Das letzte Treffen von Stella Blómkvist

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Morðið í Rockville, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.

  • Reykjavík: Mál og menning, 2006 unter dem Titel Morðið í Rockville. 230 Seiten.
  • München: btb, 2009. Übersetzt von Elena Teuffer. ISBN: 978-3-442-73723-9. 286 Seiten.

'Das letzte Treffen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Keflavík an der Südwestküste Islands: In Rockville, dem ehemaligen amerikanischen Radarüberwachungsposten, wird ein Mann ermordet und verstümmelt aufgefunden. Der Verdächtige, ein reicher Geschäftsmann, beteuert immer wieder seine Unschuld und engagiert Stella Blómkvist zu seiner Verteidigung. Doch die junge Anwältin tappt lange Zeit im Dunkeln. Erst als ihr anonyme Briefe zugespielt werden, in denen der Ermordete mit einem Kinderpornoring in Verbindung gebracht wird, kommt sie dem Verbrechen auf die Schliche.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein beinah perfekter Plan« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Stella Blomkvist bleibt weiterhin ein Mysterium unter den isländischen Krimiautoren. Auch nach inzwischen sieben Romanveröffentlichungen in Island weiß dort noch niemand, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Die Autorin (oder ist es ein Autor?) scheint dieses Verwirrspiel zu mögen und gibt sich weiterhin nicht zu erkennen. Wer weiß, ob ihre Angriffe auf die isländische Exekutive ihr selbst vielleicht schädlich sein können?

Und somit bleibt es dabei, dass auch die Protagonistin in den Romanen auf den Namen Stella Blomkvist hört und aus der Ich-Perspektive erzählt. In Das letzte Treffen, dem sechsten Roman der Serie, bekommt sie es direkt mit drei Fällen parallel zu tun: Einer Frau, die unter häuslicher Gewalt leidet, einem Pfarrer, der von seinem Gemeinderat kaltgestellt wird, und einem reichen Geschäftsmann, der unter Mordverdacht steht.

Ein zwielichtiger Toter

Andri Olafur ist einer der reichsten Isländer. Er hat durch Waffengeschäfte Millionen gescheffelt. Der Tote ist ein amerikanischer Geschäftspartner, der in den 1970er Jahren mal für kurze Zeit auf Island stationiert war. Alles deutet darauf hin, dass Andri Olafur sich mit dem Mann auf der ehemaligen Militärbasis getroffen und ihn kaltblutig umgebracht hat. Doch Stella sind die Beweise zu eindeutig, so als ob jemand sie absichtlich so gelegt hätte. Und dann erhält sie anonyme Hinweise zugespielt, die darauf hindeuten, dass der Tote ein Kinderschänder gewesen sein könnte. Eine sterbenskranke Mutter will endlich Gewissheit über ihren seit 30 Jahren vermissten Sohn. War er ein frühes Opfer des toten Amerikaners?

Wie es sich für einen anständigen Krimi gehört, vermischen sich auch die anderen beiden Fälle früher oder später in die Ermittlungen um den Mordfall. So wird Das letzte Treffen zu einem rundum stimmigen Mainstream-Krimi, in dem jedes Kapitel seine Daseinsberechtigung hat. Nur wenige Elemente, die Stella Blomkvist leider zu einer Art »Markenzeichen« gemacht hat, nerven. So zum Beispiel die immer wieder mehr oder weniger gestelzten Aussprüche, mit denen Stella ein ums andere mal an den Kapitelenden ihre Mama zitiert. Oder aber eine gewollt sprunghafte und unstete Protagonistin, deren Lebensmodell nicht nur für isländische Verhältnisse skurril genannt werden darf. Hauptsache Kohle und Auto stimmen und sie hat möglichst viel Raum für die eigene Freiheit. Begegnet man der Blomkvist zum ersten mal ist das noch interessant, doch beim sechsten mal ist man diesen Markenzeichen langsam überdrüssig.

Wer darüber hinweg sehen kann, wird zugestehen müssen, dass Blomkvist sich von Roman zu Roman gesteigert hat. Sie verteilt weiter kräftig Seitenhiebe an die isländische Polizei und Ränkespiele in den Regierungsbehörden, ordnet dies aber der inzwischen Handlung deutlich unter. Ihre gesellschaftskritische Kernaussage, die zu geringe Hemmschwelle für Gewalt gegenüber Frauen, behält sie auch diesmal bei. Eigentlich nichts Neues also, aber Blomkvist kann das Drumherum von Mal zu Mal immer interessanter und spannender gestalten und inzwischen gelingen ihr auch überraschende und dennoch stimmige Enden.

Thomas Kürten, Mai 2009

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muprl zu »Stella Blómkvist: Das letzte Treffen« 18.08.2009
Hier haben wir eine ziemlich witzige Serienheldin. Schlagfertig, lakonisch, selbstbewusst, keine Alkoholikerin, nicht depressiv - obwohl - was steckt wohl unter ihrer schroffen Fassade? So richtig dahinter kommt man nicht, obwohl der Roman in der Ich-Perspektive gehalten ist. Für einen Krimi ja doch recht ungewöhnlich. Das sorgte bei mir erst mal für Verwirrung.
Auch der Stil ist zumindest bemerkenswert. Die kurzen, ja extrem kurzen, Sätze zeugen von Formwillen und verweigern sich dem üblichen "Schönschreib-" oder "Identifizierungsmainstream". Mir hat das gefallen. Es sorgt für einen etwas gehetzten Eindruck im Roman - und das passt. Sorgt aber auch für eine gewisse Oberflächlichkeit, die dieser klugen und mutigen Heldin doch irgendwie zu eigen sein scheint.
Auch die Motzereien gegen politische und wirtschaftliche Vetternwirtschaft und so weiter sind erfrischend direkt.

Die Kriminalstory hinkt allerdings etwas. Spannung kommt nicht so wirklich auf, auch wenn die Fälle interessant anlaufen. Am Ende ist dann doch ziemlich die Luft raus und es gibt einen extrem amerikanischen Showdown, der zu diesem Buch eigentlich so gar nicht passt.

Fazit: Ich würde nur um der Heldin willen noch ein Buch von Stella Blomqvist lesen - und dazu gibt es einfach noch zu viele andere Bücher zu entdecken, die mehr versprechen! 65°
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