Fromme Wünsche von Sara Paretsky

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1985 unter dem Titel Killing Orders, deutsche Ausgabe erstmals 1988 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Chicago, 1970 - 1989.

  • New York: Morrow, 1985 unter dem Titel Killing Orders. ISBN: 068804820X. 288 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1988. Übersetzt von Katja Münch. ISBN: 3-492-15517-0. 227 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1998. Übersetzt von Katja Münch. ISBN: 3-492-25517-5. 227 Seiten.

'Fromme Wünsche' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der heikle Auftrag kommt ausgerechnet von Vics ungeliebter Tante Rosa, die Schatzmeisterin in einem Kloster ist: Aktien im Wert von fünf Millionen Dollar sollen Fälschungen sein. Als Vics Freundin Agnes, eine Finanzmaklerin, erschossen wird, steht für die Privatdetektivin fest, dass die Schuldigen in diesem Wirtschaftskrimi nicht nur bei der Mafia und den Politikern der Stadt zu finden sind, sondern ganz oben in kirchlichen Kreisen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sexy, feminin, weich und intelligent – frech, trinkfest, pfiffig und stur«

Krimi-Rezension von odile

V.I. Warshawsky, von ihren Freunden Vic genannt, bebt vor Zorn. Ausgerechnet ihre verhasste Tante Rosa, Finanzverwalterin eines Dominikanerklosters, bittet um ihre Hilfe. Leider hat die Detektivin ihrer sterbenden Mutter versprochen, Rosa im Notfall beizustehen. Und so übernimmt sie zähneknirschend deren heiklen Auftrag.

Aktien im Wert von 5 Millionen Dollar sind aus dem Tresor des Klosters spurlos verschwunden. Sie wurden durch wertlose, aber geniale Fälschungen ersetzt. Rosa gehört zu den Tatverdächtigen und wurde deshalb von ihrer geliebten Arbeit suspendiert.

Dass Vic ihre alte Tante verabscheut, kann jeder Leser nach 5 Minuten vollkommen verstehen, doch der Grund für die gespannten Familienverhältnisse zeigt sich erst im Lauf der Geschichte.

Inzwischen nimmt Vic ihre Ermittlungen auf und wendet sich wegen Insiderinformationen an ihre alte Freundin Agnes, eine erfolgreiche Aktienmaklerin. Kaum hat sie mit ihren Recherchen begonnen, entzieht ihr Rosa den undurchsichtigen Auftrag wieder. Wer Vic kennt, weiss, dass die alte Tante mit ihren taktischen Spielchen an die Falsche geraten ist. V.I. macht weiter.

Die Detektivin scheint auf der richtigen Spur zu sein, denn noch am selben Tag wird ihr telefonisch ein Säureattentat angedroht, falls sie weiter ermittelt. Aber ihr Dickkopf besiegt, wie üblich, ihre Angst. Da tauchen plötzlich die echten Aktien wieder auf.Wie aus dem Nichts liegen sie demonstrativ auf dem Altar der Klosterkapelle. Alle scheinen zufrieden zu sei, die Dominikaner, die rehabilitierte Tante Rosa sowie Polizei und FBI. Nur Vic nicht.

Agnes kündigt ihr wichtige Informationen an. Doch als Vic bei ihr eintrifft, ist die Freundin bereits tot. Ermordet. Ein simpler Raubmord nach Meinung der Polizei, wie er in Chicago anscheinend häufiger vorkommt.Vic weiss es besser, aber niemand glaubt ihr.

Trotz Telefonterror kann sie den Fall nun nicht mehr aufgeben, das glaubt sie ihrer toten Freundin schuldig zu sein. Prompt wird die Detektivin das Opfer eines hinterhältigen Säureanschlags. Sie entkommt nur leicht verletzt, nachdem sie zuvor den Kiefer des Angreifers mit ihrer schweren Taschenlampe zertrümmert hat.

