Die Maske des Bösen von Robert Wilson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Hidden Assassins, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Page & Turner.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Andalusien / Sevilla, 1990 - 2009.
Folge 3 der Javier-Falcón-Serie.

  • London: HarperCollins, 2006 unter dem Titel The Hidden Assassins. 640 Seiten.
  • München: Page & Turner, 2007. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-20314-7. 640 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-46946-8. 640 Seiten.

'Die Maske des Bösen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Angst und Schrecken herrschen in Sevilla, denn eine Bombenexplosion hat mehrere Wohngebäude sowie einen Kindergarten in Schutt und Asche gelegt. Viele Tote sind als Opfer zu beklagen, und Unruhe macht sich breit, umso mehr, als bekannt wird, dass sich im Keller des zerstörten Wohngebäudes eine Moschee befunden hat. Doch anders als Presse und Öffentlichkeit ist Javier Falcón nicht von einem islamistischen Terroranschlag überzeugt. Ihn beschäftigt eine grausam verstümmelte Leiche, die am Tag vor der Explosion auf einer Mülldeponie gefunden wurde. Die zeitliche Nähe des augenscheinlichen Ritualmords und der Detonation ist für ihn kein Zufall.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Serien-Opfer« 61°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Hätte sich Robert Wilson ein schwierigeres, ein bedrückenderes, ein aktuelleres Thema als islamistischen Terror in Europa für seinen dritten Roman um Inspector Javier Falcón aussuchen können? Wohl kaum. Die Maske des Bösen ist äußerst nah an der Realität, greift die Anschläge von Madrid, London, aber auch von Beslan auf. Der Terror kommt zurück nach Spanien. Mit aller Brachialität, mit aller Grausamkeit. Und die Frage muss gestellt werden: Sind wir schon so weit, darüber einen Krimi lesen zu wollen?

Sevilla brütet mal wieder unter ermürbender Hitze, als eine enorme Explosion die Stadt erschüttert. Ein Wohnblock sowie ein angrenzender Kindergarten stürzen in sich zusammen, verschütten vor allem Frauen und Kinder. Anhand von Einzelschicksalen beschreibt Wilson eine infernalische, Menschenleben verachtende Szenerie. Es erinnert an Krieg, wie Wilson verzweifelte Rettungsaktionen, aus dem Leben gerissene Väter auf der Suche nach einem Lebenszeichen ihrer Familie zwischen heißem Schutt und glühender Asche zu plastischen, beängistenden Bildern erweckt.

Javier Falcón und seiner Truppe wird die Ermittlung in diesem Terroranschlag aufgetragen. Auch wenn erste Bekennerschreiben (Andalusien muss wieder arabisch werden!) sowie ein in einem direkt an der Explosionsstelle abgestellten Lieferwagen gefundener Koran die Marschrichtung vorgeben – Robert Wilson würde sich untreu, stellte er nicht einige völlig andere Alternativen zur Auswahl. Denn im Keller des Wohnhauses befand sich eine Moschee – die entgegen erster Annahmen nicht menschenleer war.

Abgesehen davon, dass dem Briten für seinen Mut, in Zeiten wie diesen überhaupt anderen Erklärungen als Terror durch Islamisten Platz einzuräumen, Respekt gezollt werden muss, bleibt bei der Maske des Bösen ein fader Beigeschmack. Ganz klar: Feinsinniger Psycho-Thriller ist Wilsons dritter Falcón-Roman nicht mehr, neben der CIA stößt nun auch noch der spanische Geheimdienst dazu und degradiert Falcón & Co. nicht nur ein Mal zu Statisten. Die Tendenz geht stark Richtung Spy-Novel. Dazu ist der Plot arg verzwickt, nicht immer ohne weiteres nachvollziehbar und ob die Auflösung, die uns Wilson nach über 600 Seiten präsentiert, einleuchtet – nun ja.

Was aber wirklich ärgert ist Wilsons Versuch, seine Serie doch recht bemüht fortzusetzen. Zwar hatte der Autor angedeutet, dass er in jeder Folge einen anderen Charakter ins Rampenlicht stellen werde: Falcón selbst in Der Blinde von Sevilla, Consuelo Jimenez in Die Toten von Santa Clara, nun Staatsanwalt Juan Calderón. Letzter mimt nun wirklich die tragische Figur, Falcóns Ex-Geliebte Consuelo kämpft mit nicht minderen, wenn auch deutlich abstrakteren, seelischen Problemen und Falcón scheint sich mit seiner Situation abgefunden zu haben. Zwar haben die Episoden um den zum Deckhengst mutierten Staatsanwalt und die psychisch leck geschlagene Consuelo durchaus ihren Reiz – teilweise sogar viel mehr als das Verwirrspiel der Geheimdienste.

Nur: Warum hat das alles überhaupt nichts mit der Rahmenhandlung zu tun? Das war Wilsons große Stärke, einen Roman mit mehreren intensiven Perspektiven auch als Wälzer zu einem schlüssigen Ganzen zu komponieren. Die Maske des Bösen kann da mit den Vorgängern nicht mithalten. Robert Wilson hätte gut daran getan, sich von selbstauferlegten Serien-Zwängen zu befreien und den Roman entweder zu straffen, oder lose Enden nicht hilflos in der Gegend herumbaumeln zu lassen.

Jede Episode des Romans für sich ist exzellent, beklemmend, hintergründig. Als Ganzes ist Die Maske des Bösen in seinem Heischen nach Sensation und Festklammern an der Reihen-Dramaturgie aber eine Enttäuschung.

Lars Schafft, Oktober 2007

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fresno89 zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 30.05.2011
Was einige Rezensenten hier in diesem 3. Band der Falcon Reihe sehen, bzw. reininterpretieren ist mir wirklich schleierhaft. Da will jemand in den ersten 60 Seiten "Sex in allen Variationen" gelesen haben! Nun gut, wenn ihm davon schon "schwindelig wird, soll er sich von seiner "Omma" Grimms Märchen vorlesen lassen! Gruselig, aber garantiert ohne Sex!!
Ich persönlich kann mich nur einigen Rezensenten anschliessen, dieser Band war ein Versuch die Falcon-Reihe mit einem interessanten Thema fortzusetzen, aber leider ist dieses in meinen Augen mißlungen.
Fazit: Kann man lesen, muß man aber nicht.
Torsten zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 18.05.2011
Nach den zwei herausragenden ersten Bänden bin auch ich leider vom dritten enttäuscht.
Ein Opfer der Serie, oder doch eher ein Opfer des Zeitgeistes? Es hat beinahe den Eindruck als ob Wilson unter dem Eindruck der Madrider Anschläge unbedingt dieses Thema in die Reihe einfliessen lassen wollte. Und so ist ein Buch entstanden, was auf mehr als 600 Seiten in der Wilson-typischen Detailliertheit einen Terroranschlag behandelt, inkl. aller Verschwörungs- und Gegenverschwörungstheorien und in dem äusserst ausführlich die Gefühle und Aspekte nicht nur der spanischen Bedenken und Ängste vor dem islamischen Terror abgehandelt wird. In einer ungeheuren Detailflut wird die Ermittlung beschrieben die diesmal stark von den beteiligten Geheimdiensten beeinflusst wird.
Leider leidet darunter der eigentliche Kriminalfall - so ist kein Krimi entstanden, sondern eben ein Buch über einen Terroranschlag und die damit verbundenen Ängste, Vorurteile und möglichen Folgen.
Die eingeschobenen, sehr ausführlichen Kapitel um Consuelo sind auch eher verwirrend und überflüssig als erhellend und für die weitere Handlung notwendig - selbst für eine im nächsten Band möglicherweise wiederaufgenommene Beziehung zwischen Falcon und Consuelo hätte das nicht so ausgebreitet werden müssen.
Deie Episode um Staatsanwalt Calderon wird sicher im nächsten Band weiterentwickelt.
Auch das Hopplahopp-Action-Ende, mit dem so etwas wie ein vorläufiger Abschluss erzielt werden soll, fand ich in Anbetracht der epischen Breite mit der der Rest erzählt wurde, arg oberflächlich.
Trotz des wie immer sehr intensiven Erzählstils von Wilson also insgesamt eine Enttäuschung: 60 Grad.
mylo zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 15.02.2011
Nun ich mag die Bücher von Robert Wilson und insbesondere die Reihe um Inspektor Falcon, der einem schon ans Herz gewachsen ist. Insgesamt fand ich auch diese Folge als sehr Unterhaltsam und auch recht spannend geschrieben. Vielleicht für meinen Geschmack war ein Handlungsstrang zu viel. Auf die psychischen Probleme der Consuelo hätte man verzichten können, sind aber wohl eher Vorbereitung zum nächsten Band??
Überaus super wie anfänglich zusammenhanglose Handlungen zusammen kommen.
Also den "Verriss" in der Krimi-Rezension von Lars Schaff kann ich nicht so teilen. Das Buch bekommt als gute und auch spannende Lektüre von mir 80 Punkte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Detective Scotty zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 28.01.2011
Mir hat auch der 3. Band sehr gut gefallen! Sehr gut vor allen Dingen deshalb, weil Wilson keinen Neuaufguss des 1. oder 2. Bandes serviert sondern jedes Werk seinen ganz eigenen Charakter hat.
In der Tat ist die 1. Hälfte etwas anstrengender zu lesen als gewohnt. Nichtsdestotrotz werden hier wichtige Puzzlestücke abgehandelt. Und politische und philosophische Diskussionen sind gerade die Dinge, die ich an den WIlson Romanen so liebe.
Außerdem hat mir sehr gut gefallen, dass es wieder mal keine Schwarz-Weiß-Malerei gibt. Keine Seite ist richtig Gut. Keine ist nur Böse.
Mir ist unverständlich, dass man einem intellektuell anspruchsvollen, in herrlicher Sprache geschriebenen Werk, welches man in dieser Qualität in der Masse an Einheitsware suchen muss, ernsthaft eine 61 geben kann. Von mir gibt es ein 90!
Marv zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 30.08.2010
Robert Wilsons ‚Die Maske des Bösen‘ ist der Dritte Band der Sevilla-Tetralogie um Inspektor Javier Falcon. Auch diesmal steht die Herausarbeitung, Beschreibung und Weiterentwicklung der Hauptcharaktere Falcon, Jimenez und Calderon im Vordergrund. Eingebettet wird das Ganze durch eine Geschichte um internationalen, religiös motiviertem Terrorismus. Wilson schreibt, wie immer, spannend, komplex und auf hohem intellektuellem Niveau. Seine Figuren wirken glaubhaft, und gerade die Beschreibung der Beziehungen zwischen Falcon und seinen Freund Yacoub Diouri oder die Schilderungen über Calderon und Jimenez gehören zu den Stärken des Bandes. Auch der Teil des Buches, der sich mit der Agenten-/Terrorgeschichte beschäftigt, ist spannend und interessant geschrieben. Hier scheint sich Wilson jedoch etwas zu verzetteln und auch die Auflösung des Hintergrunds des Anschlags lässt einen etwas unbefriedigt zurück. Die Ankündigung Falcons zum Ende lassen jedoch zumindest vermuten, das es auch hierzu im 4. Teil noch weitergehen wird. In Summe ein guter Band einer sehr guten Serie.
Nomadenseele zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 17.07.2009
Normalerweise garantieren die Bücher von Page & Turner ein anspruchsloses Lesevergnügen, aber keine Regel ohne Ausnahme: Die ersten 60 Seiten bekommt man Sex in allen Variationen präsentiert, dass einem schwindelig wird. Dann explodiert ein Wohnhaus, in dessen Keller sich eine Moschee (ahja) befindet und gegen Mitte fand ich mich in seitenlangen Traktaten über die marokkanisch-arabische Sicht des Irak-Krieges und des Ost-West-Verhältnisses überhaupt wieder. Das war für mich dann der Schlußpunkt, weil ich das ständig in den Nachrichten serviert bekomme – der ach so dekadente Westen und der tiefsinnige Osten; nein danke.

Fazit:

Schlicht und einfach langweilig, langatmig und zuviele Akteure.
tastenloewe zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 30.03.2008
In den Osterferien habe ich alle drei Bücher hintereinander gelesen. Während in "Der Blinde von Sevilla" die psychischen Probleme von Inspektor Falcon mir persönlich zu sehr im Mittelpunkt standen, hatte er sich im 2. Fall " Die Toten von Santa Clara" zu einer markanten und einmaligen Persönlichkeit entwickelt, die den Fall geradlinig einer Lösung zuführte. Nun war ich "infiziert" und musste auch noch den dritten Fall "Die Maske des Bösen" lesen.
Hier behandelt Wilson ein brandaktuelles Thema, das zwar mit einigen verwickelten Seitenhandlungen umwoben ist, aber dennoch zentral im Mittelpunkt steht. Das Buch ist sehr spannend. Nur die psychischen Probleme von Consuelo Jiménez empfinde ich als etwas "störend" und "an den Haaren herbeigezogen".
Für alle zukünftigen Leser ein wichtiger Tipp: Weiterlesen!!! Denn ganz am Ende erst kommt eine Verbindung zu den ersten Seiten des Buches zustande...
Von den drei Fällen habe ich daher diesem dritten Band die höchste Gradzahl gegeben.
rike zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 21.11.2007
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, da ich ein Fan von Robert Wilson bin, habe aber nach nicht einmal 100 Seiten (teilweise diagonal gelesen, da umständlich und weitschweifig und zu viele unwichtige Handlungsstränge) völlig gelangweilt und entnervt aufgegeben.
polina zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 02.10.2007
Ich kann mich dem vorher geschriebenen nicht anschliessen! Mir hat es sehr gut gefallen, obwohl ich auch alle anderen Bücher gelesen habe. Die Thematik ist topaktuell, und das Niveau der Vorgänger "Tod in Lissabon" und "Der Blinde von Sevilla" ist natürlich schwer zu halten und nicht erreicht. Trotzdem: ein sehr sehr gutes Buch!
Krilla zu »Robert Wilson: Die Maske des Bösen« 24.09.2007
Hatte mich schon sehr auf den "neuen Wilson" gefreut da mir seine vorherigen Bücher ausnehmend gut gefallen haben.

Diese Vorkenntnisse der handelnden Haupt- und Neben-Figuren ließen mich auch dabei bleiben, immer in der Hoffnung, dass mehr von ihnen in die Haupt-Handlung enfließt. Ich wurde enttäuscht. Das Buch weist einige Längen auf, die getrost diagonal überlesen werden können ohne dass einem dadurch Einsichten oder logische Schlüsse fehlen.

Hoffe, dass R.W. sich wieder auf frühere Pfade begibt.

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