Messerscharf von Silvia Kaffke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 1 der Barbara-Pross-Serie.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2000. ISBN: 3-596-14489-2. 249 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. ISBN: 978-3-499-25679-0. 300 Seiten.

'Messerscharf' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein brutaler Serienkiller hält die Stadt in Atem. BKA-Spezialistin Barbara Pross geht der Sache nur widerwillig nach, denn eigentlich ist sie beurlaubt und versucht gerade ihr psychisches Gleichgewicht wiederzufinden. Ein spannender, atmosphärisch dichter Roman um einen spektakulären Kriminalfall, bei dessen Lösung die Heldin schließlich auch den Schlüssel zu ihren eigenen Problemen findet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fesselnder Thriller aus deutschen Landen« 74°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Die Kriminalbeamtin des BKA Barbara Pross steckt in einer tiefen Depression, nachdem die Ermittlungen bei einer Serienstraftat zunächst in eine falsche Richtung liefen, so dass der Tod eines weiteren Opfers nicht verhindert werden konnte. Sie ließ sich für ein Jahr beurlauben und gammelt nun den lieben langen Tag herum, meist in Gesellschaft der Penner und Obdachlosen am Frankfurter Bahnhof. Als sie durch eine Schlagzeile einer Zeitung auf den Fund einer Leiche in Düsseldorf aufmerksam gemacht wird (offensichtlich das Opfer eines Serienstraftäters – das Spezialgebiet von Barbara Pross), kauft sie sich impulsiv eine Bahnfahrkarte in die Stadt am Rhein. Dort wird sie von einer Obdachlosen zu ihrem Schlafplatz mitgenommen und stellt am nächsten morgen fest, dass ihr Geldbeutel und Papiere von eben dieser Person gestohlen wurden. Nun ist die Not groß.

In einer Kneipe will sie sich aufwärmen. Eine Anmache wehrt sie ab, doch sie wird ein zweites Mal angesprochen. Thomas Hielmann ist aber nicht auf Sex aus, das merkt sie schon. Nach kurzem Zögern nimmt sie sein Angebot an, die Nacht in seinem Gästezimmer zu verbringen. Bei dieser einen Nacht bleibt es nicht, es geht ihr zunehmend besser und sie genießt es fast, dass er ihr keine Fragen stellt. Nach ca. einer Woche ist Thomas nicht wie gewohnt in der Wohnung und Barbara wendet sich an seinen Bruder. Von dem erfährt sie, dass Thomas verhaftet wurde, da er verdächtigt wird, der Mörder der toten Frauen zu sein. Die Opfer haben wie Barbara vor ihrem Tod bei ihm Unterschlupf gefunden. Gleichzeitig erfährt sie, dass die Leiche der Obdachlosen gefunden wurde, bei der sie in der ersten Nacht Zuflucht fand. Bei ihr wurde der Ausweis von Barbara Pross entdeckt. Nun muss sie sich wohl bei ihren Ex-Kollegen melden. Sie kann sich nur schlecht vorstellen, dass ihr Wohltäter etwas mit den Morden zu tun hat, obwohl es schon unheimlich ist, dass alle Frauen Kontakt mit ihm hatten. Sie bietet ihrem Kollegen und Ex-Freund Philip an, dass sie quasi Undercover bei Hielmann ermittelt. Die Sache wird allerdings noch viel komplizierter …

Der Klappentext macht Appetit auf die Geschichte um die BKA-Beamtin, das klingt alles recht interessant, doch je tiefer man in die Geschichte einsteigt, desto mehr muss man den Kopf schütteln. Das ging nicht nur mir so, sondern auch einem Freund, der das Buch eine Woche vor mir las. Wie unrealistisch! Es ist kaum vorstellbar, dass so etwas in Deutschland passiert. Und das ist wahrscheinlich der Knackpunkt. Ich habe bisher nur wenige deutsche Krimis gelesen und verfolge nur selten deutsche Krimi-Serien wie Tatort oder Polizeiruf 110 im Fernsehen. Daher folge ich ganz und gar meinem Schubladendenken: amerikanische Krimis können so unrealistisch sein, dass einem die Haare zu Berge stehen, das ist eben typisch für die Amerikaner. Auch bei den englischen Krimis werden oft Klischees bedient. Aber von einem deutschen Krimi erwartet man, dass er wirklich zeigt, wie Kriminalfälle hierzulande gelöst werden und da passt eine solche Geschichte nun gar nicht.

Lösen wir uns von diesen Vorurteilen und lesen einfach weiter, denn es ist spannend, was hier geboten wird. Die arme Beamtin wird doch nicht wirklich beim Mörder untergeschlüpft sein. Nein! Oder doch? Zunächst wird man hin und her gerissen, man muss ganz schnell lesen, damit man weiß, wie es weitergeht. Und irgendwann nach ca. einem Drittel, wenn man ganz fest nachdenkt, dann kommt man auch dazu, sich einen Verdächtigen auszusuchen (und bittet den, der das Buch schon gelesen hat, doch bitte zu verraten, ob die Vermutung stimmt, doch der will nichts sagen – schade). Na, am Schluss hat sich die Vermutung als richtig herausgestellt, auch wenn Silvia Kaffke den Leser hin- und herführt. Aber das ist auch nicht so schlimm, dazwischen wurde ich ja richtig unterhalten und habe hin und wieder an meiner Vermutung gezweifelt.

Ich habe den Krimi in einem Rutsch verschlungen. Die Geschichte ist absolut unrealistisch, doch das macht fast gar nichts, denn man wird derart gefesselt, das man über diese Tatsache fast hinwegsehen kann. Beim Lesen entstehen Bilder im Kopf, was ganz selten bei mir ist. Die Beschreibungen sind plastisch und der Stil ist absolut flüssig. Wer einen spannenden und unrealistischen Krimi aus Deutschland lesen möchte, dem sei hiermit »Messerscharf« ans Herz gelegt.

Ihre Meinung zu »Silvia Kaffke: Messerscharf«

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meier13 zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.07.2011
Darf man einen Krimi auch so richtig sch* finden, wenn Rezensentin und 38 Mitleser (Stand 10.07.11) ihn für weit überdurchschnittlich halten? Ich denke ja und nehme mir dieses Recht. Die Story wirkt künstlich, konstruiert und vorhersehbar. Charaktere werden nicht gezeichnet, es sei denn man zählt den gesprochenen Dialekt dazu (Gastwirt), die Hauptfigur agiert Marionettenhaft, als würde irgendjemand ihren Körper und Geist lenken und Abläufe mechanisch abspulen.Mein persönliches Highlight in diesem, aus meiner Sicht außerdem so gut wie spannungslosen Krimi, ist die Erwähnung des "Walsumer Hof", hier findet sich die Qualität, die bei "Messerscharf" zwischen den Buchdeckeln leider fehlt. Daher mein Urteil: Blindgänger, 10°.
meier13 zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.01.2011
Die unterschiedlichen Kritiken (über und unter der Gürtellinie) haben mich neugierig gemacht. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, da es, siehe 21.06.2005, "vom Markt verschwunden ist". Aber nun erscheint es als TB neu, ab 01.07.2011 bei rororo, und ich habe es vorbestellt - in gespannter Erwartung.
Heike zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 15.09.2006
Wer ist eigentlich dieser Rolf Wamers?
Wenn ich wie er, zu billiger Polemik neigte, (ich beziehe mich dabei auf "die Sekretärinnen in der Mittagspause"), würde ich ihn fragen, aus welchem Büchlein über das Krimischreiben er wohl die Kenntnisse über das Festhalten am sog. "case" hat. Wenn es beim Krimi nur um den Fall ginge, dann könnte man auch Polizeiberichte verlegen.
Und ich würde ihm außerdem einen bedauerlichen Mangel an Lebenserfahrung und Literaturkenntnissen vorwerfen, wenn ich denn zu billiger Polemik neigte.
Aber sowohl Leser als auch Kritiker haben das Buch "Messerscharf" sehr gut aufgenommen und deshalb bedarf die Meinung des Herrn Wamers keiner weiteren Kommentierung.

Ich könnte jetzt noch anführen, dass es in der Literatur genügend gelungene Beispiele für Krimis mit Liebesgeschichten gibt (z. B. Dorothy L. Sayers Geschichten über Lord Peter Wimsey und Harriet Vane) eingewoben um die Weiterentwicklung der Protagonisten darzustellen oder um das harte Krimigeschehen zu kontrastieren; aber Leute, die sich ernsthaft mit Kriminalliteratur befassen, wissen das schon.

"Messerscharf" beschreibt eine Profilerin, als dieses Berufsbild in Deutschland noch kaum bekannt war! Diese Profilerin zerbricht fast an ihrem Beruf, da sie immer wieder mit Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert wird. Die Autorin schafft es, dass wir uns für diese Frau interessieren und mit ihr fühlen; es gibt Leichen und die Ermittlerin gerät selbst in Gefahr. Damit sind schon einmal die Grundvoraussetzungen für einen gelungenen Krimi gegeben.
Die Schilderung, wie sich die Profilerin an den Täter heranarbeitet und letztendlich stellt, ist absolut fesselnd geschildert und die Auflösung ihrer privaten Probleme lassen den Leser mit einem guten Gefühl zurück.
Was will man mehr???
Stefan zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.07.2006
@ Frau Kaffke und Herr Wamers:

Vorschlag zur Güte: Duell im Morgengrauen, leichte Waffen (Florett oder 9mm), eine entlegener Güterbahnhof könnte sich als Duellort anbieten, gekämpft wird, bis einer der Duellanten aufgibt oder es nur einen Überlebenden gibt. Lars und ich fungieren als Sekundanten.

Ergebnis: ein Ende der überflüssigen Diskussion und eine Beschränkung der Meinungsseite auf das einzige Maßgebliche: die Meinung an sich!
Silvia Kaffke zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.07.2006
Lieber Herr Wamers,

Sie wollen Ihre Kritik beachtet wissen? Nun, dann tue ich jetzt mal etwas, was sonst nicht meine Gewohnheit ist, nämlich Ihre Kritik(en) zu kommentieren.
Die Ebene der persönlichen Beziehungen meiner Heldin ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Bücher, der von meinen Stammleser/innen inzwischen auch erwartet wird. Ich verweise dazu auf Kritiken und Leserrezensionen. Liebesgeschichte und Fall sind in allen meinen Büchern völlig gleichwertig. Wenn Sie sich da langweilen, ist das Ihr gutes Recht, bedeutet aber, dass es eben nicht das richtige Buch für Sie ist.
Was den Edgar Wallace für Sekretärinnen betrifft, verweise ich Sie darauf, dass das Buch einen renommierten Literaturpreis (der sonst um Genreliteratur einen großen Bogen macht) bekommen hat. Dem schenke ich dann doch mehr Beachtung.

Mit freundlichen Grüßen
Silvia Kaffke
RolfWamers zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.07.2006
Liebe Frau Kaffke,
tut mit Leid, ich war nicht einer der beiden. Hatte "Messerscharf" schon lange im Bestand, ein Ex. mit dem berühmten schwarzen Strich am unteren Rand.
Wenn ich demütigst darum bitten darf: Sie sollten meine Kritik trotzdem ein wenig beachten. Ein Krimi hat sich, wenn auch in weitem Rahmen, hauptsächlich mit dem "Case" zu beschäftigen und nicht mit dem (Verzeihung) entsetzlich langweiligen Liebes- und Sexualleben der Protagonistin.Sie nehmen hier auf der Couch für sich in Anspruch, Ihre Ansichten zu (Ihren) Büchern und anderen Themen ausführlich zu posten - das sollten Sie dann anderen auch zugestehen. Und dezidierte Meinungen fordern oft auch ebensolchen Widerspruch heraus.
Viel Spaß bei Ihren Lesungen wünscht
R.W.
Silvia Kaffke zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 10.07.2006
Liebe Rolf Wamers,

ungeachtet der Tendenz Ihrer Kritik möchte ich mich doch herzlich dafür bedanken, dass Sie "Messerscharf" nach unserer zuweilen doch recht unerfreulichen Auseinandersetzung im Forum Beachtung geschenkt haben. Waren Sie vielleicht gar einer der beiden Käufer, die das schon seit einem Jahr vergriffene Buch erheblich überteuert gekauft haben? Oder haben Sie sich extra die Mühe gemacht, es aus der Bibliothek zu leihen? Egal wie, die Mühe soll nicht ungelobt bleiben. Vielen Dank also!

Herzliche Grüße
Silvia Kaffke
RolfWamers zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 11.06.2006
Flotte Schreibe, wirre Geschichte desinteressiert zusammen gestoppelt. Edgar Wallace für die Mittagspause von Sekretärinnen, die mit der Zeit gehen wollen.
Silvia Kaffke zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 21.06.2005
Jetzt ist es offiziell - "Messerscharf" verschwindet vom Markt, Fischer entfernt es aus seiner Backlist. Also Ausschau halten nach Restbeständen in den Buchhandlungen und bei Buchversendern!

Liebe Grüße
Silvia
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dani zu »Silvia Kaffke: Messerscharf« 06.04.2005
Die frühe Vermutung, wer der Täter sein könnte, teile ich mit Elke. Eine grosse Stärke dieses Buches ist die Charakterisierung der Hauptfigur Barbara Pross. Eine Frau mit Ecken und Kanten. Eine Frau mit dem Mut für den eigenen Instinkt und Intuition. Das ständige Hinweisen der Autor auf eben diese Eigenschaften der Hauptfigur wäre nicht nötig. Die Beschreibung der Beziehung zwischenb Thomas und Barbara habe ich als sehr erfrischend erachtet. Nicht das ständige Schwatzen, sondern die Stille macht den Unterschied! Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen! Absolut empfehlendwert für Leser, die sich für den deutschen Krimi interessieren! Bin gespannt auf das zweite Buch!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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