Todesbraut von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
bei dtv.
Folge 7 der Wencke-Tydmers-Serie.
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München: dtv, 2010.
ISBN:
978-3423247818. 330 Seiten. -
München: dtv, 2011.
ISBN:
978-3423213097. 330 Seiten.
'Todesbraut' ist erschienen als
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In Kürze:
Shirin Talabani, 33, ist tot. Die brutalen Würgemale an ihrem Hals sprechen eine eindeutige Sprache. Der Verdacht fällt sofort auf ihren Bruder, der bereits drei Jahre zuvor wegen versuchten Totschlags an ihr verurteilt worden war. Ein klassischer Fall von Ehrenmord?Wencke Tydmers hat sich in den USA als Profilerin ausbilden lassen und arbeitet jetzt beim LKA in Hannover. Ihr erster Fall führt sie direkt zu Shirin Talabanis Leiche. Gegen alle Dienstvorschriften stürzt Wencke sich in die Ermittlungen. Denn sie – oder besser: ihr Gefühl – weiß, dass Shirins Bruder den Mord nicht begangen hat. Zu spät merkt Wencke, dass sie beschattet wird. Und plötzlich ist ihr kleiner Sohn Emil verschwunden. Die Spuren führen nach Istanbul.
Wencke Tydmers arbeitete zuletzt als Kriminalkommissarin in Aurich bevor sie für ein dreijähriges Studium in die USA ging. Dort lies sie sich als Profilerin ausbilden und hat nun seit gerade einmal zwei Wochen einen neuen Job beim LKA in Hannover. Hier soll sie eine neue Datenbank nach amerikanischem Vorbild aufbauen und dazu Fallanalysen erstellen. Ihr erster Fall betrifft den jungen Kurden Armanc Merdin, der zweieinhalb Jahre im Jugendstrafvollzug verbrachte, nachdem er mit seinem Auto versuchte, seine Schwester Shirin Talabani von der Fahrbahn abzudrängen und zu töten. Shirin wurde schwer verletzt, ihre Tochter Roza, die ebenfalls im Auto saß, im Gesicht total entstellt.
Seit drei Monaten ist Armanc nun wieder frei und beantwortet Wenckes Fragen zu dessen damaligen Motiven. Schnell wird klar, dass ein klassischer Fall von versuchtem Ehrenmord vorliegt, da Shirin durch ihre allzu westlich geprägte Lebensweise und der Tatsache, dass sie ihren kurdischen Ehemann verlassen hat, die Ehre der Familie empfindlich beschädigt hat. Dass die Ehe durch eine Zwangsheirat erfolgte spielt dabei für ihren Bruder keine Rolle. Offen erklärt dieser in dem Gespräch mit Wencke, dass er nach wie vor das Ziel verfolge, die Ehre seiner Familie wieder herzustellen. Wencke will am folgenden Tag mit Shirin sprechen, findet diese zuhause jedoch an ihr Bett gefesselt und erwürgt vor. Nur wenige Stunden später ist der Fall für die zuständigen Kollegen der Polizei geklärt, denn Armanc hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt.
Einzig Wencke glaubt nicht an Armancs Schuld und beginnt, sehr zur Verärgerung ihrer neuen Vorgesetzten Tilda Kosian und Shirins Ex-Man, inoffiziell zu ermitteln. Dabei liegt Wencke mit ihrer Vermutung offenbar richtig, denn wenig später kann sie Armancs Anwältin nur knapp das Leben retten während ihr sechsjähriger Sohn offenbar entführt wurde.
Todesbraut ist für all diejenigen interessant, die sich mit der problematischen Beziehung zwischen Türken und Kurden (zumindest oberflächlich) beschäftigen wollen oder sich für die – freundlich formuliert – gewöhnungsbedürftige Definition des Begriffes «Ehre" in einem Teil der islamischen Welt interessieren. Wer sich für die vorgenannten Themen nicht interessiert wird lesenswertere Krimis finden, was nicht zuletzt am Verhalten der Protagonistin liegt.
Nichts spricht dagegen intuitiv zu handeln, sprich auf sein Bauchgefühl zu hören. Jedoch immer wieder sein Gehirn auszuschalten, sämtliche Dienstregeln zu ignorieren und mit dem sprichwörtlichen Kopf ständig durch die Wand rennen zu wollen, wirkt auf Dauer doch zu aufgesetzt.
Was hatte sie zu verlieren? Entweder den Job – oder den Glauben an ihre Intuition.
Klar, dass bei so einer Ausgangslage das Interesse an den Job, den man gerade erst auf eigenen Wunsch angetreten hat, in den Hintergrund gestellt wird. Nichts gegen die berühmt-berüchtigte weibliche Intuition, aber… Da braucht man(n) sich auch nicht zu wundern, dass sich die leicht naive Heldin mitunter recht dämlich verhält. So zum Beispiel auf Seite 184, wo wir »Wie dämlich.« und »…wie konnte sie nur so dämlich sein.« lesen. Ganze fünf(!) Zeilen liegen zwischen diesen zitierten Textstellen. Glückwunsch ans Lektorat. Zudem wird recht großzügig mit hinlänglich bekannten Klischees gearbeitet. Diese Schwarz-Weiß-Malerei bei der Charakterzeichnung nahezu aller Nebenfiguren ist auf Dauer genauso nervend wie das »impulsive« Verhalten der Protagonistin. Immerhin sorgen mehrere tatverdächtige Personen (Armanc konnte es – so das Bauchgefühl des Rezensenten – ja nicht sein) für die nötige Spannung beim Mitraten bis hin zu einer Auflösung, die vermutlich überraschen wird.
Schade, aus den genannten Themenfeldern von Zwangsheirat und Ehrenmord bis hin zum Kurdenkonflikt hätte man mehr machen können. Und ja, auch bei der Auflösung der Täterfrage hätte ein bisschen mehr Mühe Not getan.
Jörg Kijanski, August 2010
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