Todesopfer von Sharon Bolton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Sacrifice, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Shetland-Inseln, 1990 - 2009.

  • New York: St. Martin´s Minotaur, 2008 unter dem Titel Sacrifice. 480 Seiten.
  • München: Manhattan, 2008. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-54635-0. 480 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-46806-5. 479 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009. Gesprochen von Sandra Schwittau. ISBN: 3837100308. 6 CDs.

'Todesopfer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Tora Hamilton lebt mit ihrem Mann erst kurze Zeit auf den Shetlandinseln, als sie auf ihrem Grundstück eine Leiche entdeckt. Die Frau, die offenbar kurz vor ihrem Tod noch ein Kind zur Welt gebracht hatte, fiel einem äußerst brutalen Mord zum Opfer. Und sie trägt drei mysteriöse Runen auf dem Rücken, die keiner deuten kann. Gemeinsam mit der Polizistin Dana Tulloch – ebenfalls ein Neuankömmling auf den Shetlands und damit eine Außenseiterin – will Tora das Rätsel lösen. Dabei kommt sie weiteren seltsamen Todesfällen auf die Spur, die auf verstörende Weise mit Elementen aus der Sagenwelt der Shetlands übereinstimmen. Sind die Geschichten um das geheimnisvolle Volk der »Trows« etwa wahr? Und wem kann Tora noch trauen? Fast zu spät erkennt sie, dass ihr selbst längst eine Rolle zugewiesen wurde in einem Komplott um gestohlene Kinder, verschwundene Frauen und dunkle Geheimnisse – Geheimnisse, für die es sich zu töten lohnt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Moorleiche in Schottland« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Todesopfer von Sharon Bolton ist der Erstling einer britischen Autorin, das als Manhattan-Buch im Wilhelm Goldmann-Verlag in der Übersetzung aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberg erschienen ist.

Die Autorin hat sich als Schauplatz die wildeste Gegend Schottlands ausgesucht und lässt ihre Heldin Tora Hamilton, eine Frauenärztin, in einer Klinik auf den Shetland Inseln Geburtshilfe leisten. Zu Beginn der Geschichte ist die studierte junge Frau allerdings ziemlich töricht in ihren Handlungen, denn sie versucht eines ihrer verstorbenen Lieblingspferde auf eigenem Grund und Boden zu begraben, was nicht nur illegal ist, sondern angesichts des feuchten Torfbodens und des jahreszeitlich bedingten Dauerregens selbst mit einem kleinen Bagger keine leichte Übung ist. Erschwert wird das Unterfangen durch den Fund einer weiblichen Leiche, welcher der Brustkorb fachkundig geöffnet wurde, um das Herz zu entnehmen.

Nun ist die Landschaft ja bekannt für seine Sagen und Moorleichen, doch der erste Verdacht, dass die Tote im Torf dort seit Jahrhunderten nach einer rituellen Handlung begraben sei, bestätigt sich nach eingehenden Untersuchung durch den Pathologen und die Polizei nicht. Viel mehr handelt es sich bei der Frau um eine vorerst unbekannte Person, die obendrein kurz vor ihrem qualvollen Tod, bei der ihr das Herz bei lebendigem Leib aus dem Körper geschnitten wurde, auch ein Kind entbunden haben muss.

Tora Hamilton findet, dass die Polizei gar nicht effizient arbeitet und beginnt ihrerseits mit der Suche nach den Hintergründen und den Schuldigen, scheint sich dabei aber sowohl bei ihren Vorgesetzten als auch bei den Ermittlern gründlich in die Nesseln zu setzen und wird auf rüde Art eingeschüchtert. Die junge Polizistin Detective Sergeant Dana Tulloch, die Tora zu Beginn so gar nicht gefallen will, hat wie die Frauenärztin den Eindruck, dass hier die gesamte Männerwelt im Gesundheitswesen und bei der Polizei etwas zu verbergen hat. Es könnte sich um ein Komplott handeln, bei dem Neugeborene illegal an Adoptiveltern verkauft werden, und alle verdienen daran …

Sharon Bolton zeichnet ihre Hauptdarstellerin als ziemlich ungemütliche Person, die sich zum Einen nicht an die herrschenden Sitten und Gebräuche ihrer neuen Wohngegend anpassen kann, zum Anderen aber auch gar nicht darauf erpicht ist, Freundschaften mit ihren Mitmenschen und Kollegen zu schließen. Sie ist ein echter Eigenbrötler, der tut und lässt, was sie für richtig hält, egal, wen sie damit brüskiert oder vor den Kopf stößt. Selbst ihrem Ehemann gegenüber verhält sie sich wie eine störrische Stute, die immer mit dem Schädel durch die Wand will, wobei sie hofft, dabei endlich schwanger zu werden, weil sie das offenbar als Erfüllung alles Weiblichen sieht.

Würde ein Mann so eine psychisch labile Person zeichnen, würfen ihm sämtliche Frauen vor, dass er frauenfeindlich sei und dabei alle gängigen Klischees abarbeite. Dadurch wird Tora Hamilton auf fast 500 Seiten dem Leser kaum sympathisch, weil sie in keinster Weise nachvollziehbar ihre nicht unspannenden Handlungen setzt und dabei gewisse Anzeichen von Verfolgungswahn als ständige Begleiter mit sich herum schleppt, zum Teil natürlich berechtigt.

Todesopfer ist trotz der eher schwierigen Personen gar nicht so übel zu lesen. Die Autorin, die sich beim Handlungsstrang auf alte Sagen beruft und dabei auch vor in Leichen geschnitzten Runen nicht zurück schreckt, kann Spannung aufbauen, aber leider nicht sonderlich gut halten. Über lange Strecken plätschert die Geschichte zwischen Misstrauen gegenüber jedem Mann, stürmischer See und einer vermeintlichen Entbindungsanstalt auf einer unwirtlichen Insel dahin, gepaart mit schlimmen Ahnungen über Organentnahme, Kinderadoption, Missbrauch von Frauen und Kindern und tödlichen Ritualen einer Herrenrasse.

Dieses Todesopfer ist für einen Erstling ganz brauchbar geschrieben. Die Sprache ist locker lesbar und die ganze Geschichte nicht sonderlich schwierig zu verstehen. Ein richtiger Reißer ist dabei aber nicht heraus gekommen, lediglich eine Geschichte, die man liest und schnell wieder vergisst. Von der beworbenen »mitreißenden Lektüre, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt!« ist jedenfalls nicht viel zu bemerken.

Wolfgang Weninger, Oktober 2008

Ihre Meinung zu »Sharon Bolton: Todesopfer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Sus90 zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 11.01.2016
Also ich fande dieses Buch wirklich sehr gelungen. Von Anfang an hat mich die Geschichte gefesselt. Was mit gut gefallen hat, auch aus dem Berufsleben der Hauptdarstellerin zu lesen und das die Dialoge der jeweiligen Personen sich nicht über drei Seiten gezogen hat.
Die vielen Wendungen in der Geschichte sind super und auch gut zu verstehen, nicht verwirrend.
Mir hats wirklich gut gefallen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ele zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 14.11.2013
Dieser Thriller ist meiner Meinung nach sehr für Leute zu empfehlen, die erst wenige Krimis oder noch keinen Thriller gelesen haben. Er war selber einer meiner ersten Thriller die ich gelesen habe und damals war ich total begeistert von der Story. Würde ich es jetzt nochmal lesen würde es mich allerdings höchstwahrscheinlich ziemlich langweilen.
Aber für den Anfang ist das mystische der Shetlandinseln fesselnd und die Auflösung skurril und unerwartet, also für "Neulinge" sehr geeignet :)
Nette Grüße, Ele!
P.S. man muss natürlich anmerken, dass das Sharon Bolton's erstes Buch war und dafür sicher mehr als nur gut gelungen ! ;)
Renate zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 13.08.2012
ich finde den Roman richtig unterhaltend und spannend . Die sperrige Tora ist eine tolle Romanfigur, von deren verqueren Abenteuern es ruhig noch mehr geben dürfte.
Die anderen Roman von Sharon Bolton werde ich mir nach dem Urlaub sofort besorgen und bedauere, diese nicht dabei zu haben.
Daher von mir volle Punktzahl
Jazzy Jay zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 05.08.2012
"Todesopfer" ist für mich eine riesengroße Enttäuschung.
Als Krimifan möchte ich wirklich nicht seitenweise lesen, wie sich die Heldin durch zig Namenslisten, Krankenakten und Kontoauszüge arbeitet. Aber gut, man macht es halt in der Hoffnung, dass die fade Story wenigstens mit einem passablem Ende aufwartet. Doch weit gefehlt! Das Motiv der Morde abstrus zu nennen, wäre pure Untertreibung.
Boris zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 02.03.2012
Habe das Buch zufällig in die Hände bekommen und finde es richtig gut. Es ist locker geschrieben, daher relativ leicht zu lesen. Obwohl die Sprache dss Buches eine gewisse Ruhe mit sich bringt, wird die Spannung außerordentlich gut gehalten. So etwas habe ich bisher selten erlebt. Von mir gibt es eine TOP-Bewertung.
Lexi1001 zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 07.03.2011
Dieses Buch ist einfach hervorragend. Mal etwas ganz anderes. Eine Thriller zu schreiben und gleichzeitig etwas mystisches und geschichtliches von den Shetlandinseln beizumischen. Als ich das Buch angefangen habe zu lesen dachte ich noch ob es nicht zu mystisch ist und daher mir vielleicht nicht so gefällt. Ich muss sagen ich habe mich getäuscht. Zum Schluss konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Sharon Bolton lohnt sich zu lesen und ich werde mir auch noch die anderen Bücher von ihr besorgen.

Sie bekommt von mir 95°
Crescendo zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 23.02.2011
Ich bin nach diesem Buch absoluter S. Bolton Fan. Habe anschließend "Das Schlangenhaus" gelesen und fand es genauso spannend. Endlich einmal Bücher in denen sich nicht ständig alles wiederholt, sondern neue Gedankenstränge die Personen ausmachen. Ich werde mir als nächstes Bluternte kaufen und freu mich schon auf spannende, unterhaltsame Lektüre. Von mir bekommt es glatte 100 %.
Pepita zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 26.04.2010
Als ich auf der Rückseite u.a. "brilliant geschrieben" gelesen habe, musste ich es ausleihen. Von dieser "brillianten" Sprache habe ich allerdings nicht viel bemerkt. Auch den Thriller habe ich vermisst. Ich habe mich auf Adrenalinstösse und eine fesselnde Handlung eingestellt. Leider ging die Spannung stets schon nach einigen Seiten, wenn nicht gar Sätzen, verloren.
Lesemaus zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 22.01.2010
Ich war von ANfang gefesselt an das Buch, jede freie Minute hab ich es gelesen und bin begeistert! Nicht zu langatmig, nicht zu rasant.

Mir gefällt sehr, dass es aus der Ich-Perspektive geschrieben ist.

Auch die Beschreibungen der Inseln und der Sagen find ich klasse!!!

Übrigens kann ich nur sagen, dass ich Tora klasse finde. Nix da vonwegen unsympathisch...
RakelHole zu »Sharon Bolton: Todesopfer« 05.01.2010
Von mir bekommt das letzte Nacht ausgelesene Buch immerhin 90 %.
Warum? Es hat mich bis zum Schluss gefesselt.
Ja, Tora ist einem nicht durchweg sympatisch-muss sie aber auch nicht sein.
Ich mochte die Schilderungen der Inseln sehr.Der Plot ist mAn sehr spannend, eben weil man quasi bis zum Schluss nicht weiss, welche Personen nun in die ganze Sache verstrickt sind. Die Auflösung ist zwar ein bisschen strange, aber konsequent durchdacht, und das ist mir besonders wichtig.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 20.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Todesopfer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: