Die Totengräberin von Sabine Thiesler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Heyne.

  • München: Heyne, 2009. ISBN: 978-3-453-43275-8. 512 Seiten.
  • München: Heyne, 2010. ISBN: 978-3-453-43468-4. 511 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009. Gesprochen von Sabine Thiesler. ISBN: 386604979X. 6 CDs.

'Die Totengräberin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Das hat sie schon als Kind gelernt. Und deshalb steht ihr Entschluss fest: Sie kann ohne ihn nicht leben, aber sie kann vor allem mit ihm nicht mehr leben.Es ist ein warmer Sommermorgen in der Toskana. Heute soll er sterben. Sie hat alles vorbereitet, er wird nichts spüren. Jedenfalls nicht in den ersten Minuten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychodrama ohne Substanz« 22°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Nach Der Kindersammler und Hexenkind legt Sabine Thiesler nun ihren dritten Kriminalroman vor. Schauplatz der Handlung ist wieder ein abgeschieden gelegenes Anwesen in der Toskana und wieder liegen die Ursprünge der Bluttat in Deutschland. Viele Leser erwarteten von Die Totengräberin ein weiteres, packendes Psychodrama mit Tiefgang vor malerischer Kulisse. Zu Recht?

Die Mordwaffe der Frau: Ein Giftcocktail

Für den Mord an ihrem Ehegatten Johannes hat sich Magda eine ausgeklügelte Methode ausgedacht: Ein Beruhigungsmittel soll ihn einschläfern, ein Muskelrelaxans zu allgemeinen Organversagen führen. Magda ist Apothekerin, konnte die Medikamente problemlos stehlen und alles in Ruhe vorbereiten. Johannes kommt einige Tage später zu ihr in die Toskana, voller guter Absichten, mit seiner Ehefrau von vorn anzufangen. Dazu wird er keine Gelegenheit mehr haben.
Magda verscharrt die Leiche im Garten und pflanzt einen Olivenbaum auf das Grab.

Freunden und der Familie erzählt sie, ihr Ehegatte sei nach Rom gefahren. Doch das er auch am Wochenende nicht erscheint, kommt manchem merkwürdig vor. Johannes Bruder Lukas begleitet seine Schwägerin auf ihrer Suche nach Johannes in Rom. Er liebt Magda, seitdem sein Bruder sie ihm vorgestellt hat. Ist er nun, wo sein Bruder spurlos verschwunden scheint, am Ziel seiner Wünsche?

Der Nachbar Massimo glaubt, das Johannes abgehauen ist und möchte der Zurückgelassenen helfen. Er plant in der Zeit, in der die Nachbarin ihren Mann sucht, heimlich den Garten vom Unkraut zu säubern und den falsch gesetzten Olivenbaum erneut einzupflanzen.

Surrealismus oder Realsatire?

»Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende.«

Diesen Leitsatz hat Magda von ihrer Mutter eingeimpft bekommen und er dient ihr als Begründung für die Ermordung des untreuen Ehegatten.

Überzeugend klingt dieses Motiv nicht, aber das muss es ja auch nicht. Gespannt erwartet man, welche psychologischen Abgründe das Leben der Hauptprotagonisten geprägt und sie zu der Mörderin gemacht haben mögen. Am Ende des Romans weiß man zwar mehr, dennoch ist das Motiv nicht glaubwürdiger geworden. Aber wenigstens handelt Magda in ihrer mit Alzheimer Symptomatik durchsetzten eigenen Welt konsequent unlogisch. Das Bild einer zutiefst gestörten Person, das die Autorin zeichnet, rührt irgendwo. Ärgerlich ist allerdings, dass nicht einmal eine der weiteren Figuren auch nur im Ansatz nachvollziehbar handelt. Nicht der liebestrunkene und dadurch nicht minder realitätsferne Schwager Lukas. Nicht der selbstsüchtige Theater- und Literaturkritiker Stefano Topo, der vom weltmännischen Aufreisser zum Erpresser mutiert. Und schon gar nicht Commandante Nero, der wie eine schlechte Karikatur des unfähigen Italio-Bullen wirkt, nur dass hier auch die Bösen nicht schlauer agieren.

Wenigstens sind die beiden Letztgenannten für einige Lacher gut. Und so ließe sich die Reihe endlos fortsetzen. Will Die Totengräberin vielleicht als surrealer Roman daher kommen? In dem Fall wirken die seitenreich beschriebenen Personenhintergründe, die diese Bausteine einer absurden Handlungskette untermauern sollen, nicht nur an den Haaren herbei gezogen, sondern auch noch komplett überflüssig.

Auf Top folgt Flop

Es mag verwunderlich erscheinen, dass die selbe Rezensentin einer Autorin für ihren Romanerstling Der Kindersammler eine Bestnote und dem aktuellen Roman, Die Totengräberin eine vergleichsweise vernichtende Bewertung erteilt. Was hat die Autorin dieses Mal so gravierend falsch gemacht?

Über die Glaubwürdigkeit einer Handlung lässt sich sicherlich immer streiten, so wie auch bei Der Kindersammler in den Leserkommentaren geschehen. Diejenigen, die Sabine Thieslers Krimi-Debüt überzeugt hat, fühlten sich auf einer emotionalen Ebene angesprochen. Sowohl die pädophilen Verbrechen, als auch die Jagd der Ermittler auf das Monster und die Geschichte einer betroffenen Mutter wirkten authentisch genug, um den Leser in Atem zu halten und betroffen zurück zu lassen.

Nichts von dem findet sich in Die Totengräberin, auch kaum andere Qualitätsmerkmale, zu grotesk und unfreiwillig komisch wirken Handlung und Figuren. Punkten kann die Autorin allenfalls mit den Landschaftsbeschreibungen, einigen gekonnt eingesetzten sprachlichen Mitteln und – mit vielen Abstrichen – dem Psychogramm der Täterin.

Eva Bergschneider, Juli 2009

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Lilo zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 07.05.2013
Ich habe bereits alle Bücher von Sabine Thiesler gelesen und muss sagen, dass mir auch "Die Totengräberin" sehr gefallen hat.
Zu Beginn war ich zwar ein wenig irritiert, da die Hauptperson äußerst emotionslos ihren Ehemann vergiftet. Nach und nach kann man Magda aber "verstehen", wenn man bedenkt, was sie in ihrem Leben durchge- macht hat.
Vielleicht ist manches ein wenig unrealistisch, aber wenn ich ein Buch lese, so muss nicht immer alles realistisch sein. Ich finde, so wird ein wenig Distanz zum Geschehen geschaffen, das ich so sicher nicht gern erleben würde.
Lesesüchtige zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 05.08.2012
Um diese Story zu beschreiben, fällt mir am ehesten "hanebüchen" ein, auch wenn ich damit die unsympathische Kritiker-Figur Stefano Topo zitiere und auch sein zweiter Lieblingsbegriff: "Lieschen-Müller-Psychologie" passt m.E. hervorragend. Wenn ich nicht grundsätzlich jedem Buch die Chance geben würde, sich noch zu enfalten, hätte ich es bereits nach knapp 50 Seiten beiseite gelegt. So bin ich aber froh, dass ich wenigstens kein Geld für diesen "Krimi" ausgegeben, sondern ihn nur ausgeliehen habe.
findefüchsin zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 15.11.2011
"Die Totengräberin" von Sabine Thiesler liest sich flüssig und ist spannend. Machte mir Lust auf weitere Werke der Autorin. Allerdings, da schließe ich mich anderen Kommentatoren an, gibt es einige Ungereimtheiten. Vielleicht ist das nicht so wichtig, aber vom Gärtnern scheint die Autorin nichts zu verstehen, weil sie "Johannes" KARTOFFELPFLANZENsetzen und PETERSILIENPFLÄNZCHEN in die Erde stecken ließ. Da hätte die Autorin besser recherchieren sollen; Petersilie wird ausgesät und Kartoffeln legt man als Knolle in die Erde. Naja, ist mir eben aufgefallen. Ansonsten fand ich die Geschichte gut, habe das Buch gerne gelesen, wenn ich auch manche Handlungsweisen einiger Personen nicht nachvollziehen konnte.
lisa zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 27.07.2011
Habe gerade das Buch gelesen und kann mich den meisten Kritikpunkten anschließen.Alles in allem kein schlechtes Buch; der Schreibstil ist wie auch bei "Kindersammler"und "Hexenkind" flüssig, die Landschaftbeschreibungen der Toskana haben es mir wieder angetan.Jedoch war es für mich lauwarme Kost und auch die Glaubwürdigkeit ließ an manchen Stellen zu wünschen übrig.
hades01 zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 14.06.2011
Spannend wie die beiden Vorgänger, aber leider auch das Ende viel zu schnell abgehandelt. Einige Ungereimtheiten, über die man aber hinwegsehen kann, da sie nicht entscheidend für die Handlung sind. Flüssig zu lesen, wiederum schöne Beschreibungen von Landschaften und Charaktere, die einem anfangs als sehr symphatisch erscheinen und Lust aufs Weiterlesen machen.
Maggie zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 07.02.2011
Gestern wurde ich mit "Die Totengräberin" fertig.
Ich muss sagen, dass ich wirklich jede freie Minute investiert habe, um zu erfahren, wie es weiter geht.
Die Story war gut. Die Charaktere treffen (teilweise) meinen Geschmack.Soweit so gut.
Allerdings muss ich mich einem meiner Vorredner anschließen: der psychologische Teil kam mir etwas zu kurz.
Außerdem bin ich mittlerweile mehr als gelangweilt von den Beschreibungen der Toskana und des dreckigen Berlins, den italienischen Speisen ("schnelles Pastagericht") und den Kleidungsstücken der Protagonisten.
Alles in allem:
Ganz gut gelungen ABER: vielleicht wäre es mal Zeit für ein wenig Abwechslung.
jomo3 zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 26.09.2010
Frau Thiesler hat wohl ihren Fans zuliebe dieses Buch geschrieben " auf die schnelle ".
Unlogisches: Lukas reagiert garnicht auf die Bedrohung - trotz aller Liebe, das geht zu weit bei einer überdurchschnittlich intelligenten Figur, die er ja darstellt.Und er lässt sich mal kurzerhand erpressen mit Fotos, von denen er weiß, dass sie zu seinen Radieschen nicht gehören.Und der Unfalltod von Carolina hat ebenfalls keine Konsequenzen für ihn, obwohl er es besser weiß.Und er weiß schon, dass er einen psychopathologischen Fall liebt und kehrt unbedarft zurück.Und er frißt am nächsten Morgen das Müsli, welches er eh nie wollte usw. usw.Nein, nein Fr. Thiesler, lieber ein Buch weniger.
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Dodo zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 17.08.2010
Habe im Urlaub den Totengräber gelesen und war wie immer begeistert von Sabine Thiesler. Man hätte manche Passagen besser ausführen oder fortführen können aber für mich war es trotz allem spannend und ich habe immer darauf gewartet das die Leichen früher gefunden werden. Ich freue mich schon auf das nächste Werk von Frau Thiesler.
Sabine zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 14.08.2010
Ich bin froh, dass ich mit meiner Meinung nicht allein dastehe. Dieses Buch war reine Zeit- und Geldverschwendung. Das finde ich sehr schade, denn ich finde die Idee an sich recht vielversprechend. Aber das Ganze hätte viel subtiler, feinfühliger und nachvollziehbarer ausgearbeitet werden müssen.Wenn sich die Autorin mehr mit den Gründen für die absolut ralitätsfremden Handlungsweisen der Figuren beschäftigt und vielleicht psychische Erkrankungen wie die von Magda intensiver recherchiert hätte, wäre das alles ein klein wenig glaubwürdiger.Was mich auch gestört hat, waren die vielen (kleinen, aber mit der Zeit nicht mehr zu übersehenden) Fehler in dem Buch: z. B. sind die Müllsäcke erst grün, dann blau, dann wieder grün. Oder: Lukas weiß eigentlich nicht, wer Carolina ist, aber irgendwo denkt er darüber nach, dass Magda eine vorbildliche Ehe hatte - bis auf die kurze Affaire mit Carolina vielleicht, die aber beendet ist. So Fehler gibt es mehrere.Außerdem erzählt Magda jedem was anderes. Man wartet darauf, dass ihr diese Unstimmigkeiten irgendwann zum Verhängnis werden, aber weit gefehlt.Als Magda Lukas zum Schluss auch umgebracht hat, geschah das so sang- und klanglos. Ohe einen Hauch von Spannung.Was mich interessieren würde: Läutet ein eingegrabenes Handy tatsächlich?
Jedenfalls lese ich sicher so bald nichts mehr von Sabine Thiesler. Ich halte auch diesen Schreibstil mit dem ständigen Perspektivenwechsel nicht aus. Ich will mich in eine Figur reinverstezen können und nicht, wenn ich gerade gedanklich in der Toskana bin, plötzlich auf die Gedanken der weit entfernten Schwiegermutter in Berlin umschwenken müssen. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.
bücherkrümel zu »Sabine Thiesler: Die Totengräberin« 28.07.2010
Das Buch war super zu lesen aufgrund des flüssigen Schreibstils.

Die Geschichte war für mich mehr Krimi als Thriller.

Ich habe es in zwei Tagen gelesen, zuhause im Garten auf dem Liegestuhl. Dafür hat es sich wunderbar geeignet.

Es ist nicht das beste Buch, was ich gelesen habe, aber auf keinen Fall würde ich es zu den schlechten Bücher zählen. Das liegt vor allem daran, daß ich Bücher mit flüssigem Schreibstil liebe. Auf der anderen Seite hätte ich mir mehr Spannung gewünscht.

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