Rotwild von Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Kiepenheuer & Witsch.
Folge 2 der Ingrid-Nyström-&-Stina-Forss-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2013. ISBN: 978-3-462-04548-2. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2013. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 386231300X. 5 CDs.

'Rotwild' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

In einem Wald am Seeufer wird der von Pfeilen durchbohrte Leichnam eines Lehrers gefunden. Die Todesumstände erinnern an die Darstellungen frühchristlicher Märtyrer. Kommissarin Ingrid Nyström und ihre junge, impulsive Kollegin Stina Forss übernehmen die Untersuchungen. Bald darauf tauchen an der Wand der Domkirche seltsame Zeichen auf. Haben die Polizistinnen es mit einem religiösen Ritualmord zu tun? Die Deutsch-Schwedin Stina Forss hat bald erste Zweifel. Spätestens nachdem ein weiterer Toter entdeckt wird, erhöht sich der Druck von Vorgesetzten, Presse und Öffentlichkeit auf die beiden ungleichen Frauen spürbar. Während Ingrid Nyström mit familiären Problemen zu kämpfen hat, führt die wendungsreiche Ermittlung Forss nach Nordschweden, nach Berlin und weit zurück in die Geschichte.

Das meint Krimi-Couch.de: »Deutsche Zombies sterben Märtyrermord« 81°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Ein Schwedenkrimi aus Deutschland – kann das? Klappt das? Im Fall von Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson durchaus. Nicht obwohl, sondern weil sie sich der Tradition schwedischer Kriminalliteratur bewusst sind. Ihr zweiter Roman Rotwild knüpft entsprechend weniger bei Stieg Larsson an, denn bei Maj Sjöwalls und Per Wahlöös Martin-Beck-Reihe. Und vor allem bei Henning Mankell und seinem Kurt Wallander. Daraus macht das junge Autorenduo auch gar keinen Hehl.

Doch ist die Figurenkonstellation eine andere: Voosen & Danielsson schicken zwei Frauen ins Rennen: Ingrid Nyström, Kommissarin aus Växjö, und die Deutsch-Schwedin Stina Forss, die es aus Berlin nach Småland verschlagen hat. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die grantelnden, depressiven Ermittler fehlen. Natürlich, ohne private Probleme geht es auch nicht. Nyström befürchtet, an Krebs erkrankt zu sein, Forss kämpft mit einem Vater-Trauma. Aber dies nimmt nicht den Platz ein wie bei anderen Autoren. Stattdessen erzählen Voosen & Danielsson stringent einen ausgeklügelten Fall, der von Beginn an packt – Plaudertaschen sind die beiden wahrlich nicht.

Auf seinem morgendlichen Spaziergang mit seinem Hund durch die Wälder Smålands wird der Lehrer Dahlin erschossen. Mit Aluminium-Pfeilen, und nicht nur mit einem. Als ob das nicht reichte, wird sein Leichnam zur Schau gestellt, nackt an einen Baum gebunden. Dass in unmittelbarer Nähe ein Bogenschützenverein eine Veranstaltung abhält, scheint die Sachlage recht klar zu machen. Doch Pustekuchen: Dahlin wurde wie ein frühchristlicher Märtyrer hingerichtet. Er soll nicht das letzte Opfer nach dieser Methode bleiben. Die wenigen Spuren führen Nyström und Forss nicht nur bis nach Nordschweden, sondern auch in eine doch eher unbekannte Facette der jüngeren deutsch-schwedischen Geschichte. Und schließlich nach Berlin …

Solide und sachlich ist Rotwild geschrieben, unterteilt in viele kurze Kapitel mit entsprechend vielen Perspektivwechseln. Der Mittelteil, in dem fast schon obligatorisch bis auf die aufreibende Ermittlungsarbeit wenig passiert, zieht sich, ist aber notwendig, um den komplizierten Plot aufzulösen. Der ist nämlich die große Stärke des Romans: Bei weitem nicht so platt wie angesichts der doch sehr drastischen Mordschilderungen zu befürchten, kann man Voosen & Danielsson zu den sauber recherchierten Hintergründen und damit den Motiven zu den Märtyrermorden nur gratulieren. Da hat alles Hand und Fuß, ist nichts überkonstruiert, überzeugt durch Tiefgang. Dass es die beiden Autoren nicht für notwendig halten, wirklich alles bis ins letzte Detail zu erklären, lässt Rotwild zudem intelligent nachwirken.

Bleibt die Sache mit Henning Mankell. Ja, von ihm kennen wir es zu genüge, Kapitel mit einem Blick aufs Wetter ausklingen zu lassen. Muss eigentlich nicht mehr sein. Aber Voosen & Danielsson nehmen´s mit einem Augenzwinkern: Einen Ermittler lassen sie tatsächlich scherzhaft mit »Wallander« ansprechen, Stina Forrs darüber philosophieren, ob der Umstand, dass eine fünfte Frau (sic!) vermisst wird, nicht auch ein guter Titel für einen Krimi gewesen wäre. Gut, dass sich die beiden selbst nicht zu ernst nehmen, ohne dem Roman dadurch selbst seine Ernsthaftigkeit abzusprechen.

Voosen & Danielsson haben mit Rotwild die Klippe des »second album syndrome« überzeugend umschifft und einen sehr guten Nachfolger von Später Frost zusammengeschrieben. Wenn es den beiden gelingt, das inhaltliche wie sprachliche Niveau zu halten und ihre Hauptfiguren Ingrid Nyström und Stina Forss mit noch mehr Konsequenz auszuarbeiten, dürfen wir uns ganz bestimmt auf weitere gute Schwedenkrimis made in Germany freuen.

Lars Schafft, September 2013

Ihre Meinung zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild«

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Sabine zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 17.07.2017
Mir hat das Buch irgendwie gefallen und doch war ich am Schluss enttäuscht. Es kommt im ganzen Buch keine richtge Spannung auf. Der Roman dlätschert gemütlich vor sich her wie ein Fluss auf einer Kanufahrt. Da ich letzten Sommer in der Gegend Ferien gemacht habe kamen mir einige Orte bekannt vor, aber richtig Spannung kam nicht auf. Die Auflösung des Falles ist meiner Meinung nicht gelungen, am Schluss Weiss man nicht sicher wer jetzt nun der Mörder war und vor allem Warum. Naj, werde den Autoren noch eine zweite Chance geben.
Edith Sprunck zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 09.02.2015
In diesem Krimi wird für mich die Spannung auf Sparflamme gekocht. Insgesamt empfand ich ihn als kühl, distanziert, ohne Schnörkel und emotionale Dichte, düster und unvollendet. Auf der Suche nach einem Mehrfachmörder werden längst vergessene politische Ereignisse wieder wach gerüttelt. Diese politische Komponente ist für sich allein gesehen zwar hoch interessant, passt für mein Empfinden aber nicht so recht mit dem Rest der Geschichte zusammen, so dass vieles zu sehr konstruiert und zusammen gestückelt wirkt.
Dennoch hat der Krimi auch seine faszinierenden Seiten. Dazu zählt auf jeden Fall die Darstellung des Ermittlerteams. Jede/r hat seine /ihre Eigenheiten, die gut heraus gearbeitet werden. Lebendig und heiter wird es zuweilen, wenn Delgado und Hultin sich kappeln wie ein altes Ehepaar oder das Urgestein Knutsson, das aus einem Antiquariat stammen könnte, sich auf seine Weise an den Ermittlungen beteiligt. Das Team hat noch ein gutes Entwicklungspotential. Ich werde auf jeden Fall die Fortsetzung der Serie lesen.
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Bleiler Helga zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 20.10.2013
Das erste Buch der Beiden hat mir besser gefallen. Beim 2. Buch fand ich die Handlung etwas überzogen, sehr blutrünstig und die Abläufe zur Aufklärung der Verbrechen unglaubwürdig (fehlende Hinweise an den Tatorten, etc.)
Hoffe, dass das nächste Buch annähernd so gut wird wie das erste (Später Frost).
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Faust, Renate zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 17.10.2013
Nach "Später Frost" bin ich geradezu euphporisch an "Rotwild" herangegangen - und wurde bitter enttäuscht. Den Autoren ist es in keinster Weise gelungen, die Spannung des ersten Krimis zu halten. Alles wirkt, zäh, zwanghaft konstruiert und der Aha-Effekt, den meines Erachtens einen guten Krimi ausmacht blieb komplett auf der Strecke. Lust auf ein 3. Mal hat mir dieses Buch jedenfalls nicht gemacht.
ole zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 09.10.2013
Habe mir das Buch wegen der guten Kritik gekauft - und wurde sehr enttäuscht. Schlechter Stil, krude Charaktere und eine hanebüchene Auflösung. Vorsicht vor diesem Produkt.
Die Ermittler reden hölzern, zwischendurch werden Lexikonartikel referiert und offenbar haben beide keine Ahnung wie man Spannung erzeugt. Allein die schwedische Landschaft kann ja kein Argument sein, den Krimi zu empfehlen. Was besonders auffällt: da wurde aus den aktuellen Krimiserien zusammengestoppelt - wenn man das schon macht, dann versucht doch bitte auch wenigstens einen Hauch von eigener Stimme oder eigenem Atem zu finden
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ingrida zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 08.10.2013
Ich bin mittlerweile zum "Serienleser" geworden, aber nicht nach dem Motto: Einen Roman dieser Sorte gelesen, dann kennst Du alle. Die Frauenermittlerinnen sind rundum nicht nach radikalfeministischen Kriterien beschrieben, haben durchaus wie die männlichen Kollegen Probleme, die Beruf und Privat koordinieren müssen. Zum Schluss erscheint der ZDF-Modus (Zahlen, Daten, Fakten) sehr stark im Zeitraffer. Mehrere Andeutungen während der Story auf die fast dokumentarischen Hintergründe würden mir gefallen. Aber auch das ist beliebig. Hoffentlich kommt da noch was.
as25 zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 10.09.2013
Rotwild ist für mich bisher der beste Thriller des Jahres! Wenn die beiden Autoren ( in der Presse zu Recht als Schwedens neues Traumpaar bezeichnet)so weiter schreiben, dauert es sicherlich nicht mehr lange, bis ihre Bücher die Spitzen der Bestsellerlisten erklimmen.
Kurze prägnante Sätze, ein gegensätzliches, aber total sympatisches Ermittler-Duo und ein Fall, der es wirklich in sich hat! Absolute Spitzenklasse, bitte weiter so!
Tayler1609 zu »Roman Voosen & Kerstin Signe Danielsson: Rotwild« 18.08.2013
Voosen/Danielsson sind die legitimen Nachfolger von Stieg Larsson. Zwar erreichen sie noch nicht ganz dessen Brillanz, ihr schriftsellerisches Können und ihre Figuren haben allemal das Potential dazu. War "Später Frost" schon sehr beeindruckend, so ist "Rotwild" noch besser: Eine wendungsreiche Geschichte, die durch den mythologischen, aber auch höchst politischen Hintergrund zu überzeugen weiß. Die Figuren entwickeln sich weiter, was nicht nur für die Hauptfiguren gilt. Stina Forss wird immer mehr zur kleinen Schwester der Lisbeth Salander. Packende Story und Figuren!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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