Die Bestie von Roslund und Hellström

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Odjuret, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Fischer.
Folge 1 der Ewert-Grens-Serie.

  • Stockholm: Piratförlaget, 2004 unter dem Titel Odjuret. 304 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2006. Übersetzt von Gabriele Haefs. 304 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2008. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-596-51088-7. 304 Seiten.

'Die Bestie' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein psychopathischer Kindermörder, der aus dem Gefängnis flieht.
Und wieder mordet. Ein Vater, der den Mörder seiner Tochter
aufspürt und erschießt. Eine Stadt, die Beifall klatscht für diese Tat.
Ein Richter im Konflikt.
Ein Urteil mit schrecklichen Folgen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein heißes Eisen – hart wie Knäckebrot« 49°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Ein heißes Eisen. Keine Frage. Der Erstling der beiden Schweden Roslund & Hellström ist nicht nur ein Skandalbuch, das den Leser mit brennenden, ungemütlichen aber auch unbeantworteten Fragen zurücklässt, sondern auch – zumindest auf den ersten Blick – ein Kriminalroman, der immerhin mit dem Nordischen Krimipreis ausgezeichnet worden ist. Tatsächlich ist Die Bestie etwas Außergewöhnliches aus dem skandinavischen Raum. Aber nein. Zum richtig guten Roman fehlt es an zu vielen Stellen an Tiefgang und handwerklichen Fähigkeiten.

Bernt Lunt, ein Pädophiler, bringt brutal zwei junge Mädchen um. Jahre danach entkommt er aus dem Gefängnis und gibt seinem erneuten Drang zu Töten nach. In Schweden bricht eine Hysterie aus und Fredrik Steffanson, Vater der von Lunt ermordeten Marie, begibt sich auf einen Rachefeldzug, der am Grundgerüst der westlichen Rechtsauffassung rütteln wird.

Climax hier, Action da – unharmonisch, spannungslos 

Spannend ist der ganze Plot nicht, ist doch von Anfang an (und aufgrund des Klappentextes)  klar, was passieren wird. Lediglich das Finale kann für die ein oder andere Überraschung sorgen, dennoch tut dieser Part dem Buch gar nicht gut. Der Schluss ist so übertrieben mit Climax hier, Action da, das er sich so gar nicht an den Rest harmonisch anfügen will. 

Aber um besagte Spannung geht es den beiden Autoren, von denen der eine selbst über Knasterfahrung verfügt, auch gar nicht. Ganz offensichtlich wollen Roslund & Hellström aufrütteln und – um es zugespitzt zu formulieren – die Doppelzüngigkeit einer Gesellschaft bloßstellen. Das funktioniert zu Anfang ganz prächtig, haben wir da vielleicht eine Art schwedischen Noir in der Hand? Ellroy im IKEA-Land?

Doch je weiter der Leser auf den rund 300 Seiten kommt, desto mehr bekommt er den Eindruck, dass Roslund & Hellström einfach zu viel in »Die Bestie« gepackt haben. Als ob die Schilderung des Gedankenlebens eines Kindermörders nicht genug wäre. Nein, es geht noch um Selbst- und Lynchjustiz (schrecklich verallgemeinert durch eine recht überflüssige Nebenhandlung), die Rolle der Medien (die in einer funktionierenden Demokratie auch gerne als die 4. Gewalt bezeichnet werden), die Verhältnisse in einem schwedischen Gefängnis und schließlich auch darum, ob es überhaupt eine Heilung für Kindermörder wie besagten Bernt Lunt geben kann. Dass die beiden Autoren letzteres faktisch verneinen und beängstigend an Ex-Kanzler Gerhard Schröders Aussage (»Wegsperren!«) erinnern, muss erschrecken. Führt man diese implizit im Buch gestellten Fragen weiter, bleibt nur eine übrig: Todesstrafe? 

Dass sich der Leser dabei ertappt, diese in diesem Fall zu befürworten, sollte mehr als stutzig machen. Und genau das ist der Knackpunkt an Die Bestie. Kann eine solche Schlussfolgerung Sinn und Zweck eines Kriminalromans sein?

Hier fehlt die Substanz

Aber Vorsicht mit dem Begriff Kriminalroman. Was das betrifft, hadert man vor allem mit einem: Wo bleibt die Selbstreflexion der Figuren? Warum wurde Bernt Lunt zum Kindermörder? Was geht in einem Vater vor, dem seine Tochter genommen wird? (Als Leser ist man geneigt zu meinen, dies gelesen zu haben. Beim genaueren Hinsehen hat man es nur gedacht)

Ist es tatsächlich so, dass ein friedlicher, fast apathischer Mann innerhalb von Stunden zum Scharfschützen wird, der einen Menschen kaltblütig über den Haufen schießt? So, als ob nur ein Schalter umgelegt worden wäre? Warum ist der Kommissar so verflixt grummelig? Weil er seit Jahren im Polizeidienst arbeitet? Nein, liebe Autoren, das kann es doch wirklich nicht sein. Da fehlt einfach jede Menge Substanz, was die Figurenzeichnung angeht.

Last but not least können Roslund & Hellström auch sprachlich nicht überzeugen. Kühl, uninspiriert, trocken und hart wie Knäckebrot wirkt das alles, leider ohne dabei die knackige Kälte und Härte von Ellroy, Peace & Co. zu erreichen. Seitenlange Verhörungsprotokolle töten dabei jeden Thrill.

Eins ist bestens gelungen: der Titel 

Unterm Strich ist Die Bestie also ein zweischneidiges Schwert. Wollten die Autoren aufrütteln und die tiefsten Abgründe einer Gesellschaft in den Vordergrund stellen, den Leser zum Nachdenken drängen, ist ihnen das zweifellos hervorragend gelungen. Nur haben sie dafür gefährliche Antworten nahe gelegt und zudem die falsche Form gewählt. Als Roman betrachtet, ist Die Bestie ein unfertiges Werk, das für diese Thematik gut und gerne 200 Seiten mehr bedürft hätte. Eins ist Roslund & Hellström aber doch formidabel gelungen: der Titel. Die Frage, wer aus dem Buch damit denn nun gemeint sein könnte, ist eine wirklich gute.

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Daniela zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 28.08.2017
Ich habe gerade die Originale schwedische Version gelesen. Mir gefiel es sehr gut. Dieses Buch setzt sich mit einem sehr sensiblen Thema auseinander und ich finde es ist den beiden Autoren gelungen das man auch nachhaltig noch drüber nachdenken. In Schweden hat dieses Buch auch gute Rezension bekommen. Vielleicht liegt es an der deutschen Übersetzung, die habe ich nicht gelesen, das es da nicht alles so gut übersetz worden ist.
Heike Krämer zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 28.07.2017
Hier geht es nicht um einen Schreibstil, hier geht es um einen Konflikt, um einen Gesetzeskonflikt. Um den Konflikt in einem selbst. Was ist falsch, was richtig und was kann daraus erwachsen. Das ist hier absolut treffend dargestellt. Ein Roman zum Weiterempfehlen. Ich habe auch ein weiteres Buch gelesen, Todesfälle, auch dies sehr berührend. Romane zum Nachdenken nicht einfach zum konsumieren
Psychologische Struktur zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 12.12.2011
Dieses Buch ist ein Thriller mit Format. Natürlich muß man sich an die Schreibstil gewöhnen, aber so flexibel kann man im Geiste ja sein, sich auf Schreibstile einzugrooven. Eine Story die den Leser wirklich packt. Vollkommen realistisch und nachvollziehbar in jeder Instanz. Ganznah dran, der Leser kann jede Partei verstehen und ist am Schluß, ob der Ungerechtigkeit unendlich aufgewühlt. Ein wriklich guter Thriller, der dem Leser den Kopf verdreht , da er am Ende tatsächlich auch noch versuchen kann, denn Standpunkt des Vergewaltigers zu "verstehen", bzw. warum die medizinische Gesellschaft so mit diesem Fall "umgeht".
Der Autor kommt mit ganz wenigen Toten aus, braucht keine Verfolgungsjagt und keine Schießereien, keine Drogendealer und keine Parapsychologie. Superrealistisch. Ganz prima.
Laura zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 07.12.2011
Was mich am meisten stört bei den meisten übersetzten Büchern sind die ständigen grammatikalischen Unfälle, der - die - das ist anscheinend eine schwierige "Sache"...bei diesem Buch war ich mir oft nicht sicher, ob es der Stil war und dadurch beabsichtigt, oder einfach auch nur Liderlichkeit des Übersetzers. Aber das Sujet fand ich richtig spannend, natürlich ist das ein finsteres Buch, aber ich wüßte nicht, wo und warum in dieser Story Freude aufkommen sollte...das wäre wirklich unpassend...die Standpunkte waren sehr interessant geschildert und es hat mich manchmal schon verwirrt, daß ich selbst plötzlich jede Sichtweise verstehen konnte. Natürlich gab es ein paar "Nebenkriegsschauplätze" wie das schwule Päärchen, das war komplett überflüssig , aber die anderen Vorgänge waren deshalb notwendig , um die verschiedenen Sichtweisen zu verstehen. Ein superspannendes Buch mit einem schockierenden Ende, jenseits der Gerechtigkeit...ich war fassungslos. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig - in der Tat- aber man liest sich ein, warum soll jedes Buch gleich geschmeidig zu lesen sein.
Anita-W. zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 05.03.2010
Ich fand das Buch "Die Bestie" äußerst spannend. Der Schreibstil gefällt mir und auch der schrullige,übellaunige Komissar Ewert Grenz passt gut in die Geschichte.
Das Thema Kindesmissbrauch ist ja leider immer wieder sehr aktuell, daher finde ich die Sicht- und Handlungsweise des Vaters nachvollziehbar.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und mich hat das Ende schockiert.
claudia peiffer zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 29.07.2009
also ich finde die bücher klasse habe mir auch alle gekauft .vorallen ist es mal ein ganz anderer schreibstil aus dem norden.und ic hwerde mir auch alle anderen kaufen und hoffe es wird noch weitere geben.und die storys sind gut gemacht und spannend also ich fand sie nicht schwer zu lesen.
also ihr zwei weiterschreiben
Francamaus zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 29.06.2009
also auch ich gebe zu, das der stil echter müll ist, es liest sich wahnsinnig schwer, und es fällt schwer weiter zulesen...
nun ja, ich habe mich aber bis zum ende durchgebissen, und war doch noch angenehm überrascht, ich finde der ausgang macht den anstrengenden stil wieder wet...es war jetzt nicht das super buch, aber obige interpretation finde ich etwas hart...
ich habe mir auch schon das nächste buch gekauft, und bin wieder von stil angekotzt, freue mich aber wieder auf den ausgang der story
Bio-Fan zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 26.11.2008
Ich lese die KC-Renzensionen in der Regel immer nach meiner eigenen Lektüre, um mich nicht von dem hier Geschriebenen beeinflussen zu lassen. Deshalb war ich gelinde gesagt überrascht über die gewagten Interpretationen des Rezensenten. Ich frage mich, ob wir das gleiche Buch gelesen haben oder ob mir eine gekürzte Fassung vorgelegen hat, da ich z.B.seitenlange "störende" Verhörungsprotokolle nicht ausmachen konnte. Aber gravierender scheint es, die beiden Autoren in die Nähe von Todesstrafe -Befürwortern zubringen oder ihnen zu unterstellen, daß sie die Therapierbarkeit von psychopathischen Mördern negieren.
Nun hier ist nicht der Ort, dies und anderes zu diskutieren.
Aus einigen Kommentaren ist zu entnehmen, daß Leser dieses Buch aus den verschiedensten Gründen abgebrochen haben oder geneigt waren, dieses zu tun. Das ging mir ähnlich, nur nicht aus genannten Gründen.
Bei mir war es die nagative Grundstimmumg der Geschichte, die hat mich anfänglich mit voller Wucht getroffen. Es kann doch nicht angehen, daß alle Personen des Romans so schlecht drauf sind, so hoffnungslos, desillusioniert, ja depressiv. Ok, bei Gefängnisinsassen beiderseits des Gitters ist das noch nachvollziehbar, aber alle Ermittler?, alle Gerichtsangehörige?, alle anderen handelnden Personen? Verstärkt wird die düstere Atmosphäre noch durch die Handlungen des Kindermörders Lund (mit D). Ein weiteres Serienkiller -Sequel wollte ich mir nicht antun.
Doch die beiden Autoren verändern den Handlungsablauf in Richtung eines Justizdramas mit weitreichenden Folgen ab. Man kann in Frage stellen, ob alles, was die Autoren dann aufbieten, wirklich notwendig gewesen ist, aber es sind mögliche Reaktionen, die zu einem stimmigen, bitter-ironischem Abschluß gebracht werden.
78 Grad für dieses düstere Werk, das fast jedes Skandinavien-Krimi-Vorurteil bestätigt.
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Susanne zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 25.09.2007
Der Schreibstil ist grauenhaft. Eins der wenigen Bücher, die ich abgebrochen habe. Ich habe das Buch dann einer Freundin geliehen, die extrem viel liest und ziemlich schmerzfrei ist. Sogar meine Freundin hat dieses Buch bei der Hälfte aufgehört zu lesen. Schade ums Geld.
kissace zu »Roslund und Hellström: Die Bestie« 02.07.2007
Also ich kann mich meinem Vorredner ÜBERHAUPT NICHT anschließen.. Ich finde die Erzähltechnik und den Stil der Autoren klasse...
Und auch wenn das Thema Kindesmissbrauch und Kindermord mir als Vater ziemlich an die Nerven geht ist das Buch absolut klasse.
Zudem macht es sehr nachdenklich und bedrückend..
ABSOLUT EMPFEHLENSWERT

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