Kälter als der Kalte Krieg von Ross Thomas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1966 unter dem Titel The Cold War Swap, deutsche Ausgabe erstmals 1970 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Bonn, Berlin, 1950 - 1969.
Folge 1 der MacCorkle-und-Padillo-Serie.

  • New York: Morrow, 1966 unter dem Titel The Cold War Swap. 172 Seiten.
  • London: Hodder & Stoughton, 1967. 172 Seiten.
  • Frankfurt am Main, Berlin: Ullstein, 1970 Der Ein-Weg-Mensch. Übersetzt von Wilm W. Elwenspoek. 172 Seiten.
  • Frankfurt am Main, Berlin: Ullstein, 1982 Der Ein-Weg-Mensch. Übersetzt von Wilm W. Elwenspoek. ISBN: 3-548-10152-6. 175 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998 Der Ein-Weg-Mensch. Übersetzt von Wilm W. Elwenspoek. ISBN: 3-499-26030-1. 313 Seiten.
  • Berlin: Alexander-Verlag, 2007. Übersetzt von Wilm W. Elwenspoek. Durchgesehen und überarbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen. ISBN: 978-3895811791. 264 Seiten.

'Kälter als der Kalte Krieg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Es ist ein geruhsames Leben, das der Amerikaner Mac McCorkle als Barbesitzer in Bonn führt bis eines Tages ein Mann namens Maas auftaucht, dessen Gesprächspartner in Macs Place niedergeschossen wird. Mit den Schüssen beginnt für Mac und seinen Partner Mike Padillo, der gelegentlich zu kleinen Agentenjobs abkommandiert wird, eine Geheimmission. McCorkle beteiligt sich an der blinden Reise seines Freundes und muß bald nach Berlin, um dort Kopf und Kragen bei einer überaus undurchsichtigen Rettungs- und Tauschaktion zu riskieren.  

Das meint Krimi-Couch.de: »Heißer als ein heißer Geheimtipp« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

1967 gab es die erste in einer ganzen Reihe von Auszeichnungen, den Edgar für das Beste Debüt mit The Cold War Swap für Ross Thomas. Bemerkenswert an diesem inzwischen vierzig Jahre alten Agentenroman ist die Tatsache, dass der Roman eines amerikanischen Autors in Deutschland spielt, in einer Zeit, da die Geheimdienste der Siegermächte noch immer ihre Animositäten auf deutschem Boden austrugen. Und Thomas kannte Deutschland aus seiner Zeit als Korrespondent und anschließend politischer Berater exzellent, wie seine Ortskenntnisse und zahlreiche Spitzfindigkeiten unterstreichen.

Protagonist und Ich-Erzähler Mac MacCorkle hat sich bereits in den 50er-Jahren aus der amerikanischen Armee verabschiedet und in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn eine Kneipe eröffnet. Da er jedoch bei Gründung über keinerlei Mittel verfügte und notwendige Ausschanklizenzen nicht erhalten hätte, kam ihm der Einstieg des Agenten Mike Padillo, der als Teilhaber eine perfekte Tarnung erwarb, geradezu recht. Lange Zeit lief das Geschäft ruhig und erfolgreich, aber dann eines Tages …

In der Klemme

 …erscheint ein Mann namens Maas in Mac’s Bar, der sich mit einem anderen Agenten treffen will. Dieser andere Agent wird von zwei Killern erschossen, woraufhin Maas und Padillo unverzüglich aus der Bar fliehen. Padillo meldet sich bald aus West-Berlin, er braucht schleunigst Geld und Unterstützung seines Freundes. Mac gerät in Berlin zunächst zwischen die Fronten, wird vom amerikanischen Geheimdienst und anderen Agenten bedrängt und gelangt schließlich, zusammen mit einem anderen Weggefährten aus Bonn zu Padillo, der inzwischen im Ostteil der Stadt untergetaucht ist. Hier bereitet dieser die Entführung von zwei US-Agenten vor, die zum KGB übergelaufen waren, doch aufgrund ihrer Homosexualität nicht zu Propagandazwecken herhalten konnten. Doch warum will Padillo die beiden entführen, wenn offenbar eine Rückgabe an die Amerikaner bevorsteht?

Besonders überzeugend an diesem Roman ist die sehr treffende Beschreibung der Bonner Beschaulichkeit. Ein gesichtsloses Provinznest, in dem sich Diplomaten und Agenten die Klinken in die Hand geben und nur die abgebrühtesten Zeitgenossen es auch noch wagen, einen Heller für sich einzufordern. Genauso gut Berlin, die beklemmende Atmosphäre der geteilten Stadt, Dramen und Schicksale an der berühmten Mauer, Schnappschüsse aus West und Ost und von den grenzwandernden Agenten, die einen großen Spielplatz für ihren Kalten Krieg haben.

Mit deutschen Augen geschrieben

Ross Thomas vollbringt mit seinem Debütroman aber auch das Kunststück, die volle Absurdität von Agentenaustausch, Überläufern, Geheimdiensten und den Geschäftemachern trotz Ich-Erzähler mit einer Distanz zu erzählen, die bemerkenswert ist. Natürlich sind seine Protagonisten Amerikaner, zu einem Kampf Gut gegen Böse verkommt sein Roman deswegen jedoch keinesfalls. Man muss ihm zugestehen, dass er mit der sehr Amerikakritischen Sichtweise des Deutschen Herrn Maas durchaus eine Wahrnehmung von den Amerikanern in der Welt beschreibt, die damals schon zutraf und ihre Gültigkeit bis heute behalten hat. An dieser Stelle mutige Worte aus dem Munde eines Amerikaners.

Genauso süffisant kann er jedoch die Mentalität der Deutschen in wenigen Worten skizzieren. Zitate wie: »Ich kaufte mir den SPIEGEL, um mich über die jüngsten deutschen Vorurteile zu informieren« sind entlarvend und aufgrund ihrer Schlichtheit immer wieder ein Genuss. Seine Pointen sitzen, die Sprache ist ein Genuss, die Handlung äußerst raffiniert konstruiert und die Handlungsorte wirken authentisch. Großes Lob für einen Agentenroman, der ähnlich wie ein Billy-Wilder-Film auch nach vierzig Jahren noch brillant unterhalten kann.

Thomas Kürten, Januar 2008

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Bartensen zu »Ross Thomas: Kälter als der Kalte Krieg« 02.12.2008
Ross Thomas ist eine eigene Liga, die Leichtigkeit, mit der er mit Kälter als der Kalte Krieg einen sprachlich anspruchsvollen sowie tiefgründigen Agententhriller in der tiefsten Zeit des Kalten Kriegs geschaffen hat, hat mich schlichtweg begeistert.
Der komplett in beiden deutschen Ländern Mitte der Sechtziger Jahre spielende Roman zieht seine Stärken aus den sympathischen Charakteren McCorkle und Padillo, der paranoiden Atmosphäre des frisch geteilten Berlins und aus der ungeschminkten Kälte der Geheimdienst-Welten, wo Gut nicht gleich Amerikaner und Böse nicht gleich Sowjet ist.
Der Leser wird in eine Intrige eingezogen, in der er schnell nicht mehr erkennt, wer hier gerade wenn hintergeht und zu welchem Zweck die Hauptprotagonisten gerade benutzt werden. Dazu ist die Beiläufigkeit mit der Freund und/oder Feind mal so eben nebenbei den Tod finden schon schockierend.
Überläufer, Doppelagenten und Militärs geben sich hier die Klinke in die Hand. Agentenaustausch, Flucht über die Berliner Mauer und ein spannendes Katz-und Maus Spiel sind die logischen Bestandteile eines absolut spannenden Thrillers, der dazu noch eine feine Prise Humor transportiert.
Obwohl die Hauptfiguren Amerikaner sind, verkommt Kälter als der Kalte Krieg niemals zu antisowjetischer Propaganda oder zu einem amerikanisch-patriotischem Geheul ... Das Bild, das Ross Thomas von Amerikanern zeichnet hat noch heute 40 Jahre später Bestand.
Hoffentlich legt der Alexander Verlag noch weitere McCorkle und Padillo Fälle wieder neu auf.
5 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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