In den Händen des Teufels von Stav Sherez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The devil´s playground, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.

  • London: Michael Joseph, 2004 unter dem Titel The devil´s playground. 509 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-46307-7. 509 Seiten.

'In den Händen des Teufels' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als in einem Amsterdamer Park ein toter Obdachloser gefunden wird, scheint der Fall klar: Seine Verletzungen weisen ihn als neuntes Opfer eines Serienkillers aus, der die Stadt schon seit Wochen unsicher macht. Allerdings hatte der es bisher ausschließlich auf attraktive junge Frauen abgesehen – und das ist nicht das Einzige, was den Journalisten Jon Reed und den Polizisten Ronald van Hijn misstrauisch werden lässt. Ihre Ermittlung entführen sie immer weiter in die Vergangenheit, bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf der Jagd nach Snuffvideos aus Auschwitz« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Immer wieder tauchen in Amsterdam Leichen von grausam ermordeten jungen Frauen auf. Ein Serienmörder ist nicht zu fassen und Adjutant Ronald van Hijn droht die Leitung der Ermittlungen zu verlieren, da er vor einigen Monaten versehentlich einen Vergewaltiger, nicht jedoch den gesuchten Mörder erschoss. In einem Park wird das neunte Opfer gefunden und dieses Mal erhofft sich van Hijn erstmals verwertbare Spuren, die zu dem Täter führen, denn es wurde keine weitere Frau ermordet sondern ein älterer Mann. Bei dem Toten handelt es sich um den Obdachlosen Jake Colby, der eigentlich in London lebt, wo er zuletzt bei dem Journalisten Jon Reed wohnte, der ihn in seiner Wohnung vorübergehend aufnahm. Reed, der sich mit Colby ein wenig anfreunden konnte, will versuchen herauszufinden, warum der alte Mann nach Amsterdam reiste.

Colby, der eigentlich Jakob Kuper heißt, wurde zu Beginn der 1940er Jahre in Amsterdam von seinen jüdischen Eltern einem englischen Geschäftspartner anvertraut, um ihn vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Zuletzt führte ihn sein Weg daher immer wieder in das Jüdische Museum von Amsterdam, wo er Suze Dean kennen lernte. Eine junge Frau, die der geheimen Organisation »Neuer Blutrat« angehört, in der darüber debattiert wird, ob mit der Präsentation von Gewaltfotos die Menschen für aktuelle Themen wachgerüttelt werden können. Als sich herausstellt, dass angeblich echte Videofilme mit Aufnahmen aus dem Konzentrationslager in Auschwitz auf den Markt kommen sollen, geraten van Hijn, Reed und Suze nicht nur an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft, sondern weit darüber hinaus…

Stav Sherez hat einen eigenwilligen Thriller rund um die Themen Snuff-Videos und Nationalsozialismus geschrieben. Denkt man zunächst, dass die Aufklärung der Morde an den jungen Frauen im Fokus der Ermittlungen steht, so wird man schnell eines Besseren belehrt. Denn weniger Adjutant van Hijn entwickelt sich zur Hauptfigur, sondern vielmehr der Journalist Jon Reed und dessen seltsame Beziehung zum letzten Opfer Jake Colby beziehungsweise dem Juden Jakob Kuper. Was folgt ist eine ausführliche Reise in die Apokalypse der 1940er Jahre, in denen Amsterdam von den Nazis besetzt ist. Deportationen stehen ebenso an der Tagesordnung wie unvorstellbare Gräueltaten, die die Lektüre des Romans nicht immer einfach machen. Nun kursiert das Gerücht, dass aus dem Konzentrationslager Auschwitz bislang unbekannte Filmaufnahmen, unter anderem mit den Versuchen des berüchtigten Dr. Mengele, zu sehen sind. Doch gibt es diese Aufnahmen wirklich oder sind diese nur ein Fake und wenn ja, wie soll man damit umgehen? Der »Neue Blutrat« ist gespalten, ob diese Filme veröffentlicht werden sollen, um die Menschen über aktuelle Gewalttaten wachzurütteln. Aber auch andere zwielichtige Kreise sind an dem Material interessiert und kämpfen mit allen Mitteln.

Wer sich für die genannten Themen Snuff-Videos und Nazizeit interessiert, erhält mit In den Händen des Teufels einen beklemmenden, aber lesenswerten Roman, bei dem mitunter der Überblick ein wenig verloren geht. Die – teils arg überzogenen – Figuren sind gewöhnungsbedürftig, da deren Motivation nicht immer erkennbar ist. Einer der heimlichen Stars des Plots ist aber ohnehin die Stadt Amsterdam, zumindest jener Teil, der vor allem nachts zum Leben erweckt. Es geht mitten hinein in Coffee- und Sexshops, Tattoo-Studios und durch jene Gassen, in denen sich Frauen aus allen Ländern freizügig in den Fenstern präsentieren und auf Kundschaft hoffen. Ständig werden Zigaretten und Joints geraucht sowie hochprozentigem Alkohol zugesprochen. Diese düstere Atmosphäre der Gegenwart passt derweil ausgezeichnet zu der noch dunkleren Zeit von früher. Hoffnungslosigkeit und Beklemmung brechen sich Bahn, bevor zum Schluss die Verbrechen der Gegenwart dann doch noch (irgendwie) aufgeklärt werden.

Jörg Kijanski, August 2012

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