Früher im Licht von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009 bei Salis.
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Zürich: Salis, 2009.
ISBN:
978-3905801231. 320 Seiten.
'Früher im Licht' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein ermordeter Funktionär einer Rechtsaußen-Partei. Eine heiße Spur von Zürich nach Havanna. Und ein Kommissar, der handlungsunfähig ist. Dies die Ausgangslage für Tamás Kiss ungewöhnlichen, literarischen und düsteren Krimi. Kommissar Varga liegt im Spital, er liegt im Koma, nur sein Gehirn funktioniert noch. Zwischen ungarischen Kindheits- und Jugenderinnerungen und einem immer stärker werdenden Dämmerzustand erinnert er sich an den Fall, der ihn soweit gebracht hat. Ein ermordeter Sekretär einer rechtsextremistischen Schweizer Partei, leere Parteikassen, Spuren zu einem dubiosen Schweizer Hilfswerk in Havanna. Und irgendwann, irgendwo fällt ein Schuss, der Varga trifft. Stück für Stück erinnert sich Varga an die Details, fügt sie zu einem Gesamtbild zusammen. Aber gewinnt er den Wettlauf gegen sein erlöschendes Lebenslicht? Und wie soll er den Täter überhaupt stellen?
sel noir heißt eine noch relativ junge Reihe des Zürcher Salis Verlages, welche sich eigens dem Schweizer Krimi widmet. Anfang des Jahres erschien in dieser Edition Früher im Licht, der Debütroman des Werbetexters Tamás Kiss. Seine magyarischen Wurzeln hat, der als Sohn einer Schweizerin und eines Ungarnflüchtlings in Zürich geborene Autor, Kommissar Varga, der Hauptfigur seines Romans mitgegeben.
Dieser Kommissar Varga wird durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Dunkelheit umfängt ihn, er kann nicht sprechen, sich nicht bewegen und nicht selbstständig atmen. Locked-in-Syndrom nennt es der Mediziner, wenn ein Patient bei vollem Bewusstsein fast gänzlich gelähmt ist und kaum eine Möglichkeit hat, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Auf der Schwelle zum Tod ziehen nun seine Lebenserinnerungen vorbei. Noch einmal durchlebt er unbeschwerte Kindheitstage in der ungarischen Heimat, die ersten romantischen Gefühle, dramatische Ereignisse in seiner Jugend und schmerzliche Trennungen, bedingt durch die Flucht in die Schweiz nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand in Ungarn. Und es blitzen Momentaufnahmen von seinem letzten Fall auf, der auf der Intensivstation im Spital sein vorläufiges Ende fand. Varga versucht mit letzter Kraft dem Tod noch so viel Zeit abzuringen, um seine Ermittlungen zu rekonstruieren und so seinen Mörder zu finden. Ergo, alles auf Anfang:
Ein Toter in Schwamendingen durchkreuzt die Essenspläne des Chefermittlers der Zürcher Polizei, und die Eglifilets müssen warten. Am Flussufer der Glatt wurde der Leichnam des ehemaligen Präsidenten einer rechtsextremen Partei, Marco Kistler in einem Mietwagen aufgefunden. Selbstmord oder Unfall scheiden aus, Kistler wurde erschossen. Wer hatte ein Motiv, den Shooting Star der Jungen Schweizer Demokraten zu ermorden? Die umfangreichen Recherchen von Kommissar Varga und seinem Team machen schließlich nicht an den eidgenössischen Grenzen halt, sondern führen ihn mit seiner Partnerin Nowak ausgerechnet ins sozialistische Kuba. Trifft Varga in der tropischen Hitze von Havanna auf seinen Mörder?
Tamás Kiss hat seinen Roman mit leisen Tönen geschrieben. Die Spannungskurve steigt langsam, je weiter sich die Gedanken des Kommissar dem Zeitpunkt des Mordanschlags nähern. Über den Zeilen schwebt bedrohlich der herannahende Tod des Hauptakteurs, von dem der Autor ein vielschichtiges und umfassendes Bild zeichnet. Man hört das Knistern des Lautsprechers, wenn Vargas Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend wie eine Filmrolle in schwarz-weiß vor den Augen abläuft. Farbig hingegen illustriert Kiss das Leben des Kommissars in der Gegenwart. Ein Cola-Junkie und Fan des FCZ – Leidenschaften, die er mit seinem Schöpfer teilt. Der 59jährige Varga hat Humor, liebt das Naschen und die Frauen. Schade um Varga, ich hätte mir durchaus noch eine Geschichte mit ihm erhofft.
Farbenfroh bebildert Kiss auch die Reise der Ermittler nach Havanna. Leider visualisiert er in einer Anhäufung sämtliche Klischees, die man landläufig mit Kuba in Verbindung bringt.
Der Kriminalfall wird mit Einführung jeder neuen Figur zunehmend verwirrender, und den Zoom auf den Täter gibt’s erst ganz am Schluss auf der vorletzten Seite.
Trotz eigenwilligem Aufbau und fehlender Kapiteleinteilung lässt sich Früher im Licht ohne Mühe lesen und Tamás Kiss bekommt einen Pluspunkt für die innovative Idee.
Ind, Dezember 2009
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