Roger M. Fiedler - Wenn man liebt. In: Passion criminelle

Wenn man liebt

Roger M. Fiedler

Teil 1 von 7

 

Aus: Passion criminelle, hrsg. von Lisa Kuppler. Erotische Krimis mit Schuss. ISBN: 3-203-79202-8. 96 Seiten, HC mit Überzug und Durchschuß. € 8,90 (D), € 9,20 (A), SFr 15,90

Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung auf www.Krimi-Couch.de bedanken wir uns herzlichst beim Europa-Verlag.

Wenn man liebt, dann sind alle anderen nur Tote im Bett. Sie geben dir Geld, sie nehmen dir Zeit. Grau bleiben sie. Meine Zielgruppe ist die Buchclubfrau. Sie hat ihre Reize, glauben Sie mir, aber sie steckt in Geschichten von zufällig eingereichten Scheidungen fest, träumt sich in eine Welt, in der alle Heldinnen Designerinnen sind, Marketingstrategin, toughe Börsenfrau oder wenigstens Journalistin. Das ist mein Kundenkreis, denn eines haben diese Träumerinnen alle gemeinsam: Sie lassen sich aufs Bett fallen und machen untätig die Beine breit. Warum ich das hier so weitschweifig erkläre? Es ist harte Arbeit, von der ich lebe, auch wenn es nach Vergnügen riecht. Haben Sie mal versucht, eine Illusion zu erzeugen? Eine perfekte Illusion?

Bantu Ssiba Tegré blickte auf und blinzelte angesichts des schäbigen Vernehmungszimmers, in dem er saß, als schmerzte ihn die Trostlosigkeit ausgebleichter Schreibtische und verdorrender Kakteen. Bantu war ein Genießer. Vater und Mutter deutsch. Man durfte sich nicht durch den Namen täuschen lassen. Es gab in seinem Leben keine Kämpfe. Allenfalls eine latente Form von Bedeutungslosigkeit. Die sah man ihm an. Er selbst war die mühsam errichtete Illusion, von der er sprach. So funktionierte sein Leben. Und es funktionierte nicht schlecht.

Der Staatsanwalt saß ihm mit rotem Kopf gegenüber und ein Beamter mit durchdringendem Blick, häßlich und bleich. Der Staatsanwalt polierte seinen Ehering, und Bantu, den sie gerne für einen Kleinkriminellen gehalten hätten, redete weiter. Es ist das Geld, das uns alle bewegt wie ein unsichtbarer Faden. Das Geld gibt Männern das Recht, Frauen zu langweilen. Recht, sage ich. Weil es so ist. Denn die Frauen verkaufen sich. Und wer sich verkauft, der gibt Rechte weg. Rechte, verstehen Sie? Jeder hat das Recht auf sexuelle Befriedigung, auch wenn das nicht in Ihren Akten steht.

Tatsächlich schien der Staatsanwalt danach zu suchen, aber es stand offenbar wirklich nicht drin. Bantu massierte sich unter dem Tisch ausgiebig den Schritt. Der Staatsanwalt dachte offensichtlich an seine Frau.Tegré stieß zu.

Dann kommen sie zu mir. Ich schaue sie an und entdecke, dass sie grau geworden sind. Das ist es, was man mir vorwirft. Es ist nicht das, was ich tue, oder wie ich es tue, sondern die Tatsache, dass es überhaupt einer tut. Ich meine die Ehemänner. Plötzlich ist eine graue Frau lebendig, und sie entdecken in ihrer Lebendigkeit das eigene Versagen. Nichts ist schrecklicher, als zu sehen, dass man eine interessante Frau zu einem langweiligen Gegenstand hat werden lassen mit seinem – wie soll ich es sagen? – Schwanz.

Der farbige Mann, Musterexemplar eines Tatverdächtigen, blickte auf, quälte sich wieder mit dem Anblick des schäbigen Zimmers, als habe er erwartet, dass es sich in seinem Gedanken auflösen würde wie in Wäschelauge. Aber es war noch alles da. Das Vernehmungszimmer, der Schreibtisch, der tote Kaktus, der Staatsanwalt. Nur der Häßliche mit dem durchdringenden Blick hatte sich bewegt. Sein Gesicht hatte kaum merklich einen anderen Ausdruck angenommen, im Rücken Bantu Ssibas und streng zum Staatsanwalt gerichtet, der jedoch nichts wahrnahm über seinen Akten. Ob dieser Gesichtsausdruck von einem starken Gedanken begleitet wurde? Ein solcher nämlich sprang wie ein elektrischer Funke über und reizte Bantu Ssiba auf dem Stuhl, eine letzte Bemerkung zu machen, die gar nicht ihm gehörte, aber dennoch im Raum stand. Schwebte.Waberte, von Anfang an. Wie Geist über den Wassern. Und sich dann – plötzlich – materialisierte.

Es könnte Ihre Frau sein, oder Ihre!

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ISSN 1862-7528