Todesstätte von Stephen Booth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The Dead Place, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 6 der Ben-Cooper-und-Diane-Fry-Serie.

  • London: HarperCollins, 2005 unter dem Titel The Dead Place. 543 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Thomas Bauer. ISBN: 978-3-442-46445-6. 543 Seiten.

'Todesstätte' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze: 

»Bald wird sich ein Mord ereignen«, kündigt ein anonymer Anrufer der Polizei von Derbyshire an. Detective Fry zweifelt zunächst, ob sie diese Drohung ernst nehmen soll. Doch als sie hört, wie der Unbekannte mit ruhiger, kontrollierter Stimme die Tat bis ins Detail schildert, ist sie überzeugt, dass sie es mit einem gefährlichen Killer zu tun hat. Noch ahnt sie nicht, dass er sich sein Opfer bereits ausgesucht hat und dass es vielleicht schon zu spät ist, ihn aufzuhalten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Reichlich Tote – wenig Spannung« 44°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Todesstätte ist der sechste Kriminalroman des britischen Autors Stephen Booth der Ben Cooper und Diane Fry-Reihe. Dieses gegensätzliche Ermittler-Duo, das in Edendale im ländlichen Peak-Distrikt Verbrechen aufklärt, konnte zahlreiche Krimi-Leser begeistern. »Dunkle Spannung« und »Nichts für schwache Nerven« versprechen die Kommentare auf dem Buchcover. Das Rätsel um die »Todesstätte« beginnt viel versprechend; mit einem mysteriösen Telefonanruf.

Unheimliche Ankündigung

»Bald wird sich ein Mord ereignen. Vielleicht geschieht er schon in den nächsten Stunden.«

teilt ein anonymer Anrufer der Polizei in Derbyshire mit. Detective Sergeant Diane Fry glaubt zunächst, ein Spinner erlaube sich einen makaberen Scherz. Dennoch ruft der Tonfall, mit dem er das Töten und Sterben in allen Einzelheiten schildert, in Diane eine alte Erinnerung wach, die ihr sichtlich zu schaffen macht.

Als auch noch die Büroangestellte Sandra Birley aus einem Parkhaus entführt wird, scheint die Schlussfolgerung, dass der Todesfanatiker sein Opfer bereits gefunden hat, auf der Hand zu liegen.

Unerwarteter Leichenfund

Oder hat der vermeintliche Mörder schon vor langer Zeit zugeschlagen und schaut zu, wie sich der tote Körper in seine Bestandteile auflöst?

Detective Constable Cooper beschäftigt sich mit einem grausigen Leichenfund. Die Frau, die Spaziergänger im Ravensdale-Tal gefunden haben, ist bereits seit 18 Monaten tot, ihr Leichnam bis zur Unkenntlichkeit verwest. Tom Jarvis Grundstück grenzt an den Wald, in dem die Leiche so lange unbemerkt gelegen hat. Warum hat keiner seiner vier Hunde den Verwesungsgeruch bemerkt? Oder hat jemand die Leiche erst später in das Wäldchen geschafft, nachdem sie für ein bizarres Ritual verwendet wurde?

Skurrile Figuren

Charakterliche Gegensätze prallen bei dem Ermittler-Duo Ben Cooper und seiner Chefin Diane Fry aufeinander. Die Polizistin ist bekennender Stadtmensch und lässt keine Gelegenheit aus, ihren aus dem Peak-Distrikt stammenden Constable als Landei zu verspotten. Und doch weiß auch sie seine Kenntnisse über die typischen Gewohnheiten und Eigenarten der Menschen zu schätzen. Der Autor grenzt die so unterschiedlichen Typen durch eine sorgfältige Personenzeichnung und mit sprödem Humor von einander ab. Die Milieu typischen, schnodderigen Dialoge gehören zu Pluspunkten dieser Krimi-Reihe.

Der Autor scheint ein Faible für Außenseiter zu haben. Dem eigenwilligen Tom Jarvis nimmt man den einfachen Handwerker vom Land nicht ohne weiteres ab. Er scheint mehr zu verbergen, als die Duldung von Wilderen auf seinem Grund. Der pensionierte Professor Robertson erforscht Sterberituale und die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens Hudson & Slack grenzen sich vom Rest der Kleinstadtbevölkerung bewust ab.

Booth kreiert mit seiner detailverliebten Charakterisierung von Land und Leuten eine ganz eigene, dichte Atmosphäre.

Suche nach dem Verbrechen und der Spannung

Bezeichnender Weise liest man folgende Aussage des Constables Cooper auf Seite 250, fast nach der Hälfte des Buches:

»Ein Mörder, den wir nicht identifizieren können, plant den Tod eines Opfers, das wir nicht kennen, aus Gründen, die wir uns nicht vorstellen können.«

Es passiert nicht wirklich viel. Die Handlung in Todesstätte ist ungefähr so dynamisch, wie die Kaubewegungen der englischen Schafe auf ihren mit Steinwällen eingefriedeten Weiden.

Weder die Tätigkeit der Bestatter, noch der Fund eines Massengrabes voller Schädel und auch nicht die Ausführungen der vom Tod besessenen Protagonisten reichen aus, um Beklemmung aufkommen zu lassen. Viel zu lange ist keine Bedrohung greifbar, die Suspense auslösen könnte. Die Entdeckung der Langsamkeit wird hier arg über strapaziert. Der vergleichsweise dramatische Show-Down kann das bis dahin zähe Geschehen auch nichts mehr aufwiegen. Schade, aus den viel versprechenden Ansätzen hat der Autor leider viel uninspirierte Langeweile erschaffen.

Obwohl Charaktere und Flair überzeugen, reicht es für Stephen Booths sechsten Krimi aus dieser Reihe nur zu einer knapp durchschnittlichen Bewertung. Liebhabern spannender Kriminalliteratur kann Todesstätte nicht empfohlen werden.

Eva Bergschneider, November 2007

Ihre Meinung zu »Stephen Booth: Todesstätte«

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Lisa zu »Stephen Booth: Todesstätte« 06.10.2014
Naja ich hatte mir bei dem Buch auch mehr erhofft. Was die Spannund angeht, kann ich mich nur den anderen Meinungen anschließen, da ist noch sehr viel Platz nach oben.Das Buch liest sich dadurch auch nur sehr schleppend. Jedoch machen die liebenswerte Charaktäre wie Ben Cooper oder Gavin Murfin in meinen Augen das ganze wieder wett.
Sorsha zu »Stephen Booth: Todesstätte« 06.03.2013
Leider kann ich mich der bisher gelesenen Meinungen nur anschliessen.
Zusätzlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass -meiner Meinung nach- die fehlende Spannung darauf zurückgeht, dass über 500 Seiten lang keine wirklichen Indizien über den Täter vorliegen. Die Protagonisten laufen von einem Schauplatz zum nächsten und wieder zurück, ohne wirklich in der Handlung weiterzukommen.
Alles bleibt ominös und unlogisch. Der Leser kann nicht wirklich "mitermitteln". Das Ende war mehr als unbefriedigend, da das Motiv des Täters sowie die Hinweise auf ihn selbst, für mich nicht wirklich nachvollziebar waren.
lolo zu »Stephen Booth: Todesstätte« 23.10.2010
DAILY MAIL schrieb angeblich: Nichts für schwache Nerven! Für wahr: So nervig wie der Wetterbericht eines nebligen Novembertages. Am meisten geht das ständige Dozieren über alles und jedes, was der Autor irgendwie gruselig fand und findet, auf die Nerven. Der einzige Charakter, der ein bisschen plastisch ist, ist der Jarvis. Alle anderen trocknen so vor sich hin; einschließlich der "Ermittler". Der Lieblingssatz der ermittelnden Sergeant ist: Das lassen wir erst mal ruhen. Ihr lieber Kollege vergisst bei seinen sich wiederholenden Vernehmungen meistens die relevanten Fragen. Der Trottel in der Geschichte ist schließlich keiner, sondern ein Schauspieltalent und auch noch der Täter. Und alles, ohne den geringsten spannenden Moment. Cooper gönnt man wirklich in der Falle stecken zu bleiben. Dem Autor, dass ihm bald eine den Computer für immer verschließt.
Die Übersetzung nicht besser: Das ständige "Tcha" aller Personen geht auf den Senkel. Ich kenne niemanden, der auch nur einmal diese Hilfswort unbegabter Übersetzer im Alltag gebraucht hätte.
Angeblich prämiert. Muss ein mageres Jahr gewesen sein.
Heike zu »Stephen Booth: Todesstätte« 30.01.2008
Auch ich finde dieses Buch sehr zäh geschrieben. Die Spannung fehlt wirklich. Außerdem sind da zu viele Schauplätze und Personen auf so vielen Seiten (irgendwann weiß man nicht mehr wer wer war..)Hab mir sehr viel mehr davon versprochen. Schade
Swiss zu »Stephen Booth: Todesstätte« 25.09.2007
Der Beschrieb auf dem Buchdeckel verheisst Spannung pur...Aber ich fand das Buch ehrlich gesagt nicht so der Hammer, eher eine seichte Geschichte ohne Spannung..Schade
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