Und das Meer gab seine Toten wieder von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008 bei Edition Nautilus.
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Hamburg: Edition Nautilus, 2008.
ISBN:
978-3894015749. 224 Seiten.
'Und das Meer gab seine Toten wieder' ist erschienen als
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In Kürze:
Zwei Polizistinnen sind angeblich freiwillig in den Tod gegangen. Hielten sie die Machtkämpfe innerhalb der »Weiblichen Kriminalpolizei« nicht aus oder wurden sie ermordet? Die aufgeladene politische Situation Anfang der 30er Jahre macht die Nachforschungen von Jennifer Stevenson, die die Hintergründe des Polizeiskandals aufklären will, zu einer bedrohlichen Angelegenheit.Josephine Erkens, die Leiterin der»Weiblichen Kriminalpolizei«in Hamburg, wurde vom Dienst suspendiert, ihre Abteilung wurde aufgelöst. Sie soll für den gemeinsamen Selbstmord ihrer beiden Mitarbeiterinnen verantwortlich sein, die tot am Strand der Nordseeinsel Pellworm aufgefunden wurden. In diese Atmosphäre des Misstrauens und der Intrigen, verstärkt durch die politischen Unruhen zu Beginn der30er Jahre, gerät die britische Kriminalbeamtin Jennifer Stevenson. Sie will im Auftrag der»International Association of Policewomen«Näheres über den Skandal herausfinden. Aber es scheint unmöglich, das Meer an Gerüchten zu durchdringen, das die umstrittene Leiterin und ihre beiden angeblichen Opfer umgibt – bis Stevenson die angriffslustige Journalistin Klara Schindler trifft. Ihre Nachforschungen und ihre Bekanntschaft mit der extravaganten Kommunistin Schindler werden nicht gern gesehen und schon bald fühlt sich Jennifer Stevenson bedroht.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Hamburger Polizeiskandal«
Krimi-Rezension von Thomas Kürten überspringen
Es ist einer dieser Romane, die auf den ersten Blick nichts oder zumindest nicht viel versprechen. Ein langweiliges Cover, ein verstaubter Titel. Eben eines dieser Bücher, die erst mal auf dem Stapel »irgendwann mal, später« landen. Doch die Qualitäten, mit denen Robert Brack seinen Roman Und das Meer gab seine Toten wieder gespickt hat, sind eben nicht durch einen solchen ersten, oberflächlichen Eindruck zu entdecken. Und während der Prolog wohl die schlimmsten Befürchtungen wahr werden zu lassen droht, entwickelt sich ab Kapitel 1 eine durchweg spannende und beklemmende Aufarbeitung Hamburger und auch Deutscher Geschichte.
März 1932: Jenny Stevenson ist als Abgesandte der International Policewoman’s Association von London nach Hamburg gereist. Hier wurde gerade die »Weibliche Kriminalpolizei« unter der Leitung von Josephine Erkens aufgelöst. Erkens selber muss sich vor einem Disziplinarausschuss verantworten, da ihr diverse Verfehlungen vorgeworfen werden. Und da Frau Erkens eine international anerkannte Pionierin auf dem Gebiet der weiblichen Polizeiarbeit ist, soll Jenny ihr Beistand leisten und Licht hinter die Umstände bringen, die Frau Erkens in die missliche Lage erst gebracht haben. Doch Frau Erkens befindet sich im Hungerstreik und Jenny wird vorerst nicht zu ihr vorgelassen.
Selbstmord oder Mord?
Thesy Dopfer und Maria Fischer waren Kriminalbeamtinnen unter Frau Erkens. Beide wurden im Juli 1931 auf der Nordseeinsel Pellworm tot aufgefunden. Von ihrer Chefin in den Freitod getrieben? Oder Opfer von politischen Ränkespielen in den Reihen der obersten Polizeidirektion? Es sind schwere politische Zeiten in Deutschland, in denen die Sozialdemokraten zwar noch Schlüsselämter in der Verwaltung inne haben, sich aber zusehends von radikalen Gruppierungen auf dem linken wie rechten Flügel der politischen Parteienlandschaft in die Zange genommen sehen.
Gerade diese politischen Verhältnisse bringt der Autor glänzend in seiner Erzählung unter. Mit Jenny Stevenson wird eine Außenstehende, eine Britin zu einer Zeugin der haarsträubenden innenpolitischen Verhältnisse. Sie erlebt eine Polizei, die nicht aufklären, sondern verdecken will. Sie erlebt harsche Interessenkonflikte, Überwachung und Einschüchterung. Beklemmend, wie sie sich im Deutschland unmittelbar vor der Nazi-Ära bereits jedes weiteren Schrittes und der darin lauernden Gefahr bewusst sein muss. Bedrückend, wie der Polizeiapparat von politischen Interessen zerfressen wird, sich selbst lähmt.
Geschichtsaufarbeitung
Der Roman beruht auf einem authentischen Fall, über den jedoch nur lückenhafte historische Aufzeichnungen bestehen. Robert Brack bietet mit seinem Roman eine Deutung der vorhandenen Fakten an. Wichtiger als die tatsächliche Aufklärung bleibt jedoch die auf jeder Seite spürbare innenpolitische Bedrohung, jenes Damoklesschwert des Nationalsozialismus, das bereits über Deutschland schwebte. Bracks Roman ist spannender und anschaulicher als jeder Geschichtsunterricht. Es braucht nicht viel für den Autor, um das Leben und die Stimmung der Bevölkerung in Hamburg, auf St. Pauli, aber auch auf der rauen Insel Pellworm zu Beginn der 1930er Jahre packend zu schildern. Geschenkt, dass die Vorgehensweise von Jenny Stevenson mitunter äußerst konfus und unbedarft erscheint. Und das Meer gab seine Toten wieder gehört zu den Höhepunkten im deutschen Krimijahr 2008.
Thomas Kürten, Januar 2009
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| Jürgen zu »Robert Brack: Und das Meer gab seine Toten wieder« | 19.12.2010 |
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