Andalusisches Requiem von Robert Wilson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The Ignorance of Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Page & Turner.
Folge 4 der Javier-Falcón-Serie.

  • London: HarperCollins, 2009 unter dem Titel The Ignorance of Blood. 560 Seiten.
  • München: Page & Turner, 2009. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-20316-1. 560 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-46802-7. 480 Seiten.

'Andalusisches Requiem' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Während Inspektor Javier Falcón versucht, die genauen Hintergründe eines blutigen terroristischen Anschlags in Sevilla aufzuklären, dem viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen, wird er zu einem tödlichen Autounfall gerufen. Im Wagen des Toten befnden sich 7,8 Millionen Euro und mehrere DVds, auf denen hochrangige Männer aus Wirtschaft und Politik beim Sex mit Prostituierten zu sehen sind. Falcón fndet schnell heraus, dass es sich bei dem Toten um Vasili Lukyanov handelt, einen russischen Mafioso, der im Begriff war, innerhalb der Mafia die Seiten zu wechseln und zum Paten Yuri Donstov überzulaufen. Diesem werden enge Verbindungen zur sogenannten katholischen Verschwörung nachgesagt, die Falcón als Drahtzieher hinter dem Attentat vermutet. Er hat schon länger den Verdacht, dass fundamentalistische Christen den Anschlag inszeniert haben, um ihn islamistischen Kräften anzulasten und so die rechtskonservative Partei Fuerza Andalucía zu stärken. Als Falcón aber erfährt, dass einige seiner marokkanischen Verwandten in die Angelegenheit verwickelt sind, droht ihm der Fall zu entgleiten. Und sein Chef, Comisario Elvira, denkt laut über Falcóns Suspendierung nach …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn Abgründe so nah am Guten sind« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Es scheint der letzte Teil der Javier-Falcón-Reihe zu werden, daraus machen weder Autor noch Verlag ein großes Geheimnis. Da dürfen die Ansprüche durchaus hoch sein – die eigene Messlatte hat der Brite Robert Wilson mit dem superben Der Blinde von Sevilla, dem aufreibenden Die Toten von Santa Clara und dem erschreckend aktuellen Die Maske des Bösen hoch gesetzt. In jedem der Vorgängerromane stand eine andere Figur im Fokus, die Schlimmes erleiden musste, um sich neu zu (er)finden. Und was die dunklen Machenschaften im andalusischen Sevilla angeht, kristallisierte sich langsam aber sicher ein blutroter Faden heraus. Andalusisches Requiem führt dies nun alles zusammen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass ein Bombenanschlag auf ein großes Wohnhaus Sevilla erschütterte. Chefinspektor Javier Falcón fand zwar in Die Maske des Bösen einige Schuldige, doch gelangte er nicht an die Drahtzieher dieses Attentats und schwor sich, alles Erdenkliche zu tun, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Genau an diesem Punkt setzt die Handlung in Andalusisches Requiem, dem vierten und vermutlich letzten Teil der Falcón-Reihe, ein. Falcón nimmt sich den Fall noch ein Mal vor, hinterfragt Verhöre, befragt den wegen Mordes angeklagten Staatsanwalt Esteban Calderón und dessen ehemalige kubanische Gespielin.

Kaum dass er sich versieht, überschlagen sich die Ereignisse. Ein Krieg zweier verfeindeter Parteien der russischen Mafia droht in Sevilla auszubrechen, die Kubanerin wird brutalst ermordet, bevor sie ihre Geheimnisse preisgeben kann. Und zu allem Unglück wird der kleine Darío, der Sohn von Falcóns Geliebter Consuelo Jiménez entführt. Vermutlich von der Russenmafia. Doch wer soll in dieser andalusischen Melange aus mafiösen Strukturen, Korruption, Drogen- und Menschenhandel sowie der Verstrickung internationaler Geheimdienste eigentlich noch durchblicken?

Nehmen wir es vorweg: In Andalusisches Requiem steht im Gegensatz zu den anderen Falcón-Bänden nicht eine Person im Vordergrund, sondern die drei, die ihren Frieden suchen: Die Unternehmerin Consuelo Jiménez, der Staatsanwalt Esteban Calderón und Javier Falcón selbst – ein Trio infernale, beständig kurz davor, an sich selbst und den sevillanischen Lebensumständen zu scheitern, um letztendlich dennoch mit einsamen Fähnchen der Moral zu winken. Das Psychologische war schon immer Robert Wilsons Stärke, und auch im vierten Falcón-Fall stechen die hervorragenden Figurenzeichnungen weit aus der Masse aktueller Thriller heraus.

Unterschlagen soll an dieser Stelle jedoch nicht werden, wie hart es in Andalusisches Requiem zur Sache geht: Kleine Kinder werden von, alles andere als gutmütigen, russischen Schlägern entführt, eine Bildhauerin mit einer Kettensäge verstümmelt, Dealer gehetzt und das alles in einem Sevilla, das in einem Sumpf von Korruption und Bandenkriegen unterzugehen droht. Passagenweise geht das Buch dermaßen an die Nieren, dass jeder Leser Verschnaufspausen einkalkulieren sollte. Was natürlich für Robert Wilsons Schreibe spricht, aber dennoch ein Warnschild bedarf.

Kritisch anmerken muss man dazu, dass Andalusisches Requiem auf Vieles von Die Maske des Bösen zurückgreift und dieses auflöst. Leser, die Robert Wilsons Tetralogie ganz für sich entdecken wollen, sei streng dazu geraten, der Reihe nach zu lesen, da alle vier Teile konsequent aufeinander aufbauen und vor allem als Ganzes betrachtet Wilsons Meisterschaft belegen: Handlungsstränge wie Charaktere sind in sich stimmig, höchst zeitgemäß und in all ihren Widersprüchen enorm reizvoll – wenngleich seine Romane nichts für Nebenbei sind. Kriminalunterhaltung auf allerhöchstem Niveau, die in ihren Grundzügen klassischen Tragödien folgt.

Zum Glück schlägt Wilson nicht alle Türen hinter Falcón zu. Irgendwie will man auch nicht glauben, dass in seinen tiefschichtigen Figuren nicht noch genug Stoff für weitere Romane stecken sollte. Abgründe lesen wir fast in jedem Krimi, doch nur ganz selten sind sie so tief wie bei Wilson und noch seltener liegen sie so nah an dem, was wir als das Gute bezeichnen. Andalusisches Requiem ist so abgründig wie gut, allerdings im Sinne von hoher Kunstfertigkeit.

Lars Schafft, April 2009

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Torsten zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 06.03.2012
Teilweise war ich ein wenig enttäuscht - aber auch nur, weil Wilson mit den ersten beiden Teilen seiner Falcon-Reihe die Messlatte so ungeheuer hoch gelegt hat.
Im Grunde ist dieser letzte Teil weniger ein eigenständiger Roman als der zweite Teil von "Maske des Bösen" der die Handlung um den Bombenanschlag zum Abschluss bringt.
Leider stehen auch hier wieder die Geheimdiensttätigkeiten allzusehr im Vordergrund, zusätzlich wird noch die allumfassende Verbindung der russischen Mafia in die spanische organisierte Kriminalität eingebracht. Wie immer bei Wilson muss man schon aufpassen nicht den Überblick über alle Handelnden und deren Motive zu verlieren; Komplexität ist etwas was Wilson für seine Romane in jedem Fall geltend machen kann. Ein wenig habe ich aber auch die typische Atmosphäre Sevillas vermisst, die insbesondere in den ersten beiden Teilen excellent 'rüberkam.
Der Abschluss des Buches und damit der Reihe mit einem wahren Action-Finale hat die anfängliche Enttäuschung aber mehr als wettgemacht. Letztlich werden alle verwirrten Fäden schön aufgenommen und zu einem runden und für Falcon auch versöhnlichen Ende gebracht.
Wie schon von Lars Schafft geschrieben: Die Tür ist nicht ganz zugeschlagen und ich bin sicher nicht der einzige der sehr gerne noch mehr von Javier Falcon lesen möchte.
mylo zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 18.03.2011
Ein super Abschluss eines großen Vierteilers. Spanische und Marokkanische Eindrücke wieder mal satt mit einer durchgängigen Spannung und einem immer wieder sympathischen Falcon der wohl jetzt auch sein wohlverdientes Happy End mit seiner Consuelo erleben darf. Aber nicht falsch verstehen, es ist kein Kitsch. Es schließt sich eben nur ein Kreis der in Band 1, Der Blinde von Sevilla, beginnt und schließlich hier im Andalusischen Requiem endet.
Jede Menge politische Zusammenhänge, jeder Menge Personen und Charaktere die einem in jedem Band wieder begegnen und so die zuvor gelesenen Bücher immer wieder vor dem geistigen Auge Revue passieren lässt.
Eine Reihe die man nur empfehlen kann, welche aber unbedingt in der Reihenfolge gelesen werden müssen.
Bin gespannt wie es nun mit unserem Autor Robert Wilson weitergeht...
90 Punkte als guter Schluss einer guten Reihe
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
vifu zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 31.01.2011
"Das Andalusische Requiem" hatte ich mir eine Weile aufgehoben, da mich der Schluss der "Maske des Bösen" doch etwas ratlos lies und nicht wirklich zufrieden stellte. Jetzt ist mir klar, dass diese beiden Bände unbedingt zusammengehören! So wurde die Story jetzt rund, auch wenn Falcon nun aufhört!?? Aber wie immer hab ich es genossen Wilson´s spanische Perspektive, auch über´s Mittelmeer bis nach Marokko rein. Interessant die Reflektion der globalen Verbrechensrouten, da wird mir im sonnigen Ferien-Andalusien doch ein wenig flau im Magen!
Ganz heisser Lesetipp für regnerische, graue Tage!
manni zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 10.09.2010
Diesen dramatischehn Vierteiler kann man kaum noch toppen. Ich dachte nach Stieg Larsson käme jetzt lange nichts mehr, aber
Wilson schreibt von gleicher Qualität, spannend bis zum bitteren Ende, ein großer Epos, unbedingt lesen und nebenbei
eine interessante Auffrischung der Spanischen u. Nordafrikanischen Politik der letzten 100 Jahre, aber immer fesselnd eingebaut in Kommissar Falcons Geschichte.
Marv zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 30.08.2010
Der 4. und letzte Band der Javier Falcon - Reihe, ‚Das Andalusische Requiem‘ führt zum einen die im 3. Band (‚Die Maske des Bösen‘) beschriebene Geschichte über den terroristischen Anschlag in Sevilla fort und erläutert die Hintergründe des Anschlags. Zum anderen greift Wilson virtuos die Fäden der vorhergehenden Bände auf und schließt den Kreis der mit der ‚Blinde von Sevilla‘ begonnen hat. Atmosphärisch dicht, einem großen Feingefühl für die Darstellung seiner Figuren, emotional, tragisch, spannend, stimmungsvoll, sprachlich ein Genuss, veredelt der 4. Band die Tetralogie zu einem meisterhaftem Gesamtwerk.
Björn Hilgers zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 08.06.2010
Wer ein Buch wegen seiner Dicke kauft, oder die "grausigen Details" nicht Wort für Wort lesen möchte, sollte sich keinen Robert Wilson zulegen! Ich bin fasziniert von diesen Büchern. Wilson bietet dem Leser mit seinen Figuren die Möglichkeit, verschiedene Charaktere und Generationen im "Kampf" mit ihrem Leben zu begleiten. Er lässt uns in andere Kulturen und Lebens-umstände eintauchen und wird der heutigen Zeit mit all ihren Geschwüren um Politik, Macht, Geldsucht, Sex und Kriminalität gerecht. Super wie er seine Geschichte auf-baut und diese in vier Büchern nie langweilig wird. Ich habe die Bücher verschlungen und kann dazu auffordern: LESEN!!!
Bärbel zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 20.07.2009
Die Maske des Bösen.. Für mich NEIN DANKE! Wurde leider auch falsch in der Buchhandlung beraten. Dass es auch noch Teil 1 und 2 und 4 gibt, erfahre ich hier zum ersten Mal.
Für mich ist Robert Wilson leider überhaupt nichts. Ist mir viel zu politisch, viel zu viele Personen. Schade, denn ich hatte mir das Buch aufgrund seiner Dicke ausgesucht. Und habe mich gerade Mal innerhalb 3 Wochen durch 200 Seiten gequält.
Falcon zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 22.05.2009
Mit „Andalusische Requiem“ schliesst Robert Wilson die Javier Falcon Reihe (vorerst?) ab.
In diesem letzten Band der Serie verknüpft Wilson alle losen Enden aus den vorangegangenen Büchern. Dabei holt er geschickt die einzelnen Handelstränge nach vorne und verwebt sie miteinander. Somit ist der Roman auch für einen Einsteiger in die Serie lesbar. Man wird geradezu aufgefordert, wieder von vorne zu beginnen, um zu sehen, ob die Auflösung der Dinge stimmig sind.
Wer sich vertieft in die Welt von Javier Falcon einlassen möchte, dem sei empfohlen beim „Blinden von Sevilla“ anzufangen. Die Romane „Der Blinde von Sevilla“ und eben „Andalusische Requiem“ bilden die Eckpunkte der Serie. „Die Toten von Santa Clara“ und „Die Maske des Bösen“ Ergänzungs- bezw. Brückenromane.
Robert Wilson Romane sind nicht einfach zu lesen. Es gibt eine Fülle von Figuren, diverse Handlungsstränge und deren Verknüpfungen. Es sind emotionale, atmospärisch dichte und tiefgehende Geschichten die einem berühren.

Krimiliteratur in Höchstform, unbedingt lesen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Irmgard Beurskens zu »Robert Wilson: Andalusisches Requiem« 15.05.2009
Das Buch war für mich, wie die drei ersten Bände, wieder der absolute Wahnsinn. Jedes Mal, wenn ich es zur Seite legen musste, war es wie das Erwachen und ein Zurückfinden müssen in die Wirklichkeit. Deshalb habe ich es auch weitgehend vermieden und versucht durchzulesen, wann immer möglich.
Die Hauptpersonen, Javier Falcon und die Personen, die ihm nahestehen, faszinieren genauso wie Handlung und Plot, die grausigen Details muss ich ja nicht Wort für Wort lesen, denn alles andere entschädigt durch Stil, Wortwahl und Atmosphäre.
Auf jeden Fall habe ich jetzt vorgenommen, alle vier Bände noch einmal hintereinander zu lesen und somit ganz in die Welt Südspaniens und Javier Falcons einzutauchen, ist fast wie ein Urlaub.
Herbstzeitlose
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