Vic lässt sich nicht bremsen! Mittels einer Kollektion von Dietrichen und profunden einschlägigen Kenntnissen, dringt sie in das Büro eines bekannten Aktienhändlers ein und macht eine überraschende Entdeckung: »Corpus Christi«, eine einflußreiche Laienorganisation gutbetuchter katholischer Fundamentalisten scheint in den Fall verwickelt zu sein.Wie sich herausstellt, gehört auch Rosa dieser umstrittenen Vereinigung an.

Mittlerweile schlägt der unheimliche Anrufer erneut zu und fackelt Vics Appartement ab. Doch auch dieses Mal steht ihr das Glück zur Seite. Die Angriffe bestätigen Vics Verdacht und stacheln sie noch zusätzlich an.

Doch die Lösung des Falls erweist sich als schwierig. Erst als es Vic gelingt, die Identität des skrupellosen Anrufers festzustellen – eine schockierende Entdeckung übrigens – bekommt sie die nötigen Beweise in die Hand. Dazu sind ein gewagter Mummenschanz und ein äußerst gefährliches Treffen notwendig.

Erneut gerät Vic in Gefahr und bekommt die zweifelhafte Ehre, zur Audienz bei einem mächtigen Mafiaboss geladen zu werden. Vic wäre nicht Vic, wenn sie sich diese Gelegenheit trotz aller Gefährlichkeit entgehen liesse.

Letztlich löst sie den schwierigen Fall, doch einige Opfer bleiben dabei auf der Strecke. Und auch Vic erfährt eine bittere Wahrheit …

V.I. Warshawski, Privatdetektivin: Nach ihrem Juraexamen und ein paar Jahren als Pflichtverteidigerin, wechselt V.I. (sprich Wie, Eih) den Beruf. Die Tochter eines Polizisten entschliesst sich als Privatdetektivin in Chicago zu arbeiten. Sie hat keine Familie, die sie von diesem Entschluss abhalten könnte. Ihre Eltern sind beide tot, sie hat weder Geschwister noch Kinder. Seit sie geschieden ist, hat sie beschlossen, diesen Zustand beizubehalten. Vic lebt, beziehungsmässig gesehen, á la carte.

Mir war sie sofort sympathisch. Eine toughe junge Frau, intelligent und attraktiv. Vic pfeift auf Konventionen.Sie ist sehr selbstbewusst, schlagkräftig, trinkfest und nennt eine große Klappe ihr eigen, die sie oft in Schwierigkeiten bringt. Auch ihre Vorlieben und Antipathien gefallen mir. Vic hasst Hausarbeit jeglicher Art. Sport treibt sie nur widerwillig, um fit zu bleiben und ihre gute Figur zu behalten.

»...meines Erachtens ist Laufen das beste Mittel, um Gewichtsprobleme, die durch übermäßigen Pasta-Genuß entstehen könnten, in den Griff zu bekommen. Diät liegt mir nämlich noch weniger als Sport.« 

Ihre nervtötende Verwandtschaft meidet sie möglichst, da sie auf deren spitze Kommentare über ihren Lebenswandel sehr gut verzichten kann. Vic liebt schicke, teure, meist italienische Klamotten und hochhackige Schuhe. Selten versäumt sie, ihr aktuelles Outfit zu beschreiben. Während sie zu den Dominikanern im marineblauen Kostüm mit goldfarbenem Seidenpulli geht, dürfen die Teilnehmer eines erzbischöflichen Dinners Vic im knallroten Wollkreppkleid mit tiefem Rückendekollté bewundern.

Wie erwähnt, schätzt sie gutes Essen, vor allem italienisches, und exquisite Getränke, vor allem teuren Whiskey. Doch Vic macht nicht nur in Abendkleid und Jeans eine gute Figur. Sie beherrscht auch ihr Metier. Nicht nur ihr kluges Köpfchen, auch ihre juristische Ausbildung, ihr Gerechtigkeitssinn und ihr flottes Mundwerk kommen ihr zugute. Sowohl ihre Dietriche, als auch ihren Revolver, Marke »Smith&Wesson«, beherrscht Victoria perfekt.

Alles in allem verkörpert Vic den modernen Frauentyp. Sie ist emanzipiert und feminin, schätzt die schönen Dinge sehr und weiss sich in ihrer rauhen Umgebung effektiv durchzusetzen. Da Vicky keine näheren Verwandten mehr hat, sind Freunde ihre wichtigsten Bezugspersonen. Allen voran Lotty Herschel, österreichische Kinderärztin und mütterliche Freundin. Sie unterstützt Vicky, wo sie nur kann. Bei mehr als nur einem Fall hilft sie der risikofreudigen Detektivin aus der Patsche. Dieses Mal allerdings belastet eine schwerwiegende Meinungsverschiedenheit ihre langjährige Freundschaft.

Murray Ryerson, Gerichtsreporter und Schürzenjäger. Vic schätzt ihn als alten Freund, nützlichen Informanten und gelegentlichen Liebhaber. Sobald die beiden am gleichen Fall dran sind, entwickeln sich Vic und er schnell zu Rivalen.

Bob Mallory, Lieutenant und ehemaliger Kollege von Vics verstorbenem Vater. Er würde die Tochter seines verstorbenen Freundes lieber als Hausfrau und Mutter sehen. Deswegen macht er Vic, speziell im vorliegenden Fall, das Berufsleben schwer.

In den späteren Fällen stösst noch Max Loewenthal, der Leiter des Beth-Israel-Krankenhauses, in dem Lotty arbeitet, zu diesem kleinen Kreis.

Ich schätze Vic und ihre Schöpferin sehr. Die Warshawsky-Fälle sind spannend, manchmal aufregend, stets gut recherchiert und immer sehr unterhaltsam.

Mit der etwas respektlosen, vorlauten V.I. hat Sara Paretsky eine sympathische, überzeugende Detektivin geschaffen, die ihre Fälle mit Bravour löst. Vic verfügt, wie wir alle, über zahlreiche Stärken und Schwächen. Sie ist einerseits sexy, feminin, weich, intelligent, andrerseits frech, trinkfest, pfiffig, stur und äußerst wehrhaft. Häufig kommt ihr ihre Intuition zu Hilfe. Ihre ausgeprägte soziale Ader, ihre Loyalität und ihr Dickkopf erweisen sich dagegen manchmal als zweischneidiges Schwert.

Im vorliegenden Fall muss sie sich gleich mit mehreren mächtigen Gegnern auseinandersetzen, dem Vatikan (die Banca Ambrosiano lässt grüssen), der Mafia, Politikern und anderen. Doch Vic geht ihren Weg, macht dabei immer eine gute Figur und »schafft alle«. V.I. und Sara unterhalten mich stets vorzüglich. Von den modernen Detektiven, die ich kenne, ist sie mir die liebste! Meine Empfehlung: unbedingt lesen!

Ihre Meinung zu »Sara Paretsky: Fromme Wünsche«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

vifu zu »Sara Paretsky: Fromme Wünsche« 30.12.2011
Ich bekam dies Buch gerade erst in die Finger und hab´s mit Erstaunen gelesen. Da ja Finanzspekulationen immer noch aktueller sind denn je und auch die katholische Kirche sich mal wieder mit Manipulationen zeigt, hat sich leider seid dem Erscheinungsjahr 1988 wenig geändert! OK, es gab keine Handys und so, aber trotzdem ein flott geschriebener, empfehlendswerter Krimi.
germansabs zu »Sara Paretsky: Fromme Wünsche« 19.08.2008
Habe das Buch vor knapp 20 Jahren gelesen, und sowohl die Handlung wie auch V.I. sind mir in guter Erinnerung geblieben. Die Heldin ist sympatisch, die Handlung ist spannend und überzeugend, und das Buch ist gut geschrieben/übersetzt. Sehr empfehlenswert, auch wenn Opus Dei Anspielungen mittlerweile völlig zum Klischee verkommen sind. Sollte unbedingt mal wieder einen Paretzki lesen...
Ihr Kommentar zu Fromme Wünsche

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: