Mord im Fahrpreis inbegriffen von Sébastien Japrisot

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1962 unter dem Titel Compartiment tueurs, deutsche Ausgabe erstmals 1964 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1950 - 1969.

  • Paris: Denoël, 1962 unter dem Titel Compartiment tueurs. 154 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1964. Übersetzt von Margaret Carroux. ISBN: 3-499-42392-8. 154 Seiten.
  • Baden-Baden; Zürich: Elster, 1997. Übersetzt von Margaret Carroux. ISBN: 3891512589. 186 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 1999. Übersetzt von Margaret Carroux. ISBN: 3-596-14224-5. 185 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2007. Übersetzt von Margaret Carroux. ISBN: 978-3-7466-2296-5. 195 Seiten.

'Mord im Fahrpreis inbegriffen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Im Liegewagenabteil des Nachtzuges von Marseille nach Paris verbringen sechs Personen die Nacht. Sie sind so unterschiedlich wie eben nur zufällig zusammengewürfelte Reisende es sein können. Sie treffen sich, sprechen miteinander, erzählen von ihrem Leben – und am nächsten Morgen ist eine von ihnen tot. Der liebenswert-verschlampte Inspektor Grazziano beginnt seine Suche nach den anderen fünf Fahrgästen des Abteils, doch jemand kommt ihm dabei immer kurz zuvor – auf eine Weise, die Grazziano gar nicht schätzt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der 1962 erstmals erschiene Roman ist auch heute noch lesenswert« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Als der Bahnangestellte Pierre die Abteile des Nachtzuges aus Marseille im Gare de Lyon in Paris überprüft, findet er in einem Abteil die Leiche einer jungen, offenbar erdrosselten Frau. Inspektor Grazziano und sein Assistent Gabert nehmen die Ermittlungen auf und versuchen die übrigen fünf Abteilgäste ausfindig zu machen.

Zunächst meldet sich nach einer Zeitungsmeldung noch am gleichen Tag Rene Cabourg bei der Polizei, kann allerdings über die anderen Mitreisenden kaum Angaben machen. Am nächsten Tag soll er am Quai des Orfèvres seine Aussage machen, doch dazu kommt es nicht mehr, denn als er abends in der Pause einer öffentlichen Boxveranstaltung die Toilette aufsucht wird er dort erschossen.

Eliane Darrès, die ebenfalls in dem Abteil des Marseiller Nachtzug saß, wird am nächsten Tag von Gabert befragt und weist auf einige Unstimmigkeiten in der Aussage von Cabourg hin. Darrès soll diese am nächsten Tag zu Protokoll geben, wird jedoch auf dem Weg dorthin in ihrem Hausaufzug erschossen. Nachdem mit dem Fernfahrer Rivolani sogar noch ein dritter Zeuge gewaltsam ums Leben kommt, wird die Angelegenheit immer undurchsichtiger, zumal Grazziano offenbar ständig einen Schritt zu spät kommt..

Am Ende etwas arg turbulent

Aus der Feder des bekannten französischen Krimiautors Sebastien Japrisot stammt auch diese recht kurze Geschichte, in der es der Altmeister schafft, trotz der nicht einmal 200 Seiten ein Höchstmaß an Spannung und Verwirrung zu erzeugen. Dabei hat es Inspektor Grazziano aber auch nicht leicht, denn sein Vorgesetzter, Kommissar Tarquin, soll in wenigen Monaten befördert werden und hält sich daher, von einigen eher unerwünschten Belehrungen abgesehen, vornehmlich zurück. Frei nach dem Motto: Bei Erfolg habe ich den Fall gelöst, andernfalls hat Grazziano versagt. Grazziano selber ist nicht unbedingt einer der Klügsten und stolpert daher eher ungeschickt durch die Szenerie. Lediglich sein Assistent Gabert scheint eine brauchbare Hilfe zu sein. Dabei sind doch die ersten Aufgaben ganz einfach:

»Primo, wer ist die Puppe? Secundo, wo kommt sie her, wo wohnt sie, wer kennt sie? Tertio, die Platzkartenliste für das Abteil. Bericht bis sieben Uhr abends. Etwas weniger Blödheit als üblich, das kann nicht schaden.«

Zunächst geschieht der Mord und anschließend erweckt Japrisot die vorangegangenen Ereignisse in Rückblenden zum Leben. Wohlgeordnet nach den Liegeplatznummern der Fahrgäste. So sollte sich eigentlich Stück für Stück die Geschichte auflösen, doch stattdessen nimmt die Verwirrung bei allen Beteiligten immer mehr zu. Wie für den Autor üblich, wartet er mit einer für seine Leser/innen am Ende völlig überraschenden Lösung auf, wobei im vorliegenden Fall die Kapriolen selbst für Japrisot besonders hoch schlagen.

Das Finale ist mehr als überzogen, nicht hundertprozentig befriedigend und dennoch ist selbst dieses Werk, welches immerhin schon über 45 Jahre auf dem Buckel hat (es erschien erstmals 1962), dank des unnachahmlichen Schreibstils ein kurzweiliges, lesenswertes Vergnügen.

Jörg Kijanski, Mai 2008

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Janko zu »Sébastien Japrisot: Mord im Fahrpreis inbegriffen« 19.01.2015
„Mord im Fahrpreis inbegriffen“ wird mit der typisch französischen, emotionslosen Kälte der 50er und 60er Kriminal-Rhetorik erzählt. Trotz der vielen Leichen bleibt der Plot recht unspektakulär, weil hier weniger auf Action, dafür mehr auf Spekulation gesetzt wurde. Ein typischer Whodunit. Allerdings ist die Geschichte auch immer wieder verwirrend, da hier diverse Einzelheiten bewusst ausgespart werden, die erst an späterer Stelle wieder zum Tragen kommen. Es war aber auch nicht sonderlich hilfreich, dass ich immer nur Teilabschnitte gelesen habe. Bei gerade mal knapp 190 Seiten könnte man das Büchlein auch in einem Schwung durchkauen. Dafür fand ich es aber einfach zu zäh. Meine Wertung: 76/100.
mylo zu »Sébastien Japrisot: Mord im Fahrpreis inbegriffen« 15.08.2011
Nun dieser "unnachahmliche" Schreibstil ist schon gewöhnungsbedürftig und lässt ein flottes Lesen nicht zu. Es ist schon erstaunlich wie viel Informationen der Autor in die Sätze packt.
Die Geschichte nimmt eine überraschende Wende - Mord ohne Motiv - mehr kann man nicht sagen um nicht alles zu verraten.
Mal was anderes. 65 Punkte
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