Mordmelodie von Sheldon Rusch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Boy With Perfect Hands , deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Fischer Taschenbuch Verlag.
Folge 2 der Elizabeth-Hewitt-Serie.

  • New York: Berkley, 2006 unter dem Titel The Boy With Perfect Hands . 320 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007. Übersetzt von Irmengard Gabler. ISBN: 978-3-596-16875-0. 320 Seiten.

'Mordmelodie' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Serie von Doppelmorden hält die Bewohner von Illinois in Atem. Je eine junge Frau und ein älterer Mann kamen gleichzeitig ums Leben die Frauen durch eine tödliche Injektion, die Männer mit Nylonstrümpfen erdrosselt. Special Agent Elizabeth Hewitt findet bald heraus, dass die Morde alle um die gleiche Uhrzeit stattfanden: mitten in der Nacht, während im Radio die berühmte Nocturne in Es-Dur von Frédéric Chopin gespielt wurde. Als Elizabeth dem Klassiksender einen Besuch abstattet, trifft sie dort Jay Boniface einen alten Bekannten aus dem College. Als Redakteur ist er für die Nachtmusik verantwortlich. Und die nächste Nocturne von Chopin steht schon auf dem Programm …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schwacher Nachfolger« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In Chicago hält eine Serie von Doppelmorden die Polizei in Atem. Da sich die Morde in verschiedenen Bezirken ereignen übernimmt Special Agent Elizabeth Hewitt die Leitung der Ermittlungen. Sie stellt fest, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen den Fällen geben muss, denn der sog. Modus Operandi ist immer derselbe. Eine junge Frau wird durch eine tödliche Injektion in den Fuß umgebracht und anschließend an einem Picknicktisch eines Rastplatzes auffällig platziert. Zur gleichen Zeit wird ein älterer Mann in seiner Wohnung mit Nylonstrümpfen erdrosselt.

Da bereits zwei Doppelmorde innerhalb von 48 Stunden passiert sind, ist besondere Eile angesagt. Hewitt entdeckt bei ihren Ermittlungen in den Wohnungen der Männer, dass deren Radios immer in unnatürlicher Lautstärke auf den Sender »WCLS – Chicagos Klassikstimme« eingestellt sind. Als Hewitt dem Sender einen Besuch abstattet macht sie zwei überraschende Entdeckungen: Während die Paare jeweils gegen drei Uhr nachts ermordet wurden, lief im Radio immer das gleiche Stück, die »Nocturne« in Es-Dur von Chopin. Außerdem ist der Besitzer des Radiosenders ein alter College-Kollege von Hewitt, der kürzlich seinen Mitarbeiter Brad Spheeries gefeuert hat. Spheeries war für die Gestaltung des automatisch vom Band ablaufenden Nachtprogramms zuständig …

Die Intelligenz der Leser/innen wird in Frage gestellt

In ihrem zweiten Fall nach Rabenmord überrascht Special Agent Hewitt ein ums andere Mal mit geradezu verblüffenden Ermittlungsmethoden.

»In ihrem Bett sitzend, die Beine über Kreuz, brachte Elizabeth rasch zwei Skizzen zu Papier: links ein Mann in einem Bett, [...], rechts denselben Mann tot auf dem Wohnzimmerfußboden. [...] In ihrem Notizbuch zog sie vom vorübergehend Schlafenden zum für immer Schlafenden fünf parallele, horizontale Linien. In diese Linien malte sie vier solide Kreise und hängte an jeden ein steiles Fähnchen. Viertelnoten in einer bestimmten Abfolge, die [...] das englische Wort für Gesicht ergaben: f-a-c-e. [...] Was auch immer diese drei kräftigen Männer aus dem Bett geholt hatte, hatte etwas mit Musik zu tun.«

Na also, so einfach können Ermittlungen sein! »Der Rest ist Schweigen«, möchte man an dieser Stelle meinen, primitiver geht es kaum. Hinzu kommen einige grenzwertige Sätze (»Chuck Radke war noch nie zuvor tot.«), die die Intelligenz der Leser/innen zusätzlich auf eine harte Probe stellen. Allerdings ergibt sich von Anfang an eine interessante Fragestellung: Gab es einen Täter oder handelte hier ein Täter-Duo? Diese Frage wird deswegen immer wieder gerne gesehen, da ein Mörder nicht zwei Menschen zeitgleich an verschiedenen Orten umbringen kann. Andererseits ist es in der (realen) Geschichte der Serienmörder aber auch die ganz seltene Ausnahme, dass ein Mörder mit einem Partner zusammen arbeitet. Hier hätte Sheldon Rusch noch deutlicher punkten können, hätte es bei dieser Frage bzw. deren Auflösung mehrere Alternativen gegeben.

Eine volle Kanne Kaffee stand auf der Wärmeplatte. Anzeichen intelligenten Lebens.

Die Charaktere der Figuren, Sie ahnen es vermutlich, sind nahezu beliebig austauschbar. Lediglich von Hewitt (Vorname »Elizabeth Taylor« – welch ein Brüller!) erfährt man immerhin, dass sie gerne mit ihrem jüngeren Partner Sex hat und bevorzugt Pizza isst. Da ihre Eltern bereits verstorben sind, zieht es sie des Öfteren zu ihrem Ersatzvater Captain Spengler, der nach einem schweren Herzinfarkt vom Dienst freigestellt wurde. Dass Hewitt mit ihrem neuen Vorgesetzten dabei alles andere als glücklich ist versteht sich von selbst, wenngleich auch dieser Erzählstrang recht beiläufig und oberflächlich verläuft.

Durch gelegentliche Ausflüge in den Bereich der klassischen Musik darf hier zugreifen, wer eine Mischung aus Sex, Crime & Klassik lesen möchte. Für einen verregneten Nachmittag ist der Roman akzeptabel, zumal Rusch mit kurzen Kapiteln (allein 59 auf den letzten 150 Seiten!) für reichlich Tempo sorgt. Dabei steigert er das Tempo jedoch ein wenig zu stark, denn das turbulente Finale dürfte sich den meisten Lesern/innen erst im Nachhinein erschließen, wenn alles noch einmal aufgedröselt wird.

Jörg Kijanski, September 2007

Ihre Meinung zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie«

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Kom_Ombo zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie« 30.07.2010
Irgendwie habe ich verschiedene Passagen in diesem Buch überhaupt nicht verstanden. Mehr als einmal ließ mich eine Seite mit einem Stirnrunzeln zurück. Ist das vielleicht so gewollt?

Nun ja, das Buch ist eher mau. Ständiger Schlagabtausch im Überbieten von Coolness und Witzigkeit - die mich nur einmal hat Schmunzeln lassen - und Auskünfte über die Essgewohnheiten der Hauptprotagonisten. Als wenn mich das interessieren würde!

Irgendwie fehlte es an ALLEM, also kann ich dieses Buch nur eingeschränkt empfehlen. Man muss halt auf diese Art der Unterhaltung stehen ...
Michael Immel zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie« 16.09.2009
Krampfhafter Humor, eine konstruierte Story, oberflächliches Wissen was klassische Musik angeht. Spannung ist Fehlanzeige. - Erstaunlich, was so alles im Druck erscheint. Wie Jörg Kijanski richtig feststellt, wird die Intelligenz des Lesers arg auf die Probe gestellt, fast auf jeder Seite lassen sich entsprechende unsinnige Passagen finden.
norman zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie« 20.08.2008
Wenn man eine gute Portion Humor in einem Krimi nicht mag, sollte man die Finger von Rusch lassen (Die Rezension oben lässt ahnen, dass einige Leser diesen Humor gar nicht erkennen. Schade.). Nach vielen Enttäuschungen durch unsere lieben Erfolgsautoren aus den USA, England und Skandinavien in der letzten Zeit, ist dieser Autor einfach Klasse. Sogar die Sexszenen sind durch flapsige Sätze nicht so unerträglich wie bei Holt, Rosen usw.
Die Erklärungen am Schluss sollte er etwas kürzen oder weg lassen.
Ich liebe Krimiautoren, die nicht von jedem Stuhlbein die Lebensgeschichte erzählen, um auf die vom Verleger geforderte Seitenzahl zu kommen. Hoffentlich hat Rusch weiterhin genug Stoff, um mit dieser Unsitte, die man in Schriftstelerschnellkursen wahrscheinlich als heißen Tipp mitbekommt, nicht auch noch zu nerven.

Mal sehen, wie oft das Codewort diesmal nicht angenommen wird. LIEBE war das erste,
Clown zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie« 09.09.2007
Die Story beginnt an einem Juni Morgen nach dem Geburtstag von Elizabeth. Es wird eine Frau aufgefunden. Im Verlaufe der Geschichte kommen noch ältere Männer hinzu, die Nachts der Musik von Chopin entgegen schreiten.
Die Protagonistin hat neben der Aufklärung auch noch mit einigen dummen Sprüchen aus den eigenen Reihen (erster Fall) zu kämpfen.
Sie trifft auf Schulkollegen, die ihr im Fall weiterhelfen können.
So fesselnd wie der Vorgänger ist die Story leider nicht. Ich war enttäuscht. Zur Unterhaltung war es ganz gut, ich bereue den Kauf auch nicht. In der Hoffnung auf einen guten dritten Teil, gibts doch noch einige gute Punkte.
Frank zu »Sheldon Rusch: Mordmelodie« 07.09.2007
Nachdem ich jetzt schon einmal nicht der Meinung der Bewertung folgen konnte,hier mal meine Zustimmung.
Schwach.Nachdem der Vorgänger orginell war,und zu überzeugen vermochte.Die genannten Sätze sind mir ebenfalls sauer aufgestoßen,wobei ich mich (im Zweifel für den Autoren) frage,ob das an einer schlechten Übersetzung liegen mag.Da es aber in dieser Form "serviert" wird,kann ich nicht mehr als 40 % geben.Schade,nach dem Vorgänger war mehr zu erwarten.
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