Düstermühle von Stefan Holtkötter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Piper.
Folge 5 der Bernhard-Hambrock-Serie.

  • München: Piper, 2012. ISBN: 978-3-492-27270-4. 320 Seiten.

'Düstermühle' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Bei einem Brandanschlag auf einen Gutshof im Dörfchen Düstermühle sterben zwei Menschen: der ehemalige Hofherr und sein Nachbar. Kommissar Bernhard Hambrock sucht fieberhaft nach einem Motiv. Bei den Ermittlungen, die ihn tief in die Vergangenheit führen, stößt er auf alte Familienfehden und ungesühnte Verbrechen. Doch kaum jemand kann sich erinnern, es gibt keine Zeitzeugen mehr. Und dann brennt es erneut in Düstermühle.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn die Schatten der Vergangenheit noch dunkler werden« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

In einem kleinen Dorf nahe der niederländischen Grenze wird das Nebengebäude eines Gutshofes abgefackelt. Der frühere Eigentümer kommt dabei ums Leben, später stellt sich heraus, dass er vor dem Brand erschlagen wurde. Aber auch der Nachbar verliert bei dem Vorfall sein Leben durch einen Herzanfall – die Polizei hält ihn für den Brandstifter. Kommissar Bernhard Hambrock und seine Kollegen müssen dennoch mühsam ermitteln, denn es stellt sich heraus, dass Siegfried Wüllenhues zwar das Feuer gelegt hat, aber körperlich nicht in der Lage war, seinen Nachbarn, den in der Gegend eher unbeliebten Alfons Schulte-Stein, zu erschlagen. Während Hambrock und sein neuer Kollege Henrik Keller den Kopf mit ihren unterschiedlichen privaten Problemen voll haben, kommen sie der Lösung des Falles um keinen Deut näher. Erst als es einen weiteren Mord gibt, wird den Kommissaren langsam deutlich, dass sie weit in der Vergangenheit graben müssen, um die verschiedenen Rätsel im kleinen Düstermühle lösen zu können.

Das so idyllische Dorf an der Düster – voller menschlicher Probleme und Geheimnisse – gibt es nicht wirklich, aber im Münsterland findet man viele Ortschaften, die durchaus diesen Namen tragen könnten. Stefan Holtkötter zeigt in diesem neuen Roman aus seiner Bernhard-Hambrock-Reihe, dass er mit Land und Leuten bestens vertraut ist, auch wenn er mittlerweile in der deutschen Hauptstadt lebt. Die Soziographie des Dorfes liefert einige Einblicke in das ländliche Gesellschaftsleben, und wirkt dabei ausgezeichnet recherchiert. Das ist nicht neu bei den Münsterland-Krimis dieses Autors, sondern darf eher als Qualitätsmerkmal bezeichnet werden. Viele Kriminalromane, vor allem in Deutschland, die aus Marketing-Gründen von den Verlagen einer Region zugeordnet werden, können den damit verbundenen Anspruch nicht mal im Ansatz einlösen. Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass Stefan Holtkötter dagegen Herzblut und Empathie mit solidem Faktenwissen verbindet.

Im neuen Buch ist das eminent wichtig, denn der Autor wagt sich in düstere Zeiten der deutschen Geschichte vor, und schildert eingehend die Folgen der damaligen Ereignisse, die bis in die heutigen Tage reichen. Die Nazi-Herrschaft und die wilden und wirren Zeiten kurz vor und nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bilden den Nährboden für eine aufregende Mischung aus dem Dünkel der einheimischen Landbevölkerung, der Machtgier lokaler NS-Größen, und der so unterschiedlichen Bitterkeit bei den vielen Vertriebenen und Zwangsarbeitern.

Die Figuren, die Stefan Holtkötter zeichnet, stehen stellvertretend für zahlreiche menschliche Schicksale aus dieser dunklen Zeit. Der Autor vermeidet weitgehend den erhobenen moralischen Zeigefinger, was ich bei der Lektüre als außerordentlich wohltuend empfunden habe. Da gibt es beispielsweise eine Vertriebenenwaise, die ohne jegliches Unrechtsbewusstsein ein Fotoalbum mitgehen lässt, um dadurch ein eigenes Gefühl von Heimat zu entwickeln. Das Erinnerungsstück spielt dann in den Mordermittlungen der Gegenwart eine tragende Rolle – wie so viele Devotionalien aus dieser Zeit, die später noch ihre unheilvolle Wirkung entfaltet haben.

Und da ist die Familie des Großbauern, die schon immer dominant für die Region war, und diese Bedeutung auch durch den Nationalsozialismus bis in die Gegenwart gerettet zu haben scheint. Stefan Holtkötter schildert das Leben auf den Höfen und die unverkennbare Mentalität der bäuerlichen Bevölkerung in seiner Geschichte mit eindringlichen und doch unaufgeregten Worten. Und so verknüpft er die traumatische Erlebnisse der Kinder aus der Kriegszeit mit den aktuellen Ereignisse, die scheinbar unerklärlich über die heilen Welt der lauteren Dorfgemeinschaft hereinbrechen.

Angenehm ist auch, dass seine Ermittler zwar schwerwiegende familiäre Probleme haben, es aber endlich mal nicht um Alkohol geht. Vielmehr muss Hambrock angesichts des möglicherweise bevorstehenden Todes seiner Schwester sein Verhältnis zur Familie und seine Gewichtung von Beruf und Privatleben hinterfragen. Und sein Kollege Keller steckt unversehens in einem Vater-Sohn-Konflikt, ausgelöst durch Beruf und Scheidung, der ihn schier zu zerreißen droht. Stefan Holtkötter baut diese Nebengeschichten geschickt in die Ermittlungen und den eigentlichen Kriminalfall ein, es wirkt keineswegs zu konstruiert, wenn genau zum richtigen Zeitpunkt neue Aspekte in Kriminalfall oder Privatleben auftauchen. Alles in allem also abermals eine wirklich spannende und kurzweilige Unterhaltung – mit Fortsetzungspotenzial.

Andreas Kurth, August 2012

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Annette Traks zu »Stefan Holtkötter: Düstermühle« 02.11.2013
In dem kleinen Dorf Düstermühle brennt ein als Werkstatt genutztes Nebengebäude des Gutshofes von Alfons Schulte-Stein ab, dessen Leiche in der Ruine gefunden wird. Auch der Nachbar
und mutmaßliche Brandstifter Siegfried Wüllenhues ist tot – er starb bei der Flucht aus der brennenden Werkstatt an einem Herzinfarkt. Bald stellt sich heraus, dass Schulte-Stein vor dem Brand erwürgt wurde, Wüllenhues jedoch wegen seines schweren Rheumaleidens körperlich gar nicht zu dieser Tat der Lage gewesen sein kann.
Kommissar Bernhard Hambrock und seine Kollegen Henrik Keller und Guido Gratczek sind bald davon überzeugt, dass das Motiv für den Mord in der NS-Vergangenheit zu suchen ist, vor allem in der Zeit des 2. Weltkriegs und in der Nachkriegszeit. Damals kamen Heimatvertriebene, Zwangsarbeiter und Waisen auf die Bauernhöfe, wurden in der alles andere als heilen Dorfgemeinschaft aber als Eindringlinge angesehen und oft schlecht behandelt. Die damaligen Ereignisse haben offensichtlich unheilvolle Auswirkungen bis in die Gegenwart, in der zudem immer noch alte Familienfehden unter einigen Düstermühlern schwelen.
Die Nachforschungen gestalten sich äußerst schwierig, da es kaum noch Zeitzeugen gibt und die meisten Dorfbewohner sehr verschlossen sind. Eine rasche Lösung ist daher nicht in Sicht – im Gegenteil, der Fall wird immer rätselhafter. Und dann brennt es erneut und es gibt ein weiteres Todesopfer.

Breiten Raum nehmen in Parallelhandlungen die problematischen familiären Situationen der Kommissare Hambrock und Keller ein, die sie während ihrer Ermittlungstätigkeit stark belasten.

Resümee:
Der Roman ist atmosphärisch düster, manchmal sogar beklemmend – der Name des fiktiven Dorfes Düstermühle ist Programm: Die trübe Jahreszeit, eine unheilvolle Vergangenheit, problematische zwischenmenschliche Beziehungen, schwere Erkrankung und drohender Tod, schwelende Konflikte in einer kleinen nach außen abgekapselten Dorfgemeinschaft – das alles bildet die Kulisse für diesen Münsterland-Krimi.
Lässt sich die Handlung zunächst eher ruhig und gemächlich an, so wird sie zunehmend facettenreich und immer spannender. Kaum glaubt man als Leser, einen Hauptverdächtigen ausgemacht zu haben, tritt eine Wende ein, die ihn wieder entlastet – und das bleibt bis zur endgültigen Auflösung in einem dramatischen Finale der Fall.
Auf Grund der zunehmenden Komplexität fand ich es manchmal schwierig, die Namen den damit verbundenen Charakteren und deren Beziehungen zueinander zuzuordnen, dies bedurfte einiger Konzentration.
Insgesamt ein spannender, lesenswerter Roman, der zwar in der Gegenwart spielt, aber auf menschlichen Schicksalen der Vergangenheit basiert.
Johannes L. aus O. zu »Stefan Holtkötter: Düstermühle« 12.04.2013
Stefan Holtkötter - ich habe bislang alle seine Müntserland-Krimis gelesen. Düstermühle gehört definitiv zu besseren seiner Werke. Anders als bei dem Vorgänger (Bullenball), der zwischenzeitlich etwas gestreckt wirkte und man sich fragte, na wann geht es denn nun los, ist dieser Krimi in sich stimmig. Wie immer sind die handelnden Personen klasse beshrieben und in Szene gesetzt. Gut gelungen sind auch die persönlichen Geschichten dieser eintelnen Personen (Hambrock&Schwester z.B.). Ich habe dieses Exemplar mit Begeisterung gelesen und freue mich nun darauf mich dem Landgericht zu widmen.
Sollte ich ein Holtkötter-Ranking aufstellen, dann wurde dieses wie folgt aussehen.
1. Schneetreiben (genial spannend)
-ich habe das Schneechaos live miterlebt, da ich selber aus dieser Ecke der Welt stamme-
2. Geheimnis v. Vennhues (mystisch)
-1. & 2. bislang die beiden Besten-
3. Düstermühle (persönl. Note)
-mal ganz anders-
4. Bauernjagd (gerade heraus, ab und an etwas zäh)
5. Bullenball (ab nund an zäh, aber genial endend)
-hätte mehr sein können-
Na und nun "das Landgericht" - ich bin gespannt.
Krimitante zu »Stefan Holtkötter: Düstermühle« 26.12.2012
guter krimi dessen auflösung in der düstersten vergangenheit der deutschen geschichte angesiedelt ist. sypathische figuren deren handeln nachvollziehbar bleibt. glaubwürdige polizeiarbeit mit menschlichen ermittlern. sprachlich literarisch angelegt. allerdings kein literarischer krimi. werde sicherlich mehr von dem autor lesen und diesmal brav mir dem ersten band anfangen.
Michael zu »Stefan Holtkötter: Düstermühle« 13.08.2012
Ein deutlich anderer Stil als in den vorangegangenen Holtkötter-Krimis.
Während bislang die Protagonisten klar definiert waren (Hambrock und seine Kollegen) spielen nun eindeutig die Personen rund um das oder die Mordopfer eine wesentliche Rolle bei der Aufklärung des Falls.
Die Ermittler werden mit all Ihren menschlichen Schwächen, Problemen und Ängsten dargestellt. Der Leser fühlt sich eigenartig berührt wenn die Handlung in das private Umfeld der Ermittler verzweigt.
Die Handlung wird dadurch nicht abgeschwächt sondern eher noch verstärkt. In diesem Roman geht es nicht unerheblich um die Schatten der Vergangenheit die einer Aufarbeitung bedürfen. Beim Schwenk in das private Umfeld wird eigentlich deutlich das eine rechtzeitige Aufarbeitung von Problemen zu Lebzeiten mehr als wichtig ist um seinen Seelenfrieden zu finden.
Ich hoffe nur, dass der Autor die Charaktere weiter führt und bald einen neuen Münsterland-Krimi auftischt. Düstermühle habe ich mir weit im Voraus bestellt. Normalerweise bin ich kein fleißiger Leser, aber alle Holtkötter -Münsterland-Krimis haben mich von der ersten Seite an gefesselt. Sicherlich weil ich aus der Region komme und hinter jeder Hofbeschreibung ein physisches Beispiel sehen kann aber das ist nicht der alleinige Grund. Die Krimis sind von der ersten Seite an fesselnd, menschlich und spannend.
Ich freue mich schon auf den nächsten Hambrock den ich heute gerne noch vorbestellen würde.
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