S.S. van Dine

Der angesehene Literatur- und Kunstkritiker Willard Huntington Wright, (1888-1939), hatte bereits einige populärwissenschaftliche Bücher, sowie mehrere Kurzgeschichten verfasst, bevor er 1926 seinen ersten Philo-Vance-Krimi veröffentlichte. Um seine Kriminalromane von seinen früheren literarischen Arbeiten abzugrenzen, wählte er das Pseudonym S.S. van Dine.

Über die Gründe für diesen Wechsel des Genres existieren verschiedene Geschichten. Wright selbst erzählte stets, ein schweres Herzleiden habe ihn Anfang der Zwanziger Jahre für 2 Jahre ans Bett gefesselt. Da ihm sein Arzt anspruchvollere Literatur verbot, las er in dieser Zeit über 2000 Krimis und beschloss, sich diesem Genres zu widmen.

Laut der Biographie »Alias S.S. van Dine« von John Loughery (1992 erschienen) litt Wright dagegen unter den Folgen seines langjährigen Drogen- und Alkoholmissbrauchs und war arbeitslos. Da er unbestritten ein ausgezeichneter Kenner der Kriminalliteratur war, beschloss er notgedrungen auf diesem Gebiet tätig zu werden.

Jedenfalls schuf Wright 1926 seinen Helden Philo Vance, der ihm Erfolg, Ansehen und ein Vermögen einbrachte. Jeder seiner zwölf Krimis wurde ein Bestseller und alle wurden verfilmt. Philo Vance war der populärste amerikanische Detektiv seiner Zeit und wurde erst lange nach Wrights Tod von Philip Marlowe abgelöst.

W. H. Wrights wird auch die Erfindung des Mordens »nach Kinderreimen« zugeschrieben. In seinem »Mordfall Bischof« von 1929 tötet der Killer nach dem Muster der bekannten »Mother Goose Rhymes«. Agatha Christie hat diese Idee 1939 aufgegriffen und ihren bekannten Krimi »Zehn kleine Negerlein« geschrieben.

Wrights Ziel war es aber nicht nur, selbst als Kriminalautor erfolgreich zu sein. Es war ihm auch ein persönliches Anliegen, das Niveau der Detektivromane zu steigern und so das Ansehen des Genres zu verbessern, weg vom Groschenroman. Zu diesem Zweck veröffentlichte er 1928 »Zwanzig Regeln für das Schreiben von Detektivromanen«.

Darin fordert Wright beispielsweise, dass dem Leser keine Beweise vorenthalten werden dürfen und dass der Ermittler auf spektakuläre Hilfsmittel, wie Zauberei oder Hellsehen, verzichten muss. Eine weitere Regel besagt, dass der Detektiv niemals der Mörder sein darf. Romantik oder gar eine Liebesgeschichte hielt Wright in einem Krimi für absolut deplaziert. Obwohl Kolleginnen, wie beispielsweise Sayers, Roberts-Rinehart oder Higgins-Clarke zumindest dies längst widerlegt haben, erreichte Wrights Regelwerk insgesamt gesehen den erwünschten Zweck. Nicht von ungefähr gilt Wright, »der Erfinder des Kriminalromans für Intellektuelle«, neben Christie und Sayers als Mitbegründer des »Goldenen Zeitalters« des Kriminalromans.

Krimis von S.S. van Dine:

Mehr über S.S. van Dine:

  • Beaman, Bruce: »S.S. Van Dine: A Biographical Sketch«. In: Armchair Detective: A Quarterly Journal Devoted to the Appreciation of Mystery, Vol. 8 (1975), S. 133-135.
  • Loughery, John: Alias S.S. van Dine, New York: Scribner, 1992.
  • Lowndes, Robert A.W.: »Dear Me, Mr. Van Dine«. In: Armchair Detective: A Quarterly Journal Devoted to the Appreciation of Mystery, Vol. 7 (1973) S. 30-31.
  • Mallory, Michael: »Philo Vance. S.S. van Dine´s Forgotten Sleuth«. In: Mystery Scene, Vol. 95 (2006), S. 16-23.
  • O’Brien, Frances Blazer: »Faulkner and Wright, alias S.S. Van Dine«. In: Mississippi Quarterly, Vol. 14, S. 101-107.
  • Tuska, Jon: Philo Vance: The Life and Times of S.S. Van Dine. Bowling Green, Ohio: Bowling Green University Popular Press, 1971.

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