Der Fall des Lemming von Stefan Slupetzky

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Lemming-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004. ISBN: 3-499-23553-6. 256 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. ISBN: 3-499-23978-7. 252 Seiten.

'Der Fall des Lemming' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Leopold Wallisch, Spitzname »Lemming«, ist auf Betreiben seines bösartigen Kollegen Krotznig aus der Mordkommission entlassen worden. Jetzt arbeitet er für eine kleine Wiener Privatdetektei und spioniert potentiellen Ehebrechern hinterher. Als einer der von ihm Überwachten, der pensionierte Lateinlehrer Grinzinger, ermordet wird, will er den Fall selber aufklären. Immer tiefer gerät er in ein komplexes Geflecht aus Macht und Verrat, Sadismus und Demütigung. Die Suche nach dem Mörder gerät zum Wettlauf mit Krotznig, der die Ermittlungen seines ehemaligen Partners mit allen Mitteln zu stoppen versucht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Daumen hoch!« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Endlich!!! Es wurde mal wieder Zeit …Nach langer Zeit war für mich Slupetzkys »Der Fall des Lemming« das erste Buch, bei dem ich bis kurz vor Schluss nicht erraten habe, wer der Mörder sein könnte. Überzeugend deshalb, weil die Lösung dann nach Verknüpfung aller Details durch und durch logisch erscheint und nicht etwa ein Mörder wie ein Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert wird, der auf den 230 Seiten zuvor kein einziges mal vorkam. Der Fall des Lemming überzeugt durch Skurrilität, stark überzeichnete Charaktere, Witz und Charme.

Lemming heißt eigentlich Leopold Wallisch und war mal bei der Polizei. Nach einem Saufgelage, das mit einem nächtlichen Nacktspaziergang durch Wien endete, sorgte sein Vorgesetzter, ein verkappter Fascho, für seine Entlassung. Nun arbeitet er als Privatdetektiv und beschattet vermeintliche Ehebrecher. Als solcher gilt ihm der pensionierte Lehrer Dr. Grinzinger, der kurz nachdem Lemming die Überwachung gestartet hat, auch schon mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopf tot im Walde liegt. Kurz zuvor hat er noch beobachten können, wie der Rentner eine Brille in einem Kästchen unter den Tannen verbuddelt hatte.

Intelligente Unterhaltung

Aber die Brille bleibt nicht die einzige Merkwürdigkeit. Zunächst versucht Lemmings ehemaliger Chef vehement, dessen Arbeit als Detektiv zu sabotieren. Dann hat nach Aussage der Witwe Grinzinger sie selbst nämlich die Detektei nur auf Geheiß ihres Mannes mit der Überwachung beauftragen müssen; eine vermeintliche Geliebte hat es nie gegeben. Ein gehörnter Nebenbuhler scheidet somit als Tatverdächtiger aus. Wer könnte sonst ein Motiv haben? Der Lemming schnüffelt ein wenig an der ehemaligen Schule des Ermordeten herum und stößt auf ein Drama, das sich vor über 20 Jahren in einer von Grinzingers Klassen ereignet hat. Die Schüler hatten sich damals zum sogenannten »Iden-Club« zusammen gerottet – ein Zufall, dass Grinzinger ausgerechnet am 15. März, also den Iden des Märzes, sterben musste?

Der Roman liest sich in einem weg. Wunderbar geschrieben in verständlicher, aber keinesfalls niveauloser Sprache. Auch der gelegentlich eingestreute Wiener Schmäh stört dieses Bild nicht. Herrliche Einfälle, mit denen Slupetzky die Handlung würzt. Besonders zu gefallen weiß ein nicht ganz so fideler Castro: ein Jagdhund, der als Drogenkurier missbraucht wurde und in dessen Magen offenbar ein Kondom mit Haschischöl geplatzt ist, weswegen sich das arme Tier auf einem Dauertrip befindet. In der Mitte des Buches bringt der Autor dann plötzlich eine zweite Handlungsebene ein, die zunächst komplett aus dem Zusammenhang gerissen scheint, berichtet aus dem Dschungel von Französisch Guayana, von griechischen Inseln, Israel und Triest, wobei er gerade bei der Erzählung aus Israel beeindruckende Geschichts- und Ortskenntnis beweist. Es wird einfach alles zu einer runden Sache und als es dem Autor dann auch noch gelingt, eine Bettszene über mehrere Seiten anspruchsvoll zu umschreiben und mit einem großen Knall enden zu lassen, dürften spätestens so einige Kollegen aus der Schreiberzunft ehrfurchtsvoll ihren Hut ziehen.

Slupetzky vs. Steinfest – Lemming vs. Lukastik

Der Vergleich zu Heinrich Steinfests Nervöse Fische muss hier angebracht werden. Was Anspruch und Sprachgenie anbelangt, steckt hier Slupetzky klar zurück, weswegen Steinfests Chefinspektor Lukastik mit geringem Vorsprung mein Favorit bleibt. Während Steinfest jedoch aus den banalsten Dingen noch eine Absurdität gewinnen kann und sich systematisch in die klitzekleinsten Details verliert, stürmt Slupetzky in der Handlung voran. Beide bedienen sich beinahe comicartig überzeichneter Charaktere, jedoch ein saufender, arbeitsloser Lemming ist einfach »volksnäher« und dem Leser eingänglicher als ein etwas weltfremder und doch stets philosophierender Anhänger Wittgensteins namens Lukastik. Beide können begeistern, jedoch bei allen kreativen Einfällen widmet sich Slupetzkys Lemming eindeutig mehr dem Mainstream. Und das Gute zuletzt: heute wissen wir bereits, dass es nicht bei nur einem Fall des Lemming bleiben wird …

Ihre Meinung zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming«

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Micha zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 16.06.2013
Ich habe das Buch auch begeistert gelesen, spannend, typisch Wien, die Figuren wunderbar charakterisiert, die filmische Umsetzung recht gelungen, das Buch ist natürlich besser!
Anmerken möchte ich noch, daß in einem Vorkommentar der Hund, der eine "gewichtige" Rolle in der Geschichte hat als Jagdhund bezeichnet wird. Nein! das ist im Buch ein Leonberger! FCI-Gruppe II, leider hat man sich nicht die Mühe gemacht einen Originalhund für den Film zu suchen! (der Filmhund war sehr schön und gut trainiert, aber eben kein Leonberger) - wer´s wissen will welche Hunde das sind: www.leonberger-oeclh.atich werde die weiteren Lemmingfälle auf jeden Fall auf die bevorzugte Leseliste setzen!!!
Mafe zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 23.02.2010
wer wien und seine menschen liebt, wird mit diesem roman viel freude haben. schnell zu lesen, trotzdem nicht unspannend und vor allem herrlich skuril! vor allem die figur des polizisten krotznig sorgt für einen enormen humorfaktor. dieses buch kann locker mit der brenner serie von wolf haas mithalten, wenn nicht sogar mehr punkten. band 1 der lemming serie: lesepflicht für jeden österreicher (aber auch unsere lieblingsnachbarn werden viel freude damit haben ;-))
Didischatzi zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 17.02.2009
Ich habe Der Fall des Lemming von meinem Deutsch Professor empfohlen bekommen für meine Referat und war so begeistert, dass ich mir die weiteren Bücher auch gleich besorgt habe...
Wer also auf österreichische Literatur steht sollte sich mal mit meinem Landsmann Stefan Slupetzky beschäftigen...
Viel Spaß beim lesen :)
sue82 zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 02.07.2008
Witzige, leichte Kost für Zwischendurch um mal schnell wegzulesen.
Die Charaktere waren super beschrieben und der Wiener Dialekt war köstlich. Die Story an sich hinkt ein wenig und ist schnell durchschaut, das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch.
Sonny zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 06.05.2008
Den "Fall" an sich würde ich mal im oberen Tatort-Niveau ansiedeln. Etwas zu durchschaubar. Aber das ist auch der einzige Mangel, falls man es denn so nennen mag. Ansonsten hab ich mich bei diesem Buch köstlich unterhalten. Fluchen auf wienerisch, ein dauerbekiffter Hund, eine Hauptfigur, die so kauzig rüber kommt, dass sie eigentlich 20 Jahre älter sein müsste als im Buch, usw.
Lemmings Himmelfahrt liegt schon bereit.
Kaufempfehlung meinerseits, für alle, die ihren Humor nicht verloren haben und denen die detaiiliert beschriebenen Leichen und Foltermethoden anderer Werke langsam zum Halse raus hängen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimilotte zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 20.04.2008
Ein packender Krimi bis zur letzten Seite, mit skurrilem Humor, schrägen Charakteren und wienerischen Wortwitz.
Dem Autor ist es spielend gelungen einen facettenreichen Roman hinzulegen, der einem in das "Urwien" atmosphärisch eintauchen lässt.
Wer den Wiener Charme liebt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
tara zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 23.10.2007
wir haben den "fall des lemming" in der schule als klassenlektüre gelesen und es war das erste buch das ich wirklich von anfang bis ende gelesen habe! :)
tolles buch!
Armin zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 18.05.2007
Das Buch "Der Fall des Lemming" von Slupetzky ist einfach genial. Es ist ein Muß für jeden Krimi-Fan. Und noch dazu im Wiener Chargon... ganz interessant.
mfG Armin
betschi zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 08.03.2007
Ich muss gestehen, dass ich mich anfangs schwer mit der Lektüre getan habe und mich an den Schreibstil gewöhnen musste. Nach einer kleinen "Eingewöhnungszeit" hat mich das Buch jedoch in seinen Bann gezogen.

Das Werk ist gespickt mit viel Humor, einer sehr guten, äusserst spannenden und vor allem logischen und irgendwie auch bedrückenden Geschichte sowie mit Charakteren, denen man nicht alltäglich begegnet. Viele überraschende Wendungen werten das Werk zusätzlich auf.

Alles in allem ein tolles Erstlingswerk eines viel versprechenden Autors. Die nächsten zwei Fälle des Lemmings liegen bei mir bereit und ich hoffe, sie knüpfen am Erfolg ihres Vorgängers an oder übertrumpfen ihn gar noch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming« 23.02.2007
Eine süffig wegzulesende Geschichte. Beste Wiener Schmähunterhaltung. Leider bekommt der Autor den Krimi-Plot nicht ganz rund - vielleicht will er es auch gar nicht. Und der Lemming bleibt als Figur seltsam blass. Fazit: Ideale Lektüre für eine lange Bahnfahrt, mehr aber nicht.

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