Die Totengräberin von Sabine Thiesler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Heyne.

  • München: Heyne, 2009. ISBN: 978-3-453-43275-8. 512 Seiten.

'Die Totengräberin' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Das hat sie schon als Kind gelernt. Und deshalb steht ihr Entschluss fest: Sie kann ohne ihn nicht leben, aber sie kann vor allem mit ihm nicht mehr leben.Es ist ein warmer Sommermorgen in der Toskana. Heute soll er sterben. Sie hat alles vorbereitet, er wird nichts spüren. Jedenfalls nicht in den ersten Minuten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychodrama ohne Substanz« 22°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Nach Der Kindersammler und Hexenkind legt Sabine Thiesler nun ihren dritten Kriminalroman vor. Schauplatz der Handlung ist wieder ein abgeschieden gelegenes Anwesen in der Toskana und wieder liegen die Ursprünge der Bluttat in Deutschland. Viele Leser erwarteten von Die Totengräberin ein weiteres, packendes Psychodrama mit Tiefgang vor malerischer Kulisse. Zu Recht?

Die Mordwaffe der Frau: Ein Giftcocktail

Für den Mord an ihrem Ehegatten Johannes hat sich Magda eine ausgeklügelte Methode ausgedacht: Ein Beruhigungsmittel soll ihn einschläfern, ein Muskelrelaxans zu allgemeinen Organversagen führen. Magda ist Apothekerin, konnte die Medikamente problemlos stehlen und alles in Ruhe vorbereiten. Johannes kommt einige Tage später zu ihr in die Toskana, voller guter Absichten, mit seiner Ehefrau von vorn anzufangen. Dazu wird er keine Gelegenheit mehr haben.
Magda verscharrt die Leiche im Garten und pflanzt einen Olivenbaum auf das Grab.

Freunden und der Familie erzählt sie, ihr Ehegatte sei nach Rom gefahren. Doch das er auch am Wochenende nicht erscheint, kommt manchem merkwürdig vor. Johannes Bruder Lukas begleitet seine Schwägerin auf ihrer Suche nach Johannes in Rom. Er liebt Magda, seitdem sein Bruder sie ihm vorgestellt hat. Ist er nun, wo sein Bruder spurlos verschwunden scheint, am Ziel seiner Wünsche?

Der Nachbar Massimo glaubt, das Johannes abgehauen ist und möchte der Zurückgelassenen helfen. Er plant in der Zeit, in der die Nachbarin ihren Mann sucht, heimlich den Garten vom Unkraut zu säubern und den falsch gesetzten Olivenbaum erneut einzupflanzen.

Surrealismus oder Realsatire?

»Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende.«

Diesen Leitsatz hat Magda von ihrer Mutter eingeimpft bekommen und er dient ihr als Begründung für die Ermordung des untreuen Ehegatten.

Überzeugend klingt dieses Motiv nicht, aber das muss es ja auch nicht. Gespannt erwartet man, welche psychologischen Abgründe das Leben der Hauptprotagonisten geprägt und sie zu der Mörderin gemacht haben mögen. Am Ende des Romans weiß man zwar mehr, dennoch ist das Motiv nicht glaubwürdiger geworden. Aber wenigstens handelt Magda in ihrer mit Alzheimer Symptomatik durchsetzten eigenen Welt konsequent unlogisch. Das Bild einer zutiefst gestörten Person, das die Autorin zeichnet, rührt irgendwo. Ärgerlich ist allerdings, dass nicht einmal eine der weiteren Figuren auch nur im Ansatz nachvollziehbar handelt. Nicht der liebestrunkene und dadurch nicht minder realitätsferne Schwager Lukas. Nicht der selbstsüchtige Theater- und Literaturkritiker Stefano Topo, der vom weltmännischen Aufreisser zum Erpresser mutiert. Und schon gar nicht Commandante Nero, der wie eine schlechte Karikatur des unfähigen Italio-Bullen wirkt, nur dass hier auch die Bösen nicht schlauer agieren.

Wenigstens sind die beiden Letztgenannten für einige Lacher gut. Und so ließe sich die Reihe endlos fortsetzen. Will Die Totengräberin vielleicht als surrealer Roman daher kommen? In dem Fall wirken die seitenreich beschriebenen Personenhintergründe, die diese Bausteine einer absurden Handlungskette untermauern sollen, nicht nur an den Haaren herbei gezogen, sondern auch noch komplett überflüssig.

Auf Top folgt Flop

Es mag verwunderlich erscheinen, dass die selbe Rezensentin einer Autorin für ihren Romanerstling Der Kindersammler eine Bestnote und dem aktuellen Roman, Die Totengräberin eine vergleichsweise vernichtende Bewertung erteilt. Was hat die Autorin dieses Mal so gravierend falsch gemacht?

Über die Glaubwürdigkeit einer Handlung lässt sich sicherlich immer streiten, so wie auch bei Der Kindersammler in den Leserkommentaren geschehen. Diejenigen, die Sabine Thieslers Krimi-Debüt überzeugt hat, fühlten sich auf einer emotionalen Ebene angesprochen. Sowohl die pädophilen Verbrechen, als auch die Jagd der Ermittler auf das Monster und die Geschichte einer betroffenen Mutter wirkten authentisch genug, um den Leser in Atem zu halten und betroffen zurück zu lassen.

Nichts von dem findet sich in Die Totengräberin, auch kaum andere Qualitätsmerkmale, zu grotesk und unfreiwillig komisch wirken Handlung und Figuren. Punkten kann die Autorin allenfalls mit den Landschaftsbeschreibungen, einigen gekonnt eingesetzten sprachlichen Mitteln und – mit vielen Abstrichen – dem Psychogramm der Täterin.

Eva Bergschneider, Juli 2009

Ihre Meinung zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Polly zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 30.12.2009
...ich habe soeben die letzte Seite zuende gelesen.nunja,was soll ich sagen...??
Ich bin viel zu sehr verwöhnt und bgehärtet, weil ich wohl zu viel grauenvolle Bücher lese..Dies nervt mich selbst zu tiefst..
Ich möchte ein Buch lesen,was ganz leise und ohne vorwahnng, einen die Kehle zuschnürt..Nicht massig Blut.!
Dass es einfach sich nur wie im Kopf abspielt..
Doch so ein Buch habe ich bereits schon vor Jahren gelesen und es wird wohl kein Buch der Welt dies toppen können..Ein Buch,was man nur einmal lesen kann,weil es in zweites mal es nichts bringen würde...nunja,sonst war das Buch"Die Totengräberin"..nun ja..irgendwie niedlich,.
Ps.:das Buch, welches ich einfach atemberaubend fande...:Die Therapie von Sebastian Fitzek...
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kirabela zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 29.12.2009
Alles was nach "Der Kindersammler" dem Computer von Sabine Thiesler entsprungen ist, ist für mich einfach nur *piep*. Einfach grauenvoll, nie wieder werde ich ein Buch von ihr in die Hand nehmen, die Zeit dafür ist mir einfach zu schade. Unausgereifte Figuren -und dann noch eigentlich fast alle entweder geistesgestört oder super naiv-, unnötig langgezogene Schilderungen des Alltags und dergleichen und ein unglaubwürdiger Ablauf der Geschichte. Alles in Allem, nein nein nein!!!
Dorothee zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 28.12.2009
Also ich habe das Buch gelesen und ich habe noch viele Fragenzu dem Motiv und den plötzlichen Stimmungsänderungen der Hauptperson. Auch erleichtert die ständig wechselnde Perspecktive das lesen nicht.
Aber nun eine große Frage. Ich soll eine Buchvorstellung über dieses Buch schreiben, doch es ist relativ schwierig den gesamten verlauf der Handlung mit alle wichtigen Details und dem Ende auf eine 3/4 Seite zu schreiben.
Wer eine Idee hat wie das gehen soll schreibt mir bitte eine e-mail:
dorotheebischof@web.de
Feuerzeichen zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 12.06.2009
Hier gehen die Meinungen ja weit auseinander! ;-) Meine lautet wie folgt:
Ich mag die Frau. Ich werde von Sabine Thiesler auch weiterhin alle Bücher lesen oder hören, ziemlich sicher. Das erste fand ich genial, das zweite noch viel besser. Von "Die Totengräberin" bin ich allerdings enttäuscht.

Ich schließe mich an: Zu vorraussehbar, zu wenig Spannung. Die Toskana wunderoll, und es ist auch toll, einen Wiedererkennungswert zu haben. Bei dem Buch allerdings hätte eine andere Kulisse wenigstens etwas für Spannung gesorgt. Es wirkt fast, als hätte DRINGEND ein neues Werk hergemusst, und das merkt man.

Kein Vergleich zu dem hervorragenden "Hexenkind"!

LG Feuerzeichen
killerknobl zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 26.05.2009
Habe gerade die " Totengräberin " beendet und bin wie immer begeistert von Sabiene Thiesler. Gerade die kleine Details und Einzelheiten über die Personen und deren Leben finde ich wieder sehr gelungen. Überhaupt nicht langweilig. Ich sehe alles genau vor mir. Die Toscana, La Roccia, das Hotelzimmer . . . einfach genial beschrieben. Obwohl am Anfang des Buches etwas die Spannung genommen wird hätte es keine Seite weniger sein dürfen. Die kriminelle Energie wurde meiner Meinung nach voll ausgeschöpft allerdings kam der psychologische Teil etwas zu kurz. Da hätte man noch mehr aus der Psychologin, Frau Dr. Nienburg, herausholen können. Alles in allem wieder eine unterhaltsame Lektüre von Sabine Thiesler. Werde treuer Fan bleiben.
Steffi0303 zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 25.04.2009
Also ich hab die Totengräberin gestern abend beendet!
Also ich fand ja mal wieder die Beschreibung der Toskana einmalig, man fühlte sich auf La Roccia echt pudelwohl und konnte das schöne Haus und die Gegend förmlich sehen und sich darin verlieben! Also was die Gegend angeht super geschrieben, jedoch die Geschichte fand ich eher etwas langatmig und doch vorhersehbar, irgendwie beschleicht mich das Gefühl das Sabine Thiesler immer eine Richtung hat in Ihren Büchern, Serientätiger, psychologisch nicht zurechnungsfähig und der Schluss des Buches hat mich eher sehr enttäuscht.

Auch hat mich etwas enttäuscht das die Sache um Stefan Topo eher untergegangen ist.

Aber allem in allem ist die Totengräberin eine leichte Lektüre die man auch so zwischendurch mal lesen kann.
benchen02 zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 22.02.2009
...Trotz der überall bester Kritiken, fand ich dieses Buch nicht gerade spannend! Die Geschichte etwas langatmig und kontruiert!! Gut 100 Seiten weniger hätten es auch getan!! Die Beschreibung der Toskana war mal wieder spitze!! Mann oder Frau konnte den Duft dieser Landschaft förmlich riechen.Ganz nett zu lesen, aber für mich wirklich nur lauwarme Kost.
hinterwald zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 06.02.2009
warum hatte ich das bloss befürchtet, daß sich prompt jemand findet, der den "kindersammler" liebte, "hexenkind" mochte und nun mit der "totengräberin" gänzlich unzufrieden ist, weil der hamburg nicht so schmeckt, wie der letzte?liebe krilla, sorry, aber ich glaube, du hast da was verpasst. was du "klischees" nennst, ist in wirklichkeit die feine ausarbeitung liebenswerter charaktere, die selbst dann noch liebenswert sind, wenn es sich um ausgemachte vollidioten handelt, wie etwa den - hast du dich selbst erkannt? - kritiker, der die bücher nicht liest, die er bespricht. womit ich nicht sagen will du seist ein VI, aber irgendwie hast du konsumiert und nicht gelesen. und vor allem, du hast nicht mitgedacht, was man allerdings muss. man sollte schon die nötige distanz zu den beschrieben charakteren haben und ihnen nicht alles so abnehmen, wie sie selbst es denken und sagen.wenn man das tut und nicht "kindersammler III" erwartet, also den immer gleichschmeckenden burger, dann kann man einen sarkasmus auf (fast) highsmith niveau entdecken, eine autorin, die sich und ihre figuren entwickelt, daß es eine freude ist, daran tei haben zu dürfen.einfach wunderbar die stelle, in der besagter kritiker sich in selbstmitleid steigert, weil der "schoß dem er entsprang" nun tot ist, oder die stelle im beichtstuhl. wo da bitte das "klischee" sein soll, will sich mir nicht erschließen, liebe krilla, auf die idee kann man nur kommen, wenn man das buch nicht verstanden hat,chapeau, frau thiesler! zuerst dachte ich, wo sind bloß meine lieblinge, die behinderten, die sie in den beiden früheren büchern so liebens-wert geschildert haben, bis der groschen fiel: diesmal sind offensichtlich alle behindert, gefangen in ihrer eigenen kleinen wahrnehmung und ihrer selbstbespiegelung.ich jedenfalls finde großen genuss an der "totengräberin" und freue mich schon auf das vierte buch. weiter so!
Krilla zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 07.01.2009
Der Schauplatz dieses Buches ist wie bei den Vorgängern die Toskana.
Weder der "Kindersammler" noch ds "Hexenkind" hätten mich zum Kauf der "Totengräberin" verführen können. Aber, wie es mit Buch-Geschenken so ist.
man liest und hofft - in diesem Fall vergeblich!

Es werden sämtliche Klischees bedient, die Geschichte kommt sehr behäbig daher, alles ist vorhersehbar und auch oder gerader der Irrsinn der Täterin hätte subtiler dargestellt weren und den Leser verwirren können und dadurch wäre womöglich Spannung erzeugt worden.
Ihr Kommentar zu Die Totengräberin

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: