Wen der Tod rockt von Thomas Cerveny

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Echomedia.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • Wien: Echomedia, 2013. 476 Seiten.

'Wen der Tod rockt' ist erschienen als

In Kürze:

Eine eisige Märznacht in Wien. Hilflos muss Alexander zusehen, wie sein amerikanischer Musikerfreund Herbie in seinem Probekeller brutal niedergestochen wird. Die letzten Worte des Sterbenden weihen Alexander in ein dunkles Geheimnis ein und setzen ihn damit selbst auf die Abschussliste des Killers. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Alexander flieht nach L.A., ins Mekka der Rockmusik. Dort führt ihn die Recherche nach Herbies Vergangenheit bis in die höchsten Kreise des Rockbusiness, das längst nicht so schillernd ist, wie es scheint.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ja, dann geht’s schepper, klepper, depper, roll, roll« 44°

Krimi-Rezension von Jochen König

Der Titel lügt. Denn der Tod in Thomas Cervenys Debüt-Roman »rockt« nicht. Knietief im Klischeebaukasten präsentiert Cerveny, im Klappentext als »wandelndes Rocklexikon« tituliert, am liebsten etablierte Mainstream-Mucke, die ihre Krönung in einer Bon Jovi-Powerballade findet. Da halten wir uns lieber an Neil Young: »And once you’re gone, you can never come back.

Held Alexander bekommt aber die Gelegenheit seine Flitzefinger übers Gitarrenbrett wandern zu lassen, um bei einem Contest mit mehr als Aushilfsfähigkeiten zu glänzen, gerade so als wäre 80er-Jahre-Schlock-Rock die Sahne auf einem zünftigen Erfolgskuchen. Nach mehr als einem Jahrzehnt im neuen Millennium. In Los Angeles. Lasst das Schwein fliegen.

Doch langsam. Erst findet Alexander Neuberger, noch im bürgerlichen Leben, im Anschluss an eine Geschäftsreise seinen Kumpel und Gitarrenlehrer Herbie sterbend im gemeinsamen Wiener Übungsraum. Leider hat der Killer noch nicht ausgecheckt, doch dem überraschten Alexander gelingt die Flucht. Herbie blieb sogar die Zeit und Gelegenheit, ihm einen Frauennamen und eine Zeitangabe ins Ohr zu flüstern. Flugs ins nächste Flugzeug gestiegen und ab in die USA gejettet, dem Land, in dem die Story, die zu Herbies Tod führte, ihren Anfang nahm, und Alexander, ohne gebundenen Zopf, endlich seine Berufung und möglicherweise große Liebe findet. Hilfreich unterstützt vom schwarzen Schaf der Familie, Onkel Hans, der lieber Plattenproduzent als Bäcker werden wollte und damit den gestrengen Oheim vergrätzte. Man sackt noch den Bluesmusiker Sam (böse Zungen wurden «Quotenneger» oder Schlimmeres behaupten) ein, der für Connections und Slapstick-Einlagen zuständig ist.

Gemeinsam begibt man sich in die Glitzerwelt des Rockbusiness, die sich ziemlich unspektakulär präsentiert, und auf einen Trip in die Vergangenheit, an dessen Ende Geheimnisse und Übeltaten aufgeklärt werden. Dummerweise hat der Killer mit den verschiedenfarbigen Augen (eine «Heterochromie", worauf der Autor nicht müde wird hinzuweisen) ähnliche Pläne und reist ebenfalls über den Atlantik. Es könnte also eng werden für den treuherzigen Alexander.

Glücklicherweise gibt es noch den österreichischen Inspektor Jank, der gemeinsam mit FBI-Kollegin McRyan (nein, er heißt nicht Harry und sie schon gar nicht Sally) Alexander erst als Tatverdächtigen, dann als mögliches Opfer verfolgt.

