Die einsamen Toten von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Blind to the Bones,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Grobritannien / England / Peak District, 1990 - 2009.
Folge 4 der Ben-Cooper-und-Diane-Fry-Serie.
- New York: Scribner, 2003 unter dem Titel Blind to the Bones. 640 Seiten.
- London: HarperCollins, 2003. 640 Seiten.
-
München: Goldmann, 2006.
Übersetzt von Gabriela Schönberger.
ISBN:
978-3-442-46197-4. 640 Seiten.
'Die einsamen Toten' ist erschienen als
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In Kürze:
Der kleine Ort Withens im englischen Peak District scheint das Unglück anzuziehen. Diebstahl, Vandalismus und soziale Schwierigkeiten prägen das Leben des Dorfes. Als ein junger Mann umgebracht wird, stößt Detective Constable Ben Cooper bei seinen Ermittlungen auf eine schier unüberwindliche Mauer des Schweigens. Denn die Vergangenheit wirft ihre Schatten auf die Gegenwart – nicht nur für die Bewohner der Gegend, sondern auch für Ben Cooper und seine Vorgesetzte Dianne Fry …
In der Hauptrolle: Der Peak District, ein düsterer Ort im Norden Englands, in dem nicht nur Val McDermid die Handlung ihres letzten Buches ´Das Moor des Vergessens’ angesiedelt hat, sondern wo auch die Reihe von Stephen Booth spielt, der ein von Natur aus recht ungleiches Pärchen in den Mittelpunkt stellt – eine Frau und einen Mann als Ermittlerduo. Scherz! Normalerweise sind es ein Mann (Chef) und eine Frau als Untergebene, aber hier ist die Frau der Boss.
Zwei Fälle beschäftigen die Polizisten: An einem alten Eisenbahntunnel wird die Leiche von Neil Granger gefunden, sein Schädel wurde eingeschlagen und sein Gesicht, oder das, was davon übrig blieb, nachdem die Krähen sich bedient haben, ist mit schwarzer Farbe beschmiert. Neil stammt aus einem abgelegenen Ort in der Nähe, der nicht gerade sehr einladend ist. Dort wohnt die ganze Sippe der Oxleys, die mit dem Gesetz nicht nur einmal in Konflikt geraten ist. Und Neil war einer von ihnen. Detective Constable Ben Cooper, der zur Zeit des Mordes an das Rural Crime Team, der Behörde für ländliche Verbrechen, ausgeliehen wurde, sollte dieses eigentlich in einigen Fällen von Antiquitätendiebstählen unterstützen, doch nun kommt der Mord an Neil Granger hinzu. Die Polizisten vermuten bald, dass Neil in diese Diebstähle verwickelt gewesen sei und dass sein Tod damit in Zusammenhang steht.
...oder gar nicht erst anfangen
Gleichzeitig ermittelt Coopers direkte Vorgesetzte Detective Sergeant Diane Fry in dem Fall der verschwundenen Sarah Renshaw. Ihr Verschwinden liegt zwar schon zwei Jahre zurück, doch nun wurde ihr blutverschmiertes Handy gefunden. Ihre Eltern haben den Verlust ihrer Tochter nicht verwunden und verhalten sich so, als würde Sarah jeden Moment durch die Tür spazieren. Diane Frys Nerven werden bei diesem Fall stark strapaziert, insbesondere, da ihre Schwester vor Jahren ebenfalls spurlos verschwunden ist. Bald stellt sich heraus, dass Neil und Sarah zusammen in einer WG gewohnt hatten. Hat sein Tod etwas mit Sarahs Verbleib zu tun?
Die Figur Ben Cooper hat sich langsam frei geschwommen. Er ist von zu Hause ausgezogen und leidet anscheinend nicht mehr so stark unter dem Trauma, dass sein Vater als Polizist im Einsatz sein Leben lassen musste. Der Autor hat dafür die Probleme Diane Frys ausgebaut. Neben ihrer Vergewaltigung wird nun noch intensiv das Verschwinden ihrer Schwester thematisiert, die eines Abends die Pflegefamilie, bei der die beiden lebten, verlassen hat, und die sie seitdem nicht mehr gesehen hat.
Zu viele Seiten ohne Inhalt
Die Ungleichheit der beiden (Sie: die Kühle, Abwägende; Er: der Emotionale, Mitfühlende), die Stephen Booth zu Beginn der Serie herausgearbeitet hatte, kommt im vorliegenden Buch leider nicht mehr richtig zur Geltung. Die Hauptfiguren sind absolut austauschbar und blass, sogar in den Punkten, in denen bereits Konturen vorhanden waren. Zudem verliert sich die Geschichte in langatmigen Beschreibungen von Kleinigkeiten. Die Handlung wird zu keinem Zeitpunkt vorangetrieben und man hat Mühe, am Ball zu bleiben. Die Auflösung ist absolut uninspiriert. Die Ermittlungen in den beiden Fällen laufen parallel und haben nur wenige Berührungspunkte. Hier gelingt es dem Autor nicht, die Verbindung nachvollziehbar herzustellen. Auch die Atmosphäre, die in den vorigen Büchern sehr stimmig beschrieben wurde, ist im vorliegenden Band bei weitem nicht so ansprechend.
Die Bücher von Stephen Booth sind wahre Papierberge, gemessen an vielen anderen Krimis. Wenn ein Autor viele Seiten sinnvoll und spannend zu füllen weiß, hat man lang anhaltendes Lesevergnügen, und der Wunsch, ein Buch würde nie enden, ist zumindest für kurze Zeit in Erfüllung gegangen. Doch wenn die Seiten sich quälend langsam umblättern und das Buch tatsächlich kein Ende nimmt, dann läuft etwas falsch. Mit 639 Seiten ist Die einsamen Toten viel zu lang. Hier benötigt man viel Zeit, die man anderweitig besser einsetzen kann.
Sabine Reiss, März 2007
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