Wynonas Jobs von Sylvia Grünberger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Essencia-Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Österreich, 1990 - 2009.

  • Schwetzingen: Essencia-Verlag, 2009. ISBN: 978-3868790078. 400 Seiten.

'Wynonas Jobs' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die schauspielerisch talentierte Wynona lässt sich für zwielichtige Jobs engagieren. Zu spät erkennt sie, mit einem bezahlten Auftritt in der Öffentlichkeit einer Mörderin ein Alibi geliefert zu haben und entsetzt muss sie feststellen, nun selbst der Tat verdächtigt zu werden. Auf ihre Weise versucht sie herauszufinden, wer diesen perfiden Mordplan ausgeheckt hat. Doch der leitende Kriminalbeamte und ein windiger Sensationsreporter sind ihr bereits dicht auf den Fersen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf diese Verkleidungen fällt jemand rein?« 50°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Wynona Waggon verdient ihren Lebensunterhalt auf ziemlich kuriose Weise. Sie nutzt ihr schauspielerisches Talent, um – selbstredend gegen ein angemessenes Salär – die Probleme ihrer Mitmenschen zu lösen. Sie werden eine hartnäckige Verehrerin nicht los? Kein Problem – Wynona tritt mit einem ebenfalls »angemieteten« Kind auf und schlägt die Dame mit der herzzerreißenden Rolle der betrogenen Ehefrau in die Flucht! Unglücklicherweise wendet sich diese durchaus raffinierte Geschäftsidee gegen die Heldin, als diese erkennen muss, dass ihr ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll. Offensichtlich nutzte eine gewiefte Mörderin ein Szenario, das von Wynona für einen ihrer Aufträge vorbereitet wurde, nicht nur dafür aus, um das Opfer in Verlegenheit zu bringen. Sie schafft vielmehr durch einen Mord vollendete Tatsachen. Wynona Waggon muss jetzt ihre Unschuld beweisen. Aber wer will einer Frau mit tausend Gesichtern schon glauben?

Grundsätzlich ist die Idee des Mordes unter Zuhilfenahme des Rollentausches nicht neu. Agatha Christie beschrieb in ihrem Krimi Dreizehn bei Tisch (Lord Edgeware dies) eine ähnliche Konstruktion, bei der ebenfalls die angeheuerte Doppelgängerin einer Hauptverdächtigen eine maßgebliche Rolle spielte. Hier soll der Vergleich aber auch schon enden, denn wo die »Queen of crime« ein raffiniertes und geschliffenes Szenario entwickelte, hat Sylvia Grünberger – von Hause aus Autorin von Kindergeschichten – allenfalls einen dünnen Aufguss präsentiert.

So wird die Heldin Wynona Waggon zu Beginn des Romans als mehr oder weniger skrupellose Schauspielerin dargestellt, die – so lange die Kasse stimmt – bedenkenlos ihre Aufträge durchführt und damit teilweise das Leben ihrer Opfer ruiniert. Leider wird im Verlauf der Geschichte nicht wirklich klar, worin dieser »Ruin« besteht, beschränkt sich doch die Autorin in erster Linie darauf Wynona’s bewegten Werdegang darzulegen. Natürlich muss sich die ach-so-hartgesottene Heldin dann doch ihrer Vergangenheit und ihren moralischen Grundsätzen stellen, als sie sich einerseits in den angesprochenen Verstrickungen wiederfindet und sich andererseits verliebt. Sylvia Grünberger ist es dabei nicht gelungen, die Entwicklung der Heldin vom Saulus zum Paulus nachvollziehbar darzustellen. Das eigentliche »Aha-Erlebnis«, das einen wichtigen Baustein für Wynona’s Gefühlskälte und ihre vielen »Masken« bildete, bleibt daher nicht nachvollziehbar und hat mit dem eigentlichen Krimi im übrigen auch überhaupt nichts zu tun.

Als ein besonderer Schwachpunkt des Romans sollen auch die nicht nachvollziehbaren Reaktionen und die konstruierte Sprache nicht unerwähnt bleiben, die den Leser regelmäßig mit der Frage zurück lassen, wer zum Teufel sich denn so ausdrückt:

»Die sexuellen Praktiken dieses Lustmolchs haben mich angewidert. Die Frau, die diesen Kerl loswerden wollte, hatte einleuchtende Gründe. Ihr bei einer angemessenen Abfindung behilflich zu sein, bereitete mir einen schier teuflischen Hochgenuss«, lachte Wynona höhnisch.

Diese unglaubwürdigen Konstruktionen finden ihren Höhepunkt als es Wynona – wieder in einer ihrer Verkleidungen – gelingt, den Mord in einem theatralischen und überkandidelten Showdown aufzuklären, in dem sie eine Person aus dem Kreis der Verdächtigen in einer Kneipe(!) vor dem Barkeeper(!!) mit Alkohol abfüllt(!!!) und dazu zwingt, ihre Karten auf den Tisch zu legen. Für sich nimmt die Heldin die persönliche Erkenntnis mit nach hause, dass sie ihr Leben hinter ihren Masken verbracht und nun endlich ihre wahren Gefühle zeigen kann. Diese Erkenntnis hilft dem Leser, der sich seit längerem fragt, wer eigentlich auf solche plumpen Verkleidungen und Konstruktionen herein fällt, nicht weiter und so sei demjenigen, der tatsächlich einen guten Krimi zum Thema Doppelgänger sucht, dann die gute alte »Dame Agatha« empfohlen.

Sabine Bongenberg, September 2010

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A.Thiesmeyer zu »Sylvia Grünberger: Wynonas Jobs« 01.11.2010
Dieses Buch hat mir gut gefallen, weil in seinem Zentrum eine schillernde, interessante Hauptfigur steht und solche Bücher mir immer die liebsten sind. Wynona schlüpft für ihre Auftraggeber auf perfekte Weise in viele Rollen. Dass jemand ihr Talent und ihre Verwandlungsfähigkeit für einen kriminellen Zweck, nämlich Mord, missbraucht, hat eine innere Logik, ebenso wie ihr dringender Wunsch, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Der Autorin scheint es weniger um die Ermittlung des Kriminalfalles zu gehen als um die psychische Situation der Wynona. Dazu erfahren wir eine Menge interessanter Details aus dem Leben einer Frau, die schon als Kleinkind zwischen Filmsets lebte, die als Vierjährige lachte und weinte, sobald es verlangt wurde, und für die es zwangsläufig keinen anderen Weg gab als den in ein permanentes Rollenspiel. Die Autorin beschreibt alles sehr ausführlich und wortgewandt, das Buch liest sich trotz häufig wechselnder Perspektiven flüssig und angenehm. Für mich ist es die gelungene Geschichte von Wynona, obwohl ich mit der Art der Täter-Überführung nicht ganz einverstanden bin – und wenn ich richtig zwischen den Zeilen gelesen habe, war Wynona es auch nicht. Jedenfalls hat das Buch einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht. Das zweite Buch der Autorin liegt bereits auf meinem Nachttisch.
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