Dunkles Blut von Stuart MacBride

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Dark blood, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 6 der Logan-McRae-Serie.

  • London: HarperCollins, 2010 unter dem Titel Dark blood. 469 Seiten.
  • München: Manhattan, 2011. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-442-54689-3. 574 Seiten.

'Dunkles Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Mord an einem Polizeispitzel und der Zuzug eines fromm gewordenen Vergewaltigers beschäftigen einen auch privat aus der Bahn geworfenen Polizisten, der dennoch den Zusammenhang erkennt und in einen Unterwelt-Krieg gerät … – In seinem 6. Fall gerät Logan McRae stärker unter Druck denn je, doch der spannend verwickelte Fall und der trockene, manchmal grobe Humor des Verfassers halten das Mitleid des gut unterhaltenen Lesers in Grenzen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Welt wird höchstens grotesker statt besser« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Detective Sergeant Logan McRae von der Grampian Police im ostschottischen Aberdeen steckt noch tiefer im Dreck als sonst. Privat ist sein Alkoholkonsum so arg außer Kontrolle geraten, dass sich die Folgen auf seine Arbeit auswirken. McRae pöbelt Vorgesetzte wie Kollegen gleichermaßen an. Selbst seine unkonventionelle und belastbare Vorgesetzte Roberta Steel kann ihn nur noch mühsam vor längst fälligen Konsequenzen schützen.

Niemand weiß oder darf wissen, dass McRae seit einiger Zeit einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat: Weil er legal seinem Intimfeind, dem Gangsterboss Malcolm »Malk the Knife« McLennan, nicht das Handwerk legen kann, versorgt er dessen Konkurrenten Wee Hamish Mowat mit Informationen. McRae hofft auf einen Gangsterkrieg. Stattdessen betrachtet Mowat ihn als Spitzel, bezahlt ihn neuerdings und bringt ihn dadurch erst recht in die Bredouille.

Um McRae ein wenig aus der Schusslinie zu nehmen, lässt ihn Steel ein Auge auf Richard Knox werfen. Der angeblich reuige und fromm gewordene Vergewaltiger hat sich nach Verbüßung seiner Haftstrafe in Aberdeen niedergelassen, wo er rund um die Uhr bewacht wird. Dass Knox über geheime und mächtige Verbündete verfügt, bleibt McRae verborgen, der von Steel zusätzlich auf die Suche nach ihrem Spitzel Steve Palmont geschickt wird, der seit einiger Zeit verschwunden ist. Palmont spionierte auf einer Baustelle, die zum Geschäftsimperium von McLennan gehört. Dort findet man ihn schließlich auch: unter einer meterdicken Betonplatte.

Mehrfach abgelenkt entgeht McRae, dass Knox unter Ausnutzung seiner Verbindungen einen Rachefeldzug gegen jene plant, die ihn hinter Gittern gebracht und drangsaliert haben; eine Liste, die stetig länger wird …

Spirale der irrwitzigen Gewalt

Die Welt ist schlecht, und in Schottland wird dies zusätzlich klimatisch durch allgegenwärtige Kälte und Dauerregen deutlich gemacht. Außerdem ist besagte Welt ein Irrenhaus, was nur scheinbar humorvoll durch die Beschreibung eines Polizeireviers vermittelt wird, das ausschließlich von desillusionierten Sonderlingen und karrieregeilen Dummköpfen bevölkert wird.

Auch im 6. Band seiner Logan-McRae-Serie hält Autor Stuart MacBride somit den eingeschlagenen Kurs ein. Während man ihm durchaus zutraute, ein weiteres Mal mit einem ebenso verzwickten wie spannenden Plot aufzuwarten, blieb abzuwarten, ob es ihm gelingen würde, den schmalen Grat zwischen Realität und Übertreibung zu meistern. Zu abgedreht schienen die schwarzhumorigen Späße der früheren Bände zu sein, um sie noch toppen oder wenigstens das Niveau halten zu können.

Aber MacBride kann sich abermals halten. Dunkles Blut ist ebenso düsteres Krimi-Drama wie Spiegelbild einer aus den Fugen geratenen Welt. Wie üblich zersplittert der Autor den Plot in Fragmente, deren Zusammenhänge sich erst allmählich erschließen. Hinzu kommt ein roter Faden, der sich über mehrere Bände erstreckt und deshalb vor allem denjenigen Lesern erschließt, die der Serie treu folgen. Seit Jahren kämpft Logan McRae nicht nur gegen seine privaten Dämonen, sondern auch gegen den Gangster »Malk the Knife«, mit dem ihn eine seltsame Hassliebe verbindet. Aktuell kommt die Sorge um Steels Tochter, die ihre Existenz einer Samenspende McRaes verdankt: ein besonders aberwitziger Einfall des Verfassers.

Lachen, das im Hals steckenbleibt

Darüber hinaus konfrontiert uns MacBride mit dem Senioren-Vergewaltiger Richard Knox, der angeblich zu Gott gefunden hat. Geschickt verschleiert der Autor, dass diese Wendung nicht nur echt, sondern auch die Wurzel eines viel größeren Übels ist. Durch seine diversen Scharmützel ist Logan McRae leider so stark abgelenkt, dass er einen Psychologen überhört, der vor jenen Fanatikern warnt, die im selbst formulierten Auftrag eines missinterpretierten Gottes handeln.

Doch es gärt in der Unterwelt von Aberdeen, was McRae zum Teil entschuldigt. »Malk the Knife« versucht mit allen Mitteln die Ausdehnung seines Reviers. Er missachtet wissentlich das Territorium seines Rivalen Mowat, den das Alter nicht gebrochen, sondern höchstens härter gemacht hat. Normalerweise könnte McRae darauf warten, dass die beiden Bosse sich an die Gurgel springen, doch wieder einmal hat er sich selbst ein Bein gestellt, indem er die Rivalität durch einen allzu schlauen Plan zu intensivieren versuchte. Nun betrachtet ihn Mowat als ´seinen´ Polizisten – ein weiteres Problem, das McRae sein Dasein erschwert.

Er steckt ohnehin tiefer in Schwierigkeiten, als er sich selbst klarzumachen wagt. Der Leser amüsiert sich über die Wortgefechte mit Vorgesetzten und Kollegen. Sie zeigen freilich, dass McRae auf der Kippe steht: Aus dem unkonventionellen aber fähigen Polizisten mit heldenhafter Vergangenheit droht ein alkohol- und streitsüchtiger Sonderling zu werden, der mit mindestens einem Bein im Gefängnis steht. Mit dem ihm in dieser Hinsicht eigenen Talent steigert McRae seine Not, indem er einen Schläger verprügelt, der diese Schmach nicht auf sich beruhen lassen wird.

Kollegen kann man sich nicht aussuchen

»Dildo«, »Bartgesicht Beattie« und »Biowaffen-Bob«: Dies sind nur drei der seltsamen Gestalten, mit denen MacBride die engen und möglichst ungemütlichen Räume der Grampian Police bevölkert. Von oben werden sie getreten und durch absurde Vorschriften gegängelt, für moderne Ausrüstung ist kein Geld da, die Bevölkerung macht sich über sie lustig und wird von den Medien noch angestachelt. Der Ausnahmezustand ist längst Alltag geworden. Auf ihre Art versuchen die Beamten damit fertigzuwerden. Logan McRae ist keineswegs der einzige Exzentriker, den diese Situation hervorgebracht hat.

In einer globalisierten, von Profit- und Kostensenkungsdenken und dem organisierten Verbrechen dominierten Welt kämpft die Polizei auf verlorenem Posten. Nicht nur Dauerarbeitslose oder verarmte Rentner, sondern auch Handwerker oder Händler verdienen sich illegal etwas hinzu. Es wird geschmuggelt und gefälscht; sogar nachgeahmte Marken-Zahnpasta wird verhökert. Der Grampion Police gelingen selten und eigentlich sinnlose Erfolge.

Richard Knox gibt dem Chaos ein Gesicht. Verkehrte Welt: Als überführten Serien-Vergewaltiger behält man ihn nicht etwa in Sicherheitsverwahrung. Knox kehrt als freier Mann nach Aberdeen zurück, wo man ihn auf Kosten des Steuerzahlers rund um die Uhr betreuen, bewachen und vor dem wütenden Mob schützen muss, der ihn aus der Stadt treiben oder lynchen will.

Gerechtigkeit per Nachhilfe

Generell wirkt das System so erstarrt, dass Eigeninitiative gefragt ist, um den Alltag in Gang zu halten. McRaes Pakt mit Wee Mowat ist ein entsprechender, gefährlicher Versuch. Freilich legen alle auftretenden Polizisten die Dienstvorschriften großzügig aus. Der politisch korrekte Leser mag dies kritisch sehen. Allerdings wimmelt das Krimi-Genre seit jeher von Rechtsvertretern aller Art, die möglichst selbstständig ihren Jobs nachgehen.

MacBrides Weltsicht ist deprimierend aber konsequent. Also fällt das Happy-End aus. Doch nicht einmal ihre Teilsiege gönnt MacBride der Gerechtigkeit. Eine böse Coda konterkariert, was sich versöhnlich abzuzeichnen schien. Die Welt ist wie gesagt schlecht, aber es bleiben auch sonst mehr als genug lose Enden, die neugierig auf die Fortsetzung der Logan-McRae-Serie machen!

Michael Drewniok, Juni 2011

Ihre Meinung zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut«

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benfi zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 03.02.2016
Der sechste Roman um den Detective Sergeant Logan McRae mit dem Titel 'Dunkles Blut' gibt dieser Hauptcharaktere neue Aufgaben, denn eine kontrollierte Überwachung eines ehemaligen Inhaftierten war in den bisherigen Bänden noch nicht vorgekommen. Dass der Autor Stuart MacBride allerdings mit diesem Prozedere in eine ganz andere Richtung zielt, macht er mit fortschreitender Geschichte deutlich. Ebenso erleben die Leser, welche Logan schon seit Beginn an folgen, wie sein Leben ihm tatsächlich langsam zu entgleiten scheint. Mehr und mehr Alkohol, Unverständnis bei Freundin und Kollegen, beruflicher Neid; irgendwie scheint es logisch, dass dem tragischen Helden dies widerfährt. Am schlimmsten wirkt sich meiner Meinung nach noch das unverschuldete Abrutschen in die Korruption ab. So etwas erwartet ein Leser und Fan des 'guten Buben' auch selten. Aber: that's life! Diese dramatischen wie soap-ähnliche Ereignisse machen den Roman interessant, wie auch die sehr angenehme Schreibweise von MacBride irgendwie an die Buchseiten bindet. Erstleser des Autors werden an einigen Geschehnissen vielleicht nicht so wirklich Gefallen finden, da sie den Faden inmitten eines Gewusels aufnehmen müssen. Der hauptsächliche Kriminalfall um den Vergewaltiger und seinen Aufpasser ist recht interessant, wie auch der Nebenstrang um Steels verschwundenen V-Mann. Am Ende kann man schon sagen, dass man hier einen recht guten Roman vorgesetzt bekommt, der allerdings McRae-Fans eher zusagen wird, als Neulingen...
79°
Stoffel zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 03.06.2012
Aus den Vorgängern dieses Buches ergab sich eine gewisse Erwartungshaltung- die leider nicht wirklich erfüllt wurde.

Die Beziehungen flach und gespickt mit Fäkalausdrücken- eine Roberta Steel die sich ständig im Schritt kratzt- und Kollegen, die entweder nur dumm, überfordert oder einfach karrieregeil sind.
Soviele Klischees auf einmal zu bedienen, kann nur schief gehen- die Übertreibungen eines Polizeialltags riefen bei mir an so mancher Stelle ein Kopfschütteln hervor.

Meiner Meinung nach wurden zu viele Beziehungen viel zu flach geschildert- wobei die eigentliche Handlung um einen geläuterten Vergewaltiger völlig in´s Absurde abschweift.
Die Beziehung zu sich selbst scheint Logan völlig verloren zu haben- wie will der Autor einen vor der Selbstzerstörung stehenden Helden weiter leben lassen?
Heidelore Greshake zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 08.08.2011
Für mich überschreitet dieses Buch die Ekelschwelle. Die städigen Fäkalausdrücke
nerven, als wenn sich je eine Vorgesetzte so mit ihrem Mitarbeiter unterhält. Die Zustände einer Polizeidienststelle werden in allen schäbigen Einzelheiten (unvorstellbar) in den ersten 250 Seiten geschildert. Es hätten kurz höchstens 50 Seiten zwischendurch eingefügt gereicht.
Diese Buch ist für mich einfach schlecht. Unverständlich die im Cover angeührte Auszeichnung.
Michael Wienecke zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 10.07.2011
Das Buch wandelt knapp an der Ekelschwelle und ist in großen Teilen einfach widerlich. Man hätte sich da anderer literarischer Mittel bedienen können.
Wenn der Autor die Absicht hat, den depressiven oder was auch immer Zustand der Gesellschaft oder der Polizeiarbeit darzustellen, ist ihm das misslungen. Und die Fälle geben auch nicht viel her.

Für micvh ein absoluter Fehlkauf
achim zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 01.06.2011
573 Seiten, 674 Gramm, Paperback

(Ich hasse diese neumodischen Paperbacks, sie kosten viel Geld, sind sauschwer und total unhandlich und wenn man sie gelesen hat, bleibt immer ein leicht veränderter Buchrücken zurück, da kann man vorsichtig sein, wie man will.)

Stuart MacBride hat in seinen letzten Romanen ja bekanntlich ziemlich Gas gegeben, das bewerkstelligt in diesem Roman leider nur ein Polizist namens Bob, der mit seinen übelriechenden Fürzen kontinuierlich die Polizeistation verseucht. Ansonsten weht bei diesem Roman leider nur ein leichtes Windlein, stellenweise sogar totale Flaute. Warum nur, meinen Krimiautoren Romane abgeben zu müssen, mit gar epischen Ausmaßen. Das Ziel lautet doch "kurz und knackig". So muss ein Roman sein. Jeder Satz eingehämmert ins Hirn des Lesers. Langatmiges bla bla, das will doch niemand lesen. Nur die allerwenigsten Autoren schaffen es, Romane mit über 400 Seiten zu fabrizieren und dennoch, die Spannung aufrecht zu erhalten. MacBride schafft das mit "Dunkles Blut" leider nicht einmal ansatzweise. Einer meiner gern gelesen Schriftstellern hat hier in seiner McRae-Serie zum ersten Mal so richtig gepatzt. Das Schema "ewiger Loser Laz" wird bei "Dunkles Blut" derart überstrapaziert, das es einfach langweilig erscheinen muss.

In Schottland müssen schlimme Zustände herrschen, wenn DS kein Polizeiauto zur Verfügung gestellt bekommen, um ihre Fälle zu lösen, sondern mit Privatfahrzeugen zu Tatorten fahren müssen, bewaffnet mit einem Pfefferspray und dies natürlich meist im Alleingang.

MacBride erzählt seitenfressend von mehreren kriminellen Vorgängen, die er dann, einige hundert Seiten weiter, ebenso langatmig versucht zusammenzuführen. Da entsteht null Spannung. Der Leser darf lediglich mit fiebern, wie sich DI Steel über viele Seiten hinweg im Schritt kratzt, da sie sich die Bikinizone rasiert hat, um in den Urlaub, in den sonnigen Süden zu verreisen.


MacBride hat bewiesen, dass er es weitaus besser kann, warten wir daher hoffnungsvoll auf seinen nächsten Roman.

Leider nur 50°.
koepper zu »Stuart MacBride: Dunkles Blut« 27.05.2011
Im neuesten Werk von Stuart MacBride treffen wir die üblichen Bekannten, Logan McRae, seine Vorgesetzte DI Steel und andere Ermittler der Kripo in Aberdeen. Mac Bride erzählt eine komplexe Geschichte, die sich rund um den strafentlassenen Richard Knox, einem Vergewaltiger, dreht. Die Zutaten sind auch aus den Vorgängerwerken bekannt, derber Humor, Gewalt, unfähige Kollegen und mittendrin der von allen drangsalierte Held, Logan. Das liest sich wie immer gut, dennoch nutzt sich die Machart langsam etwas ab. Es ist schon sehr vorhersehbar, welchen Verlauf die Story nimmt. Einige urkomische Szenen gelingen dem Autor, sein Humor ist wie immer grandios und bereitet viel Vergnügen, dennoch konnte mich „Dunkles Blut“ nicht so fesseln, wie die anderen Krimis von MCBride.
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