Kinder des Wassers von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003 bei Reclam.
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Leipzig: Reclam, 2003.
ISBN:
3379200581. 189 Seiten. -
Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007.
ISBN:
978-3-596-17637-3. 191 Seiten.
'Kinder des Wassers' ist erschienen als
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Das meint Krimi-Couch.de: »Bleibt leider hinter den Möglichkeiten zurück«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Johanna Vogler lebt in Paris mit ihrem Bekannten Ludwig zusammen, dem sie immer erzählt hat, sie sei ein Einzelkind. Als Ludwig eines Tages auf ein Fotoalbum stößt, entdeckt er darin Bilder, die Johanna offensichtlich mit ihrem Zwillingsbruder zeigen. Zur Rede gestellt erklärt ihm Johanna, dass ihr Bruder Jacob mit 19 Jahren Selbstmord begangen habe.
Tatsächlich arbeitet Jacob, der seit dem Tod seines besten Freundes Jan Täuscher an partieller Amnesie leidet, höchst lebendig als Tischler in einer Bochumer Nervenheilanstalt und hat dort eines Abends ein Schäferstündchen mit einer jungen Patienten in einem stillgelegten Schleusenhaus. Das alte Schleusengelände grenzt direkt an die Klinik und liegt entlang der Ruhr. Als am nächsten Tag die junge Frau tot und nackt aus dem Fluss geborgen wird und an ihrer Schulter Druckstellen sichtbar sind, gerät Jacob unter Mordverdacht. Seine Ärztin, Dr. Isabel Greiff, wendet sich an Johanna, da sie sich von ihr Hilfe erhofft. Doch die vermeintliche Unterstützung sieht anders aus als erwartet, denn als Johanna in der Klinik ankommt, hilft sie ihrem Bruder, in dem sie die Kleidung der Toten im Fluss entsorgt.
Ludwig hat inzwischen herausgefunden, dass Jacob noch lebt und will nun in Bochum feststellen, was es mit dem geheimnisvollen Bruder auf sich hat. So kommt es, dass er just zu jenem Zeitpunkt am Klinikgelände auftaucht, als Johanna die Kleider in die Ruhr gleiten lässt. Es ist allerdings auch das Letzte was Ludwig in seinem Leben zu sehen bekommt.
Während die Polizei nun in zwei Mordfällen zu ermitteln hat, entdeckt Dr. Greiff im Schleusenhaus alte Tagebücher, die Jacob dort versteckt hat. Sie entschlüsseln nicht nur die Umstände, die zum Tod Jan Täuschers geführt haben, sondern decken auch eine verbotene Liebe auf …
Der Roman endet auf Seite 189 so wie er auf den ersten Zeilen beginnt, nämlich mit der Feststellung, dass Jan Täuscher tot ist. Dazwischen geschehen die beiden oben vorgestellten Morde, so dass der Leser zum einen raten darf, wer denn wohl der Täter gewesen sei und wem dies nicht ausreicht, kann sich – quasi als Bonus – noch die Frage stellen, warum Jan Täuscher sich damals umgebracht hat oder ob auch er möglicherweise einem Mord zum Opfer fiel. Erfreulich ist dabei, dass angesichts der zwei Morde mehrere tatverdächtige Personen ins Spiel gebracht werden und bei beiden Handlungssträngen die Spannung lange Zeit erhalten bleibt.
Das Wort »konstruiert« steht ja zumeist für den Beginn oder das Ende einer vernichtenden Kritik, im vorliegenden Fall kann man aber sicher eine (kleine) Ausnahme machen, wenngleich Autorin Sabine Alt dem Leser schon ziemlich viel an »Zugeständnissen« abverlangt. Natürlich ist Ludwig genau pünktlich zur Stelle als Johanna die Kleider in den Fluss gibt, natürlich »verliebt« sich Dr. Greiff in Jacob und hält in der Folge der Polizei wichtige Beweise wie das Tagebuch vor, natürlich ist ein Insasse der Nervenklinik pünktlich zur Stelle als Johanna in einem nahe gelegenen Park überfallen wird, natürlich verliert Jacob offenbar seine Amnesie zum idealen Zeitpunkt, natürlich, natürlich.
Sieht man über diese allzu vielen Zufälle hinweg, so kann man wie bereits erwähnt gerne Vermutungen anstellen, wie sich die beiden Handlungsstränge wohl auflösen werden. Ein wenig mehr Atmosphäre und vor allem mehr Intensität hätte aber nahezu allen Charakteren gut getan. Viele Figuren wie Kommissar Höllerer, der zwar fast immer mit seinen Fragen auf den Kern der Sache stößt, ohne dann aber die richtigen Rückschlüsse zu ziehen oder der Klinikpatient Blauschutz, nach eigenem Empfinden ein »Diener des Herrn«, oder auch der Verleger Bussac, der augenscheinlich nur die »Nähe« zu Johanna sucht, sind einfach zu stereotyp, zu vorhersehbar gezeichnet.
Stellenweise meint man, ein Drehbuch zu lesen, wobei sich der Plot für eine Verfilmung durchaus anbieten würde. Keine Frage, die interessante Mischung aus mysteriösem Todesfall in der Vergangenheit, zwei Morden in der Gegenwart sowie dem Tabuthema »Geschwisterliebe« ergibt eine gelungene Story, die man gerne auf dem Weg zur Arbeit lesen kann. Im Ergebnis aber bleibt der Roman aus den zuvor genannten Gründen deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.
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| anna99 zu »Sabine Alt: Kinder des Wassers« | 01.03.2007 |
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