Triptychon von Thomas Beckstedt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Braumüller.

  • Wien: Braumüller, 2016. ISBN: 978-3992001583. 400 Seiten.

'Triptychon' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

In einem multinationalen Konzern wird ein unschuldiger Mann zur Schachfigur in einem mörderischen Spiel um Macht, Geld und Kontrolle. Er erlebt die Hölle auf Erden.
John Gallagher, Informatiker aus London, steht massiv unter Druck. Er arbeitet für einen mächtigen Konzern, der in Südafrika ein neues Rechenzentrum eröffnen will. Aber John ahnt nicht, dass er in Wahrheit einem verbrecherischen Plan dient. Sein Alltag wird zum Albtraum, er kann kaum noch schlafen, der berufliche Stress erdrückt ihn. Wieder und wieder stößt er an seine physischen und psychischen Grenzen. Er will dem Wahnsinn entrinnen und schlittert in eine Affäre mit unabsehbaren Folgen. Er gerät zwischen die Fronten eines Konflikts, der mit einer für ihn unvorstellbaren Grausamkeit hinter den Kulissen tobt. Er wird zum Gejagten, doch die wahren Zusammenhänge erkennt er sehr spät. Das Sterben nimmt kein Ende, die Spirale der Gewalt eskaliert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Flammen im Kopf« 98°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Der Name Thomas Beckstedt wird den meisten Krimilesern nichts sagen. Im März letzten Jahres erschien sein Debütroman 1888 im österreichischen Braumüller-Verlag. Der Roman – man könnte ihn als historischen Krimi bezeichnen – ist auf der Histo-Couch gelistet und vom dortigen Chefredakteur sehr positiv rezensiert. Nun hat der in der Nähe von Wien lebende Autor nachgelegt und mit Triptychon einen Thriller der Extraklasse veröffentlicht. Nach Einschätzung des Rezensenten ist Triptychon durchaus ein Kandidat für den Titel »Thriller des Jahres«, denn hier kommen Sprachgewalt, Intellekt, Virtuosität und Hochspannung zusammen.

Auf die Frage, wie wichtig ein stimmiger Titel für einen Roman ist, würden Leser, Kritiker und Autoren unisono antworten: sehr wichtig. Umso bedauerlicher (ärgerlicher) ist es, dass besonders die großen Verlage diese Tatsache oftmals ignorieren und zu Romanen Überschriften kreieren, von denen sie sich eine höhere Werbewirksamkeit erhoffen. Gottlob haben in kleinen Verlagen Autoren ein Mitspracherecht bei der Titelgebung. So kann Thomas Beckstedts Thriller nur Triptychon heißen, weil der Titel mit Inhalt und Form des Romans korrespondiert.

Ein Triptychon ist ein dreiteiliges oder ein aus drei Flügeln bestehendes Gemälde, das sowohl in der sakralen Malerei (Flügelaltäre) als auch in der profanen Kunst eine beliebte Darstellungsform war. Der niederländische Maler Hieronymus Bosch (1450 – 1516) hat drei bedeutende Triptychen gemalt. Das bekannteste und berühmteste dürfte wohl »Der Garten der Lüste« sein, das aufgrund seiner vielseitigen Symbolik über die Jahrhunderte viele kluge Geister zu Interpretationsversuchen reizte. Auch Autor Thomas Beckstedt konnte sich nicht der Faszination dieses Gemäldes entziehen und hat die Anziehungskraft des Triptychons auf seinen Romanhelden John Gallagher übertragen, dessen Begeisterung so weit geht, dass er sich das dreiteilige Bild von einem mit ihm befreundeten Maler kopieren ließ. »Der Garten der Lüste« ist ihm aber nicht nur ein visueller Stimulus, sondern begleitet ihn auch in seinen Träumen. Manchmal in kritischen Augenblicken scheint es ihm, als stünde er mit Meister Bosch über Zeit und Raum hinweg in metaphysischer Verbindung. Dabei ist er eigentlich ein sehr rationaler Mensch.

John Gallagher, fünfundvierzig, britischer Staatsbürger mit Wohnsitz in London, ist Informatiker mit langjähriger Berufserfahrung. Angefangen hat er in einer kleinen IT-Firma, die durch wiederholte Aufkäufe Teil des Pharma-Riesen Pharma Worldwide Industries (PWI) geworden ist. Der Globalplayer mit Hauptsitz in London errichtet aktuell ein überdimensionales unterirdisches Rechenzentrum in Südafrika, an dessen Entwicklung John Gallagher maßgeblich beteiligt ist. Da das Projekt in Zeitverzug geraten ist, wird seitens der Geschäftsleitung massiver Druck auf die einzelnen Ressortleiter ausgeübt. Manchmal weiß Gallagher nicht, wo ihm der Kopf steht.

Gestresst und übernächtigt fällt Gallagher während eines Flugs von London nach Johannesburg in einen unruhigen Schlaf. Albträume plagen ihn, in denen seine Londoner Assistentin Amy Russborough, zu der er eine innige freundschaftliche Verbindung pflegt, im Mittelpunkt steht. Die Schreckensvisionen verfolgen ihn auch noch in den nächsten Tagen, weder der Stress am Arbeitsplatz noch eine heiße Sexaffäre mit der Stewardess Eve können ihn ablenken. Spontan beschließt er einen Kurztrip nach London, um nach dem Rechten zu schauen.

In London angekommen muss Gallagher feststellen, dass Amy tatsächlich verschwunden ist. Er wendet sich an die Polizei. Was er aber nicht weiß, ist, dass auch die CIA Amys plötzliches Verschwinden bemerkt hat. Der Geheimdienst observiert schon seit Längerem den Pharmakonzern, weil der Verdacht besteht, dass PWI biologische Waffen herstellt und diese an Menschen testet. Unvermittelt gerät John Gallagher in einen Konflikt, den beide Seiten mit härtesten Bandagen austragen.

Manchmal, eher selten – man kann auch darüber schmunzeln – hat man bei einer unbestimmten Handlung einen unerklärlichen Sinneseindruck. Als der Rezensent das Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, kam ihm das Wort: »gewichtig« in den Sinn. Wenn man unter dieser Prädisposition dann die ersten Zeilen des Romans, die einem Kapitel aus der Genesis entsprungen sein könnten, liest, verstärkt sich der Eindruck, da kommt etwas Großes, Gewichtiges auf den Leser zu. Wenn diese Erwartung dann bestätigt wird, stellt sich beim Leser Freude ein, denn das passiert leider nicht so oft. Thomas Beckstedt hat alle Register der Schreibkunst gezogen und einen bis ins kleinste Detail durchkomponierten Thriller geschrieben, der vor Hochspannung nur so knistert.

Ohne Tabus, mit Verstand und Leidenschaft überträgt der Autor das surreale Inferno von Boschs Hölle (rechter Triptychon-Flügel) auf die heutige reale Welt. Unsere Welt ist nicht die Hölle per se, aber sie wird immer dazu gemacht, wenn Staaten, Despoten oder Konzerne ihre Macht missbrauchen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen geht meistens einher mit dem Leiden vieler unschuldiger Opfer. In Triptychon erinnert uns Thomas Beckstedt eindringlich in einigen grausamen, schwer auszuhaltenden Szenen daran, dass sich hinter jedem sogenannten Kollateralschaden ein lebendiger Mensch verbirgt.

Triptychon ist ganz großes Kopfkino, das sich niemand entgehen lassen sollte. Für den Rezensenten zählt Triptychon zu den besten Romanen, die er in den letzten Jahren gelesen hat und das waren einige.

Jürgen Priester, September 2016

Ihre Meinung zu »Thomas Beckstedt: Triptychon«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Silke Jagusch zu »Thomas Beckstedt: Triptychon« 15.10.2016
"Triptychon" von Thomas Beckstedt gehört für mich zu den Highlights 2016 und ist ein wahres Schätzchen in meiner Bücherwand. Ich habe schon seinen Debütthriller "1888" genießen dürfen und ihn nach seinem zweiten Werk zu einem meiner Lieblingsautoren erkoren. Er traut seinen Lesern schon eine Menge zu, aber ich hoffe noch auf einige intelligente, raffinierte und komplexe Bücher.

Inhalt

In einem multinationalen Konzern wird ein unschuldiger Mann zur Schachfigur in einem mörderischen Spiel um Macht, Geld und Kontrolle. Er erlebt die Hölle auf Erden.
John Gallagher, Informatiker aus London, steht massiv unter Druck. Er arbeitet für einen mächtigen Konzern, der in Südafrika ein neues Rechenzentrum eröffnen will. Aber John ahnt nicht, dass er in Wahrheit einem verbrecherischen Plan dient. Sein Alltag wird zum Albtraum, er kann kaum noch schlafen, der berufliche Stress erdrückt ihn. Wieder und wieder stößt er an seine physischen und psychischen Grenzen. Er will dem Wahnsinn entrinnen und schlittert in eine Affäre mit unabsehbaren Folgen. Er gerät zwischen die Fronten eines Konflikts, der mit einer für ihn unvorstellbaren Grausamkeit hinter den Kulissen tobt. Er wird zum Gejagten, doch die wahren Zusammnhänge erkennt er sehr spät. Das Sterben nimmt kein Ende, die Spirale der Gewalt eskaliert.

Eindruck

Ein Konzern der an biologischen Waffen forscht und eine Sauerei nach der anderen anzettelt, Killer anheuert um Informationen aus jenen herauszuholen, die etwas herausgefunden haben und auch vor denen nicht halt macht, die mit ihnen Kontakt hatten. Auf grausamste Art werden Menschen zu Tode gefoltert um andere ekelhafte Machenschaften zu vertuschen. Ekel und Fassungslosigkeit
ließen den Leser hier ein um's andere Mal zurück, jedoch auf einem Niveau geschrieben, das niemals eine Belastungsgrenze überschritten wurde oder sich im Ton verloren wurde. Thomas Beckstedt ist meisterhaft in der Lage die Abgründe der menschlichen Psyche herauszuarbeiten und Charaktere so zu gestalten, dass es schwierig ist, sich auf eine Hauptperson festzulegen. Damit werden sie nie langweilig und man lernt den einen oder anderen neuen Charakterzug auch zu späteren Zeitpunkten noch kennen.

Der Thriller ist in die 3 Teile "Böse Träume", "Flucht" und "Hölle" unterteilt. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat über das Triptychon "Der Garten der Lüste" des niederländischen Malers Hieronymus Bosch, welches eben durch diese Zitate eine große Rolle für die Handlung spielt, und zeigt damit schon die Grausamkeiten des Kommenden auf. Schonungslos, offen und direkt wird hier ins Detail von Folterungen, Vergewaltigungen und Morde gegangen, die aber durch den edlen, feinfühligen und sehr intelligenten Schreibstil gut aufzunehmen und zu verarbeiten sind.

Mein Lieblingszitat:

"Die Gesellschaft die Bosch abbildet, ist von dreierlei Art: heftig, gewalttätig und hybrid. In einigen seiner anspruchsvolleren Werke sagt uns Bosch, dass der Mensch in dieser Hinsicht überhaupt keine Wahl hat. Der Homo sapiens ist der größte Zerstörer der gesamten göttlichen Schöpfung - eine vollständige Umkehrung des humanistischen Denkens." James Snyder

Das zeigt das gesamte Handeln. Folterungen, physische und psychische Qualen, Morde ohne Skrupel, weil es wie immer um Geld, Gier und Macht geht. Und wenn dann diejenigen, die eigentlich auf der "guten" Seite stehen, zu den gleichen Methoden greifen, um Rache zu nehmen und Genugtuung zu erkämpfen für all die Opfer - dann haben wir eben diese Umkehr.

Den Titel "Hölle" für den letzten Teil finde von daher sehr treffend gewählt, denn wir - der Mensch - bereiten uns, anderen Lebewesen und der Welt selbst diese Hölle. Als angeblich hoch entwickelt und mit Intelligenz ausgestattet, handeln wir so nieder, wie es ein rein Instinkt gesteuertes Tier niemals tun würde.

Fasziniert und begeistert bin ich von den Elementen mit denen Thomas Beckstedt spielt. In seinem Debüt war das Besondere die verschiedenen Zeitebenen, in "Triptychon" war es die "innere Stimme" der Protagonisten, die sehr raffiniert durch das ganze Buch begleitet hat.

Fazit

Ein meisterhaftes Zweitwerk von Thomas Beckstedt, das mich voll überzeugen konnte und seinem Debüt "1888" in nichts nachsteht. "Triptychon" ist definitiv nichts für schwache Nerven, aber allen, die einen höchst spannenden, sehr komplexen und teilweise grausamen Thriller zu schätzen wissen, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. 560 Seiten haben mich restlos in ihren Bann gezogen und sogar mein Interesse für Hieronymus Bosch geweckt. Ich habe in Thomas Beckstedt einen weiteren Lieblingsautor entdeckt und bin auf weitere Bücher von ihm gespannt.
Kindler Sonja zu »Thomas Beckstedt: Triptychon« 15.10.2016
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und es dauert nicht lange, bis man sich mitten im Geschehen befindet. An vielen Stellen hatte ich nicht nur Gänsehaut sondern mir ist es eiskalt den Rücken heruntergelaufen. Allerdings sind manche Szenen, darunter auch Gewaltszenen, so detailliert beschrieben, dass nicht jeder Leser seinen Gefallen daran finden wird. Doch der Autor legt nicht nur Wert darauf zu gefallen, sondern er möchte auch eine gewisse Philosophie mitgeben. Das Buch kann deshalb aus verschiedenen Blickwinkeln gelesen werden, je nach Intellekt des Lesers, was dem Autor sehr gelungen ist.

- Der Leser, der ein spannungsgeladenes Buch mit reichlich Action erwartet, wird nicht enttäuscht
- Ein Leser, der es lieber mag, dass über Situationen nachgedacht und nicht einfach nur irgend eine Geschichte runtergeschrieben wurde, kommt ebenso auf seine Kosten.
- Passende Zitate, titelbezogen, über den einzelnen Kapiteln erfordern schon eine erhöhte Denkbereitschaft (ist diese nicht vorhanden, kann das Buch trotzdem in vollen Zügen genossen werden)
- Und wer gerne zwischen den Zeilen liest, der muss nur genau genug hinschauen, er wird so Einiges finden.

Der Titel Tryptichon ist gut gewählt und zieht sich durch das ganze Buch: Zum einen in Johns Leben, dann in den Zitaten über den Kapiteln und auch die Einteilung des Buches in drei Teile. Zudem hat Thomas Beckstedt gut recherchiert und an einigen Stellen definitiv fundiertes Fachwissen eingebracht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Triptychon

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: