Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr von Sébastien Japrisot

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1966 unter dem Titel La dame dans l´auto avec des lunettes et un fusil, deutsche Ausgabe erstmals 1967 bei Rowohlt.

  • Paris: Denoel, 1966 unter dem Titel La dame dans l´auto avec des lunettes et un fusil. 185 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1967. Übersetzt von Gottlieb Knecht. 185 Seiten.
  • Zürich, Baden-Baden: Elster, 1997 Die Dame im Auto mit Sonnenbrille und Gewehr. Übersetzt von Gottlieb Knecht. ISBN: 3891512465. 223 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2006 Die Dame im Auto mit Sonnenbrille und Gewehr. Übersetzt von Gottlieb Knecht. ISBN: 978-3-7466-2171-5. 235 Seiten.

'Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Dany Longo, Sekretärin einer Pariser Werbeagentur, erwacht aus der Bewußtlosigkeit mit dem Gedanken: »Ich habe das Meer nie gesehen.« Ganz spontan hatte sie sich für eine Spritztour ans Meer den Ford Thunderbird ihres Chefs »ausgeliehen«. Doch der so fröhlich beginnende Ausflug entwickelt sich mehr und mehr zu einem Alptraum. An einer Tankstelle wird Dany auf der Toilette überfallen und jemand bricht ihr die linke Hand. Und dann trifft sie lauter Leute, die behaupten, sie wenige Stunden zuvor, in umgekehrter Richtung fahrend, schon einmal gesehen zu haben, obwohl sie dort noch nie gewesen ist. Als sie in Cassis schließlich in ihrem Kofferraum eine männliche Leiche findet, beginnt sie an ihrem Verstand zu zweifeln. Sie droht in Panik zu geraten und an ihren eigenen Erinnerungen irre zu werden. Ist sie eine Mörderin oder spielt da jemand ein hinterhältiges Spiel mit ihr? Die Indizien verdichten sich zu einem Alptraum, aus dem es kein Entrinnen gibt – außer im Wahnsinn. Aber nicht für Dany Longo …

Das meint Krimi-Couch.de: »Psycho-Thriller-Klassiker aus dem Jahr 1966« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die 26-jährige Sekretärin Dany Longo soll in Paris über Nacht für ihren Chef ein umfangreiches Manuskript abtippen, dass dieser am nächsten Tag bei einer Firma in der Schweiz vorstellen möchte. Am nächsten Morgen bittet sie ihr Chef, ihn und seine Familie zum Flughafen nach Orly zu begleiten, um nach deren Abflug den Wagen, einen Thunderbird, wieder nach Hause zu fahren. Dany stimmt zunächst nur widerwillig zu, doch nachdem sie sich vom Flughafen bereits auf der Rückfahrt befindet entschließt sie sich kurzerhand ihren Lebenstraum zu verwirklichen: Einmal das Meer sehen. Auf ihrer Fahrt in Richtung Süden kommt sie zunächst durch einen kleinen Ort, in dem sie eine alte Frau anspricht, da sie bei dieser heute Morgen ihren Mantel vergessen habe. Wenig später lässt sie den Wagen an einer Tankstelle voll tanken und auch der Tankwart erinnert sich an Dany, da er ihr am Morgen die Rücklichter des Autos repariert hat. Dabei fuhr sie allerdings jeweils in entgegen gesetzter Richtung – nach Paris. Während sie den Waschraum aufsucht wird sie plötzlich von einem Unbekannten überfallen, ihre linke Hand schwer verletzt.Abends lernt Dany einen Mann kennen mit dem sie kurzerhand die Nacht verbringt. Im Laufe des nächsten Tages nutzt dieser allerdings eine kleine Ablenkung aus, um Dany den Wagen zu stehlen. Dany verfolgt seine Spur und findet den Wagen in Marseille wieder. Doch wie kommt plötzlich eine männliche Leiche in den Kofferraum?

Während Dany versucht das Rätsel um den toten Mann, der durch zwei Brustschüsse getötet wurde, zu lösen, wird eines immer deutlicher. Alle Spuren führen zu ihr selbst …

1967 erschien die deutsche Erstausgabe unter dem Titel »Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« und gilt seither als Klassiker des Krimi-Genres. Der Autor Sebastien Japrisot wurde hierzulande vor allem bekannt durch die Verfilmung seiner Romane »Weekend im Tresor« (Filmtitel »Du kannst anfangen zu beten«), »Ein Mörderischer Sommer« und »Mord im Fahrpreis inbegriffen«, aber auch der hier zu besprechende Titel wurde bereits verfilmt. 1970 war es soweit, die Hauptrollen spielten Samantha Eggar und Oliver Reed.

In diesem für die damalige Zeit beeindruckendem Psychothriller ist nichts so wie es zu sein scheint. Ist Dany Opfer einer geschickt eingefädelten Intrige? Oder ist Dany eine Mörderin, die nachträglich versucht eine Alibi-Geschichte aufzubauen? Oder verliert Dany womöglich einfach nur ihren Verstand?»Alle sagen sie das gleiche. Alle. Ich muß doch selber am besten wissen, ob ich einen Verband an der Hand getragen habe oder nicht. Ich muß doch selber am besten wissen, ob ich in einem mir unbekannten Hotel übernachtet habe oder nicht. Und sie klingen alle so aufrichtig. Sag mal – spinnst du? Ja, ich spinne.«Fragen über Fragen, die in vier Kapiteln »Die Dame – Das Auto – Die Brille – Das Gewehr« aufgebaut und aufgelöst werden. Zunächst muss sich der Leser an eine eher schwerfällige Schreibweise gewöhnen, sich geradezu in die Geschichte hinein beißen. Doch die anfängliche Durststrecke, in der zunächst eine etwas zu ausführliche »Biografie« der Hauptfigur erfolgt, verwandelt sich bald in einen spannenden Plot in dem der Leser genau so gekonnt ein ums andere Mal in die Irre geführt wird, ebenso wie die Protagonistin. Was ist wahr, was erfunden? Man leidet mit der »Heldin« und blickt zunehmend weniger durch.

Rund 180 Seiten sind vorbei, dann folgt die Auflösung, in der Japrisot über 40 (!) Seiten lang den »Tathergang« ebenso lückenlos wie haarklein schildert. Ja, dieses Buch ist wahrlich ein Klassiker, der trotz seines reifen Alters – er erschien im Original erstmals 1966 – nichts an seiner Faszination verloren hat. Ohne unnötige Brutalität, allein auf der Psycho-Ebene auftrumpfend glänzt dieses Verwirrspiel. Und die Auflösung? Sie hält einige Überraschungen parat und ist durchaus gelungen. Chapeau!!

Ihre Meinung zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Isidor Huber zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« 19.06.2011
Liebe Freunde der Südsee
Ich weiss nicht, wie der Roman auf Deutsch rüberkommt, auf Französisch ist er unschlagbar. Nichts da von schwerfälliger Sprache, kein Wort ist zu viel oder zu nwenig, alles macht Sinn. Vom Medaillon von Dany's Vater (einziges Überbleibsel des Vaters) mit der Darstellung einer Frau, die einem Jahrmarkt-Kraftprotz gleich ihre Ketten zerreisst (wunderbares Portrait von Daby selbst!) bis hin zur wundervollen Mise en abyme der zwei blonden Frauen im Swimming-Pool des Hotels in Cassis, welche an sich die ganze Story resumieren, alles hat seinen Platz. Ich lese und lese den Text wieder, und jedes Mal erkennt man eine neue Genialität von Japrisot. Und das Französisch mit den wiederkommenden Passagen der irekten Rede in der indirekten Rede, einfach unüberbietar. Abgesehen davon: schon ger
¨merkt, adass die meisten Charaktere wieder in "Blutiger Sommer" auftauchen? Von der kurzsichtigen jungen Beauty über den gelähmten Vater bis hin zur EVa Braun (Dany's Mutter, die man wgen einer Affäre mit einem Deutschen Soldaten rasierte ?) Ich gäbe eine Million für ein Gespräch mit Japrisot, leider ist er schon gestorben.
kuerten zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« 25.09.2007
Die Idee für diesen nun schon 40 Jahre alten Roman ist einfach großartig. Ein kleines Naivchen will sich mit dem Auto vom Chef ein vergnügliches Wochenende am Meer machen und fährt schnurstracks in ihr Unglück. Dass sie dabei noch beginnt, an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln, weil sie unterwegs immer wieder Menschen begegnet, die sie am Vortag in genau entgegengesetzter Richtung haben fahren sehen, obwohl sie fest daran glaubt in Paris gewesen zu sein, macht das Rätsel noch verzwickter.
Wunderbar erzählter Klassiker des französischen Kriminalromans. Nicht nur ein Geheimtipp, sondern für mich einer der ganz großen Psychothriller.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anja S. zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« 27.01.2007
Gaaaaaaanz wunderbar!!! Dieses kleine Buch, obwohl vor 40 Jahren geschrieben, ist ein raffiniert konstruierter Psychothriller mit vielen ueberraschenden Wendungen, der sich immer noch gut liest und sehr spannend ist. Werde mir jetzt noch weitere Buecher von Herrn Japrisot besorgen.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Micha zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« 10.01.2007
Obige Besprechung glaubt man gerne, wenn man "Falle für Aschenputtel" und "Lauf wenn du nicht schießen kannst" gelesen hat- einfach gut, aber nicht unbedingt leicht konsumierbar!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Lilith zu »Sébastien Japrisot: Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr« 19.11.2006
Alle, denen die Auflösung in Fitzeks "Therapie" zu platt war, sollten unbedingt dieses Buch lesen. Es entwickelt einen ähnlichen Sog, weil sich die Ereignisse überschlagen und zunehmend unerklärlicher werden, aber die Auflösung ist absolut genial und völlig überzeugend. Ein wirkliches Psychodrama, das auch ohne verstümmelte Leichen eine großartige Spannung aufbaut. Für mich ein kleiner Geheimtipp.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: