Blinde Zeugen von Stuart MacBride

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Blind Eye, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Aberdeen, 1990 - 2009.
Folge 5 der Logan-McRae-Serie.

  • London: HarperCollins, 2009 unter dem Titel Blind Eye. ISBN: 978-0007244577. 517 Seiten.
  • München: Manhattan, 2010. Übersetzt von Andreas Jäger. ISBN: 978-3-442-54683-1. 544 Seiten.

'Blinde Zeugen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Die Angst geht um unter den polnischen Einwanderern in Aberdeen. Keiner weiß, wer von ihnen als nächstes mit ausgestochenen Augen und mehr tot als lebendig irgendwo in der Stadt gefunden wird. Die Briefe, die der Täter an die Polizei schickt, lassen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass er auf der Jagd nach immer neuen Opfern ist. Von denen kann oder will keiner den Ermittlern weiterhelfen, und der einzige Zeuge ist ein Pädophiler auf der Flucht. DS Logan McRae und seine Kollegen stehen unter gewaltigem Druck, der noch verstärkt wird durch den Verdacht der Korruption in den eigenen Reihen. Zu allem Überfluss ist McRae auch noch ins Visier von Aberdeens mächtigster Unterweltgröße geraten – der Sommer in der Stadt aus Granit verspricht heiß zu werden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fremde Wölfe, die als Hunde durchgehen« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Es geht munter zu in DS Logan McRaes Aberdeener Welt. Zusammen mit seiner Vorgesetzten DI Steel bildet er ein amüsantes Ermittlerpaar, bei dem man nie weiß, was sie eigentlich mehr beschäftigt. Ihr Privatleben oder das Verbrechen. Während draußen den Polen die Augen ausgestochen werden und ein anonymer Täter sich in Zeitungsschnipsel gleichermaßen als Bekennerschreiben seiner Verzweiflung brüstet, sind die eigentlichen Themen von DI Steel die anstehende Adoption mitsamt einer Persönlichkeitsüberholung. Sie soll plötzlich auf Geheiß ihrer lesbischen Freundin einen Rock tragen und mit dem Trinken, Rauchen und Fluchen aufhören. DS Logan wiederum bringt eine neue Liebe auf Touren, die in einem Wohnwagenpark wohnt und genüsslich die Narben seiner Stichwunden auf der Brust zählt.

Stuart MacBride, der mit Die dunklen Wasser von Aberdeen den Barry Award gewann, stammt wie Ian Rankin aus Schottland, doch unterschiedlicher können zwei Autoren ihre Plots kaum stricken. Während Rankin die gepflegte Aufklärung mittels seines schillernden Rebus bevorzugt, rast MacBrides Geschichte voran, als gelte es, mit der Schultern Türen einzurammen, um einen letzten Funken Hoffnung zu bewahren.

Eben noch hat sich einer der erblindeten Zeugen zu Tode gesoffen, da wird bereits ein Brandanschlag auf das Wettbüro »Turf’n Track« gemeldet. Wie will da ein Mensch zur Ruhe kommen. Logan MacRae jedenfalls nicht. Nicht nur, dass er zu wenig Schlaf bekommt, er hängt auch zu viel in Pubs herum oder streitet mit Kollegen oder Vorgesetzten wie seinem Chief Inspector Finnie. Dass einem wie ihm keine große Karriere bevorsteht, dürfte klar sein. Logan McRae ist der Master of Chaos. Gibt es irgendwo ein Fettnäpfchen, eine absurde Drehung, DS MacRae zieht es an.

Es sind MacBrides mitunter witzige Dialoge, die den rasanten Spannungsaufbau brechen und dem Leser etwas Luft verschaffen. Er versteht sich auf Beschreibungen von Menschen und nicht auf die coole Ausstattung von Superhirnen. Sein Aberdeen ist nicht noir, ist nicht kafkaesk oder hard-boiled, es ist bunt und schnelllebig, atemlos. Mütter passen auf ihre gewalttätigen Söhne auf, Hunde reißen Polizisten das Hosenbein vom Knöchel, DI’s erleichtern ihren Mageninhalt im eigenen Vorgarten, das pralle Leben halt.

