Imperium von Robert Harris

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

. 500 Seiten. ISBN-10: 0091795443, ISBN-13: 978-3-453-26538-7.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Rom, -800 - 699 (Antike).

'Imperium' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Ein unbekannter junger Anwalt – hochintelligent, sensibel und enorm ehrgeizig – betritt das Zentrum der Macht. Er hat nur ein Ziel: Er will nach ganz oben. Der Fall eines Kunstsammlers, der vor der Willkür eines skrupellosen und gierigen Gouverneurs fliehen muss, kommt ihm da gerade recht. Der Gouverneur hat einflussreiche und gefährliche Freunde im Senat, und sollte der Anwalt den Fall gewinnen, würde er die gesamte alte Machtclique zerschlagen. An die Niederlage wagt er nicht zu denken, sie könnte ihn das Leben kosten. Eine einzige Rede kann über sein Schicksal und die Zukunft einer Weltmacht entscheiden, doch seine gefährlichste Waffe ist das Wort. Die Weltmacht am Scheideweg ist Rom. Der Name des jungen Anwalts ist Marcus Tullius Cicero, Außenseiter, Philosoph, brillanter Redner und der erste Politiker modernen Stils.

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Andrea Schütze zu »Robert Harris: Imperium« 05.01.2010
Robert Harris, Imperium, (aus dem Englischen übers. v. Wolfgang Müller), 4. Aufl., Wilhelm Heyne Verlag, München 2006, ISBN-10: 3-453-26538-7 / ISBN-13: 978-3-453-26538-7, 475 S., 2 Karten, 19,95 €.
„Er verfügte nicht wie Crassus über ein gewaltiges Vermögen, das ihm den Weg ebnete. Er hatte nur eines – seine Stimme. Und mit der schieren Kraft seines Willens machte er aus dieser die berühmteste Stimme der Welt“ (S. 13). Eindrucksvolle Worte über einen noch eindrucksvolleren Mann legt Robert Harris Tiro, dem bekanntesten Privatsekretär der Antike, bei dessen Urteil über Marcus Tullius Cicero in den Mund. Harris dürfte in seiner Charakterisierung dieses antiken Self-made-man allerdings etwas (zu?) weit gehen. Marcus Tullius Cicero durchschnitt zwar eine atemberaubende Karriere als homo novus, jedoch sicherlich nicht jene „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Cicero entstammte nicht kleinen Verhältnissen, sondern verfügte als Sprössling einer Ritter-Familie aus Arpinum über das besondere Glück auf exklusive Beziehungen zurückgreifen zu können, die auf Freundschaften oder Verwandtschaften gründeten und ihm in Rom den Zugang zu den bedeutenden Männern seiner Zeit eröffneten. Der moderne Mensch würde Cicero daher sicherlich mit anderen Augen betrachten, ihn sozial deutlich höher einstufen als es die Zeitgenossen taten. Denn nach den antiken Vermögensdimensionen freilich verhielt es sich etwas anders. Auch wenn dies heute schwer nachvollziehbar erscheinen sollte: Die High-Society Roms erreichte bereits am Ende der römischen Republik einen Vermögensstatus, der proportional auf heutige Verhältnisse umgerechnet, selbst von heutigen Reichen nur schwer erreicht werden könnte. Ein Wohlstandsverhältnis, das sich im Laufe der Kaiserzeit noch deutlich steigern sollte. Nach diesen antiken Maßstäben, und nur nach diesen, war Marcus Tullius Cicero im sozialen Ranking sicher ziemlich weit unten anzusiedeln… und das bekam er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu spüren. Meines Erachtens hat Harris gerade in der Beachtung dieser in historischen Darstellungen über Cicero zumeist vergessenen Hürde aus ungerechter Benachteiligung und gemeiner bis verletzender Demütigungen, die Ciceros Weg sicherlich pflasterten, sein besonderes schriftstellerisches Einfühlungsvermögen bewiesen.
Der steile und nicht minder beschwerliche Aufstieg des hochbegabten Cicero, der sich gegen den bis heute gültigen Grundsatz zu behaupten hatte, dass gute Beziehungen mehr wert sind als gute Bildung, steht im Mittelpunkt des ersten Bandes. Zeitlich gesehen bewegen wir uns von Ciceros Karrierebeginn bis zu dessen Prätur, die bereits unter jenen Vorzeichen steht, die sein späteres Konsulat prägen werden. Bemerkenswerter Weise sind wir gerade über diesen harten Weg Ciceros durch die römische Ämterlaufbahn, den cursus honorum, quellenmäßig schlechter unterrichtet, als wir dies von der bestdokumentiertesten Persönlichkeit der Antike erwarten würden. Auch von Cicero selbst erfahren wir hier nur wenige Informationen, die einen Blick hinter die Kulissen gestatten würden.
Und gerade hier setzt Robert Harris mit dem ganzen Schatz seiner reichen und einfühlsamen Imaginationskraft ein, um seine Leser in eine längst vergangene Epoche zu entführen. Heute in Biographien und Geschichtsbüchern zentrale Ereignisse drängt er eher als Rahmenbedingungen in den Hintergrund. Eine historisch gesicherte, jedoch leider verschollene Biographie Tiros über Cicero bildet den äußerst geschickten Rahmen, mit dem Harris die Hürde eines direkten Vergleichs mit Ciceros Fähigkeiten umschifft. Die literarische und intellektuelle Spurtiefe, die Cicero hinterlassen hat, ist zu gewaltig, so dass jeder darin unweigerlich zu versinken droht, der in einem Roman darauf angewiesen ist, Cicero nicht allein in Handlungen und Gesten zum Leben zu erwecken, sondern ihn auch in Worten sprechen zu lassen. Auch wenn der Leser während der Lektüre spannender Lesestunden das Gefühl unmittelbaren Beobachtens historischer und weniger historischer Ereignisse vermittelt bekommt, so erlebt er nie unmittelbare Zeitzeugenschaft, sondern blickt durch die um Jahrzehnte zeitversetzte und den Prozess des Alterns gereifte Erinnerung des alten Tiro: „Die Alten leben von der Luft, und ich bin sehr alt – fast hundert, heißt es“ (S. 11). Das Intro eines altersschwachen Erzählers an der Schwelle zum Tod erinnert deutlich an die berühmte Vorlage von Robert von Ranke-Graves Roman „I Claudius / Ich Claudius Kaiser und Gott“. Mit diesem geschickten Kunstgriff und einem sehr starken Auftakt taucht Robert Harris gemeinsam mit dem Leser in das erste Jahrhundert vor Christus ein. Wie bereits angedeutet besteht Harris´ literarische Leistung nicht in der Schilderung historischer Korrektheiten, sondern in dem Ausfüllen der Lücken. Jede Gestalt erhält bei ihm eine eigene Charakterisierung, ob es der abgerissene und ungepflegte Cato ist, der etwas schwerfällige Bruder Quintus, der lauernd-dämonische Catilina (leider zeigt sich Harris hier zu wenig differenziert in der dämonisiert überzeichneten Überlieferung dieses politischen Hasardeurs) oder die starke wie spitzzüngige Terentia, mit der Cicero eine durchaus turbulente Ehe führt. Im Zentrum steht natürlich der strahlende und gutaussehende Cicero, der Inbegriff eines aufsteigenden Stars. Wir erleben ihn in der Imagepflege während der morgendlichen Salutatio mit seinem Töchterchen Tullia, wir leiden mit ihm in den Intrigen und Demütigungen einer neidischen und arroganten Oberschicht, die in einem undurchdringlichen Geflecht aus Intrigen und Patronage allein wegen seiner sozialen Unzulänglichkeit ihren Schulterschluss findet, ihn schneidet und demütigt so gut es geht, wir lauschen den Beratungen und Strategie-Entwicklungen im engsten Freundes- und Familienkreis und erleben bisweilen auch seine vollkommene Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit gegenüber Alltäglichkeiten, wie etwa bei Terentias Entbindung vom kleinen Marcus.
Manches an Cicero wirkt bei Robert Harris etwas zu modern geraten, erinnert auffällig an die Anwaltsgestalten und Handlungsstränge bei John Grisham, dennoch:
Es ist nicht der Gigant Cicero, den er uns selbst in seinen überlieferten Reden und Schriften zu vermitteln sucht, es ist auch nicht der tönerne Riese Cicero, der uns in seinen erhaltenen Briefen tiefer blicken lässt und der Petrarca so sehr enttäuschte. Es ist eine Mischung aus beidem und noch viel mehr. Es ist das Bild eines Mannes, dessen Weg durch hohe Begabung und eisernen Willen geebnet wird, der vom Schicksal gekost Momente höchsten Glückes, höchster Befriedigung und höchsten Triumphes in gleicher Weise durchlebt, wie vom Schicksal gepeitscht die finstersten Talsohlen von Demütigungen, Rückschlägen und Unsicherheiten durchzuhalten hat. Es ist das Leben eines Menschen in allen seinen Facetten, es ist Marcus Tullius Cicero.

Andrea Schütze, lupa-romana.de
Wolfgang zu »Robert Harris: Imperium« 07.10.2009
Ich habe selbst das Buch gelesen, es war am anfang recht langweilig weil ich mich mit der Materie Politik noch nie befasst habe, doch jetzt da ich es gelesen habe bin ich begeistert von der Politik!
Dieses Buch ist ein muss für alle die gern lesen, und gehört in jeden Schrank von denen die sich zu gebildeten Menschen zählen. Dieses Buch gibt eine Vorstellung wie Macht-Politik ist. Wie ein Mann der nicht der beste Redner war am anfang, und dann doch zu dem würde was er auch heute noch ist, ein Vorbild.
pescheg zu »Robert Harris: Imperium« 09.10.2008
«Imperium» von Robert Harris folgt den Spuren Ciceros aus der Sicht seines Sklaven Tiro und gibt Einblick in das politische System und die Machtspiele des alten Rom. Unter dem Eindruck von «Vaterland» und «Pompeji» hatte ich etwas mehr Tempo und Action erwartet. Die Handlung kommt aber nur langsam in Gang und die Spannung liegt einzig in der politischen Auseinandersetzung und den Ränkespielen der Protagonisten.

Der Bezug zur heutigen Politik – vor allem derjenigen der USA – ist offensichtlich. So wird eindrücklich gezeigt, wie wenig sich der (Macht-)Mensch in den letzten rund 2000 Jahren verändert hat. Desillusionierend. Wer spannende Unterhaltung will, dem sei eher «Pompeji» empfohlen. Wer jedoch lebendigen Geschichtsunterricht sucht, sich für Politik interessiert und die kleine Anstrengung nicht scheut, der soll sich freudig hinter «Imperium» klemmen.
Mac zu »Robert Harris: Imperium« 04.04.2008
ich habe "imperium" eben zu Ende gelesen, und bin begeistert! Authentisch erzählt aus der Sicht des Sklaven Tiro. Man erfährt allerlei wissenswertes und interessantes über das politische Treiben der römischen Republik, besonders über Crassus, Pompeius und den jungen Ceasar. Gar kein so großer Unterschied zu heute, außer das unsere heutigen "Senatoren" Anzug und Krawatte tragen und keine Weißen Togas.
Eine Zeitreise, die überzeugt. Wie Cicero im laufe des Buches einst sagte: "Wie kann man Politik langweilig finden? Da kann man gleich sagen das LEBEN sei langweilig!" und wenn man dieses Buch liest, wird man ihm Recht geben.
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