Stefan Brockhoff

Stefan Brockhoff ist das Pseudonym der drei deutschen Schriftsteller Dieter Cunz, Richard Plant und Oskar Seidlin, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 in die Schweiz emigriert waren.
Sie formulierten 1937 die sog. 10 Gebote für den Kriminalroman nach britisch-amerikanischem Vorbild.

Dieter Cunz, geb. am 4. August 1910 in Höchstenbach/Westerwald und aufgewachsen in Schierstein bei Wiesbaden, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Religionsgeschichte in Leipzig, Königsberg und Frankfurt am Main. Nach seiner Promotion verließ er Deutschland in Richtung Schweiz, wo er sich als freier Journalist über Wasser hielt. 1938 wanderte er in die USA aus. An der Universität von Maryland unterrichtete er 18 Jahre lang Geschichte und deutsche Literatur, bevor er 1957 den Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Ohio State University übernahm. Neben einer Reihe von historischen Fachbüchern beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der deutschen Emigration. Daneben trat er auch als Verfasser von Kinderbüchern in Erscheinung.
Dieter Cunz starb überraschend am 17. Februar 1969.

Richard Plant wurde als Richard Plaut am 22. Juli 1910 in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater, ein sozialdemokratischer Stadtrat, überredete ihn 1933, Deutschland in Richtung Schweiz zu verlassen. An der Universität Basel schloss er 1935 sein Philologie-Studium mit der Promotion ab und arbeitete danach als Autor, u.a. von Filmkritiken. 1938 ging er in die USA, wo er als Schriftsteller und Lehrer tätig war. Während des 2. Weltkriegs diente er dem Office of War als Übersetzer.
Von 1947 bis 1983 lehrte er an der University of New York Germanistik. Nach seiner Pensionierung veröffentlichte der bekennende Homosexuelle Plant eine Reihe von Artikeln und eine Monographie über die Verfolgung von Homosexuellen im Nazi-Regime.
Richard Plant starb am 3. März 1998 in New York City.

Oscar Seidlin, geb. am 17. Februar 1911 in Köngishütte als Oskar Koplowitz, studierte Literatur und Philosophie in Freiburg/Breisgau und Frankfurt am Main. 1933 flüchtete er in die Schweiz, wo er 1936 sein Studium an der Universität Basel mit der Promotion beendete. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als freier Autor für verschiedene Zeitschriften.
1938 emigrierte er in die USA; dort unterrichtete er zunächst an einem Frauen-College, bevor er 1942 als Übersetzer in den Dienst der U.S. Army Intelligence Division trat. Nach dem 2. Weltkrieg nahm er seine Lehrtätigkeit an der Germanistik-Abteilung der Ohio State University wieder auf. Nach dem Tod seines Lebenspartners Dieter Cunz folgte er 1972 dem Ruf der Indiana University in Bloomington, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1979 unterrichtete.
Oskar Seidlin starb am 11. Dezember 1984.

Krimis von Stefan Brockhoff

  • (1935) Schuß auf die Bühne
  • (1936) Musik im Totengässlein
  • (1937) Drei Kioske am See
  • (1938) Verwirrung um Veronika (nur als Fortsetzungsroman in der Züricher Illustrierten erschienen)
  • (1955) Begegnung in Zermatt

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