Das erinnert natürlich an Joseph Wambaugh und Ed McBain und sein 87. Polizeirevier, die der Welt der Ermittler eine in sich zerrissene Bodenhaftung schenkten. Angesichts eines Aberdeens, dass sich wie New York zu Zeiten von Ed Koch aufführt, wenn man allein die Schlagzeilen des »Aberdeen Examiners« Glauben schenk darf:

»Straßen sind nicht mehr sicher – Polizei verliert die Kontrolle – Serientäter blendet Opfer – Pädophiler vermisst – Drogengewalt schlimmer denn je – Frau in Park vergewaltigt.«

Da traut sich doch niemand mehr vor die Tür. Erst recht nicht, wenn man Logan McRaes hilfloses Umherrudern zwischen Vorgesetzen und Toten im Angesicht von Lügen, Einschüchterung und hemmungsloser Gewalt verfolgt, einem Mann, der eigentlich nur seinen Job machen will.

Stuart MacBride ist mit Blinde Zeugen ein rasanter Thriller über unerwünschte Einwanderer – in seinem Fall Polen – gelungen, bei dem das Stammtischgeschwätz nicht länger an der Promillegrenze endet, vielmehr zur Selbstjustiz greift. Sie nennen den Serientäter Ödipus. Wegen der ausgestochenen Augen.

Ein Schelm, der dahinter eine Anspielung vermutet. Ödipus tötete im Handgemenge zwar den König von Theben und bekam als Lohn dessen Frau zur Ehefrau. Nur leider war der König sein Vater und die Ehefrau seine Mutter. Mancher gräbt sich halt selber das Grab, in das er unbedingt hinein fallen will. Der Hass, der in Blinde Zeugen – um sich greift, hebt mehr als ein Grab aus.

Kniescheiben werden mit Hämmern zertrümmert, Gesichter von Prostituierten verunstaltet, alles unter Fahne eines guten aufrichtigen, von Fremden gesäuberten Schottlands.

So long, Logan.