Wen der Tod rockt ist immer dann von bescheidenem Unterhaltungswert, wenn die unbedarften Protagonisten paddelig durch ein Rockn Roll-Szenario tapern, das wie ein Pop-Up aus dem Fundus von BRAVO-Enthüllungsstories schnellt. Große Villen, tolle Autos und Starallüren. Ansonsten von erschreckender Harmlosigkeit. Selbst sexuelle Eskapaden werden zugunsten einer möglichen Familienidylle geopfert. Keine zerberstenden Fernseher und zertrümmerten Hotelzimmer. Stattdessen Geklimper mit Glitzerketten und musikalische Kunststückchen aus dem Format-Radio. Den Alibi-Bluesman nicht vergessen und all die unerfüllten Träume und solche, die vielleicht wahr werden.

Gepaart mit einem Road-Trip durch ein Amerika aus der Bildband-Abteilung der örtlichen Bücherei. Die Story leckt an allen Ecken und Enden, hält aber noch einen Standard, der einen ambitioniert unterdurchschnittlichen Tatort auf die Plätze verweist (remember Lena Odenthals kaltherzige Operetten-Visite in Hollywood. Oder war´s Baden Baden?). Der Drahtzieher entlarvt sich eigentlich bereits bei seinem ersten Auftritt, zumindest dem TV-Serien- und Krimilektüre geschulten Auge. Findet einen akzeptablen Abschluss, wenn auch einleuchtende Beweggründe für die kriminelle Rahmenhandlung eher im Dunkel bleiben. Konsequenterweise entpuppt sich auch der, als mysteriöse Figur eingeführte, Killer als Depp, der selbst für einen übergewichtigen Kommissar aus Österreich kein großartiges Problem darstellt. Schon gar nicht, wenn eine liebreizende FBI-Agentin tatkräftig hilft (Warum auch immer. Das FBI scheint nicht unter Personalnot zu leiden und legt seine Kompetenzen recht frei aus. Und Jerry Cotton wäre keine erotische Verlockung für Paul Jank gewesen.).

Der gemütliche und bauernschlaue Jank ist die überzeugendste Figur des Romans, er erdet viele Unglaubwürdigkeiten und ist in einem Umfeld voller Amateure der einzige Profi. Leider versucht Cerveny die Arbeitsmoral des Wiener Polizisten durch ein intendiertes Techtelmechtel mit Kollegin McRyan aufzuweichen. Und das geht auf ebenso peinliche Weise schief wie alle Szenen, in denen Lust, Liebe und der Austausch von Körperflüssigkeiten regieren. Daran sind schon viele (Krimi)-Autoren gescheitert, Cerveny reiht sich auf klägliche Weise ein. Ballermann-Gefummel statt Hochglanz-Sex in der Stadt der Engel. Das Highlight bietet die namenlose Gespielin eines namenlosen (Ehe)-Mannes in einem nummernlosen Motelzimmer:

»Oh, mein gesuchter Schwerverbrecher, zeig mir, wie mans in der Unterwelt macht.«

Sehen so Ekstase und wilde Rollenspiele aus  wie Beamte auf Urlaub? Und das, wo es doch eigentlich von Original-Gangstern nur so wimmeln sollte. Fast so glaubwürdig wie beflissene asiatische (illegale???) Hausangestellte, die partout kein »r« aussprechen können. Neben lesbaren Passagen leidet Cerveny mitunter an sprachlicher und stilistischer Inkontinenz. »Sie wollen splechen Mistel Blown?«

Wollen wil nicht, aber wenn die Augsburger Puppenkiste je den Roman adaptieren sollte, würde ichs mir glatt anschauen. Für eine halbe Stunde. Ansonsten bleibe ich, was Krimis mit Bezug zur Rockmusik angeht, lieber Berni Mayer und dem Mandel treu. Die mögen wenigstens Powerballaden von Bon Jovi und Konsorten genauso wenig wie ich.

Jochen König, September 2013

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PopIzzo zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 12.10.2013
Ich nutze jetzt auch mal die Kommentarfunktion weil diese Lobhudelei auf das Buch, ohne sich auf den Inhalt zu beziehen, nervt!
Liebe Leut die diesen Autor so verteidigen, wieso hat keiner von euch hier ein Regal? Meldet ihr euch nur kurz an und seit wieder weg?
@ Su... Ja ich kenne das gut, wenn die ersten Worte eines Buches gleich fesseln. "It´s allright she says, it´s allright. Take anything you want from me...anything..." Okay ist ein Liedtext von J. Hendrix
Weiter geht es mit: "Dann kam das Solo, das Beste zum Schluss. er schloss die Augen und warf den Kopf in den Nacken, ließ den Emotionen freien Lauf." Okay mich packt das nicht. Alles weiter kann der geneigte Leser ja bei Amazon "Blick ins Buch" nachlesen.
Für mich eher ein Blindgänger als ein Treffer.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Su zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 11.10.2013
Kennst du das ? Wenn du durch die ersten Worte eines Buches gleich so gefesselt bist, dass du unbedingt weiterlesen musst ?! Wenn die Personen vor deinem inneren Auge lebendig werden, wie in einem Kinofilm ?! Wenn du glaubst, du spazierst selbst durch die Straßen dieser Stadt …du spürst, hörst und riechst die Umgebung – du tauchst komplett ein, ins Geschehen !
Und manchmal lachst du laut auf und merkst gar nicht, dass die Leute in deiner „wirklichen“ Umgebung die Köpfe schütteln … wenn du DAS alles kennst, dann hast du „Wen der Tod rockt“ gelesen !
0 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frau M. zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 10.10.2013
Sehr geehrter Herr K.Die Art und Weise, wie sie sich hier über ein beinahe 500 Seiten starkes Werk erbrechen, ist mehr als unappetitlich.Einem guten Kritiker sollte man doch zutrauen können, neutral zu erleben, und zu berichten.Nicht nur, dass Sie sich herausnehmen, den Autor als Lügner zu bezeichnen, der an sprachlicher Inkontinenz leidet - was sich eine Verleumdungsklage verdient - im selben Atemzug ziehen Sie Bon Jovi durch den Kakao ... was soll man daraus schließen? ... das Millionen von Menschen nicht wissen was rockt, weil sie Bon Jovi hören? etwas anmaßend.ein Tipp am Rande: wenn sie Ekstase und wilde Rollenspiele suchen, sollten sie vielleicht nicht zu einem Krimi greifen ;)Die Augsburger Puppenkiste hat die Strafe, Sie als Zuseher im Publikum zu haben bei Gott nicht verdient.Ich muss sagen, ich habe selten einen Kritiker gelesen, der sich selbst dermaßen beweihräuchern musste. Dies zeugt für mich von Inkompetenz.mit freundlichen Grüßen Frau M.
2 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Car0lin zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 09.10.2013
Zum Buch:Ein Buch, das ich nicht weglegen wollte weil es mich so gefesselt hat, in das ich eingetaucht bin und mitgelebt habe!
WOW,.das habe ich nicht erwartet. Spannung pur, bis zur letzten Seite.
Sehr gut geschrieben, mit einem ganz besonderen Schreibstil.
Zur Kritik:Es ist sicher in Ordnung,dass man Kritik übt ,wenn man ein Buch nicht mag,den Schreistil ablehnt,oder dem „WIENER“ im Autor gedanklich nicht folgen kann.Doch wenn die Kritik dann so abwertend ausfällt,kommt man sehr wohl auf die Idee,dass das ein persönlicher Angriff gegen den österreichischen Schriftsteller ist.
Zum Autor:Thomas Cerveny,ein junger Wiener Schriftsteller,der sich trauen würde so zu schreiben,wie er es meint.Zum besseren Verständnis für die Nachbarländer hat er sich in seiner Wortwahl ohnehin sehr zurückgenommen.Seine Lesung in“der Kriminacht „in Wien,in der er Teile seines ersten Romanes vorgetragen hatte,war sehr gut besucht.Mit Spannung ,Witz und Humor hatte er die Lacher auf seiner Seite.
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marina rigl zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 09.10.2013
Der Kritiker, der selbst keine Kritik verträgt. Warum wunder mich das nicht? Äußerst amüsant. Wer austeilt muss auch einstecken können, Herr König. Oder halten Sie sich etwa für King? Sorry, aber der war aufgelegt. Ich habe das Buch gelesen und es ist für ein Erstlingswerk sehr gut. Solide geschrieben, in einem knackigen Stil, der immer wieder für einen Lacher sorgt und nie langweilig wird. Natürlich gibt es bessere Bücher, aber auch viele schlechtere.
Ich wurde beim Lesen jedenfalls so gut unterhalten, dass ich mir auch das nächste Buch dieses Autors bestellt habe. Leider bisher nur als ebook erhältlich, aber das ist echt starker Tobak. Ich will hier keine Werbung machen, also überlasse ich es den Lesern meines Kommentars selbst, herauszufinden wovon ich schreibe. Aber egal was ihr auch lesen solltet, lasst euch die Stimmung nicht von Miesepetern wie Jochen "King" König verderben :-)
1 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 09.10.2013
Eigentlich missbrauche ich die Kommentarfunktion nur ungern, aber da ihr Drei mit schlechtem Beispiel vorangegangen seid (wenn es doch wenigstens eine Zeile gegeben hätte, WARUM der rockende Tod denn jetzt so überaus lesenswert sein soll. Lasst uns teilhaben an eurem Vergnügen, wie ich es mit meinem Missvergnügen an diesem Werk getan habe. Sehr lieblich im Übrigen) werde ich mich ausnahmsweise mal anschließen.

Liebe Doris, der Tom ist bestimmt ein prima Kerl und nichts liegt mir ferner als ihn schlecht zu machen. Sein Buch hat mir halt nicht gefallen. Das war's auch schon. Begründung(en) s.o.

Und neidisch bin ich tasächlich ein bisschen - auf all die Bücher (und ihre Autoren), die mir gut gefallen haben, gefallen und gefallen werden. Da gibt es Hunderte von. Das reicht vollkommen, ich muss den Neid nicht auf die weniger dollen Dinge ausweiten.

Ansonsten gilt wie bei jedem Verriss: Der Rezensent ist doof, das Buch des netten Autors toll, die Welt schlecht, das Leben hart und dann müssen wir alle sterben. Hoffentlich bei gefälligerer Lektüre.

Und lasst euch bloß nicht von Fakten irritieren, denn bislang habe ich - so weit ich weiß - die Bücher österreichischer Autor(inn)en (mit einer besonderen Ausnahme) positiv besprochen.

Wie üblich: Danke für die Kommentare (zu meiner Rezension und mal wieder nichts zum Buch), besser hätte ich sie selbst nicht schreiben können.

Habe ich aber nicht, ehrlich (Inge Kaiser als Alias würde ich mich niemals trauen)!
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Doris zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 08.10.2013
mehr als tom schlecht machen kann der typ wohl nicht. is wahrscheinlich neidisch weil er selbst keineahnung hat wie man einen krimi schreibt.aber wie sagt man mitleid kriegt man gschenkt neid muss man sich verdienen. ich werd das buch bald ein zweites mal lesen und warte gespannt aufs nächst werk.!!
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Inge Kaiser zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 08.10.2013
hach, wie herrlich, wenn ein selbsternannter "literaturkenner" kritiken verfasst. aber ich sage danke, denn jetzt erst recht bin ich auf dieses buch richtig aufmerksam geworden. bin sehr gespannt und werde es mir nicht nur kaufen, nein, ich werde es sogar lesen! danke auch herrn trautsamwieser, dem ich leider beipflichten muss, dass mitunter großartige österreichische autoren in "se great germany" als null-nummern abgestempelt werden.
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Michael Trautsamwieser zu »Thomas Cerveny: Wen der Tod rockt« 08.10.2013
also entweder hat der kritiker dieses buch nicht wirklich gelesen, oder seine bewertung dient wieder einmal nur dazu österreicher schlecht zu machen und andere, befreundete autoren toll hinzustellen, damit deren verkaufszahlen in die höhe gehen. also völlig zu vergessen, diese rezension !!! wie so viele andere hier
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