Alle, alle lieben dich von Stewart O´Nan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Songs for the missing, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.

  • New York: Viking, 2008 unter dem Titel Songs for the missing. 287 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. Übersetzt von Thomas Gunkel. 410 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Übersetzt von Thomas Gunkel. ISBN: 978-3-499-25425-3. 410 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Stephan Schad. 6 CDs.

'Alle, alle lieben dich' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Es ist ihr letzter Sommer vor dem College, der beste Sommer seit der achten Klasse. Kim badet im Fluss, steigt in ihren alten Chevy und macht sich auf den Weg zum Schnellrestaurant, wo sie arbeitet. Dann verliert sich ihre Spur. Familie, Freunde, Polizei – plötzlich sind alle betroffen. Kims Verschwinden rührt an den Grundfesten der mittelständischen Ordnung. Aus Menschen, die sie kannten, werden solche, die sie bloß zu kennen glaubten. Sie werden sich selbst und einander verdächtig. Und halten nach Kräften an dem fest, was ihnen zu entgleiten droht: Kim oder die Erinnerung an sie, die kleinstädtische Ruhe – und die eigenen Geheimnisse.

Das meint Krimi-Couch.de: »Anrührende Chronik eines Verschwindens« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

»Juli 2005. Es war der Sommer, als Kim die Chevette fuhr, mit J.P. zusammen war und sich das Haar wachsen ließ. Der letzte Sommer, der beste Sommer, der Sommer von dem sie seit der achten Klasse geträumt hatten, der anhaltende Stolz und die Freude, die ältesten Schüler zu sein, die Verlängerung ihres besten Jahres. Sie, Nina und Elisa, drei Amigos. Im Herbst würden sie aufs College gehen, wo sich Kim, wenn sie sich genug Mühe gab, hoffentlich in einen anderen Menschen verwandeln würde, der geheimnisvoll und unabhängig war und nichts mehr mit Kingsville zu tun hatte.«

Kims Traum, dem Mief des heimatlichen Provinzkaffs zu entkommen, soll sich jedoch nicht erfüllen. Kim badet mit ihren Freunden im Fluss und bricht auf, um mit ihrer Chevette zur Conoco-Tankstelle zu fahren, wo sie in den Ferien jobbt. Doch dort kommt sie nicht an. Als ihr Fehlen am nächsten Morgen bemerkt wird, glauben die Eltern zuerst, Kim hätte bei ihrer Freundin Nina übernachtet oder wäre mit ihrem Freund J.P. zusammen. Aber keiner hat das Mädchen gesehen und auch von ihrem Wagen fehlt jede Spur. Groß aufgebotene Suchaktionen bringen keinen Erfolg. Kim ist und bleibt verschwunden.

Der Albtraum aller Eltern wird für die Familie Larsen Wirklichkeit. Die Larsens sind eine ganz normale amerikanische Familie. Mom, Dad, zwei Töchter und der Familienhund leben im Eigenheim mit gepflegtem Rasen in einer guten Wohngegend. Sie sind mit ihren alltäglichen Problemen beschäftigt, das Geschäft von Vater Ed mit den Immobilien läuft nicht mehr so gut, Tochter Lindsay steckt mitten in der Pubertät und in der Ausbildung zum Führerschein. Das Verschwinden der 18jährigen Tochter reißt die Familie aus ihrer Routine. Die Mutter verfällt in wilden Aktionismus. Plakate werden gedruckt, Spenden eingesammelt und die Medien mobilisiert. Fran spricht im Fernsehen, auf Sportveranstaltungen und die Familie lebt öffentlich. Schnell und unmerklich wird das Leben mit dem Vermisstenfall zu einer neuen Routine, einem Schwebezustand zwischen Resignation und immer wiederkehrender Hoffnung.

Der Kriminalfall um das Verschwinden von Kim nimmt bei Stewart O’Nan eine schlussrangige Position ein, das Schicksal von Kim wird am Ende gänzlich unspektakulär aufgeklärt. Vielmehr erzählt der Autor eine Geschichte derer, die mit dem Verlust einer geliebten Person in ständiger Ungewissheit weiterleben müssen. Das ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen. Die Story ist beängstigend real, man fühlt und leidet mit den Angehörigen und Freunden der Vermissten mit. O’Nan erzählt aus vielerlei Perspektiven. Er kennt seine Figuren tief im Innersten und beschreibt bis ins Kleinste jede Gemütsbewegung seiner Protagonisten. Dabei entstehen intensive Eindrücke. Alle, alle lieben dich schildert eine zutiefst glaubwürdige Geschichte, die sich nicht so einfach abschütteln lässt. Man muss sich die Frage stellen, wie würde man sich selbst in dieser tragischen Situation verhalten?
Ein ganz starker Roman.

Ines Dietzsch, Mai 2009

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baiba zu »Stewart OŽNan: Alle, alle lieben dich« 06.06.2009
Dass dieses Buch in der krimi-couch überhaupt rezensiert wird, überrascht mich!
Für mich hatte es nämlich keine Krimi-Elemente. Danach habe ich gesucht bis zum langersehnten Schluß.
O`Nan präsentiert uns hier eine zwar in sich stimmige und auch berührende Familiengeschichte, aber ohne Spannungsbogen. Für mich ein lesenswerter Roman, aber ich hatte dummerweise einen Krimi erwartet. Das bekam ich nicht. Vom Verlag völlig falsch angekündigt und plaziert.(Ähnlich übrigens wie *Der Chinese* von Mankell, den Zsolnay uns als Thriller offerierte, was er definitiv nicht war).
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