Bluternte von Sharon Bolton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Blood harvest, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • London: Bantam, 2010 unter dem Titel Blood harvest. 425 Seiten.
  • München: Manhattan, 2011. Übersetzt von Marie L. Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-54676-3. 512 Seiten.

'Bluternte' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Familie Fletcher ist erst vor kurzem aufs Land gezogen. Doch die vermeintliche englische Dorfidylle entpuppt sich bald als Alptraum. Die beiden Söhne der Fletchers hören auf dem Friedhof nahe des Hauses rätselhafte Stimmen und sehen immer wieder die seltsame Gestalt eines Kindes. Als eine Friedhofsmauer einstürzt und ein Grab mit den Überresten dreier Mädchen freigelegt wird, ist klar, dass der Ort ein tödliches Geheimnis birgt. Auch der neue Vikar, Harry Laycock, und die Psychotherapeutin Evi Oliver werden in die rätselhaften Vorgänge um verschwundene Mädchen und ein unfassbares Verbrechen hineingezogen. Und die kleine Tochter der Fletchers könnte das nächste Opfer eines rätselhaften Killers sein …

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannender Plot mit kleinen Schwächen« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In der Nähe von Blackburn liegt das beschauliche Heptonclough, dessen dörfliche Idylle trügerisch ist. Schon seit Jahren sind keine neuen Leute mehr hier hingezogen, in der alten Kirche fanden seit zehn Jahren keine Gottesdienste mehr statt. Dafür verschwanden oder starben immer mal wieder auf höchst unterschiedliche Weise kleine Mädchen. So verlor sich einst die Spur von Megan auf den Mooren der Pennines. Drei Jahre später starb angeblich die kleine Hayley bei einem Wohnungsbrand, doch deren Mutter Gillian glaubt bis heute, dass ihre Tochter noch am Leben ist und befindet sich seit Kurzem in Behandlung bei der Psychiaterin Evi Oliver.

Von alldem ahnen die Fletchers nichts, als sie mit ihren drei Kindern in ein Haus nahe der Kirche ziehen. Der zehnjährige Tom und sein jüngerer Bruder Joe sind recht abenteuerlustig und erkunden den angrenzenden Friedhof. Dies erscheint ihnen alsbald recht unheimlich, da sie glauben, Stimmen zu hören. Auch die Erscheinung eines seltsam aussehenden Mädchens, das sie aber nur aus der Ferne zu sehen bekommen, kommt ihnen nicht geheuer vor. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen die Fletchers langsam mit ihren Nachbarn in Kontakt, wenngleich ihnen einige Angewohnheiten und Bräuche fragwürdig erscheinen. Der neue Vikar von Heptonclough, Harry Laycock, hat ebenfalls so seine Schwierigkeiten, denn in seiner Kirche scheint es ebenfalls zu spuken, auch er hört immer wieder merkwürdige Geräusche und Stimmen.

Die vermeintliche Idylle im Dorf findet jedoch eines Tages ein jähes Ende als eine kleine Einfriedung von dem Grundstück der Fletchers auf den Friedhof einfällt und dabei das Grab von Lucy Pickup offen legt. Die damals zweijährige Lucy starb vor zehn Jahren und hat eigentlich ein Einzelgrab. Umso erstaunter sind alle als sie in dem offenen Grab nunmehr gleich drei Kinderleichen finden. Wenig später verschwindet Millie, die zweijährige Tochter der Fletchers…

Um es vorweg zu nehmen. Freunde britischer Krimikunst werden bei Bluternte auf ihre Kosten kommen, wenngleich man schon mehr Nebel in Hochmooren und regnerischere Tage in England erlebt hat. Dennoch ist die Beschreibung der ländlichen Gegend ordentlich gelungen, so dass die atmosphärischen Bedingungen stimmen. Diese werden verstärkt durch seltsame Vorkommnisse auf dem Friedhof sowie in der Kirche, die für den neuen Reverend Laycock noch einige Geheimnisse parat hält. Zu Beginn des Romans steht das offene Grab mit seinen drei Kinderleichen, danach folgt ein Rückblick auf die neun Wochen davor. Die Fletchers ziehen ein und auch der neue Vikar muss sich eingewöhnen. Ausführlich werden die wichtigsten Romanfiguren vorgestellt, wobei der Spagat zwischen Detailverliebtheit und ausufernder Erzählweise so gerade gelingt. Sprachlich gelingt der Autorin leider nicht alles, insbesondere bei der implizierten Liebesgeschichte lässt Rosamunde P. grüßen (»Ein Mann, dem sie gerade erst begegnet war, bestand darauf, dass sie ihn anrief […] Sie hatte ihn auf offener Straße abknutschen wollen«). Nach dem Rückblick geht es rund 270 Seiten später wieder mit dem offen stehenden Grab weiter.

Ein bisschen Crime, ein paar Mystery-Effekte, dazu britischer Lokalkolorit und fertig ist die »Bluternte«. Dies alles ist im Großen und Ganzen ordentlicher Mainstream mit einem grundsätzlich gelungenem Plot einschließlich einer (formulieren wir es einmal so) turbulenten Auflösung. Man kennt das ja, wenn man glaubt es werde einem die Lösung präsentiert und dann folgt eine überraschende Wende und dann noch eine und na ja. Immerhin gibt es Erklärungen für die seltsamen Erscheinungen und Stimmen während der Handlung. Auch wenn der Plot anders nicht funktionieren mag, der sechsjährige Joe und der zehnjährige Tom verhalten sich gelinde gesagt nicht gerade so, wie es für Kinder ihres Alters üblich ist, was dem Ganzen einen Dämpfer gibt (da zu sehr überzogen). Doch wie schon eingangs erwähnt, für Freunde der »Inselkrimis« einen Versuch auf jeden Fall wert.

Jörg Kijanski, Mai 2011

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Ele zu »Sharon Bolton: Bluternte« 14.11.2013
Ich muss Jörg Kijanski bei der Kritik, dass die beiden kleinen Jungen sich nicht unbedingt wie Kinder benehmen, Recht geben ,aber das ist auch das einzige was mir bei diesem Buch an Kritik einfällt!
Es ist schon ein wenig her, dass ich das Buch gelesen hab, aber ich weiß noch, dass ich es in einem einzigen Tag gelesen habe, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Anfangs braucht man ein bisschen um sich einzulesen, aber dann lässt einen das Buch nicht mehr los!
Was mich ebenfalls begeistert hat, das war das erste und bisher einzige Buch, bei dem ich mich wirklich erschrocken habe. Bei der Stelle an der einer der Jungs im Auto eingeschlafen ist, aufwacht und mit einem Mal die blutige Hand an der Scheibe ist, bin ich wirklich während dem Lesen zusammengezuckt und mein Herz hat ausgeschlagen! Ich kann im Nachhinein gar nicht sagen wie sowas beim Lesen möglich ist, aber Sharon Bolton hat es geschafft! :)
Nette Grüße, Ele!
Otto Quaing zu »Sharon Bolton: Bluternte« 03.08.2013
Das Buch habe ich in 4 Tagen durchgelesen, weil ich es so spannend fand. Und die überraschende Lösung am Schluss machte die Sache noch besser. Die Ängste der Menschen in der einsamen Moorgegend und ihr Glaube an Dämonen wird realistisch geschildert. Und am besten finde ich die Ironie in den Gedanken und Sprüchen des Vikars. So wird dem Leser immer wieder deutlich gemacht, dass die ganze Geschichte nicht zu ernst genommen werden sollte.
Unbedingt zu empfehlen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
BubbleBella zu »Sharon Bolton: Bluternte« 21.07.2012
Also ich bin von diesem Roman sehr überzeugt. Anfangs war ich sehr skeptisch da es etwas übertrieben und überzogen wirkte jedoch nach einigen Seiten hat man sich gut herein gefunden, es baute sich Spannung auf und es wirkte keineswegs mehr überzogen. Die Story war gut aufgebaut, meiner Meinung nach realistisch und in den letzten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen! Empfehlenswert auf jeden Fall!
Leseratte Brigitte zu »Sharon Bolton: Bluternte« 14.06.2012
Ich lese wirklich sehr gern und viel und nicht immer klappt es, ein richtig gutes, spannendes und berührendes Buch gekauft zu haben. Aber bei diesem Buch von Sharon Bolton "Bluternte" trifft das alles zu!
Von den ersten Seiten an hat mich dieser Roman gefesselt, die Charaktere der Kinder und der Hauptpersonen, die ganze Stimmung und die Atmosphäre, die
Beschreibungen des Dorfes und der Kirche, es ist einfach alles sehr stimmig. Und die Spannung steigt ständig, das war auch sehr positiv! Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn ich wieder Zeit hatte, weiterzulesen und konnte oftmals nur schwer wieder aufhören!
Jetzt habe ich es durch und bedaure zutiefst, dass ich mich nun einem anderem Buch widmen muss.
Es war ein großer Genuss! Von mir 96°
für "Bluternte".
Sarah_Ch zu »Sharon Bolton: Bluternte« 16.02.2012
Habe schon viele Bücher gelesen die besser waren, aber "Bluternte" ist auf jeden Fall lesenswert.

Die Sprache und der Schreibstil sind recht einfach gehalten und man muss sich nicht besonders anstrengen beim lesen - ehe man sich versieht ist man schon am Ende des Buches. Ausbauen könnte man da auf jeden Fall noch etwas.

Die Atmosphäre, die Geheimnisse, das Moor und die Bräuche des Ortes machen das Buch interessant und animieren zum weiterlesen. Die Stimmung, wenn jemand (besonders Harry und die Fletscher-Kinder) die Kirche und den Friedhof betritt ist von der Autorin recht gut beschrieben. Was den Täter betrifft wird man von der Autorin letztendlich noch einmal in die Irre geführt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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