Der Rache dunkle Saat von Stephen Booth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel One last breath, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Folge 5 der Ben-Cooper-und-Diane-Fry-Serie.

  • London: HarperCollins, 2004 unter dem Titel One last breath. 487 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Thomas Bauer. ISBN: 978-3-442-46263-6. 656 Seiten.

'Der Rache dunkle Saat' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mansell Quinn wird nach dreizehn Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und verschwindet gleich darauf spurlos. Wenig später wird Quinns Ex-Frau ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Alles deutet darauf hin, dass Quinn sich an allen Menschen rächen will, die ihn damals im Stich gelassen haben. Das Ermittlerteam Fry und Cooper verfolgt fieberhaft seine Spur und versucht, Quinns Racheplan zu durchkreuzen. Ein tödliches Spiel gegen die Zeit beginnt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Rache dunkle Saat keimt zögerlich« 75°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Elizabeth George müsse sich angesichts der Konkurrenz von Stephen Booth warm anziehen, verspricht der Klappentext zu Der Rache dunkle Saat. Einerseits wirkt der Verweis auf das berühmte Ermittlerduo Lynley und Havers sicherlich verkaufsfördernd, andererseits stellt sich damit automatisch die Frage, ob die Fußstapfen der amerikanischen Kollegin für Stephen Booth nicht doch ein wenig zu groß sind. Und falls nicht, bleibt natürlich die Frage, ob Booth diese Art von Fremdwerbung, für seinen mittlerweile fünften auf deutsch erschienen Roman, überhaupt noch nötig hat.

Verkehrte Welt für die Ermittler

In ihrem neuesten Fall sieht sich das ungleiche Ermittlerpaar Diane Fry und Ben Cooper mit einer Umkehrung ihrer alltäglichen Arbeit konfrontiert. Keine Liste mit Verdächtigen ist abzuarbeiten, sondern mögliche Opfer des aus der Haft entlassenen Mansell Quinn müssen identifiziert und gewarnt werden. Quinn wurde im Jahr 1990 zu lebenslänglicher Haft wegen des Mordes an seiner Geliebten verurteilt. Die eintreffende Polizei fand ihn am Tatort und er gestand seine Schuld während der Vernehmung. Klarer Fall, doch nach einiger Zeit im Gefängnis begann Quinn die Tat abzustreiten und verwirkte damit die Chance auf eine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung.

Am Abend nach seiner Haftentlassung stirbt seine Exfrau eines gewaltsamen Todes und einige Indizien sprechen dafür, dass sich der impulsive, zu Gewalt neigende Quinn auf einem Rachefeldzug befindet. Der Verdacht erhärtet sich, als weitere Personen aus Quinns ehemaligem Umfeld Opfer eines Angriffs werden. Alles scheint irgendwie mit dem längst vergangenen Mord an der Geliebten von Quinn zusammen zu hängen. Seine Familie hat mit ihm gebrochen, seine Frau setzte die Scheidung durch und heiratete wieder, als er noch im Gefängnis saß. Selbst seine Kinder wendeten sich von ihm ab und begannen ihren Vater zu verleugnen. Sogar mit seinen beiden ehemals besten Freunden hat Quinn eine Rechnung offen, da sie ihm seinerzeit das erhoffte Alibi versagten. Genug zu tun für die beiden Ermittler, zumal bald erste Zweifel an Quinns Schuld aufkommen.

Für Ben Cooper werden die Ermittlungen zudem noch zu einer ganz persönlichen Reise in die Vergangenheit, war doch sein verstorbener Vater der leitende Detective, der Quinn am Tatort des Mordes festnahm. Hat Quinn deshalb auch mit Ben Cooper eine Rechnung offen und welche Rolle spielte der Vater seinerzeit beim Sicherstellen der Beweise eigentlich?

Verzweigt wie ein Labyrinth aus Höhlengängen

Der Plot enthält alle Zutaten für eine spannende, temporeiche Geschichte. Booth scheint diese Erwartung zunächst auch zu erfüllen, indem er das Tempo durch kurze Kapitel, häufige Wechsel der Erzählperspektive und regelmäßige Cliffhanger steigert. Dazu bildet einmal mehr der Peak District, in dem schon die Vorgängerromane von Stephen Booth spielten, die Kulisse für die Mörderhatz. Diesmal sind es die natürlichen Höhlen, unterirdischen Flussläufe und künstlich angelegten Stollen, die es dem Autor besonders angetan haben.

Wenn man Elizabeth George im allgemeinen als die Psychologin unter den Krimiautoren bezeichnet, könnte man Both den Geschichtenerzähler nennen. Das äußert sich einmal mehr darin, dass er häufig von der eigentlichen Handlung abschweift und Episoden einbaut, die die Story, vordergründig betrachtet, nicht wesentlich voranbringen. Für Fans machen jedoch gerade diese Nebenhandlungen und die verzweigte Geschichte den besonderen Reiz von Booth Romanen aus.

Leider nimmt der Autor damit, die zu Beginn aufgenommene Fahrt deutlich aus der Erzählung, was dem Roman nicht unbedingt gut bekommt. Insbesondere deshalb, weil sich die Figuren in »Der Rache dunkle Saat«, nicht wirklich entwickeln. Das Verhältnis von Fry und Cooper stagniert. Sie, die Chefin und verschlossene Karrierefrau und er, der sensible Ermittler, beide sind nicht die geborenen Teamplayer. Schon kleine Konflikte, insbesondere wenn sie das Privatleben von Frey berühren, führen zu Differenzen, die sich auch auf die Ermittlungsarbeit auswirken. Diane Frys Schwester taucht auf und zieht in die Wohnung der einzelgängerischen Ermittlerin. Da Ben Cooper an diesem Wiederauftauchen maßgeblich beteiligt zu sein scheint, birgt nicht nur das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern Konfliktpotential, sondern es wird eine Dreiecksgeschichte angedeutet.

Booth entwickelt diese Episode im Mittelteil des Romans zwar, verliert im letzten Drittel aber scheinbar das Interesse und lässt Fry und Cooper wieder unabhängig voneinander an dem Fall arbeiten. Die Leser werden sich gedulden und auf eine Fortsetzung im nächsten Roman hoffen müssen, um hier Aufklärung zu erfahren. Für einen abgeschlossenen Roman ist dieser offene Handlungsstrang jedoch ziemlich ärgerlich. Schade, denn Booth verschenkt dadurch viel Potential, das die Geschichte hat.

Die spannend begonnene Story verliert sich im Mittelteil daher ein wenig und die zentrale Nebenhandlung um Freys Schwester leidet unter der fehlenden Auflösung. Glücklicherweise findet Booth im letzten Drittel zurück zu der spannenden Jagd und das packende Finale entschädigt für vieles. Damit bleibt Der Rache dunkle Saat ein solider Krimi, der vor allem Fans der Serie zufrieden stellen dürfte.

Thorsten Sauer, April 2007

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lolo zu »Stephen Booth: Der Rache dunkle Saat« 23.10.2010
Mir kommt immer mehr der Verdacht, dass bei etlichen Büchern die Verlage den Bewertungsbalken manipulieren. Booth "Werke" gehören mit zu den langweiligsten die ich je angefangen habe zu lesen. Nur eins habe ich anstandshalber aber mit viel Mühen zu ende gelesen. Der Mann hat ja nun wirklich von Spannungsaufbau und -halten nicht die geringste Ahnung. Ich nehme an, als Journalist hat er sich mit den Wetterberichten und den Wanderrouten befasst. Die talentlosesten, ihres Handwerks unmächtigen Ermittler (Wie der Herr, so's Gescherr!), die es in der jüngeren Krimiliteratur gibt, unscharfe Charaktere, Täter, die voraussehbar sind oder den Leser verdummend plötzlich ins Licht gerückt werden.
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