Der Tod ist nur der Anfang von Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Devil May Care, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.

  • New York: Doubleday, 2008 unter dem Titel Devil May Care. 352 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 978-3-453-26602-5. 352 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 978-3-453-43414-1. 352 Seiten.

'Der Tod ist nur der Anfang' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Atemberaubende Action, coole Dialoge, diabolische Gegenspieler, schöne Frauen: Seit über 40 Jahren begeistert James Bond ein Millionenpublikum. Ein neuer Höhepunkt seiner Karriere ist der Roman, den ihm der preisgekrönte Bestsellerautor Sebastian Faulks auf den Leib geschrieben hat: Der hochgefährliche Kampf gegen das Böse führt 007 an exotische Schauplätze in aller Welt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fleming ? Faulks?- Bond!« 48°

Krimi-Rezension von Jochen König

James Bond ist zurück. Nach einem dreimonatigen Regenerationsurlaub ist er postwendend gefordert, die westliche Welt vor einem Anschlag des größenwahnsinnigen Dr. Julius Gorner zu bewahren. Auf seiner atemlosen Hatz durch den vorderen Orient, bis nach Russland und zurück nach Paris, findet 007 einen Love-Interest und Unterstützung in der bezaubernden Scarlett, sowie tatkräftige Hilfe durch die üblichen freundlichen Mitkämpfer vor Ort, während sein alter Spezi Felix Leiter aus der Ferne zumindest ideellen Beistand leistet.

In Verbindung mit ein wenig Budenzauber ist obige Inhaltsangabe tatsächlich das magere Handlungsgerüst des neuen James Bond-Romans Der Tod ist nur der Anfang. Dessen obskure Autorenangabe bereits arges erahnen lässt: »Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming«; was soll das bitteschön heißen – Seelenwanderung, komplette Assimilation oder Bewusstseinsspaltung? Nichts davon, Faulks ist lediglich von Ian Flemings Erben autorisiert worden, die Saga um Englands berühmtesten Geheimagenten fortzusetzen, bzw. zu ergänzen. Wenn es denn so wäre …

Sebastian Faulks bemächtigt sich eines – legitimen – Tricks, um dem Geist Flemings nahe zu kommen, er siedelt den Roman nämlich in den mittleren 60ern des vergangenen Jahrhunderts an. Das führt zu einigen netten Anachronismen, wie der aufreibenden Suche nach einer Telefonzelle, schlechte Funkübertragungen und die weitgehende Abwesenheit von Computertechnologie. Außerdem darf M wieder Mann sein.

Doch leider spielt der gewählte Zeitraum keine bedeutsame Rolle für Entwicklung der Story. Historische Momente werden zwar eingebaut – kalter Krieg, Vietnam – doch sind sie für den Fortlauf der banalen Handlung keineswegs zwingend. Eher im Gegenteil, hinterfragt man den Masterplan des Bösewichts nur Millimeter weit, fällt er wie ein Kartenhaus bei Sturmwind zusammen. Oder glaubt tatsächlich jemand, das nach einem russischen Atomschlag aufs Vereinigte Königreich, die USA in der Hoffnung untätig bleiben würden, dass England sich geläutert und einsichtig in den Vietnamkrieg involvieren lässt? Klar, da liegt ein Land in Schutt und Asche, aber Priorität ist es, den Verbündeten bei einem aussichtslosen Unterfangen in Südostasien zur Seite zu stehen. Nur eine der hanebüchenen Prämissen, die das Buch füllen.

Nun erwartet man von einem 007-Abenteuer nicht gerade analytische Auseinandersetzungen mit der jüngeren Geschichte, aber ein wenig innere Logik sollte schon aufgeboten werden. Und da hapert es bei Der Tod ist nur der Anfang gewaltig. Sinnlose – und für einen derartigen Roman überflüssig brutal geschilderte – Morde; unvermittelte Anschläge auf Bonds Leben, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben, deren einziger Zweck es ist, ein wenig Action in den lahmarschigen Anfang zu bringen.

Faulks benutzt lediglich bekannte Versatzstücke aus dem James Bond-Universum, um sie neu und nicht besonders geschickt zusammen zu setzen. Julius Gorner unterscheidet sich in nichts von Auric Goldfinger oder Hugo Drax, natürlich hat auch er eine gewissenlose Kampfmaschine als Adlatus an seiner Seite, die foltern, töten und Bond an die Wäsche gehen darf.

Statt Golf oder Canasta gibt es ein mäßig spannendes Tennis-Match zu bestaunen, auch der versteckte Hangar mit dem obligatorischen amphibischen Vernichtungsvehikel lässt sich finden; lediglich Q und seine Abteilung bleiben alibihaft in Nebensätzen versteckt. Faulks zeigt auch keine neuen Facetten Bonds; dass er verletzlich ist und Narben dies auch beweisen, wissen wir bereits aus den frühen Fleming-Romanen. Das Faulks den smarten Agenten aber das halbe Buch mit einer Zahnlücke herumlaufen lässt, ist ein Fauxpas, der Bond ein gutes Stück Richtung Komödie treibt. Solche der unfreiwilligen Art allerdings.

Dass die Motivationen der handelnden Personen schwer, bis teilweise gar nicht nachvollziehbar erscheinen, ist ein weiteres Manko des Buches. Vieles passiert einfach nur, weil es passieren muss, damit die Handlung dem Ende entgegen rumpeln kann.

Immerhin geschieht das auf den letzten 150 Seiten leidlich spannend, was aber auch das Beste ist, was man über Der Tod ist nur der Anfang sagen kann. Davor herrscht in dem Roman ein ödes Hin und Her, dem man folgen mag oder auch nicht; es ist weder besonders witzig noch dramatisch. Faulks arbeitet lediglich einen Kanon ab, den er anscheinend glaubt Ian Fleming schuldig zu sein. Dabei singt er nur ein altes Lied in einer ziemlich falschen Tonlage. Er bedient weder den Mythos James Bond durch Überhöhung, noch gibt er ihm genügend Substanz für eine ernsthafte literarische Auseinandersetzung. Er wirkt eher wie jemand, der sich ein 007 Puzzle gekauft hat, die Teile in die Luft wirft und hofft, dass sie sich beim Runterkommen wieder sinnvoll zusammen setzen. Könnte ein Irrglaube sein.

So bleibt Der Tod ist nur der Anfang die Fingerübung eines sprachlich nicht gänzlich unbegabten Autors, der leider ohne viel Esprit und Witz eine Geschichte serviert, die auf dem Untersetzer eines geschüttelten Martinis hinreichend hätte niedergeschrieben werden können.

Jochen König, Juli 2008

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Mycroft zu »Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming: Der Tod ist nur der Anfang« 26.07.2011
Die Grundidee, den Roman in den 60er Jahren anzusiedeln, ist eigentlich ganz gut, weil man auf diese Weise die klassischen Bondgegner hätte ins Spiel bringen können. Leider ist es bei diesem "hätte" auch geblieben, denn der Autor hat eigene Gegner entwickelt, die allerdings wie schlechte Abziehbilder der Bondschurken aus den Kinofilmen wirken. Der Plot ist wirklich kaum der Rede wert: GB wird mit Drogen überflutet, Bond wird auf den dafür Verantwortlichen angesetzt und gerät in dessen Gefangenschaft. Den Plan, die Sowjetunion zu einem atomaren Schlag gegen GB zu verleiten, kann im letzten Augenblick durchkreuzt werden. Showdown: Bond erledigt nacheinander Handlanger und Superschurken. Wie man das besser macht, kann man in jedem Originalroman von Flemming nachlesen.
K. B. zu »Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming: Der Tod ist nur der Anfang« 24.08.2008
"Einen neuen James-Bond-Roman", sagte Ian Fleming Publications Limited (IFP). "Nur einen." "Oui, Monsieur." "Einen Moment. Dazu drei Maß Abklatsch, ein Maß Talent und ein halbes Maß Kreativität. Das Ganze gründlich durchschütteln, bis es eiskalt ist, und eine dünne Scheibe Zitronenschale dazu. Mitgekommen?" "Gewiss, Monsieur." Dem Autor schien das Rezept Spaß zu machen. "Menschenskind, wenn das nicht schmeckt", sagte die Presse. IFP lachte...

Ich glaube, ich werde auch James-Bond-Autor...
Gesundheitsökonom zu »Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming: Der Tod ist nur der Anfang« 22.07.2008
"Das Faulks den smarten Agenten aber das halbe Buch mit einer Zahnlücke herumlaufen lässt, ist ein Fauxpas, der Bond ein gutes Stück Richtung Komödie treibt."

Angesichts des britischen Gesundheitssystems NHS, in dem man in manchen Regionen ein halbes Jahr (und länger) auf einen Zahnarzt-Termin warten darf, kann man dies vielleicht auch als versteckte System-Kritik interpretieren.
Kornhelder zu »Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming: Der Tod ist nur der Anfang« 21.07.2008
Ich habe "Der Tod ist nur der Anfang" gerade im Urlaub gelesen und es hat mir gefallen.
Ich habe nicht alle aber doch einige der Fleming-Bücher gelesen und finde schon, daß der Bond dieses Buchs an den Bond der Ur-Bücher heranreicht. Mich stört nur ein wenig, daß Faulks' Bond zu humorvoll ist. Flemings Bond habe ich immer als eher humorlos empfunden.

Als ebenfalls sehr großer Fan der Bond-Filme (die mit den Büchern nun wirklich kaum was gemeinsam haben) freue ich mich auch darüber, daß die Story wieder in den 60ern spielt. Mir wäre so ein Neustart auch bei den Filmen lieber gewesen. Stattdessen kann man da jetzt auch mit den Mitteln des "historischen" Romans arbeiten.

Ach ja, was die Logik angeht: ja, der Plan Gorners ist unlogisch. Aber war es von Flemig logischer Bond zu Japaner umoperieren zu lassen ? Oder hätte sich wirklich eine Organisation wie SPECTRE aufbauen lassen ?
Es ist ein BOND-Roman !

Für mich gilt: Bond is back und ich hoffe, daß Folgebände erscheinen und auch in Deutschland veröffntlicht werden
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