Wolfgang Franßen, Januar 2011

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benfi zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 18.12.2015
Ich muss zugeben, dass ich ein wenig besorgt mit dem fünften Band um die Hauptfigur DS Logan McRae zu Lesen begonnen hatte, da ich nicht wusste, ob Autor Stuart MacBride es wie in dem Vorgängerband 'Blut und Knochen' an Beleidigungen und Provokationen innerhalb McRaes Kollegium wieder weit übertreiben würde. Doch schon nach einigen Seiten war klar: nein, der Roman 'Blinde Zeugen' läuft wieder in vertraute Bahnen. Klar ist der neue Vorgesetzte hart und fordernd, aber so ist nun auch jedermanns Alltag, auch wenn MacBride dies etwas auf die Spitze treibt – allerdings in erträglichem Maße. Der Fall mit den geblendeten Opfern ist düster und hart zugleich, so das auch Freunde des in meinen Augen knallharten Vorgängerbands nicht nörgeln sollten. Eine besondere Würze verleiht Logans Reise nach Polen dem Thriller - Charaktere wie Lesern tat dieser Tapetenwechsel sehr gut. Dazu wurde diese actiongeladen, was der Autor eigentlich eher dosiert anbringt. Durchgehend ist dies auch bei den Auftritten von DI Steel so, die Figur wird mit jedem Roman interessanter. Steels Kommentare sind einfach herrlich. Gedanken muss man sich allerdings um Logan machen, ihn scheint der Beruf, seine Beziehung und das ganze Drumherum so langsam zu entgleiten - ein frustrierter, zweifelnder Detective Sergeant hält den Leser bei der Stange, so wird er gespannt auf den nächsten McRae-Roman warten - ich tue es auf jeden Fall!
78°
saurezirone zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 17.06.2014
"Stuart MacBride ist das Aufregendste, was dem britischen Spannungsroman in den letzten 10 Jahren passiert ist".bitte? hat dieses Buch irgendjemand wirklich gelesen?
es ist das langweiligste Buch, was ich in den letzten 10 Jahren gelesen habe...blutrünstig ja, aber ganz sicher nicht spannendfürchterlich laaangweilig!
von Thriller und Humor keine Spur...
sorry..absolut nicht empfehlenswert
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
PeterPanter zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 19.01.2013
Logan McRae jagt einen Serientäter, der seinen aus Polen stammenden Opfern die Augen aussticht und die Augenhöhlen ausbrennt. Geht es um Fremdenhass, um Gebietskämpfe der "Unterwelt", eine persönliche Sache oder um religiöse Verirrungen? Anonyme Drohbriefe an die Polizei deuten auf fanatischen Hass gegen Immigranten - aber eines der Opfer ist Schotte...
Eine spannend geschriebene Story (für meinen Geschmack etwas zu derb in Sprache und Ausdruck - viele Comic-Begriffe wie "Klonk" und "Badamm" hat die Geschichte wirklich nicht nötig), die unseren Helden wieder mal kräftig in die Bredouille bringt. Außerdem gefällt mir, wie MacBride seinen DS McRae und dessen derbe Chefin DI Steel charakterisiert - man sieht beide förmlich vor sich, auch wenn Steel hier wieder kräftig "überzeichnet" wird: Kettenrauchend und auf der skurrilen Jagd nach Sperma für ein Kind mit ihrer Lebensgefährtin.
Nichts für schwache Gemüter und/ oder Fans von "feinen", englischen Soft-Krimis!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimitante zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 11.11.2012
spannend ist dieses buch. auch weil es immer wieder wendungen gibt, wenn man glaubt, dass alles geklärt ist. deshalb werden einem die 600 seiten auch nicht langweilig. aber mir persönlich ist der humor zu derb und das privatleben der protagonisten zu klamaukig. nicht alle menschen sind witzfiguren. ein bisschen weniger wäre da mehr. die story an sich ist ziemlich ralitätsnah, wenn auch sehr brutal.
fazit: gut zu lesen, aber trotzdem nichts für mich...
Mike zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 07.05.2011
DS Mc Rae bekommt wieder mal einen schier unlösbaren Fall und muß nebenbei auch noch sein Privatleben auf die Reihe beommen.DI Finnie und DI Steel machen ihm das Leben schwer und seine neue Freundin ist auch nicht pflegeleicht.Die Geschichte könnte auch wirklich passiert sein obwohl man da berücksichtigen muß das es halt ein Thriller und kein Tatsachenbericht ist.Besonders gefallen tun mir immer die Beschreibungen und Aussprüche von DI Steel was auch eigentlich das besondere an Mac Brides Büchern ist.Er verbindet Aktion,Humor und die Abgründe des Leben ziemlich gut und es gibt mmer wieder eine neue Wendung.
koepper zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 27.09.2010
Wieder mal absolute Klasse. Auch wenn das Strickmuster immer wieder gleich ist: Eine harte, blutige Geschichte, schräge Gestalten, derber Humor und abstruse Szenen. Und unser Held, Logan McPae muss wieder allerhand aushalten. Nicht nur die Gangster machen ihm zu schaffen. Davon gibt es eine fast unüberschaubare Menge in "Blinde Zeugen" Auch seine Kollgenschaft setzen Logan zu und das ist zum Teil urkomisch. MacBride bietet einfach absolut gute Unterhaltung. Für mich der spannendste, beste und skurrilste Mac Bride. Einfach großes Kino.
mimikrimi zu »Stuart MacBride: Blinde Zeugen« 14.09.2010
Dies ist mein erster MacBride.Natürlich ist die Story ziemlich blutig,die Nebenschauplätze werden in die Hauptstory mit eingebunden.Allerdings finde ich die Darstellungen der Geschenisse auf dem Polizeirevier etwas überspitzt,aber das ist wohl MacBrides britischer Humor.Auf jeden Fall habe ich an manche Stellen doch sehr geschmunzelt.Eine gekonnte Mischung aus knallhartem Thriller und humorigen Einlagen.Wobei ich mich allerdings frage,vieviel Leben Logan McRae noch hat.In den vorherigen Büchern mußte er auch schon viel einstecken.
mimikrimi
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