Der blaue Hammer von Ross MacDonald

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1976 unter dem Titel The Blue Hammer, deutsche Ausgabe erstmals 1978 bei Diogenes.
Folge 19 der Lew-Archer-reihe-Serie.

  • New York: A.A. Knopf, 1976 unter dem Titel The Blue Hammer. 325 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1978. Übersetzt von Peter Naujack. ISBN: 3-257-20541-4. 325 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Peter Naujack. Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek; Band 22. ISBN: 978-3866152465. 284 Seiten.

'Der blaue Hammer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Lew Archer und das Doppelspiel zweier feindlicher Brüder, von denen höchstens einer ein großer Künstler ist. Eine Routineauftrag wandelt sich zu einer labyrinthischen Expedition in die Vergangenheit (Die Zeit).

Das meint Krimi-Couch.de: »Abschluss und Höhepunkt der Archer-Reihe« 94°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ein neuer Auftrag für Lew Archer: dem Ehepaar Biemeyer wurde ein gerade erst erstandenes Gemälde aus dem Haus gestohlen. Es scheint sich um ein bislang unbekanntes Meisterwerk des verschollenen Malers Richard Chantry zu handeln, der vor fünfundzwanzig Jahren bei Nacht und Nebel aus Santa Teresa verschwunden ist. Auch einen Verdächtigen haben die Biemeyers bereits im Auge. Dabei handelt es sich um Fred Johnson, den neuen Freund der rebellischen Tochter Doris. Fred will sich einen Ruf als Sachverständiger am örtlichen Chantry-Museum aufbauen, aber ist das ein Motiv, ein Gemälde zu stehlen?

Archer merkt sehr schnell, dass er mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest sticht. Sollte der todgeglaubte Chantry noch leben? Wer ist die Frau auf dem Gemälde? Warum ist der Maler damals eigentlich untergetaucht? Was ist vor zweiundreißig Jahren in Arizona passiert? Und was hat das alles mit dem Diebstahl des Gemäldes zu tun? Je weiter Archer in der Vergangenheit wühlt, desto verzwickter wird das Gespinst aus Lügen, Mord, Verrat und Betrug. Am Ende steht ein Familiendrama mit vielen über lange Jahre schweigenden Mitwissern. Ein Durcheinander, das nur ein wahrer Meisterdetektiv wieder ordnen kann.

Macdonalds Abschied

Der blaue Hammer ist neben Der Fall Galton und dem frühen Unter Wasser stirbt man nicht der absolute Höhepunkt einer der besten Krimi-Reihen. Man kann in ihm bereits Anzeichen erkennen, dass Macdonald hier einen Abschluss für die Archer-Reihe gesucht hat. Er nimmt beispielsweise an einer Stelle Bezug auf ein Ereignis aus dem allerersten Archer-Roman, den Kampf mit Puddler, den Archer schließlich ertränken muss, in Das wandernde Ziel. Ganz erstaunlich auch, dass sich Archer mit Abschluss der Serie erstmals ernsthaft verliebt. Stets war er der geschiedene, ehemalige Polizist, der als Privatdetektiv volles Augenmerk auf den Fall richtete, und waren die Klientinnen auch noch so jung und verführerisch. Nun sind es zum ersten mal Gefühle, die seinen Arbeitseifer anstacheln, als die Redakteurin einer lokalen Tageszeitung spurlos verschwindet. Wie lange hat man Archer gewünscht, dass der einsame Wolf endlich wieder in die Arme einer Frau sinkt?

Überhaupt hat sich Archer in rund siebenundzwanzig Jahren deutlich entwickelt. Weniger Verfolgungsjagden und Schlägereien, dafür immer mehr Gespräche und Verhöre, letztlich aber stets die Gabe, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Im blauen Hammer erleben wir einen reiferen Archer, der weniger raucht und säuft, sich allerdings über die lange Zeit in seinem Wesen selbst treu geblieben ist.

Ein verworrenes Netz von Beziehungen

Was am letzten Roman der Archer-Reihe besonders beeindruckt ist die Art und Weise, wie Macdonald hier eine große Anzahl von auftretenden Figuren so unterschiedlich charakterisieren kann, dass er eigentlich auch gar keine Namen benutzen müsste. Jede Figur erhält vom Autor eine ganz eigene und typische Verhaltensweise, an der der Leser die größten Wiedererkennungseffekte ableiten kann. Nur durch eine mit leichten Worten transportierte Genauigkeit in der Beschreibung der auftretenden Personen schafft es der Autor, dass der Leser zu keiner Zeit den Überblick zu verlieren droht. Und das bei einem nahezu unbeschreiblich komplexen Netzwerk von Beziehungen, gegenseitigen Verstrickungen, Lügen und Verbrechen.

Der blaue Hammer ist einer der verworrensten und kompliziertesten Detektivromane überhaupt. Es ist nur der hohen erzählerischen Meisterklasse eines Ross Macdonald zuzurechnen, dass dem Leser eigentlich zu keiner Zeit die Übersicht verloren zu gehen droht. Für einen der ganz großen Krimi-Autoren ein mehr als würdevoller Abgang, für seine Fans aber gerade nach einem solchen Meisterwerk ein wehmutsvoller Abschied von Lew Archer, Detektiv in L.A.

Thomas Kürten, Dezember 2008

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NomisBlackPearl zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 31.12.2009
Fand das Buch super, total spannende und teilweise sehr verwirrende und miteinander verworrene Geschichte, einfach toll.
Auch die Spannung kommt nicht zu kurz, denn auf jeder Seite kommen neue Details dazu.
Auch die Personen sind sehr geheimnisvoll und die Charakteren sind auch total unterschiedlich und verschieden.
Gebe dem Buch 90 Grad
Larry Dimmick zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 11.08.2009
PS: Ist die Rezension zwar treffend aber zu kurz, wenn man bedenkt, was für billiger Plunder hier eine ausführliche Kritik bekommt. Man denke da z.B. an die Romane von Dan Brown oder die von Donna Leon denen ich absolut gar nichts abgewinnen kann. Gerade dieser Roman verdient eine angemessene Kritik.
Larry Dimmick zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 08.08.2009
Spätestens ab dem "Blauen Hammer" kann man wohl nicht mehr leugnen, dass MacDonald in einem Atemzug mit Chandler und Hammett gehört. Sein Roman ist ein Meisterwerk, dass in einer Reihe mit "Der Lange Abschied" oder mit dem "Malteser Falken" stehen sollte. Aber auch die anderen Romane MacDonalds sollten die, die sich für dieses Buch begeistern können, interessieren.
heinrich zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 30.12.2008
Ob „ der blaue Hammer“ der beste Macdonald ist, wie es die New York Times behauptet, darüber kann man streiten. Es ist auf jeden Fall ein gehaltvoller Abgang eines älter gewordenen Privatdetektivs. Am Ende hätte für meinen Geschmack etwas mehr über die Zukunft Archers in Aussicht gestellt werden können; für alle, die auf ein Happy End im Leben Archers gehofft haben, endet die Reihe zu plötzlich.
Lobenswert ist, dass der deutsche Titel dem Original entspricht – jede Abweichung hätte dem Buch einiges von der Genialität genommen, mit der Ross Macdonald die Liebe Archers zu seiner Freundin in einem einzigen Satz so intensiv formuliert, wie es die meisten Krimiautoren nicht zustande gebracht hätten.
Bartensen zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 02.05.2008
Ross MacDonalds Spätwerk ist ein Reise durch dunkle Familiengeheimnisse, Eltern-Kinder Konflikte und einer Reihe von Morden, die durch ein komplexes Geflecht von Beziehungen miteinander verwoben sind.
Sicherlich ist das Tempo eher etwas gemächlicher, was bei dem Kaliber, das MacDonald hier auffährt aber auch dringend notwendig ist.
Eine dichte Atmosphäre, eindringliche Charakterisierungen und eine Story, die es in Sachen Komplexität in sich hat. Absolut super.
Im Vergleich zu Raymond Chandlers Spätwerk Playback hat Ross MacDonald hier auf jeden Fall meilenweit die Nase vorn.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
lev25 zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 22.09.2007
Macdonald muß echt tonnenweise "bewußseinserweiterndes" Zeug in sich reingeworfen haben um diesen Roman zu schreiben. Es ist das einzige Buch des Autors welches ich gelesen habe, weiß somit nicht, ob es stellvertretend für den Stil seiner anderen Bücher steht. Der Mann ist genial! Das bedeutet, daß er einen Fall konstruiert, der solchermaßen in sich verdreht und verzwickt ist, daß ich als Leser zwar zwischendurch immer mal den Überblick verloren habe, jedoch immer wieder in helles Erstaunen versetzt wurde über die Fähigkeiten eines Menschen solche komplexen Zusammenhänge in Worte zu fassen. Also: geignet für Leser die es gerne ein wenig komlizierter Mögen. Ich bin leider nicht der Typ dafür. Trotzdem genial...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Volker zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 13.02.2007
Brilliante, packende Story, überzeugende Charaktere und ein feinfühlig gezeichneter Ermittler, der bei aller professionellen Toughness nicht stumpf ist - sehr schön!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Abahatschi zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 19.07.2006
Dieses Buch ist echt sowas von mega super!!Ich kann es auf jeden Fall nur weiterempfehlen..Es ist spannend bis zum Schluss und man muss beim Lesen ständig köpfchen beweisen.
Also wirklich nur zu empfehlen=)
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
nire zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 19.07.2006
hallo an alle, dieser Krimi hat uns leider nicht so gut gefallen, da es für uns sehr unrealistisch uns etwas kompliziert und verwirrend war.
Alles in allem wäre es aber für alle aufmerksame Leser, die viel Zeit haben, um alles auch genau zu verstehehen ,zu empfehlen. Also viel spass beim Lesen!!!!
Eure dzg lerinnen
dzg-10. klasse zu »Ross MacDonald: Der blaue Hammer« 19.07.2006
Das Buch ist eine super Schullektüre, welches wir auf jeden Fall weiter empfehlen.
Es liest sich sehr spannend und am ende kommt doch alles ganz anders als man vermutet hatte.

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