Groucho Marx, Meisterdetektiv von Ron Goulart

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Groucho Marx, master detective, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Ed. Phantasia.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Los Angeles / Hollywood, 1930 - 1949.

  • New York: St. Martin’s Press, 1998 unter dem Titel Groucho Marx, master detective. ISBN: 031218106X. 16777215 Seiten.
  • Bellheim: Ed. Phantasia, 2010. Übersetzt von Joachim Körber. ISBN: 978-3937897400. 262 Seiten.

'Groucho Marx, Meisterdetektiv' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Groucho Marx, den Filmkomiker und Frauenhelden par excellence, kennt jeder, aber nur die Wenigsten wissen, dass er neben seiner Laufbahn als Schauspieler und Komiker noch einem Nebenberuf nachging, dem des Amateurdetektivs. Als 1937 ein Starlet in Hollywood ermordet wird, das Groucho wenige Stunden vorher noch kennenlernte, ahnt der frischgebackene Spürhund das Schlimmste und nimmt sogleich die Ermittlungen auf.

Das meint Krimi-Couch.de: »Pop! Goes the Detective« 80°

Krimi-Rezension von Jochen König

Bevor Ron Goulart mit seiner kleinen Reihe um Groucho Marx, Meisterdetektiv begann, hatten die Marx Brothers schon einen Auftritt in einem Kriminalroman. Bereits 20 Jahre zuvor stand ihnen Stuart Kaminskys Toby Peters bei, der Detektiv der Stars, an dessen Seite sich nicht nur Groucho und seine Brüder wiederfanden, sondern auch Al Capone, Ian Fleming und in anderen Romanen populäre Persönlichkeiten von John Wayne und Mae West über Salvador Dali bis Albert Einstein.

Benannt nach Grouchos langjähriger Radio- und TV-Show »You bet your life« (»Nichts geht mehr«) hieß es: Marx Brothers vs. Mob, da der unverbesserliche Spieler Chico der Mafia in die Quere gekommen war. Peters half den Brüdern bei Gesundheit zu bleiben.

In Groucho Marx, Meisterdetektiv kommt die Mafia zwar am Rande ebenfalls vor, doch eher als Verbündeter denn als Feind. Deren haben Groucho und sein Autor Frank »Rollo« Denby auch mehr als genug. Da tut ein wenig Unterstützung, und sei es von zwielichtigen Gestalten, gut.

Während der Vorbereitung seiner neuen Radioshow mit dem einfallsreichen Titel Groucho Marx, Meisterdetektiv wird das Starlet Peg McMorrow tot in ihrem Wagen aufgefunden. Offiziell als Suizid abgehakt, zweifelt der alte Schwerenöter Groucho Marx diese These an. Hatte er doch vor Jahren ein Kurzzeitverhältnis mit der jungen Dame, und schätzt sie keineswegs als Selbstmordkandidatin ein.

Kurzerhand erklärt er den ehemaligen Polizeireporter Denby zu seinem Partner und Laufburschen, und beginnt mit der Ermittlung in einem Fall, der keiner ist, wie den beiden oft genug und teilweise sehr rabiat mitgeteilt wird. Doch Drohungen, Schläge und Schüsse können einen Anarcho-Komiker in den besten Jahren nicht aufhalten. Vor allem, wenn der Chronist Frank Denby samt neuer und tougher Freundin Jane mitzieht.
Wie in Hollywood kaum anders zu erwarten, stoßen die drei auf einen tödlichen Skandal, in den ein großes Filmstudio verwickelt ist. Genug Geld und Macht, um Polizei und Erfüllungshilfen zu kaufen. Aber einen echten Marx aufhalten – niemals…

Ron Goulart hat sich mit viel Liebe der Figur angenommen, die Groucho in seinen Filmen spielte. Ob Captain Spaulding, Otis B. Driftwood, oder Dr. Hackenbush – hier präsentieren sich alle gemeinsam als eine Kreuzung aus Nero Wolfe und Philip Marlowe. Dessen melancholische Ironie geht Groucho natürlich völlig ab, stattdessen regieren frecher Wortwitz, bissige Sticheleien und Sperenzchen am Rande der Absurdität. Das hat Goulart ganz gut raus; wenn Groucho mal wieder unerwartet um die Ecke kommt, sieht man seinen schlurfenden und doch wiegenden Gang vor sich, grinst auch bei der fünften Begegnung, während der Groucho aufgrund des fehlenden, aufgemalten Bartes nicht erkannt wird – so lange bis er den Mund aufmacht. Nicht alle Gags hauen hin, manche verpuffen; weil die körperliche Präsenz dann doch fehlt, die einem mäßigen Wortwitz mit einem verzweifelten Augenrollen zur Pointe verhilft.

Die Story strotzt nicht gerade vor Originalität, wird aber sauber entwickelt und glatt abgearbeitet; liefert vor allem Gelegenheit zahlreiche Stars und Sternchen der Dreißiger en passant vorzuführen und von Groucho sezieren zu lassen. Kleines Highlight ist die Anzüglichkeit Richtung Carole Lombards, kurz vorm Finale.

Hochdramatisch und nervenzerfetzend spannend ist das Buch zu keiner Zeit. Aber beständig amüsant, und wenn es auch nicht immer zu einem ohrenbetäubenden Lacher reicht, zum ausdauernden Grinsen lädt es auf jeden Fall ein.

Dazu verhilft auch, dass Erzähler und Archie Goodwin-Ersatz Frank Denby, samt keimender Liebschaft Jane Tanner, äußerst sympathisch und eloquent gezeichnet werden und Groucho einen gleichwertigen Widerpart bieten. Eigentlich sogar zwei.

Groucho Marx, Meisterdetektiv ist einer dieser Romane, die auf unspektakuläre und anheimelnde Weise für gute Laune sorgen. Hier ist alles entspannt, kein überkandideltes Aufbauschen von Sensationen wird betrieben, stattdessen wird man handwerklich kompetent, mit einer einnehmenden Mischung aus Understatement und Raffinesse, deliziös unterhalten. So lange es solche Bücher gibt, kann man noch brennen, wenn Rom fiedelt. Und sich auf die Fortsetzungen freuen …

»I hate a dirty joke I do,
Unless it’s told by someone who -
Knows how to tell it. 

The Captain is a very moral man.
Hooray for Captain Spaulding!«

Jochen König, Oktober 2010

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