Tiere von Simon Beckett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Animals, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei rororo.

  • London: Allison & Busby, 1995 unter dem Titel Animals. ISBN: 0749002921. 224 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2011. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-499-24915-0. 288 Seiten.

'Tiere' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Nigel ist sicherlich nicht der Hellste. Aber er ist ganz glücklich. Im Büro gibt es immer etwas zu kopieren, und außerdem sind da Cheryl und Karen. Auch im ehemaligen Pub, das früher seine Eltern führten und das Nigel jetzt bewohnt, fühlt er sich wohl. Es gibt hier zwar kein Bier und keine Zigaretten mehr, aber Nigel mag ohnehin viel lieber fernsehen und Comics. Und dann ist da noch der Keller. Hier hält Nigel seine «Mitbewohner». Dass die nicht freiwillig da unten wohnen, stört Nigel kaum.

Das meint Krimi-Couch.de: »Endlich: Es ist vollbracht!« 10°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Die Worte der Überschrift mögen im Zusammenhang mit einem zu rezensierenden Roman ein wenig blasphemisch klingen, aber sie beschreiben das Ende der leidvollen Aufarbeitung von Simon Becketts Backkatalog. Alle, die sich versehentlich oder wider besseren Wissens dieses Machwerkes angetan haben, werden den Seufzer der Erlösung verstehen, den man am Ende der Lektüre ausstößt. Tiere (Animals, 1995) ist nach dem feinsinnigen Thriller (O-Ton,Beckett) Voyeur der zweite Roman aus der frühen Schaffensperiode (1994 – 1998) des Künstlers. Hatte sich für Voyeur (Fine Lines), damals noch als Galerie der Verführung ein deutscher Verlag (Droemer/Knaur) erbarmen können, sind die drei Folgeromane wohlweislich vom deutschen Verlagswesen ignoriert worden, obwohl gerade das hier vorliegende Tiere im Original mit dem Marlowe-Preis 1996 der Raymond Chandler-Gesellschaft ausgezeichnet wurde. Welchen Stellenwert man dieser Auszeichnung auch immer beimisst, den Autor erfüllt sie mit Stolz, wie er im Vorwort zur deutschen Erstausgabe von Tiere (2011) schreibt.

Sechzehn Jahre lag Animals verstaubend im Archiv und wäre dort mit Sicherheit auch liegen geblieben, wenn nicht mit Die Chemie des Todes (2006), dem ersten Roman der David-Hunter-Reihe, eine Beckett-Hysterie in Deutschland ausgebrochen wäre. Im Folgenden veröffentlichte der Rowohlt-Verlag Romane aus der überschätzten Hunter-Reihe und Becketts Frühwerke fragwürdiger Qualität im Wechsel – eine Strategie, die jedes Buch an die Spitzen der Hitparaden beförderte. Das Gesamtwerk des Autors wurde maximal ausgeschlachtet und optimal vermarktet – zwei durchschnittliche Krimis (Die Chemie des Todes & Kalte Asche) im Konzert mit sechs Nieten, unter denen Tiere den absoluten Tiefpunkt darstellt.

Tiere ist weder Thriller, wie ganz unverfroren auf dem Cover geschrieben steht, noch Roman. Bestenfalls könnte man es als unnötig in die Länge gezogene Kurzgeschichte bezeichnen, in der ein junger Mann einige Tage aus seinem Leben schildert.

Nigel ist Bürogehilfe im örtlichen Arbeitsamt und übt einfachste Tätigkeiten wie Fotokopieren und Botengänge aus. Er ist schlichten Gemüts und ohne Arg, deshalb ist er allseits wohlgelitten. Sein schüchternes, manchmal tolpatschiges Verhalten reizt die Kollegen dazu, harmlosen Schabernack mit ihm zu treiben, was er ihnen aber nicht übel nimmt. Außerhalb der Arbeit hat Nigel wenig soziale Kontakte. Er lebt allein in dem geschlossen Pub seiner verstorbenen Eltern. Fernsehen und Comics lesen füllen seine freie Zeit aus, wenn er sich nicht gerade um die Menschen kümmern muss, die er in seinem Keller gefangen hält. Warum er sie dort eingesperrt hat und wie Tiere behandelt, weiß er gar nicht so richtig. Eigentlich bedeuten sie ja nur Stress und Arbeit. Als seine Kolleginnen Karen und Cheryl zu Besuch kommen, hat Nigel nur Angst, dass sie seinem Geheimnis auf die Spur kommen könnten, was sie dann auch tun. Das war´s!

Was will uns der Autor mit dieser kleinen Geschichte sagen? Wenn überhaupt etwas! Anscheinend hat die Geschichte so viel Erklärungsbedarf erzeugt, dass der Autor sich für die deutsche Ausgabe zu einem klärenden Vorwort genötigt sah. Darin ist von mein bösester Roman...mit viel schwarzem Humor, denn der Leser soll lachen …die Rede. Von Humor, welcher Couleur auch immer, ist in dieser Geschichte nichts zu entdecken, wenn man davon absieht, dass da mal einer über eine Tasche stolpert oder ein anderer sich ein Bier über die Hose kippt, aber wer kann noch über solch infantilen Klamauk lachen? Richtig übel wird es, wenn man den Kern der Geschichte überdenkt: Nigel hält sich Menschen wie Tiere. Nicht irgendwelche Menschen, sondern die Ärmsten der Armen – Ausgestoßene, die eh am Rande der Gesellschaft leben – Obdachlose, Prostituierte, Alkoholiker und Junkies. Sie vegetieren dahin in Nigels Keller unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, erniedrigt und gefoltert von einem harmlosen Bürschlein, der sogar Todesfälle billigend in Kauf nimmt. Ist das stimmig? Ist das lustig? Den Rezensenten hat das nur abgrundtief traurig gestimmt. Wieder mal einer, der sich auf Kosten Wehrloser zu amüsieren scheint. Passend zu noch ein Zitat aus dem Vorwort: »Keine Figur hat mir beim Schreiben so wenig Mühe gemacht wie Nigel, was bei näherer Betrachtung etwas bedenklich ist«. So viel Selbsterkenntnis ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Man will Simon Beckett nicht unterstellen, absichtlich in die falsche Schublade gegriffen zu haben. Festzustellen bleibt, dass sein Projekt »Versuch´s mal mit Humor« gründlich gescheitert ist. Manchen Menschen ist halt kein Humor gegeben oder sie sind unfähig, ihn in Worte zu fassen.

Nicht nur der Autor entlarvt sich hier, sondern auch die Person im Rowohlt-Verlag, die für die Überschrift auf der Rückseite des Buches verantwortlich ist. Dort steht geschrieben: – Manche Menschen sind wie Tiere – Wen meint er damit? Wohl kaum die armen eingepferchten Menschen, die ihre Verständnislosigkeit, ihre Ohnmacht durch die Gitter schreien. Auch nicht Nigel, den Erzähler, den der Autor zwar als Monster mit menschlichem Antlitz bezeichnet, es aber unterlässt, dessen Psyche entsprechend darzustellen. Es gibt nur einen, der von seinen tierischen Rudimenten dominiert wird – das ist Pete, einer von Nigels Gästen, der anscheinend nichts anderes kennt als Fressen, Saufen und Ficken.

Nach Meinung des Rezensenten dient der zitierte Satz allein dazu, potenzielle Voyeure zum Kauf des Buches zu animieren.

Tiere ist nichts weiter als gut verpackter, geschickt vermarkteter Müll, dessen Veröffentlichung ein Schlag ins Gesicht eines jeden ahnungslosen Lesers ist. Der Aufkleber »Bestseller« spottet dem Inhalt Hohn. Im Verlag reibt man sich genüsslich die Hände, die Enttäuschten und Düpierten gucken dumm aus der Wäsche, der Autor hat seinen guten Namen verspielt.

Das Schlechteste zuletzt zu servieren, war taktisch klug, aber der bittere Nachgeschmack wird den Lesern noch lange auf der Zunge haften. Allen Unentwegten, die immer noch nicht glauben wollen, dass Simon Beckett maßlos überschätzt ist, sei dringend zu Geduld geraten, bis Tiere auf den Grabbeltischen verramscht wird. Dort wird es mit Sicherheit zuhauf zu finden sein.

Jürgen Priester, Mai 2011

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Janine zu »Simon Beckett: Tiere« 25.05.2012
Ich habe das Buch heute fertig gelesen, zum Schluss habe ich nur noch überflogen, weil ich wissen wollte wie es aus geht... Sonst war es Mega langweilig ab dem er Besuch bekam... Wie kann man den fast 100 Seiten nur übers trinken schreiben... War enttäuscht ebenso vom Ende! Ich hab das Gefühl, der Autor hatte keine Lust weiter zu schreiben und hörte einfach auf!!!
Seeblick zu »Simon Beckett: Tiere« 28.04.2012
Zum Glück habe ich mir dieses Machwerk nur ausgeliehen und zwar als Hörbuch. Die erste CD habe ich mir noch angehört, aber irgendwann ist einfach Schluss, nein man muss nicht jedes Buch zu Ende lesen (hören). Jede andere Tätigkeit ist sinnvoller, als sich durch solch einen Schrott hindurch zu quälen!

Auf keinen Fall kaufen! Besser das Geld einem Bettler schenken, als Wiedergutmachung an jene Menschen, die der Protagonist - aus welchen Gründen auch immer - meint wie Tiere halten zu müssen. Ein krankhafter Schund!
nicole zu »Simon Beckett: Tiere« 10.03.2012
Bin normalerweise nicht so ein Beckett-Fan, aber "Tiere" hat mir ziemlich gut gefallen. Bei den anderen Rezensionen bekommt man den Eindruck, die meisten haben den Sinn, Stil und die Wirkung des Buches nicht erkannt. Auffällig ist -und weil schwierig seltener von Autoren genutzt- wird hier in der Ich-Erzählperspektive geschrieben. Dadurch gelingt es Beckett meisterlich die Psyche des Protagonisten auszuleuchten. Gerade die "Banalitäten" mit denen der Antiheld zu kämpfen hat, spiegeln seinen kranken Geist hervorragend wider. Sicher, wer Spannung im klassischen Krimisinne erwartet wird enttäuscht. Die Sichtweisen und Handlungen von Nigel sind hier der Schwerpunkt. Das unheimlichste bei der Sache ist, dass es von solchen Typen nur wimmelt. Unauffällig aber hochgradig gestört, asozial (ich meine das Adjektiv "asozial" in seiner tatsächlichen Bedeutung) bis auf die Knochen und die damit einhergehenden Lebensdoofheit des Protagonisten sind kongenial dargestellt und deswegen beämgstigend. Das Ende ist in meinen Augen nur so folgerichtig und absolut treffend. Von einem Krimi im eigentlichen Sinne, kann tatsächlich nicht die Rede sein, ein eindringliches Buch ist es aber auf jeden Fall. Man muß nur erkennen, um was es hier geht.
Rizzi zu »Simon Beckett: Tiere« 02.03.2012
Tiere als Hörbuch gelesen ist sehr gut. Der Sprecher hätte einen Preis verdient. Die Naivität des Protagonisten im Gegensatz zu seinen sonstigen Aktivitäten im Keller kommen so richtig heraus. Ich habe mich keinen Moment gelangweilt, sondern gespannt zugehört, wann immer ich im Auto die CD weitergehört habe.
Ruth zu »Simon Beckett: Tiere« 17.02.2012
Habe schon andere Bücher dieses Autors gelesen, haben mich gefesselt, aber Tiere - Bestseller?
Nein, auch wer viel und gerne liest, dieses sollte schon nach wenigen Seiten wieder geschlossen werden.
Kann dieser langezogenen Schilderung nichts abgewinnen, es fehlt an Spannung, es ist auf keinen Fall empfehlenswert, mußte mich zwingen, es zu Ende zu lesen, jeder noch so einfache Schundroman bringt mehr Vergnügen.
Martin zu »Simon Beckett: Tiere« 13.02.2012
Habe jetzt etwa die Hälfte gelesen und leider erst jetzt aus Langeweile Rezensionen über das Buch gesucht.
Habe lange auf die Entwicklung von etwas wie Spannung oder Überraschung gehofft, aber die Erzählung von Nigel plätschert ätzend vor sich hin.
Ich werde dieses Buch auch aufgrund der obenstehenden Beurteilungen nicht mehr fertiglesen.
Ina zu »Simon Beckett: Tiere« 22.01.2012
Erst habe ich mich gefreut, dass aus der ersten Banalität doch so etwas wie Spannung wurde. Doch nachdem die Geschichte weiter und weiter dahinplätscherte, machte ich mir erste Sorgen, wie es denn am Ende ausgehen sollte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass noch irgend etwas bahnbrechendes passieren müsste.
Die Ideen sind sehr gut, allerdings wird oft nur an der Oberfläche gekratzt, viele Details ausgelassen und das Ende - ist keines. Schade!
Sims zu »Simon Beckett: Tiere« 20.12.2011
Ich war auch überrascht von "Tiere". Da liest und liest man und es wird einfach nicht spannend. Etwas hat mich aber am lesen gehalten. Die Banalität der Probleme (wie entsorge ich den Kot, wie kriege ich meinen Einkaufswagen zurück, ou nein, heute kriege ich Besuch... usw) und wie wichtig diese Probleme für Nigel sind. Auf der anderen Seite hält er Menschen im Keller wie Tiere, was für ihn das normalste der Welt ist.
Ich finde den Roman lesenswert. Aber es ist wie mit allem: Geschmacksache.
Terry98 zu »Simon Beckett: Tiere« 22.11.2011
ich habe beim lesen immer gedacht: was ein Blödsinn, aber da kommt bestimmt noch was sinnvolles... das muss schließlich alles noch irgendwie spannend werden, ist schließlich ein thriller.

dem war allerdings nicht so. Kopfschüttelnd versuchte ich mich zum weiterlesen zu motivieren. und tatsächlich hab Ichs bis zum ende geschafft, jedoch hat sich auch auf den letzten 10 Seiten widererwartend nichts geändert.

sehr enttäuschend das buch. absolut nicht empfehlenswert.
Nachti zu »Simon Beckett: Tiere« 10.11.2011
Ich bin nicht enttäuscht von "Tiere", die absolute Begeisterung jedoch stellt sich auch nicht ein. Während ein David Hunter von einem ins nächste Schlamassel taumelt, ist Nigels Alltag die meiste Zeit schlichtweg ereignislos und die anfangs niedlichen Schilderungen fangen irgendwann dezent an zu stören. Nicht so sehr, dass man das Lesen beenden möchte, aber doch in dem Maße, dass ich mich dabei beobachten konnte, wie ich, zumindest imaginär, das ein oder andere Mal die Augen verdrehte.

Weiterhin ist es schwer, sich mit den Charakteren zu identifizieren, zumal für manche Dinge einfach die logische Erklärung ausbleibt (weil Nigel nicht im Stande ist, diese Aufklärung zu leisten). Für mich ist dieses vierte, und somit letzte, Taschenbuch aus dem 1990er Schaffen Becketts, definitiv das Schwächste. Trotzdem hat "Tiere" seinen ganz eigenen Charme und ist, besonders wegen der Ich-Perspektive in der Erzählstruktur ein interessanter Psychothriller, bei dem der Thrill heimlich, still und leise und vorwiegend im Kopf des Protagonisten lauert.
Ich spreche eine Empfehlung aus für diejenigen, die keine Hatz a la David Hunter brauchen und die damit leben können, dass die psychische Gewalt der physischen weit voraus ist.

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