Der Milchkontrolleur von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
bei MCE.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Elbmarsch, 1990 - 2009.
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Drochtersen: MCE, 2005.
ISBN:
3938097035. 206 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2008.
ISBN:
978-3-492-25142-6. 221 Seiten.
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[Hörbuch] Drochtersen: MCE, 2006.
Gesprochen von Peter Kühn.
ISBN:
3938097086. 5 CDs.
'Der Milchkontrolleur' ist erschienen als
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In Kürze:
Am Anfang geschieht der Mord. Else Weber, eine Frau mit zweifelhaftem Ruf, wird mit durchschnittener Kehle in einem Graben in der Nähe ihres einsam gelegenen Hauses gefunden. Die Ruhe in dem kleinen Dorf zwischen Elbmarsch und Moor ist dahin. Hans-Georg Allmers, der als Milchkontrolleur auf den Höfen aus und ein geht, hilft mehr oder weniger unfreiwillig seinem Bruder, einem Staatsanwalt in der Kreisstadt Stade, bei den Ermittlungen. Schließlich gerät er sogar selbst in Verdacht und wird verhaftet. Am Ende kommt es zu einer dramatischen Polizeiaktion, es gibt weitere Tote.
Das meint Krimi-Couch.de: »Brutale Morde in der Elbmarsch«
Krimi-Rezension von Andreas Kurth überspringen
Neid und Eifersucht unter der Oberfläche
An der Grenze zwischen Elbmarsch und Moor leben bodenständige Menschen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend in der Landwirtschaft verdienen. In der nahen Kreisstadt Stade gibt es zwar auch etliche Industriebetriebe, aber noch können die meisten Bauern von ihren Milchviehbetrieben ganz gut leben. Und dennoch ist die Gemeinschaft in dem kleinen Dorf ein überaus zerbrechliches Gebilde, denn unter der Oberfläche gibt es ein Geflecht von Neid, Eigensucht und Missgunst. In diesem Milieu ist der erste Kriminalfall aus der Feder von Thomas B. Morgenstern angesiedelt, der das Elbe-Weser-Dreieck bestens kennt, denn er lebt und arbeitet selbst dort.
Tote liegt im Entwässerungsgraben
Als er beim Abschießen einer durchgebrannten Kuh hilft, erlebt der Nebenerwerbslandwirt und Milchkontrolleur Hans-Georg Allmers mit, wie in einem Entwässerungsgraben eine unbekleidete Frauenleiche gefunden wird. Mit durchgeschnittener Kehle liegt Else Weber in dem Graben – ihr Ruf in dem kleinen Dorf war eher zweifelhaft. Sie war zwar keine Prostituierte, aber die Mehrheit der Männer des kleinen Ortes hat bereits den Weg in ihr Bett gefunden. Und so gibt es entsprechend viele Verdächtige. Der ermittelnde Staatsanwalt aus Stade ist ausgerechnet der Bruder von Hans-Georg Allmers, und nutzt jetzt gern die hervorragenden Kontakte seines Bruders, der als Milchkontrolleur auf den Höfen des Dorfes wie selbstverständlich ein und aus geht, und so nahezu jedes Gerücht aufschnappt.
Überraschendes Finale
Der Milchkontrolleur nimmt den Auftrag seines Bruders zunächst widerwillig an, findet dann jedoch zunehmend Gefallen an der Detektiv-Arbeit. Zugleich fängt er ein Verhältnis mit einer neuen Volontärin des Stader Tageblatts an, die er im Vorzimmer seines Bruders kennen gelernt hat. Während sich Hans-Georg Allmers unauffällig umhört, kommt es zu einem weiteren Mord. Die Polizei versucht, Zusammenhänge herzustellen. Allmers bricht im Zuge seiner Ermittlungen in das versiegelte Haus von Else Weber ein, wird anonym denunziert und in Untersuchungshaft genommen. Da die Beweislage jedoch reichlich dünn ist, muss er schließlich wieder freigelassen werden. Neue Ermittlungen münden schließlich in einem dramatischen und überraschenden Finale.
Kriminalfall könnte mehr Dynamik vertragen
Wer krachende Aktion oder subtile psychologische Spannung sucht, sollte dieses Buch im Regal stehen lassen. Wer sich jedoch für Land und Leute, differenzierte Charaktere und eine amüsante Kriminalgeschichte interessiert, liegt bei dem Roman-Debüt von Thomas B. Morgenstern durchaus richtig. Zutreffend und humorvoll zeichnet der Autor in seinem Krimidebüt das bisweilen sympathische, meist eher skurrile Bild eines Bauerndorfs zwischen Elbmarsch und Moor. Sein Soziogramm einer brüchigen Gemeinschaft ist für sich schon lesenswert, der Kriminalfall dagegen könnte durchaus etwas Dynamik vertragen. Dem Publikumserfolg hat das einen Abbruch getan. Was kam verwunderlich ist, denn auch die eher gleichmütig erzählte Geschichte vermag angesichts der interessanten Charaktere zu fesseln. Um dem Anspruch eines guten Kriminalromans zu genügen, muss der Autor bei der eigentliche Geschichte aber noch ein paar Schippen drauflegen.
Andreas Kurth, August 2010
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