Der Gewinner geht leer aus von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001
unter dem Titel Firebreak,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.
Folge 20 der Parker-Serie.
- New York: Mysterious Press, 2001 unter dem Titel Firebreak. 297 Seiten.
-
Wien: Zsolnay, 2010.
Übersetzt von Dirk van Gunteren.
ISBN:
978-3-552-05497-4. 283 Seiten.
'Der Gewinner geht leer aus' ist erschienen als
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In Kürze:
Parker ist gerade dabei, einen Auftragskiller umzubringen, als er telefonisch ein unwiderstehliches Angebot erhält: Zufällig haben einige Kollegen von ihm bei einem Einbruch in der Luxusjagdhütte eines Dot-Com-Millionärs eine Reihe unschätzbar wertvoller alter Gemälde entdeckt. Die Sache lässt sich gut an, bloß ist Lloyd – als Computercrack unerlässlich für den Job – ein furchtbarer Choleriker. Als dann auch noch die Polizei Wind von den gestohlenen Gemälden bekommt, würde Parker gerne aussteigen, aber da ist es schon zu spät.
Das meint Krimi-Couch.de: »Effizienz ist sein Geschäft«
Krimi-Rezension von Georg Patzer überspringen
Bei einem Wettbewerb um den stärksten Anfang hätte Richard Stark gute Chancen: »Als das Telefon läutete, war Parker gerade in der Garage und brachte einen Mann um.« Ein starker Satz, mit allen Zutaten, die die erfolgreiche Serie um den vornamenlosen Profiverbrecher Parker, der es doch nie schafft, die richtigen Mitarbeiter um sich zu scharen, auszeichnet: eine starke, stringente Handlung, dosierte Gewalt, eine lakonische Sprache und einen zurückhaltenden, sarkastischen Humor. Damit ist der amerikanische Krimiautor Donald E. Westlake, wie Richard Stark wirklich ist, berühmt geworden. Der Zsolnay Verlag hat ihn jetzt wiederentdeckt und bringt die Serie in bunter Reihenfolge auf Deutsch heraus.
Und auch wenn die Ingredienzien immer gleich bleiben und auch die Handlung sich doch ein wenig ähnelt: Es macht immer wieder Spaß, seine klug komponierten, gradlinigen Krimis zu lesen. Denn sie sind ein wunderbares Gegengift zu den überladenen, grübeldüsteren Schwedenkrimis und den platten, holzhammerwitzigen und meist schlecht geschriebenen Erzeugnissen der Regionalkrimiindustrie, mit denen die Verlage uns derzeit überschwemmen.
Dabei werden Parker und seine ganz besondere Psychologie gerade durch die Lakonie ganz besonders deutlich. Auch im neuen Fall, dessen Anfang ihn gerade beim Mord unterbrach: »Ralph und ich hätten vielleicht was«, sagte Elkins. Zweigleisig geht die Geschichte bis zum Schluss weiter, denn der Anruf hatte nichts mit dem Eindringling zu tun: Der war ein Profikiller, der ihm von einigen Leuten auf den Hals geschickt wurde, die sich an ihm rächen wollen. Bei Elkins’ Vorschlag aber geht es um einen Gemäldediebstahl, bei dem noch jemand gebraucht wurde.
Und natürlich geht auch hier nicht alles glatt, obwohl doch alles so gut vorbereitet wurde. Denn die Parker-Krimis scheinen immer auch eine Vorlesung in Chaos-Theorie zu sein, frei nach Murphys Gesetz: Was schief gehen kann, geht auch schief. Parker nämlich ist der Profi, es sind die anderen, an denen die Coups immer wieder scheitern. Während Parker auch auf Unvorhergesehenes angemessen reagiert, Gefühle spielen dabei keine Rolle, sondern die Effizienz seines Geschäfts. Den Profikiller bringt er also um, denn der würde doch nur wiederkommen und lästig sein; ein älteres Ehepaar, das in den Mord an ihn verwickelt wird, verschont er – es bringt ihm nichts, wenn sie umbringt. So pragmatisch ist Parker.
Nicht nur bei der Rache, sondern vor allem bei seinem »Beruf«, dem Gemälderaub nahe der kanadischen Grenze, bei dem die Banditen mit viel Technik in ein einsam gelegenes Haus einbrechen wollen, aber am Schluss doch wieder mit so viel Durcheinander konfrontiert werden, wo ihnen alte Kumpane in die Quere kommen, die nicht leer ausgehen wollen, und mehr Polizei als sie geahnt hatten.
Es ist immer wieder eine Freude, Richard Starks sorgfältig komponierte, stringente und mit einem Schuss trockenen Witz gewürzte Krimis zu lesen. Wie schön, dass der Zsolnay Verlag diese Perlen wieder ausgegraben hat.
Georg Patzer, April 2010
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