Robert Martin

Robert Lee Martin, geboren am 16. Oktober 1910 in Chula, US-Staat Virginia, und aufgewachsen in Tiffin, Ohio, als Sohn eines Lebensmittelhändlers, verbrachte die meisten Jahre seines Lebens in Cleveland. Viele Jahre war er dort als Personalchef für »Sterling Grinding Wheel«, eine Schleifwerkzeugfabrik, tätig und als (ab 1942) verheirateter Mann und Vater dreier Kinder ein etabliertes Mitglied der Gesellschaft.

Allerdings war da auch seine Liebe zu den Kriminalmagazinen seiner Zeit, in denen die ebenso rauen wie genialen Storys von Raymond Chandler, Dashiell Hammett oder James M. Cain erschienen. In den 1930er Jahren beschloss Martin sich ebenfalls als Schriftsteller zu versuchen. Er hatte die Regeln des »Pulps« gut verinnerlicht, wurde rasch bekannt und ab 1936 in zahlreichen Magazinen mit Titeln wie »Dime Detective«, »Black Mask«, »Detective Tales«, »New Detective«, »All‑Story Detective« oder »15‑Story Detective« veröffentlicht.

Die meisten seiner Geschichten drehten sich um den Privatdetektiv James Bennett, der in Cleveland die Filiale einer US-weit tätigen Detektivagentur leitet. Die Mehrzahl der Martin-Krimis spielt in dieser Stadt und ihrer Umgebung und profitiert von der Ortskenntnis des Verfassers: »Cleveland ist meine Stadt, ich liebe sie ... [Cleveland] ist nicht New York, nicht Chicago, nicht Detroit, noch Los Angeles oder Atlanta. Es hat keine Park Avenue, keine State Street, keine Grosse Point, keinen Sunset Strip und keine Peachtree Street – aber es ist meine Stadt.« (R. Martin, Die zweite Flasche Whisky, München : Goldmann Verlag 1962, S. 97)

Während die Fälle, die Bennett löste, simpel, turbulent und bleihaltig ausfielen, bildete die Figur einen Gegensatz zu den meisten zeitgenössischen Detektiven. Bennett war kein einsamer Wolf, der außerhalb der Gesellschaft und am Rande des Existenzminimums existierte, sondern ein geselliger, durchaus angepasster Mann mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.

Als die »Pulps« in den 1950er Jahren zu verschwinden begannen bzw. vom Buchroman ersetzt wurden, passte Martin sich dem neuen Markt an. Für seine Romane griff er (ab 1951) gern auf alte Storys zurück, die er erweiterte, miteinander kombinierte oder anderweitig ausschlachtete. Als ökonomisch arbeitender Autor brachte er in den 1950er Jahren eine Reihe gut aufgenommener Krimis auf den Markt; zwei seiner Bennett-Thriller dienten sogar als Grundlage für die klassische TV-Serie »77 Sunset Strip«. Unter dem Pseudonym »Lee Roberts« verfasste Martin Romane außerhalb der Bennett-Serie.

In den 1960er Jahren sank Martins Stern. Seinen Job als Personalchef quittierte er, als die Firma aufgekauft wurde. Dann erkrankte seine Gattin schwer, die nach einem langen und kostenintensiven Leiden starb. Gleichzeitig brachen die Verkaufszahlen für Martins Romane ein. 1963 stellte er das Schreiben ein. Erst Anfang der 1970er Jahre versuchte er, inzwischen ein vergessener, verarmter und schwer an Arthritis leidender Autor, vergeblich ein Comeback. Robert Martin starb 1976 im Alter von 66 Jahren.

In Deutschland saß Martin in der Krimi-Reihe des Wilhelm Goldmann Verlags erstaunlich fest im Sattel, was wohl vor allem darauf zurückzuführen ist, dass er perfekt ins zeitgenössische Profil passte: »Die Auswahl der Kriminalromane, die im Wilhelm Goldmann Verlag erscheinen, ist von besonderem Verantwortungsgefühl bestimmt. So lehnt der Verlag die ´harten´ Kriminal-Romane ab.« (Eigenwerbung). James Bennett als etablierter Privatdetektiv mit fester Verlobter (und bald Gattin) war natürlich der geeignete Kandidat. Allzu brutal ging er auch nicht zu Werke, ohne dass dadurch die Spannung litt.

Bis in die 1970er Jahre wurden Martins Krimis nicht nur sämtlich veröffentlicht, sondern mehrfach neu aufgelegt, was ein Beleg dafür ist, dass dieser Autor in Deutschland sein Publikum besaß. Heute sind Robert Martin und sein Werk freilich wie in den USA vergessen und nur mehr einschlägigen Fachleuten bekannt, wozu der renommierte Verfasser und Spezialist für die Krimis der »Pulp«-Ära Bill Pronzini gehört, dessen Erinnerungen an Martin der Verfasser dieses Artikel ausgiebig zu Rate zog. Ebenfalls sehr informativ ist Jim Feltons Essay "Robert Martin: Too Good an Author to be Forgotten”. [Michael Drewniok]

Krimis von Robert Martin:

  • James Bennett-Reihe:
    • (1951) Dunkler Traum
      Dark Dream
    • (1953) Küsse, die der Teufel gab
      Sleep, My Love
    • (1954) Tränen für die Braut
      Tears for the Bride
    • (1954) Alle Männer sind schwach
      The Widow and the Web
    • (1955) Das Ende einer großen Liebe
      The Echoing Shore
    • (1955) Die Katze war dabei
      Just a Corpse at Twilight
    • (1956) Ein Mädchen brennt durch
      Catch a Killer
    • (1957) Das Mädchen Sandra
      Hand Picked for Murder
    • (1958) Achtung Sabotage
      Killer Among Us
    • (1959) Sie hat es so gewollt
      A Key to the Morgue
    • (1960) Keine Frau für meinen Sohn
      To Have and To Kill
    • (1962) Die zweite Flasche Whisky Rezension
      She, Me and Murder
    • (1962) Tod unter Glas
      A Coffin for Two
    • (1964) Frist bis Mitternacht
      Bargain for Death
  • Romane als Lee Roberts
    • (1952) Kleine Hexe
      Little Sister
    • (1955) Meines Freundes Frau
      The Pale Door
    • (1956) Männer um Marcia
      Judas Journey
    • (1957) Gute Nacht und süße Träume
      The Case of the Missing Lovers
    • (1957) Verhängnisvoller Irrtum
      Once a Widow
    • (1959) Ein Paar schwarze Schuhe
      If the Shoe Fits
    • (1960) Glück und Ende
      Death of a Ladies’ Man
    • (1964) Sie ist zu eifersüchtig
      Suspicion

Mehr über Robert Martin:

Seiten-Funktionen: