen König

In Thomas O’Callaghans Romandebüt geht ein Serienmörder der unangenehmen Obsession nach, seine weiblichen Opfer nicht nur zu ermorden, sondern anschließend auch noch zu entbeinen, sowie Kopf, Hände und Füße zu entfernen. Damit die Identifikation der fleischlichen Überreste möglich ist, hinterlässt der in seiner Jugend traumatisierte und jetzt völlig übergeschnappte Killer, die Ausweise der Opfer an exponierter Stelle. Lieutenant John Driscoll und sein vorgeblich qualifiziertes Team machen sich, unter wachsendem öffentlichen und politischen Druck, auf die Suche nach dem Mörder. Dem sie aber erst nahe kommen, als die 14jährige selbst ernannte Computerspezialistin und Hackerin Moira, die Driscoll an seine tödlich verunglückte Tochter erinnert, entscheidende Spuren entdeckt und Hinweise liefert, womit sie sich in Lebensgefahr bringt. Denn der Täter ist sehr geschickt in seiner Opfer-Annäherung über das Internet. Wird die sehnsüchtige Erinnerung an das erste Date dabei zur tödlichen Falle für seine früheren Opfer, droht die altkluge Moira an ihrem wenig durchdachten pubertären Aktionismus und der Unfähigkeit der Polizei zugrunde zu gehen.

Da ist er wieder: der überragende Geist, der Schlauberger, der nichts Besseres mit seinem Leben anzufangen weiß, als der Serienmörder mit der abgedrehtesten Mord- und Sammelfantasie überhaupt zu werden. Die Idee, einen Killer zu erschaffen, der seinen Opfern alle Knochen entfernt und nur die fleischliche Hülle zurücklässt (wie mag die wohl aussehen?), gehört zu den Abstrusesten, die je ein Thriller dieser Art aufzubieten hatte.

Seine Motivation ebenfalls: Als Kind musste der kommende Mehrfachkiller miterleben, wie seiner Schwester vom Vater die Augen ausgestochen und diese anschließend einem toten Fasan eingesetzt wurden. Worauf der verständlicherweise verstörte Junge das Haus, mitsamt Eltern und mittlerweile toter und gehäuteter Schwester, anzündete und so zum Waisenknaben wurde. Wie er den Brand, eingeschlossen im Keller neben dem Brandherd, überleben konnte, während die Eltern in den oberen Geschossen verbrannten, das mag der Lämmergeier wissen, der in dem dunklen Keller ebenfalls ein tristes Dasein fristete – wenn er nicht gerade an engen Verwandten knabbern durfte. Warum der gebeutelte Colm Pierce Jahrzehnte später – mittlerweile angesehener und smarter Arzt – zum in Windeseile mordenden Knochenfetischisten wird, wird auch nie recht klar. Doch nicht nur unser Killer hat drängende Probleme, die gelöst werden wollen.

Autoren wie O’Callaghan reicht es anscheinend nicht, ermittelnde Protagonisten zu kreieren, die genug Probleme damit haben, das Grauen zu verarbeiten, dem sie gegenübertreten. Nein, diese Polizisten müssen selbst traumatisiert durch’s Leben gehen. Im Falle des Lieutenant Jim Driscoll heißt das: die Mutter wirft sich in seiner Gegenwart vor eine U-Bahn, Frau und Tochter erleiden einen schweren Autounfall. Tochter Nicole wird dabei getötet und Ehefrau Colette ins Koma ohne Wiederkehr geschickt. Was zu Zwiegesprächen mit toter Tochter und komatöser Gattin führt, die den Storyfluss immer wieder störend unterbrechen, besonders als der hadernde Katholik Driscoll sich in seine atmberaubende Kollegin Margaret Aligante (schreit da jemand: »Verfilmung!« und »Jennifer Lopez!!«? Der Verdacht liegt nahe) zu verlieben beginnt. So haben die Beiden immer mal wieder Zeit und Muße für eine überflüssige Beziehungsdiskussion, während sie angeblich unter stärkstem Druck stehen, einen fünffachen Mörder dingfest machen zu müssen.

Dass sie dabei auf die Hilfe einer Vierzehnjährigen angewiesen sind, die unsere tapferen Helden in die Computerwelt einführt, und so die elektronische Verbindung der späteren Opfer mit ihrem Mörder offenbart, ist vermutlich der größte Humbug des ganzen Buches. Gibt es keine Computerspezialisten bei der New Yorker Polizei? Gerade in einem Fall, der von derartiger Brisanz ist, dass vom Polizeichef bis zum Bürgermeister – von den Medien ganz abgesehen, die aber in dem Buch seltsamerweise kaum eine Rolle spielen – nachdrücklich und quengelig schnelle Ergebnisse eingefordert werden. So wird es jedenfalls behauptet, denn wirkliche Bedeutung hat dieses dramaturgische Mittel nicht. Es wird schlicht abgehakt – wie der unfähige oberste Vorgesetzte, der natürlich nicht fehlen darf -, ohne dass es irgendeine Konsequenz für die Ermittlungs- und Beziehungsarbeit Driscolls und seines Teams hätte. Außer, dass vorlaute Vierzehnjährige zum Chief of Detectives aufsteigen könnten. Wenn es das Schicksal, und der raffinierte Mordbube nicht ziemlich böse mit ihnen meinen würde …

Trotz aller Einwände – und da gibt es weit mehr als die oben aufgeführten – ist Der Knochendieb ein knapp akzeptabler »No-Brainer«. Ganz ordentlich geschrieben, leidlich spannend – nur in Liebesfragen ein ziemlich alberner Langweiler – und, wenn man sich auf die hirnrissige Konstellation eingelassen hat, durchaus unterhaltsam und in ein paar Stunden fröhlich oder entsetzt runtergelesen. Sobald man aber nach der Lektüre das Gehirn wieder einschaltet, wird aus der bunten Seifenblase auf der fett »düsterer Thriller« steht, ein Krisengebiet, das in seiner geschmacklichen und ideellen Desorientierung, weiträumig umfahren werden will.

Jochen König, Februar 2008

Ihre Meinung zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Jakob Zöller zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 16.02.2010
Ich habe das Buch zu meinem letzten Geburtstag bekommen und es aus Höflichkeit vor der Stephen King - Sammelreihe gelesen, die momentan nach und nach mein Bücherregal füllt. Dass der Mörder als "irrster Serienmörder seit Hannibal Lecter" bezeichnet wurde, machte mich, als großer Hannibal Lecter - Fan skeptisch, ebenso wie die Tatsache, dass der Literaturmarkt von "Thrillern" überschwemmt wird, die alle nach dem selben Schema aufgebaut sind: Traumatisierter Cop, der sein Schicksal auf unglaublich coole Art erträgt, attraktive Partnerin und Killer, die sich in ihrer stumpfen Brutalität gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Thomas O'Callaghans "Knochendieb" passt in das Schema wir der Deckel auf den Topf. Hinzun kommen unschlüssige Gedankenzüge der Protagonisten (z.B. die zufällig korrekte Verdächtigung von Colm Pierce, rein auf der Tatsache basierend, dass er charmant ist und sich für den Fall interessiert), laue Dialoge und und natürlich das leidliche Thema der rückständigen Computerkenntnisse der NYPD.

"Der Knochendieb" erinnert mich stark an einige Horrorgeschichten, die ich im Alter von - ACHTUNG! - 12 Jahren schrieb und die ich heute überaus schlecht finde.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass wirklich fast alle weiblichen Figuren von O'Callaghan als ziemlich attraktiv beschrieben werden. Was das wohl zu bedeuten hat?

Und der Charakter, der mich am meisten genervt hat, ist definitiv Moira. So blöd kann man doch nicht sein.

Fazit: Massenware mit mauem Spannungsbogen und Protagonisten mit mehr Glück als Verstand.
tassieteufel zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 02.09.2008
Der Klappentext versprach Spannung pur, den irrsten Sereinmörder seit Hannibal Lector. 2 New Yorker Polizisten bekommen es mit einem Mörder zu tun, der seinen
Opfern die Knochen stiehlt.
Leider wird nichts von dem auf dem Klappentext versprochenen gehalten, Spannung existiert in dem Buch überhaupt nicht, da man als Leser schon ziemlich am Anfang
erfährt, wer der Täter ist, erscheinen beim lesen alle Ermittlungstätigkeiten der Detektivs, die nicht auf den Täter abzielen sinnlos, da man ja weiß, das sie zu nichts führen. Unglaubwürdig erschien mir auch die Tatsache, das am Ende eine 14jährige den Fall löst.
Regelrecht nervig empfand ich das Gefühlsgedusele der beiden Hauptpersonen, ständig müssen sie über ihre Gefühle reden und kamen mir mehr wie zwei pubertierende Teenager vor, als wie Erwachsene. Und scheibar gibt es auch keine "normalen" Ermittler mehr, jeder muß psychisch vorbelastet oder in irgedeiner Form traumatisiert sein.
Fazit: Das Buch ist "vom Horror der einen bis ins Mark trifft" soweit entfernt wie die Erde vom Mond, die Protagonisten sind klischeehaft und der Antrieb des Mörders war für mich nicht nachvollziehbar, brutal zerschnippelte Leichen reichen eben allein nicht für einen spannenden Thriller
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rasiel zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 18.06.2008
Habe mich ebenfalls vom Klappentext verführen lassen und wurde wie viele andere echt enttäuscht. Völlig glanzlose Charaktere und unfaßbar langweilige Dialoge.
sue82 zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 09.05.2008
Klappentext: "Der Horror trifft einen bis ins Mark." Leider kratzt er da noch nicht mal an.
Das Buch ist langweilig und zäh. Die Spannung fehlt, die Protagonisten sind farblos, eine 14jährige löst fast den Fall etc.
Auf fast jeder Seite müssen sie über ihre Gefühle zueinander sprechen, was mich persönlich nervte.
Leider hat der Autor es nicht geschafft, aus der guten Idee, auch ein gutes Buch zu machen.
Fazit: Schade ums Geld!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kate zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 16.03.2008
Nach der Beschreibung auf dem Rückencover hatte ich mir eigentlich etwas mehr versprochen, als einen durchschnittlichen Krimi, dem von Anfang an die Spannung fehlt.
Der Täter steht von Beginn an fest, dadurch gelingt es dem Autor nicht, Spannung aufzubauen, dass dies durchaus möglich ist, zeigen uns ja andere Schriftsteller auch.
Man hat beim lesen das Gefühl, dass das Computerzeitalter gänzlich an den Kommisaren vorbei gegangen ist, da sie so gut wie keine Ahnung davon haben und es ihnen erst von einer 14 jährigen nahe gebracht werden muß.
Die Morde sind zwar grausam, aber da sie nicht in jede Einzelheit sondern nur eher oberflächlich beschrieben werden, kommt es nicht zu einem zu grausigem Bild, so dass das Buch auch für schächere Nerven durchaus geeignet ist.
Alles in allem ein durchschnittlicher Krimi wie es schon dutzende gibt, der sich aber leicht lesen läßt. und recht kurzweilig ist.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bärbel Olbrich zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 11.03.2008
Da ich mit begeisterung Krimis lese,(fan von Patricia Cornwell)habe ich mal wieder einen Schriftsteller gefunden wo ich mit spannung auf den nächsten Roman warte,kann es kaum abwarten bis er endlich erscheint
bubble70124 zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 20.02.2008
Ebenfalls verführt vom Klappentext gekauft und in freudiger Erwartung gelesen. Auf den ersten Seiten zeichnete sich eine gute Story ab, die dann aber durch unglaublich langweilige Dialoge, einer nervigen und unnötig aufgebauschten "Liebesstory" und einer völlig unglaubwürdigen Mitwirkung einer 14jährigen Computerspezialistin zerstört wurde.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alex Freund zu »Thomas O´Callaghan: Der Knochendieb« 06.02.2008
Habe vorgestern, verführt von dem leidlich spannenden Klappentext, den "Knochendieb" gelesen und frage mich seitdem, ob wirklich jeder Ramsch ins Deutsche übersetzt werden muss. Allerdings möchte ich diesem Buch zugute halten, dass es eventuell durch die Übersetzung so schlecht geworden ist, aber irgendwie glaube ich das nicht. Aus einem Komposthaufen kann halt auch ein noch begnadeter Übersetzer eben keinen blendenden Berg aus Gold machen ...

Zum Buch selbst. Die Story ist vom Grundgedanken gut und man hätte daraus ein wirklich spannendes Buch machen können. Aber vor allem die fürchterlich unglaubwürdigen Charaktere, die haarsträubenden Dialoge und zu guter Letzt die immer wieder durchschimmernde, lächerliche Moralvorstellung des Autors macht diesen angeblichen "Thriller" zu einem fürchterlichen Ärgerniss. Auf die von der Krimi-Couch bereits genannten Schwachstellen will ich auch gar nicht weiter eingehen. Ich kann nur eins empfehlen - Hände weg !
Ihr Kommentar zu Der Knochendieb

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: