Tod auf Korfu von Ronnith Neuman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Griechenland / Korfu, 1990 - 2009.

  • Berlin: List, 2007. ISBN: 978-3-471-78247-7. 457 Seiten.
  • Berlin: List, 2008. ISBN: 978-3-548-60811-2. 457 Seiten.

'Tod auf Korfu' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In Agros auf Korfu stirbt ein krankes Kind. Wenige Tage später wird an einem einsamen Strandstück eine nackte männliche Leiche angeschwemmt. Hauptkommissar Alexandros Kasantzakis, der Grieche vom Festland, dem die Gewohnheiten der Inselbewohner noch immer fremd sind, beginnt zu ermitteln. Die blutigen Spuren deuten auf eine lange zurückliegende Tragödie hin.

Das meint Krimi-Couch.de: »Beachtenswerter Kriminalroman um ein finsteres Kapitel deutscher Geschichte« 82°

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

Die deutsche Schriftstellerin und Fotografin Ronnith Neuman lebt abwechselnd in Bielefeld und auf Korfu. Nach Lyrik, Erzählbänden und Theaterstücken ist Tod auf Korfu ihr erster Kriminalroman.

Die Saat der Gewalt

Am frühen Morgen entdecken zwei Fischer an einem unzugänglichen Abschnitt der Bucht von Arillas eine Wasserleiche. Augenscheinlich ist der Mann ertrunken. In der Lunge des nackten und übel zugerichteten Toten finden die Gerichtsmediziner jedoch Süßwasser. Kommissar Alexandros Kasantzakis muss in einem Mordfall ermitteln. Der Ermordete wird als der Arzt Dr. Jannis Mastoras identifiziert. Hat seine Ermordung mit dem Tod der kleinen Irini zu tun, deren behandelnder Arzt Mastoras war? Schon bald gibt es den zweiten Toten, erhängt in seinem Olivenhain. Auch der Leichnam dieses alten Ölbauern weist Male auf, die von grausamster Folter zeugen.

Der Kommissar nimmt die freiberufliche Fotografin Kristina Tzavrou in sein Team. Es erweist sich als nützlich, dass Kristina eine Zeit in Deutschland verbrachte. Die Ermittlungen führen weit in die Vergangenheit, eine Zeit, in der deutsche Besatzer auf Korfu ganze Dörfer ausradierten und sich barbarischer Verbrechen an der Zivilbevölkerung schuldig machten.

Kalos orisate!

Herzlich willkommen auf der grünen Insel im Ionischen Meer. Ronnith Neuman führt den Leser zu tatsächlich existierenden Schauplätzen auf dem malerischen Eiland. Detailverliebt schildert sie die Schönheit der Landschaft. Dabei klingen einzelne Passagen wie aus einem Werbeprospekt des korfiotischen Tourismusverbandes:

  …funkelte die Sonne aus einem blank geputzten azurblauen Himmel. Es schien, als sei die Insel wie einst Aphrodite dem reinigenden Bad im Meer entstiegen. Das Wasser perlte noch von den langen Wedeln der Bananenstauden, der Fächer- und Yuccapalmen. Zwischen den Zweigen der Pinien und Zypressen, dem dichten Blattwerk der Olivenbäume glitzerten Regentropfen wie feine Kristalle.

Doch die Idylle trügt. Unter dem banalen Titel Tod auf Korfu rollt Ronnith Neuman reale deutsch-griechische Geschichtsereignisse aus Zeiten des Nationalsozialismus auf und verwebt sie in einen fesselnden Kriminalfall der Gegenwart. Aber keine Angst, Tod auf Korfu gerät nicht zum Geschichtsunterricht. Nur wird der ein oder andere Leser interessiert dieses düstere Kapital deutscher Vergangenheit recherchieren und dabei feststellen, dass sich die Autorin eng an die historischen Fakten hält.

Vor jedes ihrer Kapitel hat Ronnith Neuman Tagebucheinträge einer/eines Unbekannten gesetzt, im Jahr 1954 beginnend bis in die Zeit der Handlung. Diese anfangs noch abstrus wirkenden Eintragungen ergeben erst nach und nach ein vollkommenes Bild und dem Leser gelingt es, die Fälle lange vor der Polizei zu lösen. Diesen Punkt empfand ich als kleines Ärgernis, die Ermittler übersehen eindeutige Indizien und zwingende Spur wird erst gar nicht verfolgt.

Gut gefallen haben mir die Charaktere der Ermittler. Im Gros der Kriminalromane finden sich fast immer Polizisten in existenziellen Nöten, Ermittler mit diversen Rauschbesessenheiten oder dunklen Geheimnissen. Nicht so die griechischen Beamten bei Frau Neuman, alles Normalos und dennoch kein bisschen öde.

Tod auf Korfu ist ein bemerkenswertes Debüt, eine Werbung für die Gastgeberqualitäten der Korfioten und der Griechen gemeinhin.

Ines Dietzsch, Oktober 2008

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