Fundort Jannowitzbrücke von Stefan Holtkötter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Michael-Schöne-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2005. 219 Seiten.
  • München: Piper, 2012. ISBN: 978-3-492-27481-4. 224 Seiten.

'Fundort Jannowitzbrücke' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einem düsteren Park an der Jannowitzbrücke wird die Leiche einer jungen Frau gefunden –" das jüngste Opfer eines Berliner Serienmörders. Und wieder hat er der Polizei keine brauchbaren Spuren hinterlassen. Während die Ermittlungen der Sonderkommission auf der Stelle treten, befaßt sich der eigenwillige Kommissar Michael Schöne mit dem Familienleben der Toten. Wissen die trauernden Angehörigen etwa mehr über die Tat, als sie zugeben wollen? Erst spät entdeckt Michael Schöne die wahren Zusammenhänge. Wird er den nächsten Mord noch abwenden können? Stefan Holtkötter erzählt von einem ungewöhnlichen Mordfall, der nicht nur Kriminalkommissar Michael Schöne bis zuletzt in Atem hält.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Motiv liegt nicht immer auf der Hand« 65°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Auf einem Parkplatz an der Jannowitzbrücke wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die DNA-Spuren zeigen, dass sie das Opfer eines Serienmörders ist, den die Boulevard-Presse den »Würger von Pankow« nennt, denn dort hat er sein erstes Opfer erdrosselt. Die Polizei hat dennoch Probleme, denn eine Verbindung zwischen den drei ermordeten jungen Frauen ist nicht erkennbar. Die Ermittler tappen im Dunklen, aber Kommissar Michael Schöne geht den Fall auf seine ganz eigene Art an. Wegen seiner zahlreichen Alleingänge und mangelnden Disziplin ist er bei den Vorgesetzten eher unbeliebt. Dennoch hat er durch seine emotional geprägte Art der Ermittlung häufiger Erfolge vorzuweisen. Es kommt schon bald zu einem weiteren Mord, für den sich eine junge Schutzpolizistin mitverantwortlich fühlt. Jetzt wird der Fall für alle Beteiligten hochdramatisch, denn der Killer wird nicht nur von der Polizei gesucht.

Fundort Jannowitzbrücke ist das Erstlingswerk von Stefan Holtkötter. Den Roman hat er bereits 2005 geschrieben, ein Jahr später begann er mit dem ersten Buch der Bernhard-Hambrock-Reihe. Nach dem Erfolg dieser Münsterland-Serie hat der Piper-Verlag den in Berlin spielenden Erstling nochmals aufgelegt, und wohl auch als kleine Unterstützung für den zweiten Hauptstadt-Roman mit dem Titel Todesgarten, der im vergangenen Jahr neu geschrieben wurde. Die Hambrock-Reihe scheint jedoch ungleich erfolgreicher zu sein, mit Landgericht soll es im Herbst 2013 schon den nächsten Band geben. Parallel dazu wird im September 2013 bei Bloomsbury mit Schlaf süß im tiefen Grabe eine weitere Krimi-Reihe von Stefan Holtkötter starten. Erneut aufgelegte Erstlingsromane populär gewordener Autoren sind in aller Regel dazu geeignet, den Leser zu verwirren, das dürfte auch für Fundort Jannowitzbrücke gelten. Denn dieser Roman und seine Figuren ist völlig anders konzipiert und geschrieben  als die Münsterland-Reihe, die mittlerweile eine feste Fan-Gemeinde hat.

Holtkötters Geschichte um einen Serienmörder in Berlin ist ganz anders strukturiert als seine durchaus deftigen Westfalen-Romane. Die Protagonisten Michael Schöne und Anna Proschinski wirken noch nicht wirklich ausgereift, das Familiendrama um eines der Opfer, vor allem aber die Berliner Kulisse wirken noch reichlich unfertig, vieles ist zudem vorhersehbar. Mit dem durch sein kompliziertes Privatleben reichlich frustrierten Kommissar Schöne hat Holtkötter immerhin ein Art Anti-Helden geschaffen, der zwar nicht wirklich positiv wirkt, aber durch seine ganze unkonventionelle Art einige Sympathie-Punkte beim Leser sammelt. Er verhält sich mehrfach ziemlich unprofessionell, was zuweilen etwas unglaubwürdig wirkt, aber insgesamt der Spannung und dem Fortgang der Geschichte an sich nicht schadet.

Den Gegenpart bildet seine junge Kollegin Anna, die sich rührend und mit viel Herzenswärme um eine Zeugin aus schlechten sozialen Verhältnissen kümmert, ihr sogar bei der Aufnahmeprüfung für den Polizeidienst helfen will. Dagegen wirkt das chaotische Privatleben von Schöne, der in der Kindheit ein offenbar bis heute nachwirkendes Trauma erlitten hat, eher als Hemmschuh für den Kommissar und zuweilen für den Fortgang der Handlung. Dennoch bietet der insgesamt gut erzählte Kriminalroman, bei dem Holtkötter eher auf seine Charaktere und die psychologischen Aspekte abhebt, im zweiten Teil reichlich Spannung. Das Ende ist sogar überaus dynamisch. Der Autor deutet auch in diesem Frühwerk schon an, dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. Handwerklich wird Fundort Jannowitzbrücke noch etwas bieder, aber das hat Holtkötter später abgelegt. Der Roman bietet also gute Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Andreas Kurth, Juni 2013

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Annette Traks zu »Stefan Holtkötter: Fundort Jannowitzbrücke« 02.11.2013
Auf dem Parkplatz an der Berliner Jannowitzbrücke wird die Leiche der 18-jährigen Bettina Nowack gefunden. Ist sie das dritte Opfer des als „Würger“ bekannten Serienkillers, der vor einem halben Jahr im Pankower Schlosspark zwei Frauen überfallen und ermordet hatte?
Kommissar Wolfgang Herzberger, sein eigenwilliger Kollege Michael Schöne und die Mitglieder der nach dem Mord an Bettina Nowack nun wieder aufgestockten „Sonderkommission Pankow“ versuchen alles, um den Täter endlich zu fassen. Es gibt jedoch keine verwertbaren Spuren, und außerdem passen sowohl die junge Frau als auch der Tathergang nicht so recht in das Profil des Würgers.
Zunächst Erfolg versprechende Hinweise und Spuren führen in die Irre, sodass die Ermittlungen bald auf der Stelle treten – bis sich Michael Schöne näher mit der Familie der Toten befasst …

Resümee:
Stefan Holtkötter hat einen leidlich spannenden Roman ohne große Schnörkel geschrieben, bei dem die vielen unterschiedlichen Charaktere gut herausgearbeitet wurden.
Obwohl Langeweile beim Lesen nicht aufkommt, ist die Geschichte aber auch nicht wirklich mitreißend. Dazu fehlen der Pfiff, eine stärkere Akzentuierung sowie Überraschungsmomente; und die Sprache sollte vielleicht nicht ganz so sachlich trocken sein.
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