Dampfnudelblues von Rita Falk

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei dtv.

  • München: dtv, 2011. ISBN: 978-3423248501. 240 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audio Verlag, 2011. Gesprochen von Christian Tramitz. ISBN: 3862310450. 4 CDs.

'Dampfnudelblues' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

»›Stirb, du Sau!‹, prangt es in roter Farbe von Höpfls Haus. Der Dienststellenleiter von der PI Landshut ruft an: Realschulrektor Höpfl ist nicht zum Unterricht erschienen. Ich soll da jetzt mal hinfahren und nachsehen. ›Stirb, du Sau!‹, schießt es mir durch den Kopf. Und ich ahne nix Gutes.«

Das meint Krimi-Couch.de: »A rechter Schmarrn«

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Der Dampfnudel-Blues könnte auch »Die Albernheiten des Franz Eberhofer« heißen und ein Stück aus dem Komödiantenstadl sein. Sollten der Vorgänger Winterkartoffelknödel und das im Herbst drohende Schweinskopf al dente ähnlichen Kalibers sein, dann hat Autorin Rita Falk im Krimi-Genre nichts zu suchen und sollte schnellstens ihren Platz auf der Krimi-Couch räumen. Das würde den Rezensenten auch von der undankbaren Aufgabe entbinden, über diesen Schmarrn wohlfeile Worte zu finden. Aber wenn´s denn sein muss.

Ein Titel wie Dampfnudel-Blues sollte eigentlich als Warnhinweis ausreichen, dass mit einem ernstgemeinten Krimi nicht zu rechnen ist. Aber auch Krimi-Parodien haben durchaus ihren Reiz und können recht unterhaltsam sein. Erwartet und unerwartet ist der Dampfnudel-Blues weder das eine noch das andere, sondern seichte Unterhaltung (das Wort Literatur kommt mir nicht in die Tastatur) in bayrischer Mundart ohne Dialekt, so dass es auch nördlich des Weißwurstäquators verstanden werden kann, wenn es denn etwas zu verstehen gibt.

In Dampfnudel-Blues erzählt der Eberhofer Franz, der unglücklicherweise Polizist ist, aus seinem ereignislosen Leben, das zwischen Mahlzeit und Brotzeit, zwischen Bett und Büro pendelt und einen ekstatischen Höhepunkt beim Feierabendbier in der Dorfkneipe findet. Als hätte er nicht schon genug Stress am Hals, wird doch glatt der Rektor der Realschule umgebracht. Aber der war wirklich ein Garstiger. Wie das wohl in Niederbayern so üblich ist, kümmert sich nicht eine Mordkommission um den Fall, sondern der jeweilige Dorfpolizist, also der Franz. Der hat eh von Nichts eine Ahnung, deshalb versucht er es halt mit seinen beschränkten Mitteln, in steter Hoffnung, dass dem Täter sein schlechtes Gewissen so sehr drückt, dass er sich hoffentlich selber stellt. Ob der das tut oder nicht, wird natürlich nicht verraten. Wenden wir uns lieber der einzig spannenden Frage zu. Nein, nein, nicht was am Abend auf den Tisch kommt, sondern kriegt der Franz am Ende seine Susi, denn die hat Reißaus vor ihm genommen. (Wer könnte sie nicht verstehen).

Geschmäcker sind verschieden und darüber streiten kann man auch nicht. Die viel zitierten Binsenweisheiten treffen umso mehr auf den Humor zu. Wir möchten dem Kollegen Franßen, der den Winterkartoffelknödel" besprochen hat, gerne glauben, dass er dort bissigen Witz und leicht anarchischen Humor entdeckt habe, nur im Dampfnudel-Blues ist nichts davon zu lesen. Sollte die Autorin ihr humoristisches Feuerwerk schon im ersten Teil abgebrannt haben? Nichts davon, wenn man die vielen begeisterten Leserkommentare anderswo berücksichtigt. Es muss am Rezensenten liegen, der, wie man munkeln hört, auch fast alle deutschen Comedians zum Kotzen findet. Der wendet jetzt ein, das es hier auf der Krimi-Couch doch um Krimis geht und nicht um Quatsch-Comedy à la Ätzend Schröder. Platte Witzchen erzählen – gut und schön – aber bitte woanders.

Wenn ihm schon die Geschichte selbst kein Lächeln abringen konnte, so hat der Rezensent sich wenigstens über das angehängte Glossar und über Omas Rezepte köstlich amüsiert. Das 19-Wörter-Glossar verklärt u.a. so ur-bayrische Begriffe wie Kelly Family oder Schniedl in der romaneigenen Schlichtheit, dass man eigentlich wieder ein Glossar bräuchte. …aber lassen wir das. Durch Schlichtheit zeichnen sich auch Omas Rezepte aus, die ohne weiteres aus der Hand eines Gourmetkoches, wenn nicht gar aus Dr. Oetkers Kochbuch für Anfänger stammen könnten. Das ist ein Surplus, das jeden Euro mehr für das Softcover rechtfertigt.

Dampfnudel-Blues ist als großformatiges Softcover (Klappenbroschur) zu erwerben. Schon die äußere Gestaltung des Buches lässt auf ein folkloristisch heiteres Interieur schließen. Es verwundert nur ein bisschen, dass der Deutsche Taschenbuch-Verlag (dtv) dafür seine Premium-Serie desavouiert, die bisher auch für inhaltliche Qualität stand. Aber Akzeptanz und Verkaufszahlen geben dem Verlag im Nachhinein Recht. Was macht es schon, dass das Krimigenre mit solchen Machwerken weiter in Verruf gebracht wird. Profit ist heute. Und Dampfnudeln muss man essen, solange sie heiß sind – sonst bekommt man den Blues.

Frau Falks Speisekarte lässt einiges zu wünschen übrig. Das Angebotene ist selbst bei unterkühlten 5° kaum genießbar, deshalb sollten alle Krimi-Gourmets die Finger davon lassen.

Jürgen Priester, Juni 2011

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Ursula Schmitz Dipl.-Kfm zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 18.04.2012
Ich lese langsam und habe trotzdem in der Mitte nochmals angefangen. Wer einen Krimi will oder ein Buch zum Überfliegen sucht, hat den Sinn nicht verstanden. Für meine Begriffe bei aller augenscheinlichen Blödelei eine hochprofessionelle Schreibkunst. Der Witz liegt in den kleinen, oft beiläufigen Formulierungen, die erst beim Nach-Denken zu Tage treten. Das ist banaler Alltag hautnah formuliert. Wer kann das schon so treffend! Man sieht die handelnden Figuren , als wenn sie in der Stube säßen.
Schnagg zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 04.02.2012
"Dampfnudelblues" hat mit seiner Mordgeschichte zwar keinesfalls anknüpfen können an "Winterkartoffelknödel", jedoch führte die Autorin mit Witz & Charme durch die Lektüre. Die "alten" Bekannten waren wieder zugegen u. man musste oftmals schmunzeln. Wer einen Krimi mit Gänsehautfaktor oder irrsinniger Spannung sucht ist hier fehl am Platz. Wer jedoch etwas zum schmunzeln möchte u. gegen ein paar Lacher nichts einzuwenden hat ist hier gut aufgehoben. Ich bin nun auf Schweinskopf al dente gespannt u. hoffe der Mordfall an sich wird wieder etwas spannender. Die Geschichten um die Dorfbewohner sind ja stets amüsant. Natürlich möchte man auch wissen wie es mit Susi weitergeht :-) Fazit: Ein humorvoller Krimi der gute Laune macht.
fridolinie zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 28.01.2012
Das Buch "Winterkartoffelknödel" habe ich nach wenigen Seiten in die Ecke gelegt - der Stil war mir denn doch zu einfach. Dann legte mir jemand das HÖRBUCH nahe. Und das fand ich dann köstlich. Den Dampfnudelblues habe ich mir folgerichtig gleich als Hörbuch besorgt und bin wieder begeistert. Wieder wunderbar gelesen - wie er sich über die Susi aufregt! Frau muss einfach grinsen.
OK, es ist kein Kriminalroman, der einem die Gänsehaut den Rücken hinunter treibt, aber muss das denn immer sein? Die ach so hoch gelobten Kobr/Klüpfel-Krimis tun das auch nicht.
Wer reisserische Spannung sucht, wird hier wie dort enttäuscht sein. Wer aber auch einmal schmunzeln will, sollte es sich nicht entgehen lassen. Aber bitte als Hörbuch.
hanna wild zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 27.01.2012
wunderbar bairisch ist die sprache der rita falk und des traumatisierten franz eberhofers!der humor ist psychologisch vom feinsten!
es braucht eine frau, die sich in das brutale dorfleben im tiefsten niederbayern so dermaßen gut einfühlen kann. natürlich ist das für zugereiste nichtbayern schwer verdaulich weil das verständnis fehlt für das unausgesprochene, das zwischen den zeilen steht. das ist halt nur für eingeborene zu erspüren:-)
Daniela zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 05.01.2012
Schon Rita Falks Krimidebut mit "Winterkartoffelknödel" habe ich an einem Tag geradezu verschlungen. Nicht anders ging es mir mit ihrem neuen Buch "Dampfnudelblues". Nach der langen Wartezeit bis zur Veröffentlichung war ich geradezu süchtig den Krimi zu lesen und mich in die urbayrische Welt des grantigen Franz Eberhofers zu vertiefen.

Was die Welt um die eigentliche Krimigeschichte angeht, hat mich Rita Falk auch diesmal keineswegs enttäuscht. Mit viel Witz und Charme erlebt der Leser wieder die typischen Dorfcharaktere, die man schon aus dem ersten Band kennt. Da gibt es die schwerhörige Oma von Franz, die so gut kochen kann, den gehassten Bruder, der nun die Uschi - oder auch Sushi genannt - als Tochter hat. Den Beatles hörenden Vater, den Freund Rudi, der beim Ermitteln hilft wo er nur kann, die Stammtische im Dorflokal oder auch die Beziehung zur Susi. Bei all diesen so typisch bayrischen Charakteren bleibt das Schmunzeln beim Lesen nicht aus und es kommt keine Langeweile beim Lesen auf.

Warum ich diesem Buch allerdings keine volle Punktzahl für die Bewertung geben kann, liegt an der etwas mauen Kriminalgeschichte. Auch wenn die eigentliche Mordgeschichte bei diesem Buch nicht die Hauptrolle spielt, fand ich die Idee und Auflösung des Mordfalls ein bisschen zu flach: der unbeliebte Lehrer in Niederkaltenkirchen findet sein Haus mit den Worten "Stirb Du Sau" beschmiert vor und stirbt ein paar Tage später. Verdächtige gibt es genug, findet man doch niemandem im Dorf, der den Lehrer mochte. Doch Franz Eberhofer schafft es auch diesmal mit viel Witz und Charme den Fall zu lösen. Ob die Idee und der Ausgang des Mordfalls dabei realistisch sind, spielt daher auch keine so große Rolle.

Wer also Bayern und seine kulinarischen Schmankerl mag, auf ländlichen Witz und Charme steht, sowie gern Krimiliteratur liest, der kann mit dem Kauf dieses Buches nichts falsch machen.
Helga Wienhold zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 12.09.2011
Liebe Rita Falk!

Einfach wunderbar unterhaltsam Ihre Bücher!
Ich hoffe, es geht mit Franz und Susi weiter..?!
Luca Toni könnte ja schwul werden oder an einer Nudel verrecken. Das würde Franz bestimmt gefallen!! Einwandfrei..!

Ich freue mich schon auf das dritte Buch.

Herzlichen Gruß aus Hamburg
Helga Wienhold :-D
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
anyways zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 22.08.2011
Erst wird auf den allseits unbeliebten Rektor der kleinen Kaltenkirchener Schule ein fieser Farbanschlag auf die bis dato schneeweiße Fassade seines Heimes verübt, und dann wird derselbige ein paar tage später via Zug aus dem Leben gefahren.

Nun hat Kaltenkirchens Dorfsheriff Eberhofer alle Hände voll zu tun, denn nicht nur der Unfall des Rektors muss aufgeklärt werden, nein nebenbei muss sich Eberhofer noch um die bucklige Verwandtschaft, allen voran sein ungeliebter Bruder und dessen Frau und Tochter, kümmern. Zu allem Übel streicht auch seine Langzeitfreundin Susi die Segel und brennt samt italienischem Lover durch. Ein Glück das er noch ein paar freunde und seinen Hund hat….und natürlich Oma und deren legendären Kochkünste, wenn sie gut gelaunt ist.



Die Autorin zeichnet einen wirklich schrulligen Dorfmacho der trotz seiner Eigenarten bzgl. Des weiblichen Geschlechts sympathisch wirkt.

Lustige Anekdoten, wie die Streitschlichtung wegen einem Außenthermometers, und allein die Mundart lassen einen oft schmunzeln. Lokalkolorit, Lebens- und Denkweisen der Dorfgemeinschaft sind fabelhaft skurril wiedergegeben. Ein wunderbar kurzweiliger Krimi der durchaus Kultstatus erlangen kann. Einfach weil er sich von der Masse abhebt. Die Rezepte und Erklärungen typisch gebräuchlicher Floskeln am Ende des Buches werten es noch zusätzlich auf. Hier bin ich jetzt schon gespannt auf den nächsten Fall.
5 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Chris zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 11.08.2011
Kurz und knapp:
Mir hat das Buch "saugut" gefallen. Eine wunderbare Gelegenheit einmal die Seele baumeln zu lassen und abzuspannen. Laut zu Lachen ist für mich ohnehin der beste Begleiter durch mein Leben und hierzu habe ich in beiden Büchern von Rita Flak bisher ausreichen Gelegenheit gehabt.
Aus diesem Grund kann ich die Rezension von Jürgen Priester auch nicht teilen. Ganz im Gegenteil. Ich empfinde für diesen Text genau die gleichen Gefühle, wie Hr. Priester für das Buch.
Ich hoffe, dies durfte noch schreiben ohne gleich von der hocheiligen Rezendentenschar auch noch verrissen zu werden.
7 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 22.07.2011
Zum Glück habe ich mich nicht von den schlappen 5° verleiten lassen, einen Bogen um das Hörbuch zu machen.

Auf die Handlung einzugehen erübrigt sich, da meine Vorschreiber/innen schon alles gesagt haben. Klar gibt es Krimis mit erheblich stärkerer Handlung, aber nur wenige, die einem spontan die Lachtränen in die Augen treiben. Voraussetzung natürlich, man hält dieses Werk für einen Krimi. Wo aber ist da die Grenze?

Dieser "Komödiantenstadl" (Zitat Rezension) wird jedenfalls hervorragend von Christian Tramitz gelesen.

Soll ich mich nun mit dem Drücken der "abschicken"-Taste als Nicht-"Krimi-Gourmet" outen?

Mach' ich und spendiere 89°
11 von 12 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Darix and friends zu »Rita Falk: Dampfnudelblues« 17.07.2011
Ein schnodriger, überzogener Regionalkrimi aus Niederbayern.
Der unbeliebte Schulrektor Höpfl wird ermordet, der „Dorfpolizist Franz E.“ ermittelt im Stile eines amerikanischer Proll-Cops.
Susi, Franz` Freundin verlässt ihn Richtung Italien, sein Bruder Leopold nervt mit seiner kleinen Tochter. Die Oma nötigt ihn zu Schnäppchen Fahrten und fordert ihn auf Susi zurück zu erobern. Insgesamt viel Provinztheater, zusätzlich ein überzogen agierender Dorfpolizist, Niveau wie in einem Film des privaten Vorabend TV, unterdurchschnittlich eben.
Keine Handlung, Blödeleien ersetzen diese. Wem dies reicht der soll die weiteren Bände sich zu Gemüte führen.
Der Resenzion von Jürgen Priester ist nichts hinzu zu fügen, trifft den Kern.
1 von 13 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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