Dünengrab von Sven Koch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Droemer Knaur.
Folge 1 der Tjark-Wolf-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2013. ISBN: 978-3-426-51322-4. 416 Seiten.

'Dünengrab' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In dem kleinen Ort Werlesiel an der friesischen Küste verschwindet ein junges Mädchen nachts im dichten Seenebel. Femke Folkmer, Chefin der kleinen Polizeiinspektion, glaubt nicht an einen normalen Vermisstenfall. Aber auch die Schauergeschichte, die die Küstenbewohner sich erzählen, hält sie für eine Mär. Kriminalist Wolf verstärkt ihr Team. Doch statt der Vermissten finden die Ermittler den versteckten Friedhof eines Serienmörders …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Angst, die vom Wasser ausgeht« 84°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Kriminalliterarisch betrachtet scheint es in Deutschland deutliche Wogen zu geben, where it’s hot and where it's not. War es anfangs mal die Eifel (Jacques Berndorf), später das Allgäu (Klüpfel & Kobr), scheint jetzt Ostfriesland die Region zu sein, in der bevorzugt Leichen abgelegt werden. Vorrreiter war da fraglos Klaus-Peter Wolf mit seinen Ostfriesen-Krimis um Kommissarin Ann Kathrin Klaasen aus Norden/Aurich. Dünengrab von Sven Koch, wie Wolf ebenfalls kein »Eingeborener«, spielt auch auf der ostfriesischen Halbinsel, allerdings in einem fiktiven Ort namens Werlesiel, von der Lokalisierung mit Tendenz zu Friesland, d.h. weiter östlich Richtung Wilhelmshaven. Koch lässt dort einen Serienmörder sein Unwesen treiben.

Seit Jahren erzählt man sich in Werlesiel Schauergeschichten über ertrunkene Mädchen, deren Tod der dichte Nebel über der Nordsee verschleiert hat. Umso gruseliger, was der alte Fokko Broer eines nachts erlebt: Steht doch eine junge Frau vor seiner Haustür, um direkt daraufhin wieder zu verschwinden. Eine Einbildung? Keineswegs. Tatsächlich gab es in dieser Nacht einen Verkehrsunfall direkt hinterm Deich, allerdings ohne Opfer.

Tjark Wolf, erfolgreicher Ermittler und Buchautor – damit eine Art Star der niedersächsischen Polizei -, wird wegen interner Verfehlungen an die Küste geschickt, um den vermeintlich leichten Fall schnell zu lösen. Doch als er mit der örtigen Polizistin Femke Folkmer in den Dünen ein Massengrab entdeckt, erweist sich die Sache als komplizierter als angenommen. Ein Wettlauf um das Leben der jungen Vermissten beginnt – gegen die Zeit und gegen die Tide …

Daraus macht Sven Koch einen gut 400 Seiten umfassenden Thriller, aufgeteilt in immerhin 88 Kapitel. Routinierte Fans des Genres sehen daran: An Cliffhangern spart der Autor beileibe nicht. Das, was das entführte Mädchen durchmachen muss, unterbricht regelmäßig die Polizeiarbeit und sorgt eben genau dafür, wofür dieses Stilmittel da ist – der Lesesog ist stark, das vom Autor beabsichtigte Mitfiebern bleibt beileibe nicht aus. Und dass Koch sich mit Dramaturgie wie vom Film bestens auskennt, ist spätestens beim großen Showdown im dunklen Watt keine Vermutung mehr, sondern Fakt.

Auch wenn die »Dünen«-Reihe mit Tjark Wolf und Femke Folkmer auf Duo-Arbeit ausgelegt sein mag: Die interessantere Figur mit mehr Potenzial ist sicherlich dieser merkwürdige Tjark Wolf. Klar, einen Ermittler mit Paranoia vor Wasser ausgerechnet an die Nordsee zu schicken, hat seitens des Autors fast schon sadistische Züge. Aber dieser Wolf hat auch viele Ecken, Kanten und Eigenheiten. Er sammelt mit großer Hingabe Comics, ist ein Gerechtigkeitsfanatiker (kommt vielleicht sogar durch die Comic-Helden, wie sich abzeichnet), im Dienst eben deshalb nicht zimperlich, aber auch ein großer Kontroll-Freak, was seine Geldanlagen angeht – er zockt erfolgreich an der Börse.

Was Autor Sven Koch aus den anderen absehbaren Serienhelden macht, bleibt freilich abzuwarten. Wird mit Femke Folkmer aus dem Landei vom Dorf, dem »hässlichen Entlein«, der großen Verehrerin Tjark Wolfs ein ebenbürtiger Sidekick? Bleibt Partner Fred der gute, zuverlässige Kumpel an Wolfs Seite (Ihr Rezensent hat dabei nicht nur wegen der Namensähnlichkeit zum Tatort-Kommissar ein Bild von Dietmar Bär vor Augen)? Und was wird aus Wolfs türkischer Kollegin Ceylan? Aus dieser Konstellation ist noch viel zu machen, die Grundlagen hat Koch aber schon im ersten Teil der Reihe sauber gelegt, wenngleich das Ende offene Fragen hinterlässt.

Dünengrab hat letztendlich alles, was einen guten Krimi ausmacht: Eigenwillige, originelle Charaktere (an vorderster Front natürlich Tjark Wolf), einen nachvollziehbaren wie spannenden Plot, eine gute Schreibe und mit Ostfriesland ein Setting, das nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern für die Handlung sogar zwingend erforderlich ist. Mit Sicherheit ist an der Nordseeküste Platz für mehr als eine erfolgreiche Krimireihe – Klaus-Peter Wolf muss sich warm anziehen.

Lars Schafft, September 2013

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Eule Buer zu »Sven Koch: Dünengrab« 28.07.2015
Einen Sven Koch Krimi möchte ich mir auch mal holen. Aber erstmal verschiedene Meinungen einholen. Wenn ich es aber richtig verstanden habe, was ich hier so lese, scheint er keine große Konkurrenz für meinen heißgeliebten Ostfriesenkrimi-Autor Klaus-Peter Wolf zu sein. Aber dafür ist die Krimi-Couch ja da. Den Austausch der Krimi-Fans auf Krimi-Couch finde ich gut. Danke, Herr Schafft, daß Sie Krimi-Couch ins Leben gerufen haben. Das war ein Lob, keine Ironie.
Redaktion krimi-tick.de zu »Sven Koch: Dünengrab« 13.09.2014
Uns hat diese Rezension so gut gefallen, dass wir sie in unserem Artikel genannt haben:
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Titel:
Die Geburtsstunde eines interessanten Ermittler-Trios: Der spannende Krimi “Dünengrab” von Sven Koch
URL:
http://www.krimi-tick.de/2014/09/13/die-geburtsstunde-eines-interessanten-ermittler-trios-der-spannende-krimi-duenengrab-von-sven-koch/
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Beste Grüße
Torsten zu »Sven Koch: Dünengrab« 24.10.2013
Ich hatte ja anfangs schon befürchtet, dass dem Autor der Formulierungsgaul allzu heftig durchginge - aber Stilblüten wie "Die Walther zuckte einige Male in Tjarks Hand. Mit lautem Bellen spie sie Kugeln in Richtung des Coyoten..." blieben glücklicherweise die seltene Ausnahme.
Um ganz sicher zu gehen, dass der Leser die Handlung auch richtig verortet, hat Sven Koch dann nahezu ausschliesslich nordische Vornamen vergeben - Femke, Tjark, Fokko, Ruven, Eike usw.
Manches ist zwar zu sehr ausgewalzt wie der Kloss im Magen von Femke, der gefühlte hundert Mal bedeutungsschwanger glüht und die Verweise auf die Comicsammlung von Tjark mussten auch nicht so häufig sein, aber insgesamt liest sich das flott und recht spannend. Zwar ist die Auflösung doch früh ziemlich vorhersehbar, aber das tut dem Lesefluss keinen grossen Abbruch.
Über Unwahrscheinlichkeiten beim Showdown, was Rettungseinsätze besonders im Nebel angeht, muss man auch grosszügig hinwegsehen, genauso wie das Ende auch ein wenig zu pathetisch für meinen Geschmack ausgefallen ist.
Ganz so hoch wie Lars Schafft würde ich das Buch nicht bewerten, aber für solide Unterhaltung hat's gereicht.
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