Todesgracht von Simon de Waal

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Boks & het verkeerde lijk, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: Rothschild & Bach, 2006 unter dem Titel Boks & het verkeerde lijk. 139 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. Übersetzt von Thomas Hauth. 139 Seiten.

'Todesgracht' ist erschienen als

In Kürze:

n einer trüben Amsterdamer Nacht wird die Leiche eines verwahrlosten Mannes aus einer Gracht gefischt. Der Fall scheint klar: ein stark alkoholisierter Obdachloser ist beim Pinkeln ins Wasser gestürzt und ertrunken. Ein tragischer Unfall. Schnell ermitteln Boks und seine Kollegen auch die Identität der Leiche: Robert van Klaveren, ein bekannter Stadtstreicher. Doch bei näherem Hinsehen müssen sie feststellen: der Tote ist nicht der, für den man ihn hält!

Das meint Krimi-Couch.de: »Anfangs bedächtig, am Ende mit Überraschung.« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Amsterdam: Aus einer Gracht wird die Leiche eines unbekannten Mannes geborgen. Nach seinem ungepflegten Äußeren zu urteilen und angesichts der Tatsache, dass sein Hosenstall offen steht, geht die Polizei zunächst davon aus, dass ein Obdachloser beim Pinkeln betrunken in die Gracht stürzte und ertrank. Kommissar Martin Boks hat jedoch ein mulmiges Gefühl bei der Unfalltheorie, denn der reflexartig einsetzende Überlebenswille bei einem Ertrinkenden, lässt einen Unfall als unwahrscheinlich erscheinen. Die Ermittler finden heraus, dass es sich bei dem Toten um den Stadtstreicher Robert van Klaveren handelt. Doch als sie dessen Namen in den Polizeicomputer eingeben, gibt es eine böse Überraschung; der Mann auf dem dortigen Foto ist nicht der Obdachlose. Kurzerhand entscheidet man sich, in der TV-Sendung »Vermisst wird…« die Identität des Toten zu klären. Der Vater von van Klaveren identifiziert seinen Sohn eindeutig, aber wer ist dann der Mann auf dem Foto? Kommissar Boks findet heraus, dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern van Klaveren ermordet wurde. Wollte der Unbekannte auf dem Foto, der offenbar die Identität des Stadtstreichers angenommen hat, einen Zeugen beseitigen? Aber warum?

Simon de Waal, hauptberuflich Kommissar bei der Kripo in Amsterdam, ist Krimifans hierzulande vor allem durch die historischen Krimis der C.J.-van-Ledden-Hulsebosch-Reihe, die er zusammen mit Dick van den Heuvel schrieb, kein Unbekannter. Daneben hat de Waal mit Kommissar Martin Broks einen Ermittler ins Leben gerufen, der sich voller Hingabe seinem Job widmet. Dabei ist dem Autor der Ort der Handlung, sprich Amsterdam, nahezu genauso wichtig wie die Handlung selbst. Zahlreiche Straßennamen, Gebäude und Hinweise auf örtliche Gegebenheiten sorgen für reichlich Lokalkolorit. Der Plot selbst beginnt dabei recht unscheinbar. Ein Obdachloser ist offenbar ertrunken, doch dann stellt sich heraus, dass dieser ermordet wurde.

»Er muss ermordet worden sein.«

»Wie denn? Er wurde nicht erwürgt, nicht erstochen, nicht erschossen und nicht erschlagen. Er sieht nicht aus wie ein Junkie – wenn man ihm eine Überdosis gespritzt hätte, hätten wir das festgestellt. Seine Leber sieht gut aus, er war also auch kein Trinker.«

Also alles nicht so einfach, zudem war Robert van Klaveren ein Eigenbrötler, der mit niemandem etwas zu tun haben wollte. Allein die Feststellung seiner Identität stellt die Ermittler zunächst vor eine größere Herausforderung, dabei sollte gerade diese der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wenn man das Opfer kennt, dann kennt man auch den Täter.

Zunächst entwickelt sich der Plot recht offensichtlich in eine bestimmte Richtung, doch gelingt es Simon de Waal im weiteren Verlauf dem Plot noch einige »Wendungen« zu verpassen. So entwickelt sich ein anfangs überschaubarer Ablauf zu einer insgesamt recht ansprechenden Geschichte, die allerdings nach nicht einmal 140 Seiten bereits ihr Ende findet. Da müssen folglich Abstriche in Kauf genommen werden, wenngleich der (im positiven Sinne) unaufgeregte Schreibstil des Autors den Roman für Freunde »herkömmlicher Krimikost« (vergleiche »Tatort«) durchaus erfreuen wird.

Jörg Kijanski, Februar 2011

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