Dead End von Sharon Bolton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Dead scared, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Manhattan.
Folge 2 der Lacey-Flint-Serie.

  • London: Bantam, 2012 unter dem Titel Dead scared. 378 Seiten.
  • München: Manhattan, 2013. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-54715-9. 416 Seiten.

'Dead End' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Zwanzig Selbstmorde in fünf Jahren. Meist sind es junge Frauen, die sich auf höchst ungewöhnliche Art das Leben nehmen. Zuletzt versuchte die 19-jährige Bryony Carter sich zu verbrennen. Nicht nur die Polizei vermutet, dass irgendetwas an der ehrwürdigen Universität Cambridge nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch die Psychiaterin Evi Oliver ist besorgt. Nun soll sich DC Lacey Flint im Auftrag von DI Mark Joesbury als verletzlich-depressive Studentin ausgeben und den Lockvogel spielen. Doch je tiefer sie mit Evi Olivers Unterstützung in die Selbstmordserie eintaucht, desto bedrohlicher wird die Situation für beide Frauen. Als Lacey schließlich unter denselben Albträumen leidet, von denen die jungen Frauen in den Tod getrieben wurden, weiß sie: Sie ist die Nächste.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zu Tode erschrocken Selbstmord begehen« 60°

Krimi-Rezension von Almut Oetjen

Die englische Autorin Sharon Bolton, geboren 1960 in Lancashire, schreibt seit 2008 Romane. Ihre drei ersten Bücher, Todesopfer (2008), Schlangenhaus (2009) und Bluternte (2011), sind gotische Horrorthriller, die im ländlichen Raum spielen.

Ihr vierter Thriller, Dunkle Gebete, ist ein düsterer Polizeiroman, der Handlungsort erstmals die Großstadt London. Als Ermittlerin gibt die junge und unerfahrene DC Lacey Flint ihr Debüt. Sie ist Detective Constable bei der Londoner Metropolitan Police und Ich-Erzählerin.

Sie ist eine starke und unabhängige Persönlichkeit. Sie lebt als Single in einer Kellerwohnung unweit der Wandsworth Road, hat keinen Freund und lässt sich gelegentlich auf One Night Stands mit Männern ein, die sie in Camden Market kennen lernt. Zur Polizei ist sie gegangen, weil sie seit ihrer Jugend von Serienmördern fasziniert ist.

Dead End ist Boltons zweiter Roman mit Lacey Flint als Hauptfigur. Die Psychiaterin Dr. Evi Oliver, bekannt aus Bluternte, ist die zweite Hauptfigur. Sie ist von Heptonclough in Lancashire nach Cambridge gezogen, wo sie als Tutorin und Therapeutin arbeitet. Als sie eine auffallende Häufung von Selbstmorden in der Studentenschaft beobachtet, informiert sie Scotland Yard von ihrem Verdacht, dass ein subversives Online-Netzwerk zum Suizid anstachelt. Detective Inspector Mark Joesbury schickt Lacey Flint in der Rolle der psychisch labilen Psychologie-Studentin Laura Farrow in die altehrwürdige Universitätsstadt, um diskret zu beobachten. Das ist nicht ungefährlich, denn Lacey hat mit einer schwierigen Vergangenheit und dem letzten Fall zu kämpfen und beginnt sich zunehmend mit ihrer Rolle zu identifizieren. Entgegen Joesburys Anweisungen beginnt sie zu ermitteln. Sie findet heraus, dass jemand gezielt schöne, depressive Studentinnen aussucht, um sie in den Selbstmord zu treiben. Als ihr klar wird, dass sie von Joesbury als Lockvogel nach Cambridge geschickt wurde, steht sie ebenso wie Evi bereits auf der Opferliste.

Gute Idee weniger gute Umsetzung

Als Undercover-Studentin wirft sie natürlich sogleich die Frage auf, wie lange man ein Cover aufrechterhalten kann, wenn man gelegentlich im Studienkontext etwas wissen sollte. Bolton umgeht das Problem elegant. Lacey besucht nur Vorlesungen, die Kommilitonen sind mit Selbstumkreisungen beschäftigt, ihre Mitbewohnerin studiert ein anderes Fach und ihre Tutorin ist die in die Aktion eingeweihte Evi.

Der Leser erfährt mehr über Lacey Flint und ihre schwierige Vergangenheit, die sie zu einer Außenseiterin und Einzelgängerin gemacht hat, misstrauisch, ungebildet und ungehobelt einerseits, intelligent, initiativ und aggressiv andererseits. Wieso sie einen als E-Mail-Anhang verschickten Fragebogen zu ihren psychischen Befindlichkeiten samt Auflistung ihrer Phobien und Ängste, ohne diesen zu hinterfragen oder zu überprüfen, ausfüllt und abschickt, passt nicht zur Figur, dürfte der Handlungsführung geschuldet sein, ist jedoch nicht die einzige Unplausibilität. Die Geschichte ihrer komplizierten Beziehung zu Joesbury wird weitergeschrieben, ebenso wie die von Dr. Evi Oliver zu Reverend Harry Laycock, dem Vikar aus Bluternte.

Dead End ist ein düsterer, um Elemente der gothic novel angereicherter Thriller, der zum Thema hat, wie man Menschen in den Selbstmord treiben kann. Der von Machtfantasien und Geldgier getriebene Täter folgt berechnend und kaltblütig einem ausgeklügelten Konzept. Die Selbstmordmethoden bestechen durch Originalität und Varianz, Brutalität und hohe Vernichtungskraft und werden teils mit drastischer Anschaulichkeit in Szene gesetzt. So ertränkt sich eine Studentin, indem sie eine Wäscheleine um beide Fußknöchel und an der Balustrade einer Brücke befestigt und in den Fluss springt, wobei die Leine auf die benötigte Länge zugeschnitten ist.

Der Thriller bezieht seine Spannung aus der Frage nach der Täterschaft und wartet dabei mit einigen Überraschungen auf. Dass Lacey ebenfalls in den Selbstmord getrieben werden soll, macht der Prolog deutlich, was dem Roman einiges an Spannung nimmt.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven: die der Ermittler, wobei Lacey als Protagonistin und Ich-Erzählerin dominiert, die der Opfer und die des Täters, dessen Mörder-Karriere rückblickend in mehreren Abschnitten zerlegt wird.

Sprache und Stil sind eher schlicht und anspruchslos. Häufig wird Umgangssprache oder Gossensprache verwendet, es gibt schräge Metaphern, Stilbrüche und Fehler. Da wird schon mal mit dem Staubsauger geputzt, die größte Ladung Scheiße aller Zeiten fliegt gerade in alle Richtungen, oder ein Tötungsdelikt wird als widerrechtlich bezeichnet.

Bolton zerlegt die Handlung in eine Abfolge von Segmenten, springt zwischen Perspektiven, Zeiten, Orten. Am Ende werden die Segmente immer kürzer, die Wechsel immer schneller. Eine filmische Entsprechung dieses Vorgehens ist die schnell geschnittene Parallelmontage.

Dead End ist ein filmisch erzählter Thriller, der Einblick in das studentische Leben und die düsteren Seiten des ehrwürdigen Cambridge bietet und auf die verrotteten Innereien einer degenerierten Akademia. Ein Roman mit wenigen Stärken und vielen Schwächen, nicht annähernd so gut wie der Vorgänger Dunkle Gebete.

Almut Oetjen, August 2013

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Severus zu »Sharon Bolton: Dead End« 29.10.2014
Sehr ,sehr spannend,wenngleich nicht immer ganz realistisch.Das Ermittlerpaar Flint/Joesbury ist sehr anziehend (besonders Joesbury)Auch die immer wieder auftretende erotische Spannung ist durchaus nicht störend.Allerdings war der Vorgängerroman(Dunkle Gebete)noch besser und leider muss man sagen,dass die beiden nachfolgenden Romane
(Like this,forever und A dark and twisted tide)
noch etwas schlechter sind,vor allem der Letzte.
JaneM. zu »Sharon Bolton: Dead End« 06.11.2013
Mein erster Thriller von Sharon Bolton und ich war positiv überrascht.
Eine unerklärliche Häufig von Selbstmorden unter den Studenten von Cambridge lässt Evi Oliver vom psychologischen Dienst der Uni skeptisch werden. Die Polizei, in Person von Inspektor Joesbury, schickt DC Flint undercover als Studentin nach Cambridge. Dr. Oliver ist eingeweiht und soll als Tutorin die verdeckte Ermittlung begleiten. DC Lacey Flint soll den Eindruck einer labilen, depressiven Studentin vermitteln, denn diese Merkmale waren allen Suizidopfern zu eigen. Bald spürt sie Hinweise auf, die belegen, dass die Opfer über noch unerklärliche Kanäle mit ihren größten Ängsten konfrontiert wurden- so lange bis ihnen nur der Freitod blieb (oder ihnen diese Möglichkeit sehr nachdrücklich nahegelegt wurde). Je weiter die Ermittlung von DC Flint voranschreitet, umso deutlicher wird, dass scheinbar auch die Ur- Ängste von Evi Oliver und ihr selbst bekannt sind. Flint leidet plötzlich unter unerklärlichen Albträumen und im Haus der gehbehinderten Evi Oliver geschehen merkwürdige Dinge.
Eine überaus düstere und spannungsreiche Geschichte mit kleinen handwerklichen Fehlern. Der aktiven, tatkräftigen Flint fällt die ihrem Charakter so gegenteilige Rolle der schüchternen Studentin schwer. So zieht sie ihre Cover-Story mal durch und mal nicht. Die für eine Polizistin recht naive Liason mit dem Landarzt verwundert ebenfalls. Der lange Spannungsaufbau steht auch in gewissem Mißverhältnis zum schnellen und nicht alles aufklärendem Showdown, den man in groben Zügen bereits sehr früh erahnt.
Die von Almut Oetjen kritisierte Tatsache, dass Flint sich ohne jegliches Fachwissen im akademischen Kontext bewegen kann, finde ich eher realisitisch. Auch die Charaktere sind klar, aber nicht überzeichnet. Ein Wissen über die Beziehungszusammenhänge aus "Bluternte" sind sicher hilfreich, aber für die handlung nicht zwingend. Auf jeden Fall empfehlenswert.
Kris zu »Sharon Bolton: Dead End« 06.06.2013
Ungewöhnliche Selbstmorde in Cambridge, DC Lacey Flint und Mark Joesbury wieder im Einsatz.
Den ersten Teil "Dunkle Gebete" hatte ich bereits verschlungen und ich war sehr gespannt was der zweite Band von Sahron Bolton zu bieten hat. Ich wurde nicht enttäuscht, "Dead End" hat mir sogar noch etwas besser gefallen als "Dunkle Gebete". Sehr spannender Plot, das Buch lässt sich flüssig lesen.
Die Geschichte um DC Lacey Flint und Mark Joesbury ist meiner Meinung nach absolut unterhaltsam.
Das Ende lässt einen hoffen, dass der nächste Teil von Sharon Bolton möglichst bald auf deutsch veröffentlicht wird. Ich zumindest kann es kaum erwarten.

Ich würde dazu raten die Reihe von Beginn an zu lesen, man erfährt im ersten Teil viele Dinge über die Vergangenheit von Lacey.
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