Der Finne von Taavi Soininvaara

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Marsalkan miekka, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
Folge 7 der Arto-Ratamo-Serie.

  • Helsinki: Tammi, 2006 unter dem Titel Marsalkan miekka. 379 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2009. Übersetzt von Peter Uhlmann. ISBN: 978-3-351-03270-8. 398 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2011. Übersetzt von Peter Uhlmann. ISBN: 978-3-7466-2691-8. 398 Seiten.

'Der Finne' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Bis heute versucht Finnland, sich seines übermächtigen Nachbarn zu erwehren. Da taucht ein altes Buch auf, das den russischen Staat zum Einsturz bringen kann. Arto Ratamo muss es vor dem feindlichen Geheimdienst finden. – Ein packender Roman, der ins Herz der finnischen Seele führt. Ratamos Gesundheit ist lädiert, und er hat Liebeskummer. Dabei benötigt er alle Kraft, um seinen neuesten Fall zu lösen: Gemeinsam mit dem Geschichtsprofessor Eerik und der Führerin Taru begibt er sich auf die Suche nach einem Buch, das den Namen »Schwert des Marschalls« trägt. Kurz vor dem Ziel wird das Trio von einem russischen Hubschrauber beschossen, und nur knapp gelingt ihm die Flucht. Während Major Jarkow nichts unversucht lässt, um an das Dokument zu gelangen, tritt ein mächtiger Mann ins Bild: Wladimir II., der Patriarch von Moskau, kennt den Inhalt des »Schwerts« genau. Er braucht das Buch, um den amtierenden Präsidenten Bukin zu vernichten. Die Jagd nach dem Buch findet in Finnlands ältester Holzkirche ihren Höhepunkt, wo Geschichte neu geschrieben wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mannerheim und das Schwert des Marshalls« 63°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Fangen wir mit einem Zitat an:

Habe ich das richtig verstanden!» Ketonen wählte die Worte mit Bedacht. «Forsmans Pflegerin wurde mit einem russischen Militärmesser umgebracht, und das zur gleichen Zeit, als er selbst verschwand. Forsmans Sohn ist Fachmann auf dem Gebiet der forensischen Archäologie, und sein Schwiegervater arbeitet beim britischen Geheimdienst, Und Sutela hat ein Dokument gefunden, in dem von Garantien der finnischen Unabhängigkeit, von Lenins Frau und weiß der Henker wovon sonst noch die Rede ist, aber die Russen haben es geklaut, Worum geht es hier eigentlich, verdammt noch mal?

Das alles auf den ersten hundert Seiten. Morde, illegale Grenzübertritte, Funde in dunklen Höhlen und Fluchten, bei denen man sich nach drei Metern Sturz in die Tiefe den Knöcheln verstaucht. Wenn das nicht für Harrison Ford, dem Jäger nach dem verlorenen Schatz, zur Verfilmung bereit steht.

 Der Finne handelt von den mysteriösen Umständen und Hintergründen des Waffenstillstands zwischen Finnland und Russland während des zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht eine unermesslich wertvolle, machtpolitische Waffe: das »Opferbuch«, auch »Das Schwert des Marshalls« genannt. Angeblich hat der Patriarch Tichon es 1918 mittels Zar Nikolai II genutzt, um dem Zaren bei der Unterdrückung der revolutionären Ideen zu helfen.

 Man merkt Soininvaara dreht das große weltpolitische Rad. Ein Buch soll gleich den russischen Staat gefährden. Patriarch Wladimir II aus Moskau will mit seiner Hilfe den russischen Präsidenten Bukin stürzen. Vom Plot her sind wir bei Follett, Brown und Forsyth angelangt. Mitten drin Soininvaaras Serienheld Arto Ratamo, der blinde Bewahrer des Geheimnisses Otto Forsman, sein Sohn der Geschichtsprofessor Eerik Sutela, eine Führerin namens Taru Otsamo und Ratamos Tochter, die mit zwölf Jahren angeblich schon einen Freund hat.

 Das ewige Lied des Nordens

 Eine bunte Melange aus bewährten Problemen im Privatleben eines Kommissars, der sich davor ängstigt, sich nach dem Verlust seiner Frau ein weiteres Mal unglücklich in Taru zu verlieben, sowie der Weite Skandinaviens, die zur Standartausrüstung des nordischer Krimis gehört. Europaweit prägend für den Kriminalroman des gehobenen Anspruchs.

Der 2003 mit dem finnischen Krimipreis ausgezeichnete Autor versteht sein Handwerk und hat einen filmischen Blick auf die Geschichte. Soininvaara legt nicht nur ein atemberaubendes Tempo vor, er wechselt auch ständig die Perspektiven. Egal ob der Beschuss aus einem Hubschrauber oder eine nächtliche Entführung mittels Lachgas Soininvaara weiß, Cliffhanger zu setzen. Doch genügt diese nicht, um einen Plot zu mehr als einer Suche nach dem heiligen Gral samt Showdown anwachsen zu lassen.

Lenin und die Krupskaja

 Die Geschichte wirkt konstruiert, klingt eher nach Phantasy, als nach einer imminent bedeutsamen Enthüllung, der Entblätterung jenes verschollenen Geheimnisses, dass Finnland am Ende des zweiten großen Weltkrieges unter Führung Mannerheims davor bewahrte, dass Russland seiner habhaft wurde.

 Soininvaara ist ein versierter Autor, der sich auf das Genre versteht, der aber offensichtlich in Der Finne sein Thema zu sehr ausschmückt. Ein Umstand, den man von etlichen Autoren kennt, die zu lange einem Helden verbunden sind, und deshalb meinen, sich mit großen geschichtlichen Ereignissen umgeben zu müssen. Dabei kommt selten mehr als paddeln in Untiefen heraus.

Wolfgang Franßen, März 2010

Ihre Meinung zu »Taavi Soininvaara: Der Finne«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

oyumi zu »Taavi Soininvaara: Der Finne« 02.05.2011
spannende story. sehr gelacht habe ich über präsident wadim bukin und patriarch wladimir. alelrdings ist der krimi sprachlich schwach - viele wiederholung fast identisch lautender sätze und ein bisschen farblose charakter. warum das buch aus der reihe ratamo ermittelt stammt, habe ich nicht ganz begriffen. denn der herr ratamon ist die nebensächlichste und tatenloseste person im ganzen buch.
Ihr Kommentar zu Der Finne